Solomun - Biografie und Diskografie, alle Alben und Songs

Solomun

Solomun ist der Künstlername des DJs, Produzenten und Labelinhabers Mladen Solomun, eines Musikers, der in den 2010er Jahren eine bedeutende Rolle in der Entwicklung des europäischen House spielte. Er wurde am 27. Dezember 1975 in Travnik im damaligen Jugoslawien geboren und wuchs in Hamburg auf. Solomuns internationale Karriere entwickelte sich gleichzeitig in mehreren Bereichen: mit eigenen Produktionen und Remixen, dem Aufbau des Labels Diynamic Music, langen DJ-Sets und der Residency Solomun +1 im Pacha Ibiza, die im Laufe der Zeit zu einem der bekanntesten Clubformate der Insel wurde.

Solomuns Musik wird meist House, Deep House, Tech House und Melodic House & Techno zugeordnet, doch sein Ansatz war nie auf eine dieser Bezeichnungen beschränkt. In seinen Sets und eigenen Produktionen sind Einflüsse aus Soul, Funk, R&B, Hip-Hop, Disco, Synth-Pop und härterem Techno zu hören. Charakteristisch für ihn sind lange dramaturgische Entwicklungen, ein dichter Bass, melodische Höhepunkte und die Aufmerksamkeit für die emotionale Reaktion des Dancefloors — Eigenschaften, die es Solomun ermöglichten, von der Hamburger Clubszene auf die größten internationalen Bühnen zu wechseln, ohne dabei zu einem typischen Festival-EDM-Künstler zu werden.

Travnik, Hamburg und die ersten musikalischen Eindrücke

Mladen Solomun wurde in Travnik geboren, verbrachte seine Kindheit und Jugend jedoch in Deutschland. Seine Familie lebte in Hamburg und behielt gleichzeitig eine enge Verbindung zum Balkan. Während des Bosnienkriegs Anfang der 1990er Jahre wurde die Wohnung der Familie Solomun in Hamburg zeitweise zum Zuhause für Verwandte, die aus dem Konfliktgebiet flohen. Der Musiker betonte später, dass er zwischen zwei kulturellen Welten aufgewachsen sei und relativ früh gelernt habe, sich auf sich selbst zu verlassen.

Seine erste ernsthafte Begegnung mit Clubmusik fand noch vor seinem jugendlichen Interesse am DJing statt. Solomun erinnerte sich daran, dass ihm ein älterer Cousin im Alter von etwa zwölf Jahren eine Kassette mit Musik aus einem Club schenkte. Bis dahin hatte Mladen hauptsächlich das gehört, was im Radio lief, und die Aufnahme zeigte ihm, dass es eine völlig andere musikalische Welt gab. Er begann sich für Schallplatten, Funk, Soul, R&B, Hip-Hop und Dance-Musik zu interessieren.

Als Jugendlicher besuchte Solomun ein Jugendzentrum, in dem mittwochs kleine Diskotheken veranstaltet wurden. Dort durfte er Platten für die Abende kaufen und bekam nach und nach die Verantwortung für die Musik übertragen. Diese Auftritte vermittelten ihm erstmals ein Gefühl für den Zusammenhang zwischen der Auswahl eines Tracks und der Reaktion der Menschen auf dem Dancefloor. Zu dieser Zeit betrachtete er DJing jedoch noch nicht als zukünftigen Beruf.

Bauarbeit, Film und die Rückkehr zur Musik

Vor seiner professionellen Musikkarriere arbeitete Solomun in einem völlig anderen Umfeld. In jungen Jahren war er im Bauunternehmen seines Vaters tätig und interessierte sich später für Filmproduktion. Gemeinsam mit Freunden gründete Mladen ein kleines Team, das Kurzfilmprojekte drehte, und war mehrere Jahre mit Video und Film verbunden. Diese Erfahrung erwies sich später auch in seiner Musikkarriere als nützlich: Die visuelle Begleitung von Veröffentlichungen und die Arbeit mit Video blieben über viele Jahre ein wichtiger Bestandteil von Solomuns Projekten.

