Татьяна Буланова

W&W ist ein niederländisches DJ- und Produzenten-Duo, bestehend aus Willem van Hanegem Jr. und Wardt van der Harst. Das Projekt existiert seit 2007 und entwickelte sich von Trance und Tech Trance der späten 2000er-Jahre zu einem der bekanntesten Acts im Festival-Big-Room und Mainstage-EDM. Parallel dazu betreiben die Musiker das Trance-Projekt NWYR sowie ihre eigene Marke und ihr Label Rave Culture.
Im heutigen Sound von W&W verbinden sich Trance, Big Room House, Hard Dance, Techno und Elemente von Progressive House. Der stilistische Wandel bedeutete dabei keinen vollständigen Bruch mit dem frühen Sound: Trance-orientierte Melodien gehören weiterhin zu den charakteristischen Merkmalen ihrer Musik. Die offizielle Biografie von W&W beschreibt den heutigen Stil des Duos als Verbindung aus Big Room, Trance, Techno und Hard Dance.
Gründung von W&W
Willem van Hanegem Jr. wurde am 25. Juni 1987 geboren, Wardt van der Harst am 26. Dezember 1988.
Die Musiker lernten sich im Internet kennen, wo beide in einem Musikforum aktiv waren und eigene Produktionen austauschten. Persönlich trafen sich Willem und Ward erstmals beim Festival Trance Energy 2007 in den Niederlanden. Nach diesem Treffen begannen sie gemeinsam im Studio zu arbeiten, und das neue Projekt erhielt den Namen W&W — nach den Anfangsbuchstaben ihrer Vornamen.
Zum Zeitpunkt der Gründung des Duos produzierten beide bereits eigenständig elektronische Musik. Ward arbeitete unter dem Namen Re-Ward, während Willem ebenfalls mit eigenen Trance-Produktionen experimentierte.
Mustang und die ersten Veröffentlichungen
Die erste Produktion, die die Richtung von W&W definierte, war Mustang. Der Track erhielt Unterstützung von Armin van Buuren, der ihn in A State of Trance präsentierte, und zog schnell die Aufmerksamkeit des Trance-Publikums auf sich. Die offizielle Veröffentlichung von Mustang / Eruption erfolgte 2008 auf Captivating Sounds, einem Sub-Label von Armada Music. W&W bezeichneten Mustang später selbst als ihre erste echte gemeinsame Komposition.
Darauf folgten Arena, Dome, Mainstage, D.N.A., Manhattan, Alpha, Impact und weitere Veröffentlichungen.
Der frühe Sound von W&W war härter als der klassische Uplifting Trance jener Zeit. Er verband groß angelegte Trance-Melodien, Tech Trance, dichte Rhythmik und Elemente von Techno. Bereits in einem frühen Beitrag von A State of Trance wurde das Duo als Projekt beschrieben, das Trance mit härteren elektronischen Elementen verbindet.
Impact
Am 23. September 2011 erschien über Armada Music das Debüt-Studioalbum Impact.
Zum ursprünglichen Material gehörten unter anderem:
- Do Not Skip
- AK-47
- Based on a True Story
- Impact
- Three O’Clock mit Ana Criado
- Cookie Jar
- Phantom
- Twist
- Nowhere to Go
- Code Red
- Velicity
- Treasure Chest
- State of Emergency
- Beta
Das Album etablierte W&W als einen der auffälligen Vertreter der neuen Generation von Trance-Produzenten zu Beginn der 2010er-Jahre.
Dabei waren Invasion und Lift Off! nicht auf dem Album enthalten. Invasion erschien 2012 als offizielle Hymne von A State of Trance 550, während Lift Off! im Dezember desselben Jahres veröffentlicht wurde.
Invasion und der Übergang zum Festival-Sound
Invasion (ASOT 550 Anthem) wurde zu einem der wichtigsten Tracks der Übergangsphase von W&W. Die Trance-Basis des Duos ist darin noch klar hörbar, doch Struktur und Größenordnung der Produktion waren bereits auf große Festivalbühnen ausgerichtet.
Anfang der 2010er-Jahre entfernten sich Willem und Ward allmählich von der traditionellen Trance-Formel. In ihrer Musik tauchten zunehmend Electro House, Festival Progressive und Produktionsansätze auf, die kurze Zeit später mit Big Room verbunden wurden.
Dieser Übergang verlief schrittweise, weshalb es ungenau wäre, die Geschichte von W&W in vollständig voneinander getrennte „Trance“- und „EDM“-Phasen aufzuteilen. Selbst in den härtesten Big-Room-Veröffentlichungen des Duos blieb die charakteristische Arbeit mit großen melodischen Themen erhalten.
Mainstage Music
2012 gründeten W&W ihr eigenes Label Mainstage Music.
Der Name griff die Idee ihres früheren Tracks Mainstage auf und spiegelte zugleich die Entwicklung des Duos hin zu Musik für die größten Festivalbühnen wider.
Über Mainstage Music erschienen sowohl eigene Produktionen von W&W als auch Veröffentlichungen anderer Produzenten. Das Label arbeitete mit Big Room, Progressive House, Trance und verwandten Stilrichtungen.
Mainstage Music wurde später zur Grundlage für das deutlich größer angelegte Projekt Rave Culture.
The Code, D# Fat und Jumper
2013 wurde zu einem der Schlüsseljahre beim Übergang von W&W zu Mainstage-EDM.
Gemeinsam mit Ummet Ozcan veröffentlichte das Duo The Code, mit Armin van Buuren entstand D# Fat. Im selben Jahr erschien außerdem Jumper, eine Zusammenarbeit mit Hardwell.
Diese Veröffentlichungen spiegelten das neue Modell von W&W deutlich wider: Trance-orientierte Synthesizer-Strukturen wurden mit minimalistischeren und härteren Festival-Drops kombiniert.
In dieser Phase trat das Duo immer häufiger auf den Hauptbühnen der größten EDM-Festivals auf und pflegte gleichzeitig weiterhin enge Beziehungen zu Armada Music und Künstlern aus der Trance-Szene.
Thunder und Bigfoot
2013 veröffentlichten W&W Thunder, im Februar 2014 folgte Bigfoot.
Gerade Bigfoot wurde zu einem der bekanntesten W&W-Tracks aus der Hochphase des Big Room House. Die Komposition basiert auf einem kurzen Synthesizer-Motiv, einem groß angelegten Build-up und einem für Festival-EDM dieser Zeit typischen Drop.
In dieser Phase etablierten sich W&W endgültig als Mainstage-Act und traten regelmäßig beim Ultra Music Festival, Tomorrowland, Electric Daisy Carnival, Amsterdam Music Festival und weiteren Großveranstaltungen auf.
Diesen Zeitraum ausschließlich als „Progressive House“ zu bezeichnen, wäre jedoch ungenau: Die zentralen Stilrichtungen von W&W Mitte der 2010er-Jahre waren vor allem Big Room, Electro House und Festival-EDM.
Kollaborationen
Die Studioarbeit mit anderen großen Produzenten wurde zu einem wichtigen Bestandteil der Diskografie von W&W.
Zu den auffälligsten gemeinsamen Veröffentlichungen gehören:
- D# Fat — mit Armin van Buuren
- Jumper — mit Hardwell
- Rocket — mit Blasterjaxx
- Shocker — mit Headhunterz
- The Dance Floor Is Yours — mit Hardwell
- If It Ain’t Dutch — mit Armin van Buuren
- Arcade — mit Dimitri Vegas & Like Mike
- Live the Night — mit Hardwell und Lil Jon
- Chakra — mit Vini Vici
- Ready to Rave — mit Armin van Buuren
- Wizard of the Beats — mit Sandro Silva und Zafrir
- Rave Love — mit AXMO
- Distant Memory — mit R3HAB und Timmy Trumpet
Diese Veröffentlichungen zeigen, wie breit W&W innerhalb der Festival-Elektronikszene gearbeitet haben — von Trance und Psy-Trance bis zu Big Room und Hard Dance.
Arcade
2016 arbeiteten W&W für den Track Arcade mit Dimitri Vegas & Like Mike zusammen.
Der Track wurde zu einer der bekanntesten gemeinsamen Produktionen der Künstler und lief regelmäßig auf großen Festivals. Später setzten beide Acts ihre Zusammenarbeit fort, darunter bei neuen Festivalprojekten und Remixen.
NWYR und die Rückkehr zu Trance
2017 präsentierten Willem van Hanegem und Wardt van der Harst ein neues Projekt namens NWYR.
Der Name wird wie New Year ausgesprochen. Die Einführung des Projekts erlaubte den Musikern, zwei Richtungen ihrer Arbeit voneinander zu trennen: Unter dem Namen W&W entwickelten sie Mainstage-EDM weiter, während NWYR Raum für eine moderne Version ihres Trance-Sounds bot.
Das offizielle Debüt von NWYR fand am 26. März 2017 auf der A State of Trance Stage beim Ultra Music Festival in Miami statt.
Zu den ersten veröffentlichten Arbeiten des Projekts gehörte ein Remix von Saving Light von Gareth Emery, STANDERWICK und HALIENE.
Später erschienen unter dem Namen NWYR:
- Voltage
- Dragon
- Ends of Time
- Wormhole
- The Melody mit Andrew Rayel
- Heart Eyes
- Gamer
- Zero Gravity
- weitere Trance-Veröffentlichungen und Remixe
Die offizielle Website von W&W beschreibt NWYR als ihr Alias für „futuristic anthem trance“ und einen tieferen Trance-Sound.
