Nirvana - Biografie und Diskografie, alle Alben und Songs

Nirvana

Nirvana war eine US-amerikanische Rockband, die von 1987 bis 1994 bestand und in Aberdeen, Washington, USA von Sänger und Gitarrist Kurt Cobain sowie Bassist Krist Novoselic gegründet wurde. Die klassische Besetzung formierte sich 1990 mit dem Einstieg des Schlagzeugers Dave Grohl. Nirvana wurde zu einer der wichtigsten amerikanischen Alternative-Rock-Bands der frühen 1990er-Jahre und spielte eine entscheidende Rolle dabei, Grunge von einer regionalen Szene des pazifischen Nordwestens zu einem weltweiten Phänomen der Populärkultur zu machen. In der Musik der Band verbanden sich Punkrock, Hardcore, ein schwerer Gitarrensound und ausgeprägte Popmelodik, häufig aufgebaut auf abrupten Wechseln zwischen ruhigen Strophen und kraftvollen Refrains.

Während ihres Bestehens veröffentlichte Nirvana lediglich drei Studioalben: Bleach (1989), Nevermind (1991) und In Utero (1993). Der entscheidende kommerzielle Durchbruch gelang mit Nevermind und den Songs «Smells Like Teen Spirit», «Come as You Are», «Lithium» und «In Bloom». Im Januar 1992 erreichte das Album Platz eins der Billboard 200 und verdrängte Michael Jacksons Dangerous von der Spitze; «Smells Like Teen Spirit» stieg bis auf Platz sechs der Billboard Hot 100.

Kurt Cobain und Krist Novoselic: die Gründung von Nirvana

Kurt Cobain und Krist Novoselic lernten sich in Aberdeen kennen, einer kleinen Industriestadt etwa zwei Autostunden von Seattle entfernt. Vor der Gründung von Nirvana nahm Cobain Musik mit der Band Fecal Matter auf, deren Demo Novoselics Interesse weckte. Nach mehreren Versuchen, eine feste Besetzung zusammenzustellen, gründeten die Musiker im Jahr 1987 eine Band, die später den Namen Nirvana erhielt.

Bevor sich dieser Name durchsetzte, wurden verschiedene Bezeichnungen verwendet, darunter Skid Row, Pen Cap Chew, Bliss und Ted Ed Fred. Cobain erklärte später, er habe einen Namen gewollt, der schön und friedlich klinge und nicht aggressiv oder typisch für eine Punkband jener Zeit.

In den ersten Jahren blieb die Besetzung instabil. Am Schlagzeug saßen zu unterschiedlichen Zeiten Aaron Burckhard, Dale Crover, Dave Foster und weitere Musiker. Der wichtigste Schlagzeuger der frühen Phase wurde Chad Channing, der an einem Großteil des Materials des Debütalbums beteiligt war.

Sub Pop und das Album Bleach

Im Januar 1988 nahm Nirvana bei dem Seattle-Produzenten Jack Endino im Studio Reciprocal Recording Demomaterial auf. Die Aufnahmen gelangten zu den Verantwortlichen des unabhängigen Labels Sub Pop, das zu dieser Zeit einen Kreis von Künstlern aufbaute, die später mit der Grunge-Szene von Seattle in Verbindung gebracht wurden.

Nirvanas erste Single bei Sub Pop war eine Coverversion von «Love Buzz» der niederländischen Band Shocking Blue. Anschließend kehrten die Musiker zu Reciprocal Recording zurück, um an ihrem Debütalbum zu arbeiten.

Bleach erschien am 15. Juni 1989. Die Aufnahmen entstanden mit Produzent Jack Endino während mehrerer Studiosessions zwischen Ende 1988 und Anfang 1989. Das Album enthielt «Blew», «About a Girl», «School», «Negative Creep», «Floyd the Barber» und weitere Songs.