Zur Musik kehrte er schrittweise zurück. Nach einer Party in Hamburg, die sich praktisch in ein spontanes Straßenfest verwandelte, begann Solomun eigene Veranstaltungen zu organisieren und häufiger als DJ aufzulegen. Um selbst Musik produzieren zu lernen, kaufte er einen günstigen Computer und bat einen befreundeten Produzenten aus dem Hip-Hop-Bereich um Hilfe. Zu Beginn dieser Phase waren seine finanziellen Möglichkeiten begrenzt, und seine Auftritte fanden überwiegend in kleinen Hamburger Locations statt.

So entstand ein wichtiger Unterschied zu vielen späteren Karrieren in der elektronischen Musik: Solomun kam nicht als sehr junger Produzent in die Szene, der sofort auf internationale Festivals zielte, sondern als erwachsener Club-DJ, der bereits Erfahrungen in anderen Berufen, in der Organisation von Veranstaltungen und im Beobachten eines Publikums gesammelt hatte. Die Musikproduktion wurde zur Fortsetzung des DJings und nicht umgekehrt.

Diynamic: eine eigene Szene statt der Suche nach einem fremden Label

Mitte der 2000er Jahre hatte sich um Solomun ein Kreis von Musikern und Veranstaltern gebildet, die ähnliche Vorstellungen von House-Musik teilten. Gemeinsam mit Adriano Trolio gründete er in Hamburg Diynamic Music. Das Label nahm 2006 offiziell seine Arbeit auf; zu den Künstlern aus dem frühen Diynamic-Umfeld gehörten H.O.S.H. und Stimming. Der Name ist mit der Idee von DIY — Do It Yourself verbunden, also mit dem Prinzip, eine eigene Plattform zu schaffen, statt ständig auf Unterstützung durch die bestehende Musikindustrie angewiesen zu sein.

Schon vor der Gründung des Labels veranstalteten Solomun und seine Freunde in Hamburg Partys unter dem Namen DIY. Nach Angaben des Musikers entstand die Idee für Diynamic aus dem Wunsch, eigene Musik veröffentlichen zu können, ohne andere Firmen darum bitten zu müssen, das Material anzunehmen. Später entwickelte sich daraus eine ganze Infrastruktur: Label, Tourveranstaltungen, Festivalbühnen und ein Kreis von Künstlern, die nicht nur durch Verträge, sondern auch durch ein gemeinsames Clubumfeld miteinander verbunden waren.

Solomuns erste Veröffentlichungen auf Diynamic erschienen 2006, darunter Solomun EP, Do It Yourself EP, Nachrichten EP und Oelkersallee EP. In den folgenden Jahren veröffentlichte er außerdem auf Dessous, Sonar Kollektiv, Compost, Four:Twenty und weiteren europäischen Labels und wurde zunehmend zu einer bekannten Figur der deutschen House-Szene.

Rund um Diynamic entwickelte sich ein Sound, der in der Musikpresse gelegentlich mit der sogenannten Hamburger Schule des House verbunden wurde: vergleichsweise langsames Tempo, tiefer Bass, warme Synthesizer, melancholische Melodien und ein weniger mechanischer Umgang mit Rhythmus. Neben Solomun gehörten Stimming, H.O.S.H. und Kollektiv Turmstrasse zu den wichtigen Figuren dieser Phase, später auch David August, Adriatique und weitere Künstler.

Dance Baby — das erste Album

Im Oktober 2009 veröffentlichte Solomun sein Debütalbum Dance Baby auf Diynamic. Das Album bestand aus elf Tracks und fasste mehrere Jahre seiner Arbeit im europäischen Deep House und Tech House zusammen. Im Gegensatz zu Solomuns späterer Clubreputation, die zu einem großen Teil auf langen Sets und Remixen beruhte, zeigte Dance Baby ihn vor allem als Albumkünstler, der längere Kompositionen entwickeln und mit rhythmischen Feinheiten arbeiten konnte, statt sich nur auf offensichtliche Höhepunkte zu konzentrieren.

Kurz darauf erweiterte das Team sein musikalisches Spektrum um eine weitere Richtung. Ende 2010 gründete Diynamic das Sublabel 2DIY4, das für experimentellere Musik gedacht war, die weniger strikt an das klassische 4/4-Clubformat gebunden war. Die erste Veröffentlichung stammte von Solomun selbst.