Die Existenz von NWYR zeigt, dass W&Ws Übergang zu Big Room keine Abkehr von Trance bedeutete. Stattdessen trennten die Musiker die beiden Richtungen auf unterschiedliche Projekte auf.
God Is a Girl und Experimente mit Hands Up
2018 veröffentlichten W&W ihre eigene Neuinterpretation von God Is a Girl, dem Hit des deutschen Projekts Groove Coverage.
Korrekt ist es, diese Version als Remake oder neue Version zu bezeichnen und nicht als Kollaboration zwischen W&W und Groove Coverage.
In dieser Phase experimentierte das Duo intensiv mit Eurodance- und Hands-Up-Ästhetik. Eine ähnliche Richtung zeigte sich in der Zusammenarbeit mit Darren Styles bei Long Way Down. Diese Produktionen erweiterten den Sound von W&W über klassischen Big Room hinaus.
Rave Culture
Im Herbst 2018 starteten W&W Mainstage Music unter dem Namen Rave Culture neu.
Rave Culture ist daher korrekter als Weiterentwicklung des seit Anfang der 2010er-Jahre bestehenden Labels und der Marke zu betrachten und nicht als vollständig neues Label, das erst 2018 gegründet wurde.
Die symbolische erste Veröffentlichung der neuen Phase war der Track Rave Culture.
W&W erklärten die Änderung damit, dass Mainstage Music zu stark ausschließlich mit dem Label selbst verbunden worden sei, während das neue Konzept eine breitere elektronische Kultur und verschiedene Genres umfassen sollte.
Im Laufe der Zeit entwickelte sich Rave Culture von einem Musik-Imprint zu einer umfassenden Marke, die Folgendes vereint:
- ein Musiklabel
- Konzerte und Festivalbühnen
- Rave Culture Radio
- Kleidung und Merchandise
- digitale Projekte
Das offizielle Konzept von Rave Culture umfasst Big Room, Hardstyle, Trance und Techno.
Mit dem Label arbeiteten in verschiedenen Phasen unter anderem AXMO, KEVU, SaberZ, Jaxx & Vega, NIVIRO und weitere Vertreter der modernen Mainstage-Szene.
Rave Culture Radio
W&W moderieren außerdem ihr eigenes Rave Culture Radio und führen damit die Tradition ihres früheren Mainstage Podcast fort.
Die Sendung widmet sich neuen Veröffentlichungen von W&W und Rave Culture, Festival-Elektronik und Tracks anderer Produzenten.
Entgegen verbreiteten Beschreibungen ist Rave Culture Radio offiziell eine bi-weekly Show — mit einer neuen Ausgabe alle zwei Wochen und keine wöchentliche Sendung.
Auf Minatrix.FM sind Ausgaben von Rave Culture Radio im Sendeplan des Radiosenders vertreten.
Die 2020er-Jahre
Anfang der 2020er-Jahre erweiterten W&W ihr stilistisches Spektrum weiter. In ihren Veröffentlichungen tauchten zunehmend Elemente von Hardstyle, Hands Up, Techno, Psy-Trance und schnelleren Formen von Festivalmusik auf.
Zu den auffälligen Veröffentlichungen dieser Phase gehören:
- Comin’ to Getcha — 2020
- Rave Love — mit AXMO
- Gold
- Distant Memory — mit R3HAB und Timmy Trumpet
- Remix von Dragostea Din Tei
- Heaven Is a Place on Earth
- Rave Superstar — mit AXMO und Haley Maze
- Jump Jump Jump — mit ItaloBrothers und Captain Curtis
Comin’ to Getcha, das in der ursprünglichen Biografie auf 2022 datiert wurde, erschien tatsächlich im Jahr 2020.
Bei Jump Jump Jump aus dem Jahr 2024 kombinierten W&W Jumpstyle, Trance und Progressive-orientierte Elemente in einem deutlich schnelleren Festivalformat.
Virale Experimente und ein neues Publikum
2025 begannen W&W, Internet-Memes und extrem schnelle Rave-Arrangements aktiv in ihre Auftritte zu integrieren.
Zu den auffälligsten Beispielen gehörte OIIA OIIA (Spinning Cat). Videoausschnitte mit dem Track verbreiteten sich stark in sozialen Netzwerken.
In dieselbe Richtung entwickelten sich ihre Versionen und Live-Experimente mit viralen Internetmotiven. W&W selbst erklärten, dass solches Material dabei geholfen habe, ein jüngeres Publikum mit elektronischer Tanzmusik in Kontakt zu bringen.
Vor dem Hintergrund dieser Phase erreichten W&W Platz 18 im DJ Mag Top 100 DJs 2025 und verbesserten sich damit um drei Positionen gegenüber dem Vorjahr.
W&W im Jahr 2026
2026 veröffentlichte das Duo weiterhin neue Musik und entwickelte Rave Culture weiter. Zu den Veröffentlichungen dieser Phase gehörten Rave From Outer Space mit Scooter und Jump To The Stars mit AXMO. Die offiziellen Seiten von W&W und Rave Culture präsentieren das Projekt weiterhin als aktives Mainstage-Duo.
Im März 2026 kündigte Willem van Hanegem eine vorübergehende Pause von der Tourneetätigkeit an. Er begründete die Entscheidung damit, sich nach angesammelter körperlicher und emotionaler Erschöpfung erholen und stärker auf seinen Zustand konzentrieren zu müssen. Während dieser Phase übernahm Wardt einen Teil der geplanten W&W-Auftritte.
Die Pause betraf Willems Tourneetätigkeit und bedeutete weder das Ende von W&W noch von Rave Culture.
Musikstil
Die Geschichte von W&W lässt sich grob in mehrere sich überschneidende Richtungen einteilen.
Trance
In frühen Produktionen wie Mustang, Arena, Mainstage und Impact bildeten Trance und Tech Trance mit groß angelegten Synthesizer-Melodien und härterer Rhythmik die Grundlage.
Big Room und Mainstage-EDM
Ab Lift Off!, Thunder, Jumper und insbesondere Bigfoot rückte die Musik von W&W deutlich näher an Big Room und Festival-Electro-House.
Hard Dance und Rave
In späteren Produktionen nahm der Einfluss von Hardstyle, Hands Up, Happy Hardcore, Techno und anderen energiegeladenen Genres deutlich zu.
NWYR
Über NWYR bewahrten die Musiker eine eigenständige Trance-Linie, die sich an modernem Anthem Trance und Progressive Trance orientiert.
Gerade das Nebeneinander dieser verschiedenen Richtungen macht es sinnvoller, W&W nicht als Projekt zu betrachten, das irgendwann einfach „von Trance zu Big Room gewechselt“ ist, sondern als Duo, das sich kontinuierlich zwischen Trance-Kultur und Festival-Mainstage-Musik bewegt.
Festivals und Live-Aktivitäten
Im Laufe ihrer Karriere traten W&W auf einigen der größten Bühnen der internationalen elektronischen Musikszene auf, darunter:
- Tomorrowland
- Ultra Music Festival
- Electric Daisy Carnival
- Amsterdam Music Festival
- Creamfields
- Parookaville
- Airbeat One
Ihre Festival-Sets bestehen üblicherweise nicht nur aus eigenen Singles. W&W verwenden aktiv Mash-ups, Bootlegs und spezielle Live-Versionen von Tracks, weshalb ein erheblicher Teil des Materials aus ihren Sets möglicherweise nie offiziell veröffentlicht wird.
Hauptdiskografie
Studioalben
- Impact — 2011
Ausgewählte W&W-Tracks
- Mustang
- Arena
- Mainstage
- Impact
- AK-47
- Invasion (ASOT 550 Anthem)
- Lift Off!
- The Code — mit Ummet Ozcan
- D# Fat — mit Armin van Buuren
- Thunder
- Jumper — mit Hardwell
- Bigfoot
- Arcade — mit Dimitri Vegas & Like Mike
- Live the Night — mit Hardwell und Lil Jon
- Chakra — mit Vini Vici
- Rave Culture
- Ready to Rave — mit Armin van Buuren
- Rave Love — mit AXMO
- Rave Superstar — mit AXMO und Haley Maze
- Jump Jump Jump — mit ItaloBrothers und Captain Curtis
Bedeutung
W&W nehmen in der Geschichte der europäischen elektronischen Musik eine besondere Stellung ein, weil sie für Mainstage-Künstler ungewöhnlich eng mit zwei unterschiedlichen Epochen verbunden sind.
Ende der 2000er-Jahre entstanden sie innerhalb der internationalen Trance-Szene und erhielten frühe Unterstützung durch A State of Trance und Armada Music. In der ersten Hälfte der 2010er-Jahre wurde das Duo zu einem der wichtigsten Akteure beim Wandel der Festival-Elektronik hin zu Big Room und Mainstage-EDM, bevor es später über NWYR wieder eine eigenständige Trance-Linie etablierte.
Rave Culture ermöglichte W&W, dieses Modell weiterzuentwickeln und Big Room, Trance, Hardstyle, Techno, eigene Events und eine Radiosendung unter einer Marke zu vereinen. Mitte der 2020er-Jahre gehören W&W weiterhin zu den bekanntesten niederländischen Festivalprojekten und bewahren dabei sowohl die Verbindung zur Trance-Kultur, aus der sie hervorgegangen sind, als auch zur modernen Mainstage-Szene.