Der Sound von Bleach war deutlich härter als der des späteren Nevermind. Zu hören waren Einflüsse aus Hardcore-Punk, Metal-Riffs, Noise-Rock und von Vertretern der nordwestamerikanischen Szene wie Melvins. Gleichzeitig zeigte sich bereits in «About a Girl» eine der wichtigsten Fähigkeiten Cobains als Songwriter: eine einfache, eingängige Popmelodie in einen bewusst rauen Gitarrensound einzubetten.

Die anfänglichen Verkaufszahlen von Bleach waren bescheiden: Sub Pop nannte später ungefähr 40.000 verkaufte Exemplare, bevor der Erfolg von Nevermind internationale Aufmerksamkeit auf das Debüt lenkte. Dennoch verschaffte das Album Nirvana einen Namen in der amerikanischen Independent-Szene und half der Band, das Interesse großer Plattenfirmen zu wecken.

Dave Grohl und die Entstehung der klassischen Besetzung

1990 endete die Zusammenarbeit der Band mit Chad Channing. Nach einer kurzen Phase mit anderen Schlagzeugern schloss sich Dave Grohl Nirvana an, der zuvor in der Hardcore-Band Scream gespielt hatte.

Mit Grohls Einstieg entstand die Besetzung, die Nirvanas bekannteste Werke einspielte:

  • Kurt Cobain — Gesang, Gitarre, Hauptsongwriter;
  • Krist Novoselic — Bassgitarre;
  • Dave Grohl — Schlagzeug, Begleitgesang.

Grohls kraftvolle und zugleich präzise Spielweise veränderte die rhythmische Grundlage der Band deutlich. Zu diesem Zeitpunkt bereitete sich Nirvana außerdem darauf vor, Sub Pop zu verlassen. 1991 unterschrieb die Gruppe bei DGC Records, einem Unternehmen von Geffen Records, und begann mit der Arbeit am zweiten Album.

Nevermind und der weltweite Durchbruch

Nevermind erschien am 24. September 1991. Produzent war Butch Vig, mit dem Nirvana zuvor bereits an Demoaufnahmen gearbeitet hatte. Im Vergleich zu Bleach wurde das neue Material sauberer und voluminöser produziert, behielt jedoch die Punkenergie der Band bei.

Ein zentrales Prinzip in Cobains Songs war die kontrastreiche Dynamik: Eine ruhige oder relativ zurückhaltende Passage konnte abrupt in übersteuerte Gitarren und einen emotional aufgeladenen Refrain übergehen. Cobain sprach offen über den Einfluss der Pixies, die ein ähnliches Prinzip von «leise — laut» verwendeten.

Die erste Single war «Smells Like Teen Spirit». Der Song und das von Samuel Bayer inszenierte Musikvideo erhielten massive Rotation auf MTV. Was vom Label zunächst nicht als garantierter Pop-Hit betrachtet worden war, entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit zu einem der wichtigsten musikalischen Ereignisse des Jahres 1991.

Das Album enthielt außerdem:

  • «In Bloom»;
  • «Come as You Are»;
  • «Breed»;
  • «Lithium»;
  • «Polly»;
  • «Drain You»;
  • «Territorial Pissings»;
  • «Something in the Way».

Am 11. Januar 1992 erreichte Nevermind Platz eins der Billboard 200. Das Album verbrachte Hunderte Wochen in den US-Charts und erhielt schließlich in den Vereinigten Staaten eine Diamant-Auszeichnung. Weltweit wurden mehr als 30 Millionen Exemplare verkauft.

Nevermind war weit mehr als nur eine erfolgreiche Rockveröffentlichung. Nirvanas kommerzieller Durchbruch führte dazu, dass große Labels und das Massenpublikum verstärkt auf Alternative Rock aufmerksam wurden, der sich zuvor hauptsächlich über unabhängige Plattenfirmen, College-Radio und lokale Konzertszene entwickelt hatte. Gemeinsam mit Pearl Jam, Soundgarden, Alice in Chains und anderen Bands aus dem Nordwesten rückte Nirvana ins Zentrum des internationalen Interesses an der Musikszene von Seattle.

Smells Like Teen Spirit und das Bild einer Generation

«Smells Like Teen Spirit» erhielt schnell den Ruf, einer der prägenden Rocksongs der frühen 1990er-Jahre zu sein. Cobain selbst reagierte jedoch mit deutlichem Unbehagen auf die ihm von den Medien zugeschriebene Rolle als «Stimme einer Generation».

Nirvanas Texte waren nur selten lineare Geschichten. Cobain verwendete fragmentarische Bilder, Sarkasmus, bewusste Widersprüche und persönliche Beobachtungen. Themen wie Entfremdung, gesellschaftlicher Druck, Beziehungen, Körperlichkeit sowie die Ablehnung von Sexismus oder Homophobie tauchten regelmäßig auf, während die Bedeutung häufig bewusst offen für Interpretationen blieb.

Ebenso wichtig war Cobains Fähigkeit, Melodien zu schreiben. Hinter dem Lärm, dem Fuzz und der Punk-Attitüde vieler Nirvana-Songs verbargen sich relativ traditionelle Strophe-Refrain-Strukturen. Die Verbindung aus melodischer Zugänglichkeit und physisch kraftvollem Gitarrensound war einer der Gründe dafür, dass die Musik der Band den Sprung von der Independent-Szene in die Massenkultur schaffen konnte.

Incesticide: seltene Aufnahmen statt eines neuen Albums

Im Dezember 1992 erschien Incesticide. Entgegen einer verbreiteten Einordnung handelt es sich dabei weder um Nirvanas viertes noch um ein vollwertiges Studioalbum, sondern um eine Sammlung bereits veröffentlichter und seltener Aufnahmen, Singles, Radiosessions und Coverversionen.

Enthalten waren «Dive», «Sliver», «Aneurysm», «Been a Son» sowie Coverversionen von Songs der Vaselines — «Molly's Lips» und «Son of a Gun». Incesticide zeigt die weniger polierte Seite von Nirvana und verbindet die Sub-Pop-Phase mit dem weltweiten Ruhm der Nevermind-Ära.

In Utero: die Reaktion auf den Erfolg von Nevermind

Das dritte und letzte Studioalbum In Utero wurde 1993 veröffentlicht. Für die Aufnahmen holte Nirvana den Toningenieur und Produzenten Steve Albini, der für seinen direkten Ansatz bei der Aufnahme des Live-Sounds von Rockbands bekannt war.

Nach der für Nirvana-Verhältnisse glatten und radiotauglichen Produktion von Nevermind wollten die Musiker eine schärfere, natürlichere und weniger bearbeitete Aufnahme schaffen. Die Gitarren wurden rauer, der Gesang verletzlicher und aggressiver, die Gesamtatmosphäre deutlich beunruhigender.

Die Vorstellung, das Album sei anschließend vollständig ohne weitere Eingriffe veröffentlicht worden, vereinfacht jedoch die tatsächliche Entstehungsgeschichte. Nach den ursprünglichen Sessions wurde ein Teil des Materials weiter überarbeitet; insbesondere fertigte Scott Litt neue Mischungen mehrerer Songs an, darunter «Heart-Shaped Box».

Zu den wichtigsten Songs von In Utero gehören:

  • «Serve the Servants»;
  • «Heart-Shaped Box»;
  • «Rape Me»;
  • «Dumb»;
  • «Pennyroyal Tea»;
  • «All Apologies».

In Utero bestätigte, dass der Erfolg von Nevermind kein einmaliger kommerzieller Ausnahmefall in der Geschichte der Band gewesen war. Das Album verkaufte sich sehr erfolgreich und bewahrte gleichzeitig einen deutlich abrasiveren Klang. Es erhielt eine Grammy-Nominierung in der Kategorie Best Alternative Music Album.

Pat Smear und die Live-Besetzung

Während der Tournee zu In Utero stieß Pat Smear, einer der Gründer der Los-Angeles-Punkband Germs, als zweiter Live-Gitarrist zu Nirvana. Er gehörte nicht zur eigentlichen Studio-Kernbesetzung, wurde jedoch zu einem wichtigen Teil der letzten Konzertphase der Band.

Die zusätzliche Gitarre gab Cobain mehr Freiheit beim Gesang und machte den Live-Sound dichter. Später spielte Smear erneut an der Seite von Dave Grohl, diesmal als Mitglied der Foo Fighters.

MTV Unplugged in New York

Am 18. November 1993 nahm Nirvana in New York ein Konzert für die Sendung MTV Unplugged auf. Statt das Programm um die größten Hits zu bauen, konzentrierte sich die Band auf weniger offensichtliche Songs und Coverversionen.

Zu hören waren «About a Girl», «Come as You Are», «Dumb», «Polly», «All Apologies» und «Something in the Way». Nirvana spielte außerdem David Bowies «The Man Who Sold the World», «Jesus Doesn't Want Me for a Sunbeam» von The Vaselines sowie drei Songs der Meat Puppets gemeinsam mit den Kirkwood-Brüdern. Den Abschluss bildete eine Interpretation des traditionellen Songs «Where Did You Sleep Last Night», der vor allem mit dem Repertoire von Lead Belly verbunden wird.

Das Konzert war im wörtlichen Sinne nicht vollständig akustisch: Cobain spielte seine Akustikgitarre über einen Verstärker, außerdem gehörten Pat Smear und die Cellistin Lori Goldston zur Bühnenbesetzung. Gerade die zurückhaltende Dynamik zeigte Nirvanas Songs jedoch von einer anderen Seite und unterstrich ihren melodischen Charakter.

Das Album MTV Unplugged in New York wurde erst nach der Auflösung der Band im November 1994 veröffentlicht. Es stieg auf Platz eins der Billboard 200 ein und brachte Nirvana 1996 den einzigen regulären Grammy der Bandgeschichte ein — für das beste Alternative-Music-Album.

Die letzten Konzerte

Anfang 1994 begann Nirvana den europäischen Abschnitt der In-Utero-Tournee. Das letzte vollständige Konzert der Band fand am 1. März 1994 in München statt.

Wenige Tage später wurde Cobain in Rom nach der Kombination von Medikamenten und Alkohol ins Krankenhaus eingeliefert. Die restlichen Konzerte wurden abgesagt. Ende März begab sich der Musiker zur Behandlung in eine Rehabilitationsklinik in Los Angeles, die er jedoch kurz darauf verließ, bevor er nach Seattle zurückkehrte.

Kurt Cobains Tod und das Ende von Nirvana

Kurt Cobain starb am 5. April 1994 im Alter von 27 Jahren in seinem Haus in Seattle. Seine Leiche wurde am 8. April von einem Elektriker entdeckt. Die gerichtsmedizinische Untersuchung und die polizeilichen Ermittlungen stuften seinen Tod als Suizid ein.

Nach Cobains Tod löste sich Nirvana auf. Krist Novoselic und Dave Grohl versuchten nicht, die Band mit einem anderen dauerhaften Frontmann fortzuführen, da die Songs und die kreative Identität Nirvanas untrennbar mit Cobain verbunden waren.

Sein Tod wurde zu einem der meistdiskutierten Ereignisse der Rockmusik der 1990er-Jahre. Ihn als unmittelbares «Ende des Grunge» zu bezeichnen, wäre jedoch ungenau. Andere führende Bands der Szene nahmen weiterhin Musik auf und gingen auf Tournee, auch wenn Cobains Tod zweifellos zu einer symbolischen Grenze innerhalb einer der wichtigsten Phasen des Alternative Rock dieses Jahrzehnts wurde.

Posthume Veröffentlichungen

Nach 1994 wurde das offizielle Nirvana-Archiv durch weitere Veröffentlichungen kontinuierlich erweitert. Neben MTV Unplugged in New York erschien 1996 das Livealbum From the Muddy Banks of the Wishkah, das aus Aufnahmen verschiedener Konzerte zusammengestellt wurde.

2002 erschien die Compilation Nirvana, die den zuvor offiziell unveröffentlichten Studiosong «You Know You're Right» enthielt. Er war im Januar 1994 aufgenommen worden und gilt als letzte bekannte Studioaufnahme der klassischen Besetzung.

Im Jahr 2004 erschien das umfangreiche Boxset With the Lights Out mit Demoaufnahmen, Konzertmaterial, seltenen Songs und alternativen Versionen. Später wurden Live at Reading und Live and Loud offiziell veröffentlicht, während Jubiläumsausgaben von Nevermind und In Utero das zugängliche Archiv der Band deutlich erweiterten.

Dave Grohl und Krist Novoselic nach Nirvana

Nach der Auflösung von Nirvana nahm Dave Grohl Material auf, aus dem 1995 das Debütalbum der Foo Fighters entstand. Bei der ursprünglichen Studioaufnahme spielte und sang er nahezu alle Instrumental- und Gesangsparts selbst, bevor er anschließend eine vollständige Band formierte. Foo Fighters wurden später zu einer der größten amerikanischen Rockbands ihrer Generation.

Krist Novoselic war an Projekten wie Sweet 75, Eyes Adrift und Giants in the Trees beteiligt und engagierte sich außerdem gesellschaftlich und politisch.

Pat Smear spielte später bei Foo Fighters und stand bei besonderen Auftritten zu Ehren der Musik von Nirvana mehrfach gemeinsam mit Grohl und Novoselic auf der Bühne.

Seltene gemeinsame Auftritte der verbliebenen Mitglieder

Nirvana wurde nie wieder als dauerhaft aktive Band gegründet, doch die verbliebenen Musiker spielten die Songs der Gruppe mehrmals gemeinsam. Im Jahr 2014, bei Nirvanas Aufnahme in die Rock and Roll Hall of Fame, traten Grohl, Novoselic und Smear gemeinsam mit den Gastsängerinnen Joan Jett, Kim Gordon, St. Vincent und Lorde auf.

Im Januar 2025 kamen die Musiker beim FireAid-Benefizkonzert in Los Angeles erneut zusammen. Anstatt Cobain durch einen einzelnen dauerhaften Sänger zu ersetzen, wurden die Gesangsparts von St. Vincent, Kim Gordon, Joan Jett und Dave Grohls Tochter Violet Grohl übernommen. Solche Auftritte bleiben Gedenk- und Sonderkonzerte und stellen keine Wiederbelebung von Nirvana als aktive Band dar.

Der Musikstil von Nirvana

Nirvana wird üblicherweise dem Grunge und Alternative Rock zugerechnet, doch die musikalische Grundlage der Band war deutlich breiter als diese Begriffe vermuten lassen. Sie verband amerikanischen Hardcore-Punk, Post-Punk, Noise-Rock, schwere Riffs der 1970er-Jahre und Cobains ausgeprägtes Gespür für Popmelodien.

Zu den wichtigen Einflüssen der Band wurden Pixies, Melvins, Sonic Youth, Black Flag, Beatles, Vaselines und andere stilistisch weit voneinander entfernte Künstler gezählt. Genau deshalb konnte Nirvana gleichermaßen überzeugend im kurzen Hardcore-Ausbruch von «Territorial Pissings», im melodischen «About a Girl», im schweren «Scentless Apprentice» und im beinahe kammermusikalischen «All Apologies» klingen.

Für Cobain war Lautstärke nie Selbstzweck. Eine der wichtigsten Eigenschaften seiner Songs blieb der Kontrast: Melodie und Lärm, Verletzlichkeit und Aggression, ein einfacher Refrain und bewusst mehrdeutige Texte. Diese Dualität wurde zu einem zentralen Bestandteil des unverwechselbaren Nirvana-Sounds.

Studio-Diskografie von Nirvana

  • Bleach — 1989
  • Nevermind — 1991
  • In Utero — 1993

Wichtige Compilations und Livealben

  • Incesticide — 1992, Sammlung seltener und zuvor veröffentlichter Aufnahmen
  • MTV Unplugged in New York — 1994, Livealbum
  • From the Muddy Banks of the Wishkah — 1996, Livealbum
  • Nirvana — 2002, Compilation
  • With the Lights Out — 2004, Archiv-Boxset
  • Sliver: The Best of the Box — 2005, Compilation mit Archivmaterial
  • Live at Reading — 2009, Livealbum
  • Live and Loud — 2019, Livealbum

Auszeichnungen und Anerkennung

Zu Lebzeiten der Band waren die Grammy Awards kein entscheidender Maßstab für Nirvanas Erfolg: Die Gruppe erhielt mehrere Nominierungen, doch ihr einziger regulärer Sieg kam erst nach Cobains Tod mit MTV Unplugged in New York. Die Recording Academy führt Nirvana mit einem Sieg bei sechs Nominierungen.

Im Jahr 2014 wurde Nirvana bereits im ersten Jahr der Nominierungsberechtigung in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Geehrt wurden Kurt Cobain, Krist Novoselic und Dave Grohl.

2017 wurde «Smells Like Teen Spirit» in die Grammy Hall of Fame aufgenommen, ein Jahr später folgte Nevermind. Diese Ehrungen bestätigten den offiziellen Status der Aufnahmen als Werke von dauerhaftem historischem Wert.

Die Bedeutung von Nirvana

Die historische Bedeutung von Nirvana liegt nicht darin, dass die Band den «Grunge erfunden» hätte: Der Stil und die entsprechende Musikszene existierten lange vor Nevermind. Mudhoney, Melvins, Soundgarden, Green River und andere Gruppen hatten bereits einen wesentlichen Teil seiner Ästhetik geprägt. Nirvanas Rolle war eine andere — die Band brachte die Prinzipien des amerikanischen Independent- und Punkrocks in das Zentrum der weltweiten Populärkultur, ohne sich dabei in ein konventionelles Stadionrock-Projekt zu verwandeln.

Der Erfolg von Nevermind veränderte die Sicht großer Plattenfirmen auf das kommerzielle Potenzial alternativer Musik. Nach 1991 erhielten Bands, die nur wenige Jahre zuvor noch als Teil der Independent-Szene wahrgenommen worden waren, Zugang zu einem wesentlich größeren Publikum. Die Rock & Roll Hall of Fame beschreibt Nirvana und insbesondere Cobain als eine der prägenden Kräfte des Alternative-Rock-Aufschwungs der frühen 1990er-Jahre.

Gleichzeitig ist Nirvanas Katalog für eine Band dieser Größenordnung ungewöhnlich klein: nur drei Studioalben, aufgenommen innerhalb von weniger als fünf Jahren. Gerade diese Kompaktheit unterstreicht das Ausmaß des Einflusses. Bleach bewahrte die Verbindung zum Underground, Nevermind veränderte die Stellung des Alternative Rock in der Massenkultur, und In Utero zeigte den Willen der Band, nach einem enormen kommerziellen Erfolg ihre künstlerische Unabhängigkeit zu bewahren.

Auch Jahrzehnte nach ihrer Auflösung bleibt Nirvana eine der wichtigsten Rockbands des späten 20. Jahrhunderts. Ihre Bedeutung beruht nicht allein auf «Smells Like Teen Spirit» oder dem Bild Kurt Cobains, sondern vor allem auf der seltenen Verbindung aus punkiger Unmittelbarkeit, schwerem Gitarrensound und Melodien, die weit über die Szene hinauswirken konnten, in der diese Musik ursprünglich entstanden war.


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