Dire Straits

«Аквариум» ist eine Rockband, die 1972 in Leningrad von Boris Grebenshchikov und Anatoli „George“ Gunitski gegründet wurde. Zum wichtigsten Songwriter, Sänger und dauerhaften kreativen Zentrum der Gruppe wurde Boris Grebenshchikov (BG). «Аквариум» spielte eine Schlüsselrolle bei der Entstehung der Leningrader Rockszene und hatte großen Einfluss auf die Entwicklung der russischsprachigen Rockmusik.
Im Laufe der Jahrzehnte bewegte sich der Sound der Band durch Rock, Folk, Reggae, Art Rock, New Wave, Psychedelia, Jazz und Musik verschiedener ethnischer Traditionen. Ebenso unverwechselbar sind Grebenshchikovs Texte, die Alltagssprache, literarische Anspielungen, religiöse Bilder, Absurdität und ein eigenes Symbolsystem miteinander verbinden.
Gründung der Band
Die Geschichte von «Аквариум» begann im Sommer 1972, als Boris Grebenshchikov und Anatoli Gunitski beschlossen, eine eigene Band zu gründen. Gunitski schrieb Gedichte und dramatische Texte und war in der frühen Phase auch am musikalischen Teil des Projekts beteiligt.
In den folgenden Jahren bildete sich um sie herum ein Kreis von Musikern, darunter Mikhail Feinstein, Andrei „Dyusha“ Romanov, Vsevolod Gakkel und weitere spätere Mitglieder. Edmund Shklyarsky, der später Frontmann der Band «Пикник» wurde, hatte ebenfalls kurzzeitig Berührungspunkte mit dem frühen «Аквариум», gehörte jedoch nicht zu den Gründern.
In den ersten Jahren existierte die Band praktisch außerhalb der offiziellen Musikindustrie. Proben, Heimaufnahmen und kleinere Auftritte fanden unter Bedingungen statt, in denen unabhängige Rockmusik kaum Zugang zu professionellen Studios oder Konzertbühnen hatte.
Erste Aufnahmen
Zur frühen Phase gehören die Tonbandaufnahmen «Искушение Святого Аквариума» aus dem Jahr 1973, «Притчи графа Диффузора» von 1974 und «С той стороны зеркального стекла» von 1976.
Diese Aufnahmen unterscheiden sich in Klangqualität und Produktionsweise deutlich von den späteren Studioalben, lassen aber erkennen, wie sich die musikalische Sprache der Band allmählich herausbildete. Schon damals verband Grebenshchikov westliche Rocktraditionen mit russischsprachiger Poesie, Ironie und freien Songstrukturen.
Tbilisi-80
Eine der bekanntesten Episoden aus der frühen Geschichte von «Аквариум» war der Auftritt beim Festival «Весенние ритмы. Тбилиси-80».
Das Bühnenverhalten der Musiker unterschied sich deutlich von den damals offiziell akzeptierten Vorstellungen von Konzertkultur. Der Auftritt führte zu einem Konflikt mit den Organisatoren und der Jury. Nach dem Festival verlor Boris Grebenshchikov seine Stelle an einem wissenschaftlichen Institut und wurde aus dem Komsomol ausgeschlossen.
Der Skandal erschwerte die offizielle Tätigkeit der Band erheblich, machte «Аквариум» jedoch zugleich zu einer der bekanntesten Gruppen des sowjetischen Rock-Undergrounds.
«Синий альбом» und «Треугольник»
Der Beginn der 1980er-Jahre wurde zu einer der produktivsten Phasen in der Geschichte der Band.
Im Jahr 1981 erschienen «Синий альбом» und «Треугольник». Letzteres fiel besonders durch absurde Texte, Theatralik und ungewöhnliche Arrangements auf. Im selben Zeitraum entstand auch «Электричество».
1982 folgten «Акустика. История Аквариума. Том I» und «Табу». Cello, Flöte, Keyboards und andere Instrumente, die in der sowjetischen Rockmusik jener Zeit nur selten eingesetzt wurden, spielten im Sound zunehmend eine wichtige Rolle.
Leningrader Rockclub
Nach der Eröffnung des Leningrader Rockclubs im Jahr 1981 erhielt «Аквариум» die Möglichkeit, auf einer relativ legalen Bühne aufzutreten, und wurde zu einer der zentralen Bands der neuen Musikszene.
Zu verschiedenen Zeiten spielten neben Grebenshchikov auch Andrei Romanov, Vsevolod Gakkel, Mikhail Feinstein, Alexander Titov und Alexander Lyapin eine wichtige Rolle in der Band. Auch der Komponist und Pianist Sergey Kuryokhin arbeitete eng mit «Аквариум» zusammen.
«Радио Африка»
Im Jahr 1983 erschien «Радио Африка», eines der zentralen Werke der klassischen Phase von «Аквариум».
Das Album verband Rock, New Wave, Reggae, Avantgarde und experimentelle Musik. Einer seiner wichtigsten Songs war «Рок-н-ролл мёртв», der später zu den bekanntesten Stücken der Band gehörte.
Sergey Kuryokhin war intensiv an den Aufnahmen beteiligt; seine Keyboards und sein improvisatorischer Ansatz verstärkten die experimentelle Seite des Materials.
«День серебра» und «Дети декабря»
Der nächste große Abschnitt war «День серебра» aus dem Jahr 1984. Die Musik erhielt einen geschlosseneren und intimeren Klang, während akustische Instrumente noch wichtiger wurden.
Im Jahr 1985 erschien das Album «Дети декабря». Zu diesem Zeitpunkt verfügte «Аквариум» bereits über ein großes Publikum, obwohl ein erheblicher Teil der Musik weiterhin über inoffizielle Tonbandkopien verbreitet wurde.
Im Jahr 1986 erschien «Десять стрел», das überwiegend aus Live-Aufnahmen der Jahre 1985–1986 bestand. Der auf dem Album enthaltene Song «Город» wurde separat im Studio aufgenommen. Diese Veröffentlichung schließt eines der wichtigsten Kapitel der Tonband-Ära der Band ab.
«Равноденствие» und landesweite Bekanntheit
In der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre begann sich die Haltung des Staates gegenüber Rockmusik allmählich zu verändern. Bands erhielten mehr Möglichkeiten für offizielle Konzerte, Aufnahmen und Medienauftritte.
Im Herbst 1987 nahm «Аквариум» «Равноденствие» auf. Die offizielle Veröffentlichung durch das Label Melodiya erfolgte im Mai 1988 und markierte einen wichtigen Schritt vom Tonband-Underground hin zur professionellen Musikproduktion.
Einer der bekanntesten Songs des Albums wurde «Аделаида». Separat entstand 1988 auch «Поезд в огне», der nicht auf «Равноденствие» enthalten war, aber zu einem der bekanntesten Songs der Band aus dieser Phase wurde.
Bis zum Ende des Jahrzehnts reichte das Publikum von «Аквариум» weit über die Leningrader Rockszene hinaus.
Radio Silence
Ende der 1980er-Jahre erhielt Boris Grebenshchikov die Möglichkeit, auf dem internationalen Musikmarkt zu arbeiten.
Im Jahr 1989 erschien das englischsprachige Album Radio Silence, produziert von Dave Stewart von Eurythmics. An den Aufnahmen beteiligten sich westliche Musiker, darunter Annie Lennox, Chrissie Hynde und Ray Cooper.
Radio Silence ist ein Soloalbum von Boris Grebenshchikov und sollte daher nicht zur Studio-Diskografie von «Аквариум» gezählt werden.
Das Ende der klassischen Besetzung
Zu Beginn der 1990er-Jahre hatte die mit der klassischen Ära von «Аквариум» verbundene Besetzung faktisch aufgehört zu existieren.
Grebenshchikov gründete БГ-Бэнд und wandte sich mit diesem Projekt stärker einem akustischen Sound, russischer Folklore und religiöser Bildsprache zu. Aus dieser Phase entstand «Русский альбом» aus dem Jahr 1992 — ein Soloalbum von Boris Grebenshchikov und kein Album von «Аквариум».
Die Rückkehr von «Аквариум» in den 1990er-Jahren
Nach der Phase mit БГ-Бэнд kehrte Grebenshchikov wieder zum Namen «Аквариум» zurück. Eine neue Besetzung begann sich 1992 zu formieren und unterschied sich deutlich von der klassischen Leningrader Formation.
Im Jahr 1993 erschien «Любимые песни Рамзеса IV». Im Mai 1994 folgte «Пески Петербурга», und im Herbst desselben Jahres erschien «Кострома Mon Amour».
Folk, akustische Instrumente und Elemente verschiedener nationaler Traditionen wurden im Sound immer wichtiger, während Grebenshchikovs Texte häufiger historische, spirituelle und mythologische Bilder aufgriffen.
«Навигатор» und «Снежный лев»
Im Jahr 1995 erschien «Навигатор» mit Songs wie «Не пей вина, Гертруда», «Гарсон №2» und weiteren Arbeiten der neuen Besetzung.
Ein Jahr später folgte «Снежный лев». Diese Alben festigten das musikalische Modell von «Аквариум» in den 1990er-Jahren: Rock wurde immer freier mit Folk und akustischer Musik verbunden, während die Studioarrangements intimer wurden.
Im Jahr 1999 setzte das Album Ψ die Diskografie fort.
«Аквариум» im 21. Jahrhundert
Auch im neuen Jahrhundert blieb die Band im Studio sehr aktiv.
«Сестра Хаос» erschien 2002, «Песни рыбака» 2003 und ZOOM ZOOM ZOOM 2005. In diesen Werken traf die vertraute akustische Basis auf moderne Studiotechniken und Einflüsse aus der Musik verschiedener Kulturen.
Im Jahr 2006 erschien «Беспечный русский бродяга», 2008 folgte «Лошадь белая» und 2009 «Пушкинская, 10».
Im Jahr 2011 erschien «Архангельск», gefolgt von «Аквариум +» im Jahr 2013.
