ERA - Biografie und Diskografie, alle Alben und Songs

ERA

ERA ist ein französisches Musikprojekt des Komponisten, Produzenten und Gitarristen Eric Lévi, das Mitte der 1990er Jahre entstand. Seine Musik verbindet Chorgesang, symphonische Arrangements, Rockgitarre, elektronische Rhythmen, New Age sowie Elemente klassischer und mittelalterlicher Musik, während ein großer Teil der Gesangspassagen in einer eigens erfundenen Sprache vorgetragen wird, die an Latein erinnert. Den internationalen Durchbruch brachte dem Projekt Ameno; später folgten Divano, Enae Volare, The Mass, Misere Mani, Looking for Something, Reborn, Kilimandjaro, Prayers, 7 Seconds, Agnus Deorem und weitere Werke.

ERA lässt sich nicht als gewöhnliche Band mit fester Besetzung verstehen. Es ist vor allem die künstlerische Welt von Eric Lévi, der die Musik schreibt, Arrangements entwickelt und die gesamte ästhetische Konzeption bestimmt, während er für einzelne Aufnahmen Sänger, Chöre und Instrumentalisten einlädt. Auf dem Debütalbum wirkten zum Beispiel der britische Sänger und Chorleiter Guy Protheroe, die Sängerin Harriet Jay, der English Chamber Choir sowie mehrere bekannte Studiomusiker mit. Im Verlauf der folgenden Jahrzehnte wechselten die ausführenden Musiker, während Lévi stets die zentrale Figur blieb.

Dieses ungewöhnliche Modell ermöglichte es ERA, gleichzeitig als Studioprojekt, musikalische Mythologie und nahezu filmisches Universum zu existieren. Lange Zeit hatte Lévi kaum Interesse daran, selbst zum öffentlichen Gesicht seines Erfolgs zu werden: Bis zum Ende der 2010er Jahre gab das Projekt nur selten klassische Konzerte und bewahrte um seinen Schöpfer ein erhebliches Maß an Anonymität. Bis 2026 hatte ERA dennoch rund 15 Millionen Alben verkauft, während die Musik Milliarden von Streams und Videoaufrufen erreichte.

Eric Lévi vor ERA: vom Hard Rock zur Filmmusik

Eric Lévi wurde 1955 in Paris als Éric Jacques Levisalles geboren. Seine musikalische Geschichte begann weit entfernt von Chören und Pseudo-Latein. Mitte der 1970er Jahre gehörte er zu den Gründern der französischen Hard-Rock-Band Shakin' Street, in der er Gitarre spielte und Musik schrieb. Universal Music beschreibt den jungen Lévi als Musiker, der sich intensiv für Rock, Punk und Metal interessierte; später nannte er Deep Purple und Led Zeppelin als wichtige Einflüsse.

Shakin' Street gelang es, weit über die französische Clubszene hinauszukommen. Die Band erhielt einen Vertrag in den USA und trat dort im Umfeld großer Rockacts auf; in Biografien Lévis werden Konzerte in Verbindung mit Black Sabbath, Blue Öyster Cult, AC/DC, Alice Cooper und weiteren Künstlern erwähnt. Lévi selbst bezeichnete diese Hard-Rock-Phase in einem Interview von 2026 ebenfalls als eine der wichtigsten Schulen seiner musikalischen Entwicklung.

Nach der Auflösung von Shakin' Street lebte er eine Zeit lang in New York und konzentrierte sich anschließend zunehmend auf Komposition und Studioarbeit. Anfang der 1990er Jahre begann Lévi, für das Kino zu arbeiten, und schrieb Musik für mehrere französische Filme.

Entscheidend wurde Les Visiteurs von Jean-Marie Poiré aus dem Jahr 1993. Der Film mit Jean Reno und Christian Clavier wurde in Frankreich zu einem enormen Kassenerfolg, und die Filmmusik gab Lévi die Möglichkeit, orchestrale und chorale Klangwelten mit modernen Studiomitteln zu verbinden.

Genau hier liegen die direkten Vorläufer von ERA.

Les Visiteurs und die Entstehung des späteren ERA-Sounds

Während der Arbeit an Les Visiteurs arbeitete Eric Lévi mit dem britischen Musiker, Sänger und Chorarrangeur Guy Protheroe zusammen. Im Soundtrack war bereits Musik zu hören, die der späteren Ästhetik von ERA sehr nahekam, darunter Enae Volare. Diese Komposition wurde später auf das Debütalbum des Projekts übernommen.

Das mittelalterliche Thema des Films erwies sich als besonders passend für Lévis musikalische Vorstellungskraft.