Around — der Remix, der die Dimension seiner Karriere veränderte

Der entscheidende internationale Wendepunkt kam 2011, als Solomun den Vox Mix von Around des Projekts Noir & Haze produzierte. Seine Version beschränkte sich auf wenige Elemente, eine tiefe Bassline und den Gesang, doch Solomun verwandelte das Ausgangsmaterial in einen deutlich weitläufigeren und emotionaleren Clubtrack. Resident Advisor setzte seine Version auf Platz eins der Remixe des Jahres.

Around war nicht nur als einzelner Hit wichtig. Der Track erschien in einer Phase, in der europäischer Deep House begann, sich aus spezialisierten Clubs heraus einem deutlich größeren Publikum zu öffnen. Solomuns Sound war tief genug für die Underground-Szene, gleichzeitig aber melodisch und emotional genug für große Dancefloors. Genau dieses Gleichgewicht wurde zu einem der Schlüssel seines späteren Erfolgs.

Kackvogel, Watergate und das Jahr 2012

Im folgenden Jahr etablierte sich Solomun endgültig als einer der meistdiskutierten europäischen DJs. Für die Watergate-Reihe nahm er die Compilation Watergate 11 auf, die im Sommer 2012 erschien. Darauf war auch sein eigener Track Kackvogel enthalten, der anschließend separat veröffentlicht wurde und zu einem der bekanntesten Clubtracks aus Solomuns früher Karrierephase wurde.

Ende 2012 ernannte das britische Magazin Mixmag Solomun zum DJ of the Year. Das Magazin verband seinen Aufstieg mit dem Around-Remix, Kackvogel, der Entwicklung von Diynamic und seinen zahlreichen Auftritten auf Ibiza. Im gleichen Zeitraum erhielt Solomun bei den DJ Awards außerdem die Auszeichnung als Producer of the Year.

Bemerkenswert ist, dass die internationale Anerkennung erst nach vielen Jahren Arbeit kam. Als Solomun zu einem der zentralen DJs der Saison wurde, war er kein neuer Künstler mit einem einzigen viralen Track: Hinter ihm standen bereits ein Label, ein Album, Dutzende Veröffentlichungen und fast ein Jahrzehnt Cluberfahrung.

Ibiza und Diynamic Neon Nights

Ibiza erhielt für Solomuns Karriere eine besondere Bedeutung. 2012 veranstaltete Diynamic die Reihe Neon Nights im Club Sankeys. Solomun bezeichnete diese Saison später als einen der Faktoren für den schnellen Anstieg seiner Popularität. Die Diynamic-Nächte zeigten, dass die Musik des Labels auf einer Insel ein eigenes Publikum anziehen konnte, auf der Clubprogramme traditionell stark von internationalen Marken und Residents geprägt sind.

Solomun +1: eine Nacht, ein Gast

2013 startete im Pacha Ibiza die Residency Solomun +1. Die Idee war bewusst einfach: Statt eines langen Line-ups mit zahlreichen bekannten DJs lud Solomun pro Abend nur einen einzigen Gast ein. Der Gast eröffnete die Nacht, danach spielte Solomun, und der letzte Teil konnte in einen gemeinsamen Set übergehen.

Er bestand außerdem darauf, die übliche Distanz zwischen Künstler und Publikum zu verringern, indem die DJ-Position näher in die Mitte des Raums verlegt wurde. Dadurch entstand selbst in einem der bekanntesten Clubs Ibizas die Atmosphäre eines kleineren Clubabends, während jeder Künstler genug Zeit erhielt, eine vollständige musikalische Dramaturgie zu entwickeln.

In den folgenden Saisons traten bei Solomun +1 Künstler verschiedener Generationen und Strömungen elektronischer Musik auf — von DJ Koze, Dixon und Âme bis zu Vertretern neuerer Szenen. Das Projekt wurde nicht mehr als vorübergehende Sommerparty wahrgenommen, sondern entwickelte sich zu einer der langlebigen Residencies des Pacha. Mehr als ein Jahrzehnt später bestand das Format weiterhin: Die Saison 2026 fand erneut sonntags von Ende Mai bis Anfang Oktober statt.

