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The Chemical Brothers sind ein britisches Elektronik-Duo, bestehend aus Tom Rowlands und Ed Simons, das sich an der Wende von den 1980er- zu den 1990er-Jahren in Manchester formierte. Ihre Musik verbindet Big Beat, Breakbeat, Acid House, Techno, House, Hip-Hop, Psychedelia und Elemente der Rockmusik. Gemeinsam mit mehreren anderen britischen Projekten dieser Ära spielten sie eine entscheidende Rolle dabei, die schwere Breakbeat-Elektronik der 1990er-Jahre von einem Clubphänomen zu Musik für große Festivals, Albumcharts und Konzertarenen zu entwickeln.
Die Besonderheit von The Chemical Brothers liegt nicht nur in ihren charakteristischen übersteuerten Breakbeats. Über Jahrzehnte entwickelten Rowlands und Simons eine deutlich breitere musikalische Sprache — von hypnotischem Acid und instrumentalem Techno bis zu beinahe klassischen Popsongs mit Noel Gallagher, Q-Tip, Bernard Sumner, Beth Orton, Beck, Aurora und weiteren Sängerinnen und Sängern. Ihre Diskografie umfasst zehn Studioalben, von denen sechs die britischen Charts anführten, während die Recording Academy der Gruppe sechs Grammy Awards verlieh.
Manchester, Universität und Musik zwischen Hip-Hop und Rave
Tom Rowlands und Ed Simons lernten sich 1989 an der University of Manchester kennen, wo beide Geschichte studierten. Manchester gehörte damals zu den wichtigsten Zentren der britischen Clubrevolution: Acid House und Rave veränderten bereits das Nachtleben der Stadt, während die Haçienda weiterhin zu den wichtigsten Orten der neuen Dance-Kultur zählte. Der Wunsch, Teil dieses musikalischen Umfelds zu werden, war einer der Gründe, weshalb Rowlands Manchester auswählte.
Die späteren Chemical Brothers verband nicht nur ein einzelner Stil. Sie hörten amerikanischen Hip-Hop, House, Techno, Acid und britische alternative Musik und mochten besonders Aufnahmen, bei denen ein kraftvoller Break oder ein ungewöhnliches Geräusch zum zentralen Ereignis des Tracks wurde.
Anfang der 1990er-Jahre begannen Rowlands und Simons gemeinsam als DJs aufzutreten. Sie mischten Hip-Hop mit Club-Elektronik zu einer Zeit, als diese Verbindung noch keineswegs selbstverständlich war. Weil es zu wenig schwere Instrumentalplatten gab, die ihrem Geschmack entsprachen, entschieden sie sich schließlich, nicht länger nach der passenden Musik zu suchen, sondern sie selbst zu produzieren.
The Dust Brothers und Song to the Siren
Ursprünglich nannten sich die Musiker The Dust Brothers — nach dem amerikanischen Produzentenduo, das unter anderem durch seine Arbeit mit Beastie Boys bekannt war. Unter diesem Namen nahmen sie ihre erste wichtige Komposition Song to the Siren auf.
Der Track erschien 1992 zunächst als unabhängiges White Label. Um die Platte pressen zu lassen, mussten sich die Musiker rund 300 Pfund leihen. Die Aufnahme erregte die Aufmerksamkeit von Andrew Weatherall, der sie regelmäßig in seinen Sets spielte. Danach wurde Song to the Siren vom Label Junior Boy's Own übernommen und 1993 neu veröffentlicht.
Die frühe Musik des Duos enthielt bereits fast alle Elemente, die später ihren Stil prägen sollten: Hip-Hop-Breaks, übersteuerte tiefe Frequenzen, Acid-Synthesizer, Samples, psychedelische Effekte und bewusst rohe Dynamik.