Sein Ziel war jedoch nicht, authentische mittelalterliche Musik zu rekonstruieren. Er wollte eine moderne Fantasie über die Vergangenheit schaffen — Musik, die zugleich wie Kirchengesang, Filmsoundtrack, Rockkomposition und elektronische Produktion wirken konnte.

So entstand die Grundidee von ERA.

Nach dem Erfolg des Films begann Lévi, diese musikalische Sprache unabhängig von einer konkreten Filmproduktion weiterzuentwickeln. Universal Music bringt die Entstehung von ERA mit seiner Erfahrung bei Les Visiteurs und mit dem europäischen Aufschwung von New Age Anfang der 1990er Jahre in Verbindung, als Projekte wie Enigma und Deep Forest große Popularität erreichten.

ERA entwickelte allerdings schnell ein eigenes System.

Das ist keine gregorianische Musik

ERA wird häufig als Projekt mit „gregorianischen Chören“ beschrieben. Diese Bezeichnung ist bequem, musikalisch aber nicht ganz korrekt.

Lévi verwendet tatsächlich männlichen und gemischten Chorgesang, lange Vokale, Unisono-Phrasen und kirchlich wirkende Harmonien, die an die europäische liturgische Tradition erinnern. Doch die Kompositionen von ERA sind keine echten mittelalterlichen gregorianischen Gesänge.

Im Kern handelt es sich um moderne Studiomusik: Synthesizer, elektronische Rhythmussektionen, Bass, E-Gitarren, Orchesterparts und mehrschichtige Gesangsaufnahmen.

Lévi erklärte seinen Ansatz einfach: Für ihn ist die Stimme ein vollwertiges Musikinstrument. Er versucht nicht immer, mit Worten eine konkrete Geschichte zu erzählen; wichtiger sind der Klang der Silben selbst, ihre emotionale Färbung und die Art, wie sie sich mit der Melodie verbinden.

Deshalb wurde die eigene Sprache zu einer der wichtigsten Erfindungen von ERA.

In welcher Sprache werden Ameno und andere ERA-Songs gesungen?

Der Text von Ameno wird häufig für Latein gehalten.

Tatsächlich wird ein großer Teil des klassischen ERA-Repertoires in einer erfundenen Sprache gesungen, die bewusst so gestaltet wurde, dass sie an Latein und andere alte europäische Sprachen erinnert, ohne eine genaue wörtliche Übersetzung zu besitzen. Lévi und Guy Protheroe verwendeten „alt“ klingende Silbenfolgen als Bestandteil der musikalischen Komposition selbst.

Deshalb sind die zahlreichen Internet-„Übersetzungen“ von Ameno, in denen jeder Zeile eine komplexe religiöse oder mystische Bedeutung zugeschrieben wird, keine echten Übersetzungen des ursprünglichen Textes.

Eine Phrase wie „Dori me, interimo adapare“ funktioniert in erster Linie phonetisch.

Gleichzeitig ist nicht der gesamte Katalog des Projekts in dieser erfundenen Sprache geschrieben. ERA verwendete auch Englisch, echtes Latein und Arabisch, besonders in späteren Arbeiten.

Dieses System löste ein wichtiges Problem internationaler Musik: Ein Song gehörte nicht mehr einem einzelnen Sprachmarkt. Ein Franzose, Deutscher, Mexikaner oder Hörer aus Osteuropa konnte Ameno nahezu auf dieselbe Weise erleben — über Melodie, Chor und Atmosphäre und nicht über ein wörtliches Verständnis des Textes.

Ameno

Der wichtigste Song von ERA wurde Ameno.

Er erschien auf dem Debütalbum des Projekts, das 1996 aufgenommen und 1996–1997 in zahlreichen Ländern veröffentlicht wurde. Unterschiede zwischen regionalen Ausgaben erklären, warum Kataloge teilweise unterschiedliche Jahresangaben für Album und Single nennen. Spotify datiert beispielsweise eine der wichtigsten digitalen Albumversionen auf 1997, während andere offizielle Kataloge die ursprüngliche Veröffentlichung dem Jahr 1996 zuordnen.

An der Aufnahme wirkten Guy Protheroe und Harriet Jay mit, während die Chorparts vom English Chamber Choir gesungen wurden. Eric Lévi fungierte als Komponist, Arrangeur und Produzent.

Ameno basiert auf einem sehr einfachen, aber äußerst wirkungsvollen Kontrast.

Auf der einen Seite steht ein Chor, der scheinbar aus einem alten Kloster stammt. Auf der anderen Seite stehen moderne Rhythmussektion, Synthesizer und Rockgitarre. Gleichzeitig ist die Melodie klar genug, um fast wie ein klassischer Pop-Refrain zu funktionieren.

Dadurch wirkte der Song zugleich vertraut und völlig anders als ein typischer Hit der 1990er Jahre.

Genau das ermöglichte ihm, Genregrenzen zu überschreiten.

Das erste ERA-Album

Das Debütalbum ERA wurde zur Grundlage der gesamten späteren Mythologie des Projekts.

Neben Ameno enthält es Enae Volare, Mother, Avemano, Cathar Rhythm, Mirror, Sempire d'Amor, Impera sowie das Titelstück Era. Internationale Ausgaben aus unterschiedlichen Ländern und Jahren unterschieden sich teilweise leicht in Tracklists und Remixen.

Musikalisch ist hier bereits nahezu das gesamte Grundvokabular des Projekts vorhanden:

  • massive Chöre;
  • Pseudo-Latein;
  • Synthesizer;
  • orchestrale Harmonien;
  • E-Gitarre;
  • langsame elektronische Rhythmen;
  • mittelalterliche und religiöse Bildwelten;
  • die Atmosphäre eines nicht existierenden historischen Films.

Das Album wurde zu einem enormen internationalen Erfolg. RFI berichtete, dass sich das Debüt innerhalb der ersten fünf Jahre ungefähr sechs Millionen Mal verkaufte und in 18 Ländern Gold- oder Platinstatus erreichte. Besonders erfolgreich war es nicht nur in Frankreich, sondern auch in Europa und Lateinamerika.

Für ein überwiegend instrumental-chorales französisches Projekt war das ein außergewöhnliches Ergebnis.

Die visuelle Welt von ERA

Eine weitere Besonderheit des Projekts bestand darin, dass Lévi in der frühen öffentlichen Mythologie von ERA nahezu unsichtbar blieb.

In den Musikvideos sah das Publikum nicht den Komponisten hinter einem Synthesizer, sondern Mönche, Krieger, mittelalterliche Burgen, Schwerter, Zeremonien und Figuren irgendwo zwischen Geschichte und Heroic Fantasy.

Dadurch entstand der Eindruck, ERA sei weder eine einzelne Person noch eine gewöhnliche Musikgruppe, sondern ein eigenes Universum.

Dieser Ansatz funktionierte besonders gut, weil er unmittelbar zur Musik passte. Wäre Ameno von einem gewöhnlichen Studiovideo mit den Musikern begleitet worden, wäre ein großer Teil der geheimnisvollen Wirkung verloren gegangen.

Stattdessen setzte das Bild die Musik fort.

Später musste genau dieses visuelle System in die Sprache einer großen Konzertinszenierung übertragen werden.

ERA 2 und Divano

Nach dem enormen Erfolg des Debüts ließ Lévi sich mit der Fortsetzung Zeit. Das zweite Album ERA 2 erschien im Jahr 2000.

Die wichtigste Single wurde Divano. Weitere Stücke waren Omen Sore, Misere Mani, Sentence, Don't U, Devore Amante, Hymne und andere. RFI schrieb, dass das Album vollständig von Lévi geschrieben und produziert und zwischen London, Paris und weiteren europäischen Orten aufgenommen wurde.

Das zweite Album führte die bereits gefundene Formel bewusst fort.

Chöre in der erfundenen Sprache trafen erneut auf Elektronik und filmische Synthesizer. Manche Kritiker warfen Lévi vor, das Debüt zu direkt zu wiederholen, kommerziell funktionierte die Strategie jedoch: ERA 2 erreichte in mehreren europäischen Ländern hohe Chartpositionen.

Divano wurde zum zweitbekanntesten Werk der frühen Phase und bewies, dass das Publikum nicht nur an Ameno interessiert war.

The Mass

Das dritte Album The Mass erschien 2003.

Es wurde zu einer schwereren und dramatischeren Fortsetzung der klassischen ERA-Konzeption. Lévi selbst erklärte, er habe das zweite Album als zu weich empfunden und der Musik wieder mehr Dichte und Spannung geben wollen.

Das Titelstück The Mass basiert musikalisch auf O Fortuna aus Carl Orffs Kantate Carmina Burana und verwandelt das berühmte klassische Motiv in eine moderne Chor-Rock-Komposition. Daneben stehen Looking for Something, Don't Go Away, Don't U, If You Shout, Avemano Orchestral, Sombre Day und weitere Stücke.

Es ist eines der besten Beispiele dafür, wie ERA mit der Vergangenheit arbeitet.

Lévi versucht nicht, ein klassisches Werk „richtig“ wiederzugeben. Ihn interessiert die wiedererkennbare emotionale Geste, die sich in sein eigenes System übertragen lässt — mit Schlagzeug, Gitarren, elektronischen Schichten und monumentalen Chören.

The Mass verkaufte sich auch weit außerhalb Frankreichs sehr gut: RFI verzeichnete Platz eins in Italien und Mexiko, Platz zwei in der Schweiz und Estland sowie hohe Positionen in zahlreichen weiteren Ländern.

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich ERA endgültig als eines der erfolgreichsten französischen Musikexportprojekte seiner Generation etabliert.

Warum ERA wie ein Filmsoundtrack klingt

Eric Lévi selbst beschrieb ERA sinngemäß als Musik zu einem imaginären Film.

Das ist eine sehr treffende Definition.

Die Songs erzählen oft keine konkrete Handlung, erzeugen jedoch klare visuelle Assoziationen: ein Kloster, eine riesige Kathedrale, eine alte Schlacht, eine Reise, ein Begräbnis, eine Krönung oder eine mystische Zeremonie.

Lévis Erfahrung als Filmkomponist ermöglichte es ihm, in großen emotionalen Szenen zu denken.

Er muss einen Song nicht um eine klassische Geschichte aus „Held — Konflikt — Auflösung“ bauen. Es genügt, ein Gefühl von Raum und Zeit zu erzeugen.

Deshalb spricht ERA oft auch Menschen an, die sonst kaum New Age hören. Die Musik wirkt beinahe körperlich — durch Chor, Dynamik und Größe.

Reborn: eine neue Version des Projekts

Nach The Mass folgte eine längere Pause zwischen den zentralen Studioalben.

Reborn erschien 2008 und wurde zur deutlichsten Abkehr von der klassischen Trilogie.

AllMusic hob den stärkeren Einfluss nahöstlicher und arabischer Elemente hervor. Die Chorgrundlage blieb bestehen, doch die elektronische Produktion wurde moderner, die Rhythmen präsenter und die musikalische Geografie erweiterte sich weit über das imaginäre europäische Mittelalter hinaus.

Zu den wichtigsten Stücken gehören Reborn, Prayers, Dark Voices, Sinfoni Deo, Come Into My World, Kilimandjaro, Last Song und weitere.

Das Album erreichte erneut die Top 10 der französischen Albumcharts.

Der Titel erwies sich als passend: Dies war nicht einfach der vierte Teil der bisherigen Formel, sondern der Versuch, den Klangraum von ERA neu zu definieren.

Classics: Bach, Vivaldi, Verdi und neue Musik

Die nächste Richtung führte zur klassischen Musik.

Auf dem Album Classics, das Ende der 2000er Jahre erschien, nahm Lévi Themen von Vivaldi, Verdi, Bach, Händel, Mahler, Barber und weiteren Komponisten und gestaltete sie im ERA-Stil neu.

Die Titel zeigen die Struktur dieser Idee ganz offen:

Vivaldi + Sunset Drive + Spring / Four Seasons,
Verdi + Arising Force + Nabucco,
Bach + Ritus Pacis,
Haendel + Dark Wonders,
Barber + Adagio for Strings.

Wichtig ist, dass Lévi die Quellen nicht verschleiert.

Es handelt sich nicht um den Versuch, eine klassische Melodie als eigene Komposition auszugeben. Im Gegenteil: Der Name des Komponisten wird Teil des Titels, und ERA zeigt, wie ein bekanntes Thema innerhalb eines modernen Gitarren- und Chorarrangements existieren kann.

2010 folgte Classics II, das diese Linie fortsetzte.

Damit wurde der Einfluss klassischer Musik, der in ERA von Beginn an vorhanden war, erstmals zur zentralen Konzeption eines ganzen Albumzyklus.

Arielle Dombasle by ERA

2013 schlug das Projekt erneut eine ungewöhnliche Richtung ein und nahm ein vollständiges gemeinsames Album mit der französisch-amerikanischen Sängerin und Schauspielerin Arielle Dombasle auf.

Arielle Dombasle by ERA enthält neun Stücke und erschien über Mercury Music Group.

Zum ersten Mal erhält damit eine einzelne Sängerin einen derart großen Raum, während sich die vertraute ERA-Ästhetik mit einer traditionelleren Song- und klassischen Gesangssprache verbindet.

Zu den enthaltenen Stücken gehört unter anderem Ave Maria, für das ein offizielles Musikvideo produziert wurde.

Das Album nimmt im Katalog eine besondere Stellung ein: Es ist weder einfach ein weiteres nummeriertes ERA-Album noch eine davon unabhängige Produktionsarbeit Lévis. Vielmehr treffen hier zwei vollständige künstlerische Welten aufeinander.

The 7th Sword

Nach einer weiteren Pause erschien 2017 The 7th Sword.

Die Hauptausgabe enthält neun Tracks: Hurricane, 7 Seconds, Kilimandjaro (Brian Lévi Remix), Ameno – The City Remix, I Fall for You, Something Exciting, Agnus Deorem, Nomen Adore und I Believe.

Die wichtigste Single wurde 7 Seconds — eine neue Interpretation des bekannten Songs von Youssou N'Dour und Neneh Cherry. In der ERA-Version sangen Mim Grey und Racha Rizk.

Interessant ist, dass das Album keinen vollständigen Neustart vorspielt.

Neue Stücke stehen neben Neubearbeitungen des älteren Katalogs. Ameno und Kilimandjaro erhalten neue Versionen, als beginne Lévi nun, die eigene ERA-Geschichte selbst als Material für weitere Kompositionen zu betrachten.

Gerade nach The 7th Sword kam es zu einer noch größeren Veränderung: Das Projekt ging endlich auf die Bühne.

Warum ERA so lange kaum live auftrat

ERA wurde ursprünglich als reine Studiomusik konzipiert.

Auf einem Album konnte Lévi gleichzeitig einen riesigen Chor, Orchesterinstrumente, zahlreiche übereinandergelegte Gesangsspuren, E-Gitarren und elektronische Bearbeitung verwenden. In den 1990er Jahren war es schwierig und extrem teuer, all das auf der Bühne auf einem vergleichbaren künstlerischen Niveau umzusetzen.

Lévi räumte später ein, dass er die Frage lange fast puristisch behandelt habe: Wenn ein Konzert nicht ebenso eindrucksvoll sein könne wie das imaginäre Universum der Aufnahme, sei es besser, gar keines zu veranstalten.

Deshalb kannten Millionen Menschen jahrelang Ameno, ohne jemals ein echtes ERA-Konzert gesehen zu haben.

Es gab einzelne besondere Bühnenprojekte, darunter Inszenierungen in Moskau Anfang der 2010er Jahre, bei denen ERA-Kompositionen mit Orchester und Chor aufgeführt wurden. Russische Veranstalter bezeichneten diese Aufführungen 2012 als Weltpremiere des Materials in Live-Form.

Ein reguläres europäisches Konzertleben begann jedoch deutlich später.

The Live Experience

2019 brachte Eric Lévi ERA erstmals in einem Format auf eine große französische Bühne, das den Maßstab der Studiomusik tatsächlich vermitteln konnte.

Am 18. April trat das Projekt in der La Seine Musicale bei Paris auf. Neben Lévi wirkten Dutzende Musiker mit — Rockmusiker, Streicher, Solisten und ein großer Chor. Die Veranstalter beschrieben die Show als Reise in das mittelalterliche und Heroic-Fantasy-Universum von ERA.

Das erste Konzert war ausverkauft, anschließend folgte eine Frankreich- und Europatournee.

Auf der Bühne erklangen Ameno, Enae Volare, The Mass, Agnus Deorem und weitere Werke, die jahrzehntelang nur als Studiomythologie existiert hatten.

Entscheidend war, dass das Konzert nicht wie ein gewöhnlicher Auftritt von Eric Lévi mit Begleitband aufgebaut war.

Das Ziel war ein anderes: die Welt von ERA selbst zu materialisieren.

Kostüme, Chöre, Licht, mittelalterliche Motive und ein Rockorchester schufen ein musikalisches Spektakel, in dem die Persönlichkeit des Schöpfers erneut hinter der Gesamtatmosphäre zurücktrat.

Nach der durch die Pandemie verursachten Pause wurde die Konzerttätigkeit 2022 wieder aufgenommen.

The Live Experience — das Album

2022 erschien das Live-Album The Live Experience, das die neue Bühnenphase von ERA dokumentiert.

In der digitalen Diskografie ist es das erste vollständige Live-Album des Projekts.

Besonders interessant ist Ameno Metal — eine Konzertversion, die etwas hervorhebt, das in Lévis Musik immer vorhanden war, aber durch die Bezeichnung „New Age“ manchmal verdeckt wurde: Seine Wurzeln liegen im Hard Rock.

Live bringen E-Gitarre, Schlagzeug und ein kraftvoller Chor ERA deutlich näher an Symphonic Rock und Symphonic Metal, als es die ruhigeren Studioversionen mancher Kompositionen vermuten lassen.

Das zweite Leben von Ameno im Internet

Zu diesem Zeitpunkt hatte Ameno bereits ein völlig unerwartetes zweites Leben begonnen.

Ende der 2010er Jahre wurde der Song unter dem Namen Dorime — nach den ersten Worten der Gesangslinie — zu einem großen Internet-Meme.

Schon früher, ungefähr ab 2014, wurde Ameno in Twitch-Communitys verwendet, wo Ausschnitte des Songs zu einem wiederkehrenden Witz wurden. Bis 2019–2020 entstanden Memes mit Cheems, Hatsune Miku und Bildern pseudo-religiöser Rituale, bevor sich der Sound anschließend massiv auf TikTok verbreitete.

Es entstand eine seltene Situation: Eine Generation, die beim ursprünglichen Erfolg von ERA entweder noch gar nicht existierte oder noch sehr jung war, entdeckte den Song mehr als zwanzig Jahre nach seiner Veröffentlichung neu.

In einigen Ländern, insbesondere in Nigeria, entwickelte der Ausdruck Dorime sogar eine eigene kulturelle Bedeutung. Ameno wurde in Nachtclubs während der demonstrativen Präsentation teurer Getränke eingesetzt, anschließend entstanden afrikanische und Amapiano-Neubearbeitungen.

Die bekannteste neue Interpretation, Ameno Amapiano von Goya Menor und Nektunez, versetzte das ursprüngliche ERA-Gesangsmotiv in einen völlig anderen afrikanischen Clubkontext.

Damit führte ein einziger Song mindestens drei eigenständige Leben: als europäischer Hit der 1990er Jahre, als Internet-Meme und als Grundlage eines neuen Clubphänomens der 2020er.

Warum Ameno Jahrzehnte überdauert hat

Das Geheimnis seiner Langlebigkeit liegt gerade im Fehlen eines wörtlich verständlichen Textes.

Ein gewöhnlicher Popsong ist oft sehr stark an seine eigene Zeit gebunden: an Slang, Geschichten, Mode und Sprache.

Ameno besitzt diese Bindung kaum.

Der Hörer muss weder Französisch, Englisch noch Italienisch verstehen. Selbst jemand, der Latein beherrscht, hat keinen wirklichen Vorteil.

Übrig bleiben Melodie, Rhythmus und ein Gefühl von Zeremonie.

Deshalb lässt sich das Stück so leicht aus einem mystischen Musikvideo der 1990er in eine Sportarena, einen Internetwitz oder einen Amapiano-Remix übertragen.

ERA VIII — Rückkehr zum Studioalbum

Am 29. Mai 2026 veröffentlichte ERA ERA VIII — das erste neue nummerierte Studioalbum seit fast einem Jahrzehnt.

Sony Music beschreibt die Platte als Rückkehr zur grundlegenden Ästhetik des Projekts und als Verbindung von Symphonic Metal, Opernstimmen, filmischer Orchestrierung und moderner Elektronik.

Das Album enthält zehn Kompositionen:

  1. The Fallen King
  2. Everything's Gonna Be Alright
  3. Will You Call My Name
  4. Not You Again
  5. Not This Time
  6. Sempire Deo
  7. Will You Call My Name (Remix)
  8. Time for the Braves (Acoustic)
  9. Time for the Braves
  10. Freedom.

Die Laufzeit beträgt rund 37 Minuten. Das Album erschien auf Lévis eigenem Label ELVD mit Vertrieb durch Sony Music Entertainment France.

The Fallen King

Der Opener The Fallen King zeigt besonders deutlich, wohin sich ERA in der späten Phase entwickelt hat.

Die Gitarren sind schwerer geworden, die Rhythmussektion bewegt sich näher am modernen Symphonic Metal, darüber bleiben jedoch die vertrauten Chöre und die groß angelegte filmische Harmonik erhalten.

Im Vergleich zur weicheren elektronischen Klangwelt mancher früher Aufnahmen ist Lévis Vergangenheit im Hard Rock hier deutlich stärker zu hören.

Das ist keine zufällige stilistische Ergänzung. Vielmehr schließt sich ein Kreis: Ein Musiker, der seine Karriere im Umfeld der Heavy-Metal-Szene der 1970er begann, macht fünf Jahrzehnte später die schwere Gitarre erneut zu einem der zentralen Elemente von ERA.

Everything's Gonna Be Alright

Eine der zentralen Singles des neuen Albums ist Everything's Gonna Be Alright.

In den offiziellen Credits wird Johann Sebastian Bach genannt, während Eric Lévi als Arrangeur aufgeführt ist. Damit setzt die Komposition ein altes Prinzip von ERA fort: klassisches Erbe nicht in akademischer Form zu verwenden, sondern als Ausgangspunkt für eine moderne Aufnahme.

Der Song erschien im April 2026 als eigenständige Single, kurz vor dem vollständigen Album.

Gerade ERA VIII zeigt, dass das heutige Projekt nicht mehr ausschließlich innerhalb der Kategorie New Age existieren will.

Rock, Oper, Symphonic Metal, elektronische Musik und das Erbe der Klassik stehen inzwischen fast gleichberechtigt nebeneinander.

15 Millionen verkaufte Alben

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von ERA VIII meldete der offizielle Sony Music Store rund 15 Millionen weltweit verkaufte ERA-Alben.

Nach denselben Angaben verzeichnete der Katalog des Projekts allein 2024 mehr als 2,3 Milliarden Streams, während ERA in diesem Zeitraum Platz zwei unter den im Ausland meistverkauften französischen Künstlern belegte.

Diese Zahlen sind besonders interessant, wenn man die Struktur des Projekts berücksichtigt.

ERA war nie um die öffentliche Persönlichkeit eines Leadsängers aufgebaut. Jahrzehntelang existierte kaum eine klassische Konzertinfrastruktur. Ein großer Teil der Songs wird in einer Sprache gesungen, die es gar nicht gibt. Trotzdem konnte die Musik in Dutzenden Ländern ohne die üblichen Mechanismen eines Popstars funktionieren.

Es ist ein seltenes Beispiel dafür, wie das Klangkonzept selbst zu einer stärkeren Marke werden kann als der Mensch, der es geschaffen hat.

The Ameno Tour

Nach drei großen Konzertzyklen in 2019, 2022 und 2025 kündigte ERA das nächste umfangreiche Programm an — The Ameno Tour, geplant für 2028.

Eines der zentralen Konzerte soll am 4. März 2028 in der Accor Arena in Paris stattfinden.

Für das Projekt ist das ein symbolischer Schritt.

Eine Musik, die in ihren ersten zwanzig Jahren praktisch nicht live gespielt wurde, entwickelt sich inzwischen gerade über groß angelegte Konzertinszenierungen weiter.

Eric Lévi als Schöpfer von ERA

Trotz der zahlreichen Sänger und Musiker bleibt ERA eine sehr persönliche Arbeit eines einzelnen Komponisten.

Lévi schreibt den Großteil des Originalmaterials, spielt Gitarre und Keyboards, erstellt Arrangements und Produktionen und kontrolliert die visuelle Konzeption.

Er hat das Projekt jedoch nie in eine klassische Solokarriere unter seinem eigenen Namen verwandelt.

Genau darin liegt ein wichtiger Unterschied.

Eric Lévi ist der Mensch. ERA ist die von ihm geschaffene musikalische Welt.

Deshalb kann ein Sänger auf dem nächsten Album vollständig verschwinden oder ein Chor aus anderen Personen bestehen, ohne dass die Identität des Projekts verloren geht.

In einer gewöhnlichen Band verändert ein Wechsel des Leadsängers oft den gesamten Sound.

Bei ERA ist die eigentliche „Stimme“ das Arrangement selbst.

Wichtige Sänger und Musiker

Im Lauf der Jahre wirkten zahlreiche Künstler an den Aufnahmen mit.

Besonders wichtig ist Guy Protheroe, der bereits während Les Visiteurs mit Lévi zusammenarbeitete, an der Entwicklung der frühen Projektsprache beteiligt war und auf Ameno und Enae Volare sang.

In der Debütphase wirkten außerdem Harriet Jay, Florence Dedam, Murielle Lefebvre, der English Chamber Choir und eingeladene Studiomusiker mit.

Später arbeitete ERA mit weiteren Sängerinnen und Sängern, darunter Racha Rizk, Mim Grey und Arielle Dombasle.

Mit dem Übergang zu großen Konzerten veränderte sich das Modell noch stärker: Für die Bühnenversion der Musik wurden gleichzeitig Dutzende Menschen benötigt — Chor, Gesangssolisten, Streicher und eine vollständige Rockband.

Deshalb ist es nicht ganz sinnvoll, die „Besetzung von ERA“ genauso aufzulisten wie die Mitglieder einer traditionellen Band.

Der Musikstil von ERA

In Katalogen wird ERA meist dem New Age zugeordnet, doch diese Bezeichnung erklärt nur einen Teil der Musik.

In der klassischen Phase lassen sich mehrere zentrale Bestandteile unterscheiden.

Chormusik. Vor allem die menschliche Stimme erzeugt das Gefühl von Sakralität und Altertum.

Rock. Die E-Gitarre erinnert ständig an Lévis Vergangenheit bei Shakin' Street und tritt besonders deutlich auf The Mass, in den Liveversionen und auf ERA VIII hervor.

Elektronik. Rhythmen und Synthesizer verorten den Chor nicht in einer Kirche, sondern in einer modernen Studioumgebung.

Klassische Musik. Sie ist bereits ab dem ersten Album als harmonische Quelle vorhanden und wird auf Classics und Classics II zum unmittelbaren Ausgangsmaterial.

Filmmusik. Fast jede Komposition ist wie eine emotionale Szene aufgebaut.

World Music. Besonders seit Reborn treten nahöstliche und andere außereuropäische Elemente stärker in den Arrangements hervor.

Bis 2026 lässt sich dieser Liste eindeutig Symphonic Metal hinzufügen. Sony verwendet diesen Begriff ausdrücklich bei der Beschreibung von ERA VIII.

Diskografie von ERA

ERA — 1996/1997

Das Debütalbum und der wichtigste kommerzielle Durchbruch.

Zentrale Stücke: Ameno, Enae Volare, Mother, Avemano, Cathar Rhythm, Impera.

Verschiedene internationale Ausgaben erschienen zwischen 1996 und 1998 mit leicht unterschiedlichen Tracklists. Das Album verkaufte sich letztlich millionenfach.

ERA 2 — 2000

Fortsetzung der klassischen Formel.

Zentrale Stücke: Divano, Misere Mani, Omen Sore, Sentence, Don't U, Devore Amante.

The Mass — 2003

Ein schwereres und größer angelegtes Werk.

Zentrale Songs: The Mass, Looking for Something, Don't Go Away, If You Shout, Avemano Orchestral. Das Titelstück verarbeitet Material aus Carl Orffs O Fortuna.

Reborn — 2008

Eine klangliche Erneuerung mit deutlicheren arabischen und nahöstlichen Einflüssen.

Zentrale Stücke: Reborn, Prayers, Kilimandjaro, Dark Voices, Sinfoni Deo.

Classics — 2009

Neuinterpretation klassischer Musik im ERA-Stil.

Verarbeitet werden Werke von Vivaldi, Verdi, Bach, Händel, Mahler, Barber und weiteren Komponisten.

Classics II — 2010

Fortsetzung des Klassik-Zyklus.

Arielle Dombasle by ERA — 2013

Gemeinschaftsarbeit mit Arielle Dombasle.

Das Album enthält neun Kompositionen und verbindet die traditionelle Gesangsweise der Sängerin mit Lévis Arrangements.

The 7th Sword — 2017

Rückkehr nach einer längeren Studiopause.

Zentrale Werke: Hurricane, 7 Seconds, I Fall for You, Agnus Deorem, Nomen Adore, I Believe sowie neue Versionen von Ameno und Kilimandjaro.

The Live Experience — 2022

Das erste offizielle Live-Album, das die Bühnenversion von ERA dokumentiert.

ERA VIII — 2026

Das erste neue nummerierte Studioalbum seit fast einem Jahrzehnt.

Zentrale Stücke: The Fallen King, Everything's Gonna Be Alright, Will You Call My Name, Sempire Deo, Time for the Braves, Freedom.

Die wichtigsten Kompositionen von ERA

Zum Kern des Katalogs gehören Ameno, Divano, Enae Volare, Mother, Avemano, Misere Mani, The Mass, Looking for Something, Don't U, Reborn, Prayers, Kilimandjaro, Agnus Deorem, 7 Seconds, I Believe, The Fallen King, Everything's Gonna Be Alright und Time for the Braves.

Historisch sind jedoch drei Werke besonders wichtig.

Ameno schuf das Phänomen ERA überhaupt erst.

Divano bewies, dass das Projekt auch nach dem Debüt Bestand hatte.

The Mass führte die gefundene musikalische Sprache in ihre monumentalste Form der klassischen Ära.

ERA, Enigma und Deep Forest

ERA wird häufig neben Enigma, Gregorian und Deep Forest genannt.

Gemeinsamkeiten gibt es tatsächlich: Alle verwendeten moderne Studiotechnik, um elektronische Musik mit Stimmen zu verbinden, die als alt, ethnisch oder sakral wahrgenommen werden.

ERA lässt sich dennoch relativ leicht unterscheiden.

Bei Enigma spielen Downtempo, sinnlicher Ambient und Samples aus echten kirchlichen Traditionen eine wichtige Rolle.

Deep Forest arbeiten vor allem mit World Music und ethnischen Gesangsquellen.

ERA stützt sich deutlich stärker auf Rockgitarre, symphonische Dramaturgie, Pseudo-Latein und Heroic Fantasy.

Deshalb liegt das reife ERA irgendwo zwischen New Age, der Filmmusik zu einem historischen Epos und Symphonic Rock.

Religion und Mystik

Wegen der Chöre, Kreuze, Mönchsgewