Martin Garrix

Maddix ist der Künstlername des niederländischen DJs und Musikproduzenten Pablo Rindt, der am 3. Dezember 1990 geboren wurde. Seine internationale Karriere begann er als Vertreter von Big Room und Festival-EDM, wurde zu einem festen Bestandteil von Revealed Recordings und veränderte später sein eigenes Klangbild grundlegend, indem er Techno, Trance, Acid, Rave und die Energie großer Festivalbühnen miteinander verband. Zu den bekanntesten Tracks von Maddix gehören Ecstasy, Heute Nacht, My Gasoline, The Formula, ACID, Revolution, Open Sesame (Abracadabra) sowie Kollaborationen mit Hardwell, Armin van Buuren, Timmy Trumpet, KSHMR, UMEK, Vini Vici und weiteren Künstlern.
Eine Besonderheit seiner Karriere besteht darin, dass sich sein heute bekanntester Stil keineswegs am Anfang entwickelte. Mehr als die Hälfte der 2010er Jahre veröffentlichte Maddix Musik während der Hochphase von Big Room House, konnte seinen eigenen Produktionsstil jedoch neu aufbauen, anstatt gemeinsam mit dem Bedeutungsverlust dieses Genres allmählich von der Bildfläche zu verschwinden. Der Wandel begann mit härteren Experimenten und wurde mit Ecstasy im Jahr 2020 endgültig deutlich. Mitte des folgenden Jahrzehnts wurde seine Musik vor allem als Mischung aus Techno, Rave, Trance und Hard Dance beschrieben, während DJ Mag Heute Nacht und My Gasoline zu den wichtigsten Tracks des Künstlers zählte.
Musikalische Familie, Schlagzeug und FL Studio
Pablo Rindt wuchs in den Niederlanden in einer Familie auf, in der Musik zum Alltag gehörte. Seine Mutter beschäftigt sich mit Percussion und unterrichtet das Spielen der afrikanischen Djembe. Als Kind spielte der spätere Maddix selbst Djembe, Klavier und Schlagzeug. Bereits diese frühe musikalische Ausbildung führte zu einer ausgeprägten Aufmerksamkeit für Rhythmus — ein Element, das sowohl während seiner Big-Room-Phase als auch in seiner später deutlich härteren Techno-Musik wichtig blieb.
Für elektronische Tanzmusik interessierte sich Rindt bereits während seiner Schulzeit ernsthaft. Ein Freund zeigte ihm FL Studio, woraufhin Pablo begann, sich selbstständig mit der Produktion elektronischer Musik zu beschäftigen. Diese Arbeitsumgebung behielt er während seiner gesamten professionellen Karriere bei: In einem Interview mit den Entwicklern von FL Studio erklärte der Produzent, dass er das Programm in allen Phasen verwendet — vom Komponieren und Arrangieren bis hin zum finalen Mixing und Mastering.
Bevor Musik zu einem Vollzeitberuf wurde, waren allerdings viele Jahre Übung nötig. In einem Interview aus dem Jahr 2019 sagte Maddix, dass er zu diesem Zeitpunkt bereits seit ungefähr vierzehn Jahren produzierte. Er erinnerte sich daran, stundenlang versucht zu haben, einzelne Elemente professioneller Produktionen nachzubauen — beispielsweise eine vergleichbare Wucht der Drums zu erreichen —, nicht um einen Track wortwörtlich zu kopieren, sondern um den technischen Aufbau hochwertiger elektronischer Musik zu verstehen.
Wie das Projekt Maddix entstand
Seine professionelle Diskografie begann in der ersten Hälfte der 2010er Jahre. In Musikkatalogen finden sich frühe Maddix-Veröffentlichungen bereits aus dem Jahr 2013, während Rindt selbst 2014 als den Zeitpunkt beschrieb, an dem er unter diesem Künstlernamen eine neue Phase beginnen wollte. Seine ursprüngliche Strategie war typisch für junge EDM-Produzenten jener Zeit: kostenlose Downloads, inoffizielle Bearbeitungen bekannter Tracks und der Versuch, Unterstützung von größeren DJs zu erhalten.
Zu seinen ersten auffälligen offiziellen Veröffentlichungen gehörte Rampant auf Oxygen, einem Sublabel von Spinnin' Records. Danach erschien Raise Em Up auf Armada Trice. Gerade dieser Track spielte eine wichtige Rolle für seine Verbindung zum Umfeld von Hardwell: Dyro spielte ihn in seiner Sendung WOLV Radio, woraufhin sich das Management von Revealed bei Maddix meldete. Der Produzent bezeichnete Raise Em Up später selbst als den Ausgangspunkt seiner langjährigen Zusammenarbeit mit dem Label.
In dieser Phase arbeitete Maddix vor allem im Bereich Electro House und Big Room. Seine Musik basierte auf kraftvollen Festival-Drums, kurzen Build-ups, Synthesizer-Leads und großen Drops — jener Ästhetik, die einen beträchtlichen Teil der europäischen EDM-Szene Mitte der 2010er Jahre prägte. Schon damals versuchte er jedoch, sich nicht vollständig auf eine standardisierte Formel zu beschränken: In Interviews betonte der Produzent, dass er keinen „gewöhnlichen Big Room“ machen wolle und sich wesentlich breiter für elektronische Musik interessiere als nur für ein einziges Genre.
Riptide und die Etablierung bei Revealed Recordings
2015 veröffentlichte Maddix Riptide auf Revealed Recordings. Der Track wurde in die Compilation Hardwell presents Revealed Vol. 6 aufgenommen und half dabei, den Namen des Produzenten endgültig innerhalb des Label-Umfelds zu etablieren. In den folgenden Jahren setzte sich die Zusammenarbeit mit Ghosts, Voltage, Invictus, Game On, Shake It, The Underground, Mantra und zahlreichen weiteren Veröffentlichungen fort.
Die Verbindung mit Revealed war nicht nur für die Veröffentlichung seiner Musik wichtig. Hardwell spielte regelmäßig Tracks von Maddix in seinen eigenen Sets, während Label-Events dem jungen Produzenten die Möglichkeit gaben, außerhalb der Niederlande aufzutreten. Maddix sagte später selbst, dass gerade dieses Team ihm den Zugang zum internationalen Tourmarkt eröffnet habe.
Die erste offizielle Kollaboration von Maddix und Hardwell war Smash This Beat, veröffentlicht 2017 im Rahmen von Hardwell & Friends EP Vol. 1. Die Initiative ging von Pablo selbst aus: Er schickte Hardwell die ursprüngliche Idee und schlug vor, den Track gemeinsam fertigzustellen. Für Maddix wurde diese Zusammenarbeit zu einem wichtigen Symbol für den Übergang vom jungen Künstler, dessen Musik von einem bekannten DJ unterstützt wurde, zur direkten Studioarbeit mit dem Kopf von Revealed.
Bella Ciao, The Prophecy und der Höhepunkt der Big-Room-Phase
Gegen Ende der 2010er Jahre bestand Maddix’ Katalog zunehmend aus großen Kollaborationen. 2018 arbeitete er erneut mit Hardwell zusammen und produzierte eine eigene Festivalinterpretation von Bella Ciao. Im selben Jahr erschien gemeinsam mit dem australischen DJ Timmy Trumpet The Prophecy, während mit Will Sparks Mangalam entstand. Diese Tracks spiegelten Maddix’ damalige Position wider: Er war bereits fest in der internationalen Mainstage-Szene etabliert, doch Big Room blieb weiterhin seine wichtigste musikalische Waffe.
Parallel dazu erschienen Kollaborationen mit KAAZE, Futuristic Polar Bears, Joey Dale, Olly James, KEVU und weiteren Künstlern aus dem Umfeld von Revealed und benachbarten EDM-Labels. Formal war diese Phase seiner Karriere erfolgreich, gleichzeitig veränderte sich jedoch die Festivalszene allmählich: Der Sound, der zwischen 2013 und 2015 dominiert hatte, nahm nicht mehr dieselbe zentrale Stellung ein. Für Maddix fiel diese Entwicklung mit dem Wunsch zusammen, sich härterer und weniger vorhersehbarer Musik zuzuwenden.
Ecstasy: der Moment, in dem Maddix die Richtung änderte
Am 27. März 2020 erschien auf Revealed Recordings die Single Ecstasy. Maddix selbst präsentierte sie als Beginn einer neuen Ära, während sein später gegründetes Label EXTATIC den Track ausdrücklich als erste Big-Room-Techno-Veröffentlichung dieser neuen Phase bezeichnete. Der bekannte Festivalmaßstab wurde hier mit einer geraden Techno-Kick, Acid-Synthesizern und härteren Rhythmen kombiniert.
Der Wandel bedeutete nicht, dass Maddix einfach ein Genre aufgab und zu einem traditionellen Techno-Produzenten wurde. Vielmehr übertrug er die Struktur des Big Room auf anderes Klangmaterial. Aus dem früheren Stil blieben große Build-ups, klar erkennbare Höhepunkte und die Ausrichtung auf Festivaldimensionen erhalten; aus dem Techno kamen höhere Tempi, eine schwere gerade Kick, Acid-Linien und eine stärkere Rave-Härte hinzu. Genau diese Verbindung wurde später häufig als Big Room Techno bezeichnet.
Nach Ecstasy erschienen im Verlauf des Jahres 2020 Technology, Existence, Electric, Tekno, Your Mind, The Rave und Reality. Aus einem einzelnen experimentellen Track wurde damit eine ganze Reihe von Veröffentlichungen, die bestätigte, dass der Richtungswechsel bewusst gewählt war. Ein Teil dieses Materials erschien auf Tribe EP Vol. 1.
Die Pandemie als Phase der Neuausrichtung
Paradoxerweise entstand diese neue Version von Maddix genau in dem Moment, als die weltweite Clubindustrie aufgrund der Pandemie zum Stillstand kam. Statt das neue Material sofort auf großen Festivals testen zu können, erhielt der Produzent Zeit, seine neue musikalische Sprache systematisch weiterzuentwickeln. 2021 erschienen Superheroes, In My Body, Home, Receive Life, Acid Soul, PYDNA, Different State und State Of Mind.
In diesen Produktionen wurde besonders deutlich, dass Trance- und Acid-Elemente zurückkehrten und später beinahe gleichberechtigt neben Techno stehen sollten. Deshalb wäre es ungenau, Maddix in seiner späteren Phase lediglich als Techno-Künstler zu bezeichnen. Seine Musik beruht auf einem ständigen Austausch zwischen mehreren Traditionen der elektronischen Szene: Rave und Acid liefern Klangfarben, Trance die melodische Euphorie, Techno das rhythmische Fundament und die Geschwindigkeit, Big Room wiederum die Größe der Arrangements. Die offizielle Konzeption von EXTATIC beschreibt denselben Ansatz als Verschmelzung von Techno, Trance und EDM.
Heute Nacht — der Track, der seine Karriere auf eine neue Ebene brachte
Der eigentliche Durchbruch des neuen Sounds erfolgte 2022. Nach The Formula, Culture, Ce Soir (Voulez-Vous) und No Escape veröffentlichte Maddix Heute Nacht. Der Track erschien am 14. Oktober 2022 auf Revealed und wurde vom Label offiziell als Techno eingeordnet. Die Produktion verwendete einen deutschsprachigen Vocal-Hook, ein hohes Tempo und eine Synthesizer-Linie, die sich gleichzeitig zwischen Techno, Trance und Rave bewegte.
Heute Nacht wurde erheblich größer als die vorherigen Tracks seiner neuen Phase. Die Aufnahme verbreitete sich über TikTok und Instagram Reels und erreichte ein Publikum weit außerhalb der bisherigen Revealed-Hörerschaft. DJ Mag Germany verwies auf die Präsenz des Tracks in den Techno-Charts von Beatport und in sozialen Netzwerken, während die internationale Ausgabe von DJ Mag Heute Nacht später als einen der beiden Tracks bezeichnete, mit denen Maddix am stärksten verbunden wird.
Der Erfolg war auch deshalb wichtig, weil er die Tragfähigkeit der eingeschlagenen Richtung bestätigte. Wenn Ecstasy 2020 das Statement für einen Kurswechsel gewesen war, zeigte Heute Nacht, dass die hybride Musik von Maddix gleichzeitig für ein Festival-EDM-Publikum, in Techno-Playlists und innerhalb der modernen Rave-Szene funktionieren konnte.
Hardwell kehrt zurück — und die Zusammenarbeit erhält ein zweites Leben
Nach Hardwells Rückkehr zu aktiven Auftritten wurde auch dessen eigene Musik erheblich härter und näherte sich Big Room Techno an. Dadurch erhielt die langjährige Zusammenarbeit mit Maddix eine natürliche Fortsetzung. 2023 veröffentlichten sie gemeinsam mit 4 Strings Take Me Away Again, basierend auf dem Trance-Klassiker Take Me Away, und zusammen mit Timmy Trumpet entstand Revolution.
Im selben Jahr veröffentlichten Hardwell und Maddix ACID mit Vocals von Luciana. Statt zum Klang von Smash This Beat zurückzukehren, setzte das Duo auf eine charakteristische Acid-Linie und einen harten Festivalrhythmus. Die Zusammenarbeit passte sich damit an die neue musikalische Phase beider Produzenten an.
Eine weitere bemerkenswerte Produktion war die offizielle Neuinterpretation von Satisfaction von David Guetta und Benny Benassi. Hardwell und Maddix überführten eines der Symbole des Electro House der frühen 2000er Jahre in eine beschleunigte moderne Festivalform. Dieser Ansatz — zu einer älteren Rave-, Trance- oder EDM-Idee zurückzukehren und sie mit schwereren Rhythmen neu zu interpretieren — tauchte später mehrfach im Katalog von Maddix auf.
My Gasoline
Am 18. August 2023 erschien My Gasoline mit Vocals von Fēlēs. Der Track wurde auf Maddix’ eigenem Label EXTATIC veröffentlicht und entwickelte sich neben Heute Nacht schnell zu einer der zentralen Produktionen seiner neuen Phase. Die Originalversion hat ein Tempo von 140 BPM und wird von Beatport der Kategorie Peak Time / Driving Techno zugeordnet.
Im März 2024 veröffentlichten Maddix und der französische Produzent Basswell die deutlich schnellere Version My Gasoline (Hard Edit). Das Tempo stieg auf 152 BPM, während Beatport den Track nun in Hard Dance / Hardcore / Neo Rave einordnete. Dasselbe musikalische Material wurde damit zu einer anschaulichen Illustration der allgemeinen Entwicklung von Maddix: Die Grenzen zwischen Big Room Techno, Hard Techno, Trance und Hard Dance wurden für ihn zunehmend unwichtiger.
EXTATIC Records
2023 gründete Maddix sein eigenes Label EXTATIC Records, das auch als XTTC stilisiert wird. Das Projekt entstand gemeinsam mit der Infrastruktur von Revealed und war als Plattform für Musik gedacht, die nicht zwingend in traditionelle Genrevorlagen passen muss. Die offizielle Konzeption des Labels verbindet seine Entstehung direkt mit dem Hybrid aus Techno, Trance und EDM, der sich zuvor in Maddix’ eigener Musik entwickelt hatte.
EXTATIC ermöglichte ihm den Übergang vom Revealed-Künstler zum eigenständigen Kurator. Auf dem Label erschienen nicht nur Soloproduktionen von Maddix, sondern auch Kollaborationen und Veröffentlichungen anderer Produzenten aus dem Umfeld der modernen Rave-Szene. Gleichzeitig blieb die Verbindung zu Revealed bestehen: Die Unternehmen arbeiten weiterhin zusammen, und EXTATIC funktioniert eher als Erweiterung des musikalischen Raums von Maddix denn als Bruch mit seinem früheren Label.
Von Open Sesame bis My Fantasy: die Musik wird schneller und breiter
2024 arbeitete Maddix weiterhin gleichzeitig mit Techno, Trance und härteren Stilrichtungen. Open Sesame (Abracadabra) mit Vocals der schwedischen Sängerin Leila K verwendete wiedererkennbares Material ihres europäischen Hits aus den 1990er Jahren und wurde von Revealed als Acid/Techno eingeordnet. Später produzierten D-Block & S-te-Fan eine eigene Hardstyle-Version des Tracks.
Gemeinsam mit Hardwell und Blasterjaxx veröffentlichte Maddix 16, während mit Vini Vici Spiritum entstand. Die Zusammenarbeit mit HI-LO, dem Techno-Projekt von Oliver Heldens, führte zu My Fantasy. Diese Kollaborationen zeigen deutlich, dass Maddix zwischen mehreren Szenen steht: Seine Partner können Big-Room-Produzenten, Psytrance-Künstler oder Musiker aus dem Peak-Time-Techno-Bereich sein.
Ein weiteres charakteristisches Beispiel ist Meet Her At The Love Parade mit Dimitri Vegas & Like Mike und Kiki Solvej. Schon der Titel verweist auf Meet Her at the Loveparade von Da Hool — einen der prägenden europäischen Clubtracks der 1990er Jahre. Solche Rückgriffe auf frühe Rave- und Trance-Kultur wurden für Maddix nicht zu gelegentlicher Nostalgie, sondern zu einer dauerhaften Quelle musikalischen Materials.
Festivals und Maddix’ veränderter Status als DJ
Das Wachstum seines Streaming-Publikums ging mit dem Aufstieg auf die größten internationalen Bühnen einher. Maddix trat beim Ultra Music Festival, Tomorrowland, EDC Las Vegas, Parookaville, Mysteryland und weiteren großen Festivals auf. 2024 führte ihn seine Global Awakening Tour durch Europa, Nordamerika, Asien, Australien und Neuseeland.
Auch Maddix’ Position innerhalb der Branche veränderte sich. Im DJ Mag Top 100 DJs Poll debütierte er 2023 auf Platz 95, stieg 2024 auf Platz 69 und erreichte 2025 Platz 53. Das Ranking selbst ist kein Maßstab für künstlerische Qualität, doch diese Entwicklung spiegelt die starke Vergrößerung seines internationalen Publikums nach Heute Nacht und My Gasoline deutlich wider.
Hellfire und Rave Till My Grave
2025 entwickelte Maddix EXTATIC weiter und verstärkte gleichzeitig seine Verbindung zu härterer europäischer Tanzmusik. Eine der größeren Kollaborationen war Hellfire mit dem italienischen DJ und Produzenten Gabry Ponte. Der Track erschien auf EXTATIC und verband eine harte gerade Rhythmik mit großen Chorelementen und festivaltypischer Dramaturgie.
Eine besondere Stellung nahm eine weitere Zusammenarbeit mit Hardwell ein: Rave Till My Grave mit Vocals von Villain. Die Veröffentlichung erschien am 1. August 2025 auf Revealed. Im Gegensatz zu den frühen Kollaborationen von Hardwell und Maddix blieb hier praktisch nichts vom traditionellen Progressive oder Big Room House übrig: Rave, Techno und Hard Dance bildeten das Fundament.
Für beide Produzenten wurde der Track zu einer Art Rückkehr zur Idee des Raves als eigenständiger Kultur und nicht lediglich als Ästhetik großer Festivals. DJ Mag hob Rave Till My Grave gesondert als eine der zentralen Produktionen von Maddix aus dieser Phase hervor.
Armin van Buuren und die Verbindung von Techno mit Trance
Der zunehmende Trance-Anteil in Maddix’ Musik führte zu einer engen kreativen Verbindung mit Armin van Buuren. Beide traten gemeinsam auf, während Maddix zuvor bereits Remixe zu Armin-Tracks wie This Is What It Feels Like, Computers Take Over The World und Lose This Feeling produziert hatte.
Im Februar 2026 veröffentlichten Armin van Buuren und Maddix gemeinsam Mouth Go LaLa mit Caroline Roxy. Die ursprüngliche Idee war speziell für einen gemeinsamen Auftritt entstanden, während Armins offizielle Beschreibung ausdrücklich die Verbindung von Techno und Trance hervorhob. Die Extended Version läuft mit 150 BPM und liegt damit deutlich über dem typischen Tempo des klassischen Trance der 2000er Jahre.
Diese Zusammenarbeit setzte Maddix’ eigene Entwicklung logisch fort. Während er Mitte der 2010er Jahre vor allem im Umfeld von Hardwell und Big Room House positioniert war, ließ sich seine spätere Musik ebenso selbstverständlich mit Armin van Buuren, HI-LO, UMEK, Hard Techno und der Hardstyle-Szene verbinden.
MOVEMENT:X
Am 26. Juni 2026 veröffentlichte Maddix auf EXTATIC die fünf Tracks umfassende EP MOVEMENT:X. Sie enthält We Rave, Coming Home mit Caroline Roxy, Acid For Breakfast, Over the Edge mit RYVM und My Favourite Regrets. Die Veröffentlichung wurde offiziell als Techno bezeichnet und erschien über EXTATIC unter Lizenz von Revealed Music.
Die EP zeigt, wie weit sich sein aktueller Sound vom geradlinigen Big Room der Mitte der 2010er Jahre entfernt hat. Acid, Trance-Melodien, schnelle Rave-Drums und harte Übergänge existieren hier gleichzeitig, doch die Struktur behält weiterhin Maddix’ charakteristische Orientierung auf große Dancefloors bei.
Einen Monat nach MOVEMENT:X erschien eine weitere charakteristische Produktion: GABBER mit dem niederländischen Hard-Techno-Produzenten DYEN. Die Künstler bezogen sich bewusst auf niederländischen Gabber und Hardcore der 1990er Jahre und erweiterten Maddix’ musikalisches Spektrum damit noch stärker in Richtung extremerer Tanzmusik.
Warum Maddix’ Musik nicht in ein einziges Genre passt
Der Begriff Big Room Techno wird häufig auf Maddix angewendet und beschreibt eine wichtige Phase seiner Entwicklung gut, reicht für seinen gesamten aktuellen Katalog jedoch nicht aus. Seine Musik enthält gleichzeitig Elemente aus Peak-Time Techno, Acid Techno, Trance, Hard Dance, Neo Rave, Hardstyle und älterem Festival-EDM. Selbst Beatport verteilt seine Veröffentlichungen auf mehrere völlig unterschiedliche Kategorien — Mainstage, Techno, Hard Techno, Hard Dance und Progressive House.
Konstant bleibt nicht das Genre, sondern die Architektur des Tracks. Maddix bevorzugt ein kraftvolles rhythmisches Fundament, kurze und leicht wiedererkennbare Vocal-Phrasen, schnelle Acid-Sequenzen und große Höhepunkte. Selbst wenn das Tempo über 150 BPM steigt, behält die Musik die Festival-DNA seiner frühen Karriere: Sie ist nicht nur für einen kleinen dunklen Club gedacht, sondern auch für zehntausende Menschen vor einer großen Bühne.
Aus dem Trance stammt in seinen Produktionen vor allem das Gefühl von Auftrieb und melodischer Euphorie. Techno liefert die physische Gleichmäßigkeit der Kick und stärkeren Druck. Acid bringt scharfe, an TB-303 erinnernde Linien, Hard Dance die Geschwindigkeit, während seine Big-Room-Erfahrung es ihm ermöglicht, all diese Elemente zu einer verständlichen Festivaldramaturgie zusammenzufügen. Deshalb erhielt Maddix in verschiedenen Phasen Unterstützung von Künstlern, die normalerweise sehr unterschiedlichen Bereichen der elektronischen Szene zugerechnet werden.
Diskografie von Maddix
Maddix baute seine Karriere hauptsächlich über Singles, EPs, Remixe und Kollaborationen auf und nicht über eine traditionelle Abfolge von Studioalben. Deshalb ist es für seine Diskografie aussagekräftiger, die wichtigsten Veröffentlichungen der einzelnen Phasen hervorzuheben.
Ausgewählte Veröffentlichungen der frühen und Big-Room-Phase:
- Rampant — 2014;
- Raise Em Up — 2015;
- Riptide — 2015;
- Ghosts — 2015;
- Lynx — mit Futuristic Polar Bears, 2016;
- Invictus — mit Olly James, 2016;
- Smash This Beat — mit Hardwell, 2017;
- Trabanca — mit Junior, 2017;
- Bella Ciao — mit Hardwell, 2018;
- The Prophecy — mit Timmy Trumpet, 2018;
- Mangalam — mit Will Sparks, 2018;
- People Are Strange — mit KAAZE feat. Nino Lucarelli, 2019.
Dieser Katalog spiegelt die Jahre wider, in denen Maddix vor allem Teil der Big-Room- und Festival-EDM-Szene von Revealed war.
Wichtige Veröffentlichungen der neuen Phase:
- Ecstasy — 2020;
- Technology — 2020;
- Tribe EP Vol. 1 — 2020;
- Superheroes — 2021;
- Acid Soul — 2021;
- PYDNA — 2021;
- The Formula — 2022;
- Culture — 2022;
- Heute Nacht — 2022;
- Take Me Away Again — mit Hardwell und 4 Strings, 2023;
- Revolution — mit Hardwell und Timmy Trumpet, 2023;
- ACID — mit Hardwell feat. Luciana, 2023;
- Close To You — mit KSHMR, 2023;
- My Gasoline — feat. Fēlēs, 2023;
- Hypnotizing — mit UMEK, 2023;
- Open Sesame (Abracadabra) — feat. Leila K, 2024;
- 16 — mit Hardwell und Blasterjaxx, 2024;
- Spiritum — mit Vini Vici, 2024;
- My Fantasy — mit HI-LO, 2024;
- Hellfire — mit Gabry Ponte, 2025;
- Rave Till My Grave — mit Hardwell feat. Villain, 2025;
- Mouth Go LaLa — mit Armin van Buuren feat. Caroline Roxy, 2026;
- MOVEMENT:X — EP, 2026;
- GABBER — mit DYEN, 2026.
Die Veröffentlichungen der neuen Phase zeigen den konsequenten Übergang von Big Room Techno zu einem wesentlich breiteren Feld aus Rave, Trance, Acid und Hard Dance.
Remixe und die Arbeit mit Klassikern der elektronischen Musik
Remixe nehmen einen eigenen Platz im Katalog von Maddix ein. In seiner frühen Phase verbreitete er inoffizielle Bearbeitungen von Calvin Harris, Dannic und anderen EDM-Künstlern, später erhielt er die Möglichkeit, offiziell mit Musik von Künstlern zu arbeiten, die seine eigene Generation geprägt hatten.
Zu seinen bemerkenswertesten offiziellen Arbeiten gehören Remixe von This Is What It Feels Like von Armin van Buuren, Lethal Industry von Tiësto, Tell Me Why von Supermode, Traffic von Tiësto, Computers Take Over The World und Lose This Feeling von Armin van Buuren sowie die gemeinsam mit Hardwell produzierte Version von Satisfaction.
Die Rückgriffe auf ältere Trance-, Rave- und Electro-Kompositionen passen logisch zur allgemeinen Ästhetik von Maddix. Sein späterer Stil versucht nicht, die 1990er oder frühen 2000er wortwörtlich zu reproduzieren. Der Produzent behält normalerweise eine wiedererkennbare Melodie oder Vocal-Idee bei und erhöht gleichzeitig deutlich Geschwindigkeit, Druck der Drums und Größe des Höhepunkts.
Maddix und die neue Festival-Rave-Szene
Maddix nimmt eine ungewöhnliche Position zwischen zwei Generationen elektronischer Musik ein. Seine professionelle Grundlage entstand während des weltweiten EDM-Booms, als Spinnin' Records, Armada, Revealed und große Festivalbühnen zu den wichtigsten Orientierungspunkten für junge Produzenten gehörten. Der sichtbarste Teil seiner Karriere fiel jedoch bereits in eine andere Ära — eine Zeit, in der Acid, Trance, Hard Techno, Gabber und Rave-Ästhetik zu einem großen jungen Publikum zurückkehrten.
Statt seine Vergangenheit vollständig abzulehnen, verband Maddix beide Modelle miteinander. Aus dem EDM behielt er die Fähigkeit, Musik für riesige Bühnen zu schreiben und sofort verständliche Höhepunkte zu schaffen; aus der modernen Rave-Kultur übernahm er Geschwindigkeit, eine rauere Klangästhetik und die Freiheit von strengen Genregrenzen. EXTATIC Records wurde zur logischen Fortsetzung dieser Idee: Das Label erklärt offiziell kreative Freiheit für wichtiger als die Anpassung an einen bestimmten Stil.
Genau deshalb sollte Heute Nacht weniger als zufälliger viraler Hit betrachtet werden, sondern vielmehr als der Moment, in dem Maddix’ jahrelange Neuausrichtung für ein Massenpublikum sichtbar wurde. Zwischen Riptide und Heute Nacht liegen fast sieben Jahre, zwischen Smash This Beat und Rave Till My Grave acht. In dieser Zeit veränderte sich praktisch die gesamte elektronische Szene um ihn herum, doch die Zusammenarbeit mit vielen derselben Künstler setzte sich in einer völlig anderen musikalischen Sprache fort.
Damit wurde Maddix zu einem der deutlichsten Beispiele dafür, wie ein Produzent aus der Big-Room-Ära nicht lediglich auf einen neuen Trend reagieren, sondern die eigene Vergangenheit als Bestandteil eines neuen Stils nutzen kann. Techno, Trance, Acid, Hard Dance und Festival-EDM existieren in seiner Musik nicht getrennt voneinander: Sie bilden ein gemeinsames System, das gleichzeitig für Rave-Kultur und die größten Festivalbühnen ausgelegt ist. Gerade die Fähigkeit, die Anteile dieser vertrauten Elemente immer wieder neu zu verändern, ohne die eigene Handschrift zu verlieren, bestimmt Maddix’ Stellung in der modernen elektronischen Musik.