Auf Song to the Siren folgten die EPs Fourteenth Century Sky und My Mercury Mouth, während Chemical Beats zu einem der wichtigsten Tracks ihrer frühen Phase wurde. Gleichzeitig arbeiteten Rowlands und Simons intensiv als Remixer, unter anderem für Primal Scream, The Prodigy und weitere Künstler der britischen Szene.
Heavenly Sunday Social und das Aufeinandertreffen von Club- und Rockkultur
Eine besondere Rolle in der Geschichte des Duos spielte die Londoner Party Heavenly Sunday Social, bei der The Dust Brothers 1994 Residents wurden. Sie entwickelte sich zu einem Treffpunkt zwischen elektronischer Szene und britischer Gitarrenmusik. Mitglieder von Oasis, The Charlatans, Manic Street Preachers und anderen Bands tauchten dort auf, während Rowlands und Simons zunehmend auch außerhalb des reinen Clubumfelds als Remixer gefragt waren.
Gerade die Fähigkeit, Kulturen miteinander zu verbinden, die zuvor weitgehend getrennt existiert hatten, wurde später zu einem der Erfolgsfaktoren von The Chemical Brothers. Ihre Musik funktionierte im Rave, doch ihre Härte und körperliche Energie waren auch für ein Rockpublikum unmittelbar verständlich.
Warum The Dust Brothers zu The Chemical Brothers wurden
Mitte der 1990er-Jahre wurde die Verwendung des Namens The Dust Brothers zu einem rechtlichen Problem. Die amerikanischen Produzenten mit demselben Namen drohten dem britischen Duo mit rechtlichen Schritten, sodass Rowlands und Simons gezwungen waren, einen neuen Namen zu wählen.
So entstanden The Chemical Brothers. Der Name bezog sich auf den bereits existierenden Track Chemical Beats, während das Debütalbum den ironischen Titel Exit Planet Dust erhielt — eine Art Abschied vom früheren Namen.
Exit Planet Dust: vom Club-Underground zum Albumformat
Das Debütalbum Exit Planet Dust erschien im Juni 1995. Für Dance Music jener Zeit war bereits der Anspruch bemerkenswert, ein vollständiges Album zu schaffen und nicht bloß eine Folge einzelner Club-Singles.
Auf dem Album standen Leave Home, Chemical Beats, Song to the Siren, Life Is Sweet mit Tim Burgess neben dem atmosphärischen Alive Alone mit Beth Orton. Die erste Hälfte der Platte wirkte beinahe wie ein durchgehender Strom schwerer Clubmusik, während die letzten Stücke eine deutlich melodischere und psychedelischere Seite des Duos zeigten.
Exit Planet Dust erreichte Platz 9 der UK Albums Chart. Für ein Projekt, das nur wenige Jahre zuvor seine White Labels noch selbst hatte pressen lassen, bedeutete ein elektronisches Debütalbum in den britischen Top 10 den Wechsel in eine völlig neue Größenordnung.
Setting Sun und Noel Gallagher
Eines der wichtigsten Ereignisse zwischen dem ersten und zweiten Album war die Zusammenarbeit mit Noel Gallagher von Oasis. Setting Sun erschien 1996 und erreichte Platz eins der UK Singles Chart.
Die Zusammenarbeit war für ihre Zeit symbolisch. Mitte der 1990er-Jahre gehörten britischer Dance und Rock zu den beiden größten Jugendkulturen des Landes, und The Chemical Brothers zeigten, dass zwischen ihnen keine klare Grenze verlaufen musste.
Dig Your Own Hole und der erste Grammy
Das zweite Album Dig Your Own Hole erschien 1997 und wurde zum internationalen Durchbruch von The Chemical Brothers. Es führte die britischen Albumcharts an, während der Eröffnungstrack Block Rockin' Beats ebenfalls Platz eins der UK Singles Chart erreichte. Nach Setting Sun erzielte das Duo damit zwei britische Nummer-eins-Singles in Folge.
Auf dem Album formte sich endgültig der Sound, der später mit dem Begriff Big Beat verbunden wurde: schwere Breakbeats, aggressive Synthesizer, Acid, Hip-Hop-Sampling und die körperliche Energie von Rock.
Gleichzeitig war die Platte keineswegs eintönig. Elektrobank funktionierte beinahe wie ein Sample-getriebener Klangangriff, Where Do I Begin mit Beth Orton entwickelte sich wesentlich ruhiger, während das abschließende The Private Psychedelic Reel in ausgedehnte elektronische Psychedelia überging.
Block Rockin' Beats brachte The Chemical Brothers ihren ersten Grammy — für eine Elektronikgruppe ungewöhnlicherweise in der Kategorie Best Rock Instrumental Performance. Auch Dig Your Own Hole selbst erhielt eine Grammy-Nominierung.
Surrender: Hey Boy Hey Girl und eine neue psychedelische Elektronik
Nach zwei schweren Alben erweiterte das Duo seine musikalische Palette bewusst. Surrender erschien 1999 und erreichte erneut Platz eins der britischen Charts.
Einer der wichtigsten Tracks, Hey Boy Hey Girl, wurde zu einer der bekanntesten Aufnahmen von The Chemical Brothers. Statt eines dominierenden Hip-Hop-Breaks standen hier House, Acid und eine direktere Club-Pulsation stärker im Vordergrund.
Noel Gallagher kehrte für Let Forever Be zurück, während Out of Control Vocals von Bernard Sumner von New Order und Bobby Gillespie von Primal Scream enthielt. Auch Hope Sandoval und Jonathan Donahue wirkten auf dem Album mit. Die Zusammenarbeit mit Sängerinnen und Sängern war damit keine gelegentliche Besonderheit einzelner Singles mehr, sondern wurde zu einer festen Methode der Chemical Brothers.
Im Jahr 2000 erhielt das Duo den Brit Award in der Kategorie Best British Dance Act. Dabei handelte es sich ausdrücklich um die Auszeichnung für den besten britischen Dance-Act und nicht um einen Preis für herausragende Verdienste um die Musik.
Come with Us und Star Guitar
Das vierte Album Come with Us erschien 2002 und wurde zum dritten Studioalbum der Chemical Brothers in Folge, das die britischen Charts anführte.
Zu den bekanntesten Stücken zählen It Began in Afrika, Star Guitar, Come with Us und The Test mit Richard Ashcroft.
Star Guitar nimmt nicht nur in der Musik des Duos, sondern auch in der Geschichte des Musikvideos einen besonderen Platz ein. Regisseur Michel Gondry konstruierte den Clip um eine Zugfahrt: Häuser, Masten, Waggons und andere Objekte außerhalb des Fensters werden visuell mit einzelnen Elementen von Rhythmus und Arrangement synchronisiert.
Diese Zusammenarbeit wurde Teil einer umfassenden visuellen Tradition der Chemical Brothers. Für sie war das Musikvideo fast von Anfang an nicht bloß Illustration eines fertigen Tracks, sondern eine eigenständige Möglichkeit, dessen Struktur sichtbar zu machen.
Push the Button und Galvanize
2005 erschien Push the Button. Die Hauptsingle war Galvanize mit dem Rapper Q-Tip. Der Track verband den charakteristischen Rhythmus der Chemical Brothers mit einem markanten orientalisch geprägten Streicher-Motiv und Rap-Vocals.
Galvanize brachte der Gruppe einen Grammy für Best Dance Recording, während Push the Button in der Kategorie Best Electronic/Dance Album gewann.
Auf demselben Album erschienen außerdem Believe mit Kele Okereke, The Boxer mit Tim Burgess und weitere Tracks, die bestätigten, dass die Chemical Brothers zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr an die Big-Beat-Formel der späten 1990er-Jahre gebunden waren.
We Are the Night und ein weiterer Grammy
We Are the Night erschien 2007 und erreichte erneut Platz eins der UK Albums Chart. Es war damit bereits das fünfte britische Nummer-eins-Studioalbum des Duos in Folge.
Zu den bekanntesten Aufnahmen gehören Do It Again mit Ali Love, Das Spiegel, der Titelsong We Are the Night und das bewusst absurde The Salmon Dance mit Fatlip.
Das Album gewann einen Grammy für Best Electronic/Dance Album. Zu diesem Zeitpunkt war endgültig klar, dass die Chemical Brothers die Ära, mit der sie ursprünglich verbunden worden waren, überlebt hatten: Der kommerzielle Höhepunkt des Begriffs Big Beat lag bereits zurück, während das Duo auch innerhalb einer veränderten elektronischen Szene weiterhin die Charts anführte.
Further: das Album als audiovisuelles Werk
2010 erschien Further. Anders als auf Alben, die stark auf Gastvokalisten setzten, konzentrierten sich Rowlands und Simons hier vor allem auf ihre eigene Studiosprache.
Die acht Tracks bilden eine nahezu durchgehende psychedelische Reise — vom ausgedehnten Escape Velocity bis zu Swoon und Another World. Für jeden Track wurde ein eigener visueller Film produziert, sodass Further als zusammenhängendes audiovisuelles Projekt konzipiert war.
Damit zeigte sich eine Linie, die zu diesem Zeitpunkt bereits zu den wichtigsten Merkmalen der Chemical Brothers gehörte: Musik, Video und Konzert-Szenografie wurden als miteinander verbundene Teile eines einzigen Werkes entwickelt.
Hanna: eine vollständige Arbeit für den Film
2011 komponierten The Chemical Brothers die Musik für den Thriller Hanna von Regisseur Joe Wright. Dabei handelte es sich nicht einfach um die Verwendung einiger vorhandener Stücke in einem Film, sondern um einen vollständig neuen Original-Soundtrack, der speziell für die Produktion geschrieben wurde.
Die Musik verbindet elektronische Rhythmen mit bedrohlich-atmosphärischen Passagen, kindlichen Motiven und stärker filmisch geprägten Instrumentalteilen. Der offizielle Soundtrack enthält Hanna's Theme, Container Park, Escape 700, The Devil Is in the Details und weitere Kompositionen.
Don't Think: das Konzert aus Sicht des Publikums
Ein weiteres wichtiges Projekt war der Konzertfilm Don't Think, inszeniert vom langjährigen visuellen Partner der Gruppe Adam Smith. Das Material wurde während eines Auftritts beim Fuji Rock in Japan aufgenommen und nicht wie eine traditionelle Bühnendokumentation geschnitten, sondern als Versuch, das Erlebnis eines Zuschauers mitten in der Menge zu vermitteln.
2013 erhielt Don't Think als entsprechender Live-Release eine Grammy-Nominierung in der Kategorie Best Dance/Electronic Album.
Born in the Echoes und Ed Simons’ vorübergehende Tourpause
2015 erschien das achte Studioalbum Born in the Echoes. Daran beteiligt waren Q-Tip, St. Vincent, Beck, Cate Le Bon und Ali Love. Zu den wichtigsten Singles gehörten Go, Sometimes I Feel So Deserted, Under Neon Lights und Wide Open.
Während der Arbeit am Album kehrten die Chemical Brothers bewusst zu einem Teil ihres älteren Equipments zurück — Akai-Samplern, MPCs, analogen Synthesizern und anderen Geräten, die bereits auf frühen Platten verwendet worden waren. Rowlands erklärte, das Ziel sei nicht gewesen, die Vergangenheit nachzubilden, sondern übermäßige technische Perfektion zu vermeiden und der Musik wieder mehr Unvorhersehbarkeit zu geben.
Born in the Echoes stieg auf Platz eins der UK Albums Chart ein und wurde zum sechsten britischen Nummer-eins-Album von The Chemical Brothers. Official Charts bezeichnete dies damals als Rekord unter Dance-Acts hinsichtlich der Zahl von Studioalben, die die britischen Charts angeführt hatten.
Im selben Zeitraum zog sich Ed Simons vorübergehend aus einem Teil der Konzerttourneen zurück, um sich stärker auf akademische Arbeit zu konzentrieren. Im Live-Setup wurde er vom langjährigen visuellen Partner Adam Smith ersetzt, während Simons weiterhin gemeinsam mit Rowlands im Studio arbeitete und an DJ-Auftritten teilnahm. Später kehrte er auch zu den Live-Shows zurück.
No Geography: Rückkehr zur Direktheit der frühen Aufnahmen
Das neunte Studioalbum No Geography erschien 2019. Bei seiner Entstehung reduzierte das Duo erneut bewusst das verfügbare Equipment und versuchte spontaner zu arbeiten. Zu den zentralen Tracks gehören Free Yourself, MAH, Got to Keep On, We've Got to Try und Eve of Destruction.
Aurora übernahm den Gesang auf mehreren Tracks, während die japanische Rapperin Nene auf Eve of Destruction zu hören war. Das Album bewahrte einerseits die mechanische Härte der frühen Chemical Brothers, bewegte sich andererseits aber in eine leuchtendere psychedelische House-Richtung.
No Geography wurde zu einem der am stärksten ausgezeichneten Projekte der späteren Karriere der Gruppe. Bei den Grammy Awards 2020 gewann Got to Keep On als Best Dance Recording, während No Geography die Auszeichnung Best Dance/Electronic Album erhielt. Diese beiden Siege erhöhten die Gesamtzahl der Grammys von The Chemical Brothers auf sechs.
For That Beautiful Feeling
Das zehnte Studioalbum For That Beautiful Feeling erschien am 8. September 2023. Entgegen Beschreibungen als überwiegend ambientorientiertes Werk handelt es sich vor allem um eine weitere Variante der für die Chemical Brothers typischen psychedelischen Clubmusik, in der House, Techno, Breakbeat und ungewöhnliche Pop-Melodien fortlaufend ineinander übergehen.
Das Album enthält Live Again mit Halo Maud, No Reason, Goodbye, Fountains, The Weight, Feels Like I'm Dreaming und Skipping Like a Stone mit Beck. Halo Maud übernahm außerdem den Gesang des Titelsongs.
Das Album erhielt bei der Grammy-Verleihung 2024 eine Nominierung in der Kategorie Best Dance/Electronic Album und wurde damit zu einer weiteren von der Recording Academy gewürdigten Veröffentlichung des Duos.
Warum die Chemical Brothers die Big-Beat-Ära überlebt haben
Der Begriff Big Beat eignet sich weiterhin gut zur Beschreibung der Phasen von Exit Planet Dust und Dig Your Own Hole, deckt aber längst nicht mehr die gesamte Musik der Chemical Brothers ab.
Bereits Surrender arbeitete deutlich stärker mit House und Psychedelia; Further existierte beinahe als elektronisches Konzeptalbum; No Geography verband Acid, Techno und Pop-Elemente; und For That Beautiful Feeling zeigte erneut, wie frei das Duo mit seiner eigenen musikalischen Vergangenheit umgeht.
Rowlands beschrieb das kreative Prinzip der Gruppe vergleichsweise einfach: Am meisten interessierten sie ungewöhnliche Klänge und die Möglichkeit, diese in eine Reihenfolge zu bringen, die musikalisch zu funktionieren beginnt. Im Studio verwenden sie weiterhin sowohl moderne Technik als auch alte Synthesizer, Sampler, Drum-Machines und selbst aufgenommene Geräusche.
Vokalisten und Kollaborationen
Ein großer Teil des Katalogs der Chemical Brothers ist instrumental oder basiert auf kurzen Samples, doch die Zusammenarbeit mit Gastvokalisten wurde zu einem wichtigen Merkmal ihrer Alben.
Im Laufe der Jahre nahmen unter anderem Beth Orton, Tim Burgess, Noel Gallagher, Bernard Sumner, Hope Sandoval, Richard Ashcroft, The Flaming Lips, Q-Tip, Kele Okereke, Ali Love, St. Vincent, Beck, Aurora, Halo Maud und weitere Künstler mit dem Duo auf.
Dabei nutzen die Chemical Brothers eine Gaststimme nur selten allein wegen eines bekannten Namens. Rowlands erklärte, eine Zusammenarbeit beginne normalerweise mit echtem Interesse an einem Künstler und dessen besonderer Ausdrucksweise; das Ziel bestehe darin, dass das Ergebnis die ursprüngliche Idee des Tracks verändert.
Die Live-Show von The Chemical Brothers
Die Konzertseite des Projekts entwickelte sich parallel zur Musik. Bereits Anfang der 1990er-Jahre standen Rowlands und Simons mit MPCs, analogen Synthesizern und anderem Studioequipment vor dem Publikum, anstatt sich auf ein gewöhnliches DJ-Set zu beschränken. Rowlands erinnerte sich daran, dass The Chemical Brothers bereits 1994 große amerikanische Raves auf diese Weise spielten.
Später entwickelten sich die Auftritte zu groß angelegten audiovisuellen Produktionen. Eine besondere Rolle bei ihrer Gestaltung spielten Adam Smith und Marcus Lyall, die den visuellen Stil der Live-Show mitentwickelten. Die Musik wird mit eigens produzierten Filmen, Licht, Lasern und großen physischen Bühnenobjekten synchronisiert.
Genau deshalb unterscheidet sich ein Konzert der Chemical Brothers deutlich von einem traditionellen DJ-Auftritt vor einer Videowand. Die visuellen Sequenzen zu Hey Boy Hey Girl, Galvanize, MAH, Wide Open und anderen Stücken existieren als eigenständig erkennbare Elemente der Show und verändern sich gemeinsam mit dem Konzertprogramm.
Musikvideos als Teil der Gruppengeschichte
The Chemical Brothers besitzen einen der bekanntesten Musikvideo-Kataloge der elektronischen Musik. Das Duo arbeitete über viele Jahre mit Regisseuren wie Michel Gondry, Dom & Nic und weiteren Filmemachern zusammen.
Zu den wichtigsten Videos zählen Let Forever Be, Star Guitar, Elektrobank, Believe, The Golden Path, Go, Wide Open, We've Got to Try und Live Again.
Besonders lang war die Zusammenarbeit mit Dom & Nic: Das Video zu Live Again aus dem Jahr 2023 war bereits ihr zehntes gemeinsames Videoprojekt mit den Chemical Brothers.
Grammy Awards und weitere Erfolge
Laut Recording Academy haben The Chemical Brothers 6 Siege bei 15 Grammy-Nominierungen.
- Block Rockin' Beats — Grammy, Best Rock Instrumental Performance;
- Galvanize — Grammy, Best Dance Recording;
- Push the Button — Grammy, Best Electronic/Dance Album;
- We Are the Night — Grammy, Best Electronic/Dance Album;
- Got to Keep On — Grammy, Best Dance Recording;
- No Geography — Grammy, Best Dance/Electronic Album.
In Großbritannien erhielt die Gruppe 2000 den Brit Award als Best British Dance Act.
In der UK Singles Chart erreichte das Duo zweimal Platz eins — mit Setting Sun und Block Rockin' Beats. Sechs Studioalben der Chemical Brothers führten außerdem die UK Albums Chart an: Dig Your Own Hole, Surrender, Come with Us, Push the Button, We Are the Night und Born in the Echoes.
Studio-Diskografie von The Chemical Brothers
- Exit Planet Dust — 1995
- Dig Your Own Hole — 1997
- Surrender — 1999
- Come with Us — 2002
- Push the Button — 2005
- We Are the Night — 2007
- Further — 2010
- Born in the Echoes — 2015
- No Geography — 2019
- For That Beautiful Feeling — 2023
For That Beautiful Feeling ist das zehnte Studioalbum des Duos.
Weitere wichtige Veröffentlichungen
- Brothers Gonna Work It Out — 1998, DJ-Mix;
- Singles 93–03 — 2003, Compilation;
- Brotherhood — 2008, Compilation;
- Hanna — 2011, Original-Soundtrack;
- Don't Think — 2012, audiovisuelles Live-Projekt.
Wichtigste Tracks
Zu den bedeutendsten Aufnahmen von The Chemical Brothers gehören Song to the Siren, Chemical Beats, Leave Home, Setting Sun, Block Rockin' Beats, Elektrobank, Hey Boy Hey Girl, Let Forever Be, Out of Control, Star Guitar, The Golden Path, Galvanize, Believe, Do It Again, Swoon, Go, Wide Open, Free Yourself, Got to Keep On, No Geography, The Darkness That You Fear, No Reason und Live Again.
Im Jahr 2026 erhielt der Katalog der Gruppe eine weitere unerwartete Bestätigung seiner Langlebigkeit: Das ursprünglich 2015 veröffentlichte Go kehrte in die britischen Charts zurück und erreichte nach einem neuen Popularitätsschub eine deutlich höhere Position als beim ursprünglichen Release. Die offizielle Website der Gruppe verwies darauf, dass der Track mehr als zehn Jahre nach seiner Erstveröffentlichung erneut in die oberen Bereiche internationaler Charts zurückgekehrt war.
Die Stellung von The Chemical Brothers in der Geschichte elektronischer Musik
The Chemical Brothers erschienen zu einem Zeitpunkt, als sich die britische Elektronikkultur rasant von kleinen Clubs und illegalen Raves hin zu Festivals, Radio und einem Massenpublikum entwickelte. Ihre Bedeutung lässt sich jedoch kaum darauf reduzieren, sie hätten „Big Beat erfunden“. Der Genrebegriff selbst fasste mehrere sehr unterschiedliche Künstler zusammen, während The Prodigy, Fatboy Slim, Underworld, Orbital und Daft Punk parallel zu Rowlands und Simons jeweils eigene Richtungen entwickelten.
Wichtiger war, wie die Chemical Brothers die Vorstellung davon veränderten, was eine elektronische Gruppe leisten kann. Ihre Alben konnten in allgemeinen Charts mit großen Rock- und Pop-Veröffentlichungen konkurrieren; ein instrumentaler Clubtrack konnte einen Grammy in einer Rock-Kategorie gewinnen; das Konzert eines Elektronikduos konnte zu einer komplexen audiovisuellen Inszenierung werden; und Gaststimmen aus Rock und Hip-Hop konnten Teil einer elektronischen Komposition werden, ohne dass daraus zwangsläufig ein gewöhnlicher Popsong entstand.
Am wichtigsten ist, dass das Projekt seine eigene Epoche überlebt hat. Der Höhepunkt von Big Beat liegt längst in den 1990er-Jahren, während The Chemical Brothers weiterhin Techno, House, Acid, Breakbeat und psychedelische Elektronik aufnahmen, ohne zu einer Gruppe zu werden, die ausschließlich von ihrem klassischen Katalog lebt.
Vom selbst gepressten Song to the Siren bis zu No Geography und For That Beautiful Feeling lässt sich ein konstantes Prinzip erkennen: Rowlands und Simons suchen fortwährend nach körperlich kraftvollen, ungewöhnlichen Klängen, die gleichermaßen überzeugend als Studioexperiment und als Moment kollektiver Energie auf dem Dancefloor funktionieren. Genau diese Fähigkeit — und nicht die Zugehörigkeit zu einem einzelnen Genre — bestimmt den Platz von The Chemical Brothers in der Geschichte moderner elektronischer Musik.