In dieser Phase ist es besonders wichtig, zwischen der Diskografie der Band und den Soloarbeiten von BG zu unterscheiden. Die Alben «Соль» und «Время N» erschienen unter dem Namen Boris Grebenshchikov und gehören nicht zur Hauptdiskografie von «Аквариум».
Späte Phase
Im Jahr 2020 erschien «Тор», ein Archivalbum aus der Reihe «История Аквариума». Es vereinte Aufnahmen aus verschiedenen Perioden, die zuvor nicht auf einer eigenen Veröffentlichung zusammengefasst worden waren, weshalb es sinnvoller ist, es getrennt von den regulären Studioalben der Band zu betrachten.
Im Jahr 2022 erschien «Дом Всех Святых». Später wurde die Konzerttätigkeit von Boris Grebenshchikov und einem Teil der Musiker auch unter dem Namen БГ+ fortgesetzt.
Die Geschichte von «Аквариум» war stets von wechselnden Besetzungen geprägt, sodass der Bandname in verschiedenen Phasen deutlich unterschiedliche Musikergruppen bezeichnete. Das konstante Zentrum dieser Geschichte blieben die Songs und die musikalische Richtung von Boris Grebenshchikov.
Musikstil
Eine einzige Genrebezeichnung für «Аквариум» gibt es nicht. Auf den frühen Alben sind Rock ’n’ Roll, New Wave, Reggae, Art Rock und Psychedelia zu hören. In den 1980er-Jahren kamen Jazz- und Avantgarde-Elemente hinzu, später wurden Folk, keltische Musik und Instrumente verschiedener nationaler Traditionen zunehmend wichtiger.
Das verbindende Element bleibt Grebenshchikovs unverwechselbare Autorensprache. Seine Songs verbinden Alltagsbeobachtungen mit literarischen Zitaten, christlicher und buddhistischer Symbolik, Folklore und bewusst mehrdeutigen Bildern.
Hauptdiskografie von «Аквариум»
- 1981 — «Синий альбом»
- 1981 — «Треугольник»
- 1981 — «Электричество»
- 1982 — «Акустика. История Аквариума. Том I»
- 1982 — «Табу»
- 1983 — «Радио Африка»
- 1984 — «День серебра»
- 1985 — «Дети декабря»
- 1986 — «Десять стрел» — überwiegend Live-Aufnahmen
- 1988 — «Равноденствие» — 1987 aufgenommen
- 1993 — «Любимые песни Рамзеса IV»
- 1994 — «Пески Петербурга»
- 1994 — «Кострома Mon Amour»
- 1995 — «Навигатор»
- 1996 — «Снежный лев»
- 1999 — Ψ
- 2002 — «Сестра Хаос»
- 2003 — «Песни рыбака»
- 2005 — ZOOM ZOOM ZOOM
- 2006 — «Беспечный русский бродяга»
- 2008 — «Лошадь белая»
- 2009 — «Пушкинская, 10»
- 2011 — «Архангельск»
- 2013 — «Аквариум +»
- 2022 — «Дом Всех Святых»
Die frühen Tonbandaufnahmen der 1970er-Jahre, Archivveröffentlichungen und Soloarbeiten von Boris Grebenshchikov sollten sinnvollerweise separat betrachtet werden. Zur Archivreihe gehört auch «Тор» (2020), das die Serie «История Аквариума» fortsetzt.
Wichtige Songs
- «Рок-н-ролл мёртв»
- «Город»
- «Сидя на красивом холме»
- «212-85-06»
- «Аделаида»
- «Поезд в огне»
- «Не пей вина, Гертруда»
- «Гарсон №2»
- «Древнерусская тоска»
«Город» nimmt im Repertoire von «Аквариум» eine besondere Stellung ein: Es handelt sich nicht um einen von Boris Grebenshchikov geschriebenen Song. Der Text stammt von Anri Volokhonsky, die Musik wird mit Vladimir Vavilov in Verbindung gebracht, und gerade die Version von «Аквариум» wurde zu einer der bekanntesten Interpretationen des Werks.
Die Bedeutung von «Аквариум»
«Аквариум» entstand lange vor dem Aufbau einer offiziellen Infrastruktur für sowjetische Rockmusik und durchlief gemeinsam mit dieser Kultur den Weg von privaten Tonbandaufnahmen und halblegalen Konzerten bis zu professionellen Studios und großen Bühnen.
Die klassischen Alben der 1980er-Jahre wurden Teil der Geschichte der Leningrader Rockbewegung, während spätere Besetzungen es der Band ermöglichten, ihre musikalische Sprache immer wieder zu verändern, ohne die eigene Vergangenheit in eine unveränderliche Formel zu verwandeln.
Die wichtigste Konstante von «Аквариум» bleibt die Musik von Boris Grebenshchikov. Sie verbindet die frühen experimentellen Aufnahmen, die klassische Leningrader Phase, die Folk-Ästhetik der 1990er-Jahre und die späteren Werke zu einer langen, zusammenhängenden Geschichte.