Warum lange Sets Teil seiner Reputation wurden

Solomuns Ruf als Club-DJ basiert weniger auf demonstrativer Technik als auf Dramaturgie. Er bevorzugt lange Sets, in denen der Übergang von weicherem House zu härterem Material schrittweise erfolgt. Statt einer ununterbrochenen Folge bekannter Tracks sind seine Auftritte häufig als mehrere Stunden wechselnder Spannung aufgebaut: ruhigere Passagen gehen in rhythmischere Abschnitte über, gefolgt von melodischen Höhepunkten oder überraschenden Stücken aus anderen Genres.

Die Musikauswahl hängt dabei vom jeweiligen Ort ab. Solomun hat mehrfach erklärt, dass er es nicht für sinnvoll hält, unabhängig vom Publikum immer dieselben Tracks zu spielen. Im Pacha kann er stärker auf sinnlichen und melodischen House setzen, während ein Festival oder ein spezieller Extended Set deutlich härteres Material zulässt. Dieser Ansatz erklärt, warum sich sein Stil nur schwer mit einer einzigen engen Genrebezeichnung erfassen lässt.

Remixe für Foals und Lana Del Rey sowie die Verbindung zwischen Club- und Alternativmusik

Nach dem Erfolg von Around wurden Remixe zu einem der wichtigsten Teile von Solomuns Diskografie. Er arbeitete nicht nur mit elektronischen Produzenten, sondern auch mit Künstlern weit außerhalb des klassischen Club-House. 2013 erschien sein Remix von Late Night der Band Foals, 2014 folgte eine ausgedehnte Clubversion von West Coast von Lana Del Rey.

Diese Arbeiten zeigen eine für ihn typische Technik: Solomun versucht in der Regel nicht einfach, dem Original einen geradlinigen Dance-Beat hinzuzufügen. Stattdessen identifiziert er das emotionale Zentrum eines Songs — eine Gesangsphrase, einen Akkord oder eine Melodie — und baut darum eine neue, deutlich längere Clubform. Deshalb wirken viele seiner Remixe fast wie eigenständige Kompositionen.

In den folgenden Jahren produzierte er Versionen von Tracks von Paul Kalkbrenner, Editors, Interpol, Depeche Mode und weiteren Künstlern. Die von Diynamic veröffentlichte Compilation Solomun – Selected Remixes 2009–2015 dokumentierte die Bedeutung dieses Teils seines Katalogs zusätzlich.

Global Underground: Hamburg

2014 wurde Solomun Teil der renommierten Global Underground-Reihe und nahm die Ausgabe GU40: Hamburg auf. Die Wahl der Stadt war symbolisch: Trotz weltweiter Tourneen und seiner engen Verbindung zu Ibiza blieb Hamburg der Mittelpunkt seiner professionellen Geschichte. Der Doppel-Mix war als zwei unterschiedliche Seiten eines einzigen Sets aufgebaut — mit einer melodischeren und ruhigeren ersten Hälfte und einem stärker cluborientierten zweiten Teil.

Diynamic als Schule für Künstler

Zu diesem Zeitpunkt war Diynamic längst mehr als nur eine Möglichkeit, Solomuns eigene Musik zu veröffentlichen. Über das Label und die damit verbundenen Veranstaltungen liefen Stimming, H.O.S.H., Kollektiv Turmstrasse, David August, Adriatique, Karmon und viele weitere Produzenten. Für einige von ihnen wurden Veröffentlichungen auf Diynamic zu einem wichtigen Schritt ihrer internationalen Entwicklung.

Solomun blieb dabei unmittelbar an der Musikauswahl beteiligt. Selbst nachdem er zu einem weltweit tourenden DJ geworden war, hörte er weiterhin Demos und nutzte seine eigenen Sets als Raum, um neues Material zu testen. Sein Einfluss auf die Szene hängt deshalb nicht nur mit seinen eigenen Tracks zusammen, sondern auch damit, welche Musik anderer Künstler er auswählt, veröffentlicht und spielt.

Grand Theft Auto Online und Customer Is King

2018 gehörte Solomun zu den DJs, die im After Hours-Update für Grand Theft Auto Online erschienen. Spieler konnten ihn als Resident ihres virtuellen Nachtclubs engagieren; gemeinsam mit ihm waren Tale Of Us, Dixon und The Black Madonna Teil des Projekts. Rockstar Games integrierte reale Vertreter der Clubszene direkt in die Spielwelt, statt lediglich ihre Musik für den Soundtrack zu verwenden.

Die Zusammenarbeit wurde mit dem Video zu Customer Is King fortgesetzt, das innerhalb der Spielwelt von Grand Theft Auto V entstand. Solomun trat darin als seine eigene virtuelle Figur auf, und der Track selbst wurde Teil der gleichnamigen EP. Das Projekt erweiterte seine Präsenz deutlich über das traditionelle Publikum elektronischer Musik hinaus.

Nobody Is Not Loved — die Rückkehr zum Albumformat

Zwischen Solomuns erstem und zweitem Studioalbum lagen fast zwölf Jahre. Nobody Is Not Loved erschien am 28. Mai 2021 auf NINL in Zusammenarbeit mit BMG. Das Album enthielt zwölf Tracks und Gastbeiträge von Jamie Foxx, Planningtorock, ÄTNA, Isolation Berlin, Anne Clark, Zoot Woman sowie Editors-Sänger Tom Smith.

Musikalisch ist Nobody Is Not Loved deutlich breiter angelegt als Dance Baby. Neben House und Techno sind Synth-Pop, New Wave und Post-Punk-Einflüsse zu hören. Home basiert auf der Idee einer Rückkehr der Menschen in einen gemeinsamen musikalischen Raum, Kreatur der Nacht mit Isolation Berlin greift eine Ästhetik der 1980er Jahre auf, Tuk Tuk entstand mit ÄTNA und Ocean mit Jamie Foxx.

Der Albumtitel — „niemand bleibt ohne Liebe“ — wurde für Solomun zu weit mehr als einem gewöhnlichen Namen für eine Veröffentlichung. Er verwendete ihn als Ausdruck seiner Haltung zur Musik: Der Dancefloor sollte für ihn ein Ort sein, an dem soziale Unterschiede vorübergehend ihre Bedeutung verlieren. Gleichzeitig beschäftigte sich das Album mit digitaler Isolation — einer Situation, in der Algorithmen und die ständige Präsenz des Smartphones allmählich das unmittelbare gemeinsame Erleben von Musik ersetzen.

Die Pandemiepause und ein verändertes Verhältnis zum DJing

Die Zeit geschlossener Clubs während der Pandemie war für Solomun nach vielen Jahren nahezu ununterbrochener Tourneen ungewöhnlich. Anders als viele seiner Kollegen begann er nicht damit, regelmäßig DJ-Sets zu streamen. Der Musiker erklärte dies damit, dass DJing für ihn vor allem als unmittelbarer Energieaustausch mit Menschen in demselben physischen Raum Sinn ergebe.

Nach der Wiedereröffnung der Clubs dachte er sogar darüber nach, seine aktive DJ-Karriere zu beenden, doch die Reaktion des Publikums nach der langen Pause änderte seine Entscheidung. Anschließend kehrte Solomun wieder zu einem dichten internationalen Tourplan und seiner langjährigen Ibiza-Residency zurück.

Neue Generationen und eine Erweiterung des Sounds

Die spätere Phase seiner Karriere zeigt, dass Solomun nicht versucht, den Sound der frühen 2010er Jahre unverändert zu bewahren. Seine Sets enthielten zunehmend schnelleres und härteres Material, während die emotionale Dramaturgie weiterhin im Zentrum seines Ansatzes blieb. Gleichzeitig arbeitete er weiter mit deutlich jüngeren Produzenten und nutzte Diynamic als Plattform für neue Musik.

Im Dezember 2025 veröffentlichten Solomun und der schottische Produzent Denis Sulta gemeinsam die Single Say Nothing auf Diynamic. Im März des folgenden Jahres erschien Kinesphere mit Coco Nancy, außerdem produzierte Solomun einen offiziellen Remix von Nina Simones Take Care Of Business für Verve Records.

Rumpta mit Skrillex

Im Juli 2026 veröffentlichte Solomun erstmals eine gemeinsame Studioproduktion mit Skrillex — den Track Rumpta auf Diynamic. Schon vor der offiziellen Veröffentlichung war die Komposition in den Sets beider Musiker zu hören, während sich ihr kreativer Kontakt nach gemeinsamen Auftritten auf Ibiza weiterentwickelte.

Rumpta ist nicht nur wegen der Verbindung zweier bekannter Namen interessant. Skrillex und Solomun stehen für unterschiedliche Entwicklungslinien innerhalb der elektronischen Musik: Der eine wurde über Bass Music und Festivalkultur zum Weltstar, der andere über europäischen House und Club-Residencies. Für ihre Zusammenarbeit wählten sie eine relativ direkte House-Struktur mit schwerem Groove, statt die offensichtlichsten Merkmale ihrer bisherigen Stile mechanisch miteinander zu verbinden.

Solomun +1 mehr als ein Jahrzehnt später

Dass Solomun +1 weiterhin besteht, ist besonders wichtig, um seine Position in der elektronischen Musik zu verstehen. Die meisten Clubformate sind eng an eine bestimmte Saison oder einen Trend gebunden, während die Pacha-Residency seit 2013 existiert und ihre Gästeliste regelmäßig erneuert. 2026 gehörten Künstler unterschiedlicher Generationen und Szenen dazu, darunter Skrillex, Barry Can't Swim, DESIREE, KETTAMA und Âme.

Das Grundprinzip des Abends hat sich dabei kaum verändert: ein Gastkünstler, genügend Zeit für eigenständige Sets und ein gemeinsamer musikalischer Teil. Gerade die Begrenzung der Zahl der Beteiligten macht das Format zum Gegenmodell des Festivalansatzes, bei dem einem DJ oft nur eine Stunde oder anderthalb Stunden zur Verfügung stehen.

Der Stil von Solomun

Der Begriff Deep House ist eng mit der Zeit seines internationalen Durchbruchs verbunden, reicht jedoch nicht aus, um Solomuns gesamte Karriere zu beschreiben. Die frühen Diynamic-Veröffentlichungen basierten tatsächlich auf Deep House, später kamen in seinen Sets jedoch Elemente von Melodic Techno, Indie Dance, Electronica, Disco, Synth-Pop und direkterem Techno hinzu.

Seine Wiedererkennbarkeit wird stärker durch seinen Umgang mit Material bestimmt. Solomun bevorzugt Tracks, bei denen der Rhythmus mit einer klaren emotionalen Idee verbunden ist — einer Bassline, einer Stimme, einem ungewöhnlichen Synthesizer-Motiv oder einer Melodie. Er kann einen bekannten Song neben eine kaum bekannte Clubveröffentlichung setzen, wenn der Übergang zwischen beiden der Gesamtdramaturgie des Sets dient. Genau diese Freiheit erlaubt es ihm, gleichzeitig mit einem breiten Publikum und mit der Clubszene verbunden zu bleiben.

Auch die Dauer ist wichtig. Viele der charakteristischsten Auftritte von Solomun sind nicht auf eine schnelle Folge von Höhepunkten ausgerichtet, sondern auf einen allmählichen Aufbau von Spannung. In diesem Sinne ähnelt ein DJ-Set für ihn eher einer zusammenhängenden Erzählung, in der ein einzelner Track seine Bedeutung auch durch das erhält, was davor gespielt wurde und danach folgt.

Diskografie von Solomun

Studioalben:

  • Dance Baby — 2009, Diynamic Music;
  • Nobody Is Not Loved — 2021, NINL / BMG.

Solomun hat nur zwei zentrale Studioalben mit eigenem Material veröffentlicht, weshalb ein großer Teil seiner Diskografie aus EPs, Singles, Remixen und DJ-Compilations besteht.

Ausgewählte EPs und Singles:

  • Solomun EP — 2006;
  • Do It Yourself EP — 2006;
  • Nachrichten EP — 2006;
  • Federgewicht EP — 2008;
  • Love Recycled EP — 2011;
  • Kackvogel — 2012;
  • Friends — 2014;
  • Zora — 2015;
  • Customer Is King EP — 2018;
  • Home — 2020;
  • Say Nothing — mit Denis Sulta, 2025;
  • Kinesphere — mit Coco Nancy, 2026;
  • Rumpta — mit Skrillex, 2026.

Solomuns früher Katalog und seine wichtigsten Veröffentlichungen sind in der offiziellen Diynamic-Diskografie und auf Musikplattformen dokumentiert.

Wichtige DJ-Compilations:

  • Watergate 11 — 2012;
  • Global Underground #40: Hamburg — 2014;
  • Solomun – Selected Remixes 2009–2015 — 2016.

Diese Veröffentlichungen zeigen eine weitere Seite seines Schaffens: Solomun ist nicht nur als Produzent eigener Tracks wichtig, sondern auch als Selector und Kurator der Musik anderer Künstler.

Ausgewählte Remixe

  • Noir & Haze — Around (Solomun Vox Mix) — 2011;
  • Tiefschwarz — Corporate Butcher (Solomun Remix) — 2011;
  • Foals — Late Night (Solomun Remix) — 2013;
  • Tiga vs. Audion — Let's Go Dancing (Solomun Remix) — 2013;
  • Lana Del Rey — West Coast (Solomun Remix) — 2014;
  • Paul Kalkbrenner — Cloud Rider (Solomun Remix) — 2015;
  • Editors — Our Love (Solomun Remix) — 2015;
  • Interpol — Everything Is Wrong (Solomun Remix) — 2016;
  • Depeche Mode — Going Backwards (Solomun Remix) — 2017;
  • Nina Simone — Take Care Of Business (Solomun Mix) — 2026.

Der Remix-Katalog ist für die Einschätzung seiner Karriere als Produzent besonders wichtig: Einige der bekanntesten Aufnahmen von Solomun entstanden auf Grundlage von Songs anderer Künstler.

Solomuns Platz in der modernen elektronischen Musik

Solomuns Geschichte unterscheidet sich vom typischen Karriereweg eines DJs im Zeitalter sozialer Medien. Sein internationaler Erfolg entwickelte sich vergleichsweise spät — nach vielen Jahren mit kleinen Auftritten, einem eigenen Label und Arbeit innerhalb einer lokalen Szene. Als Around und Kackvogel seine Reichweite stark vergrößerten, existierte hinter ihnen bereits ein vollständig entwickeltes musikalisches Ökosystem rund um Diynamic. Deshalb musste Solomun seine Arbeitsweise mit wachsender Popularität nicht grundlegend verändern.

Ebenso wichtig ist Solomuns Beitrag zu einem veränderten Verständnis davon, was ein großer Club-DJ sein kann. In einer Zeit immer kürzerer Festivalsets machte er lange Auftritte zu einem zentralen Element seiner eigenen Identität. Solomun +1 ist nicht um die Zahl bekannter Namen herum aufgebaut, sondern um die Zeit, die zwei Künstler benötigen, um ihre Musik vollständig zu entfalten.

Gleichzeitig gelang es Solomun, ein seltenes Gleichgewicht zwischen verschiedenen Ebenen der elektronischen Kultur zu bewahren. Er kann vor einem Festivalpublikum mit Tausenden Menschen spielen, Resident in einem der bekanntesten Clubs Ibizas bleiben und gleichzeitig regelmäßig Musik weniger bekannter Produzenten über Diynamic veröffentlichen. Selbst sein Auftritt in Grand Theft Auto Online oder die Zusammenarbeit mit Skrillex verdrängten das zentrale Modell seiner Karriere nicht — das eines DJs, für den der Dancefloor im Mittelpunkt bleibt.

Gerade diese Beständigkeit machte Solomun zu einer der nachhaltigsten Figuren der House-Szene seiner Generation. Von Jugenddiscos in Hamburg und den ersten DIY-Partys über Diynamic und die langjährigen Nächte im Pacha bis zu internationalen Auftritten entwickelt sich seine Karriere um dieselbe Grundidee: Musik erhält ihre eigentliche Bedeutung nicht isoliert, sondern im Moment der direkten Verbindung zwischen dem DJ und den Menschen vor ihm.


Musik hören Solomun

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Noir & Haze - Around (Solomun Vox)

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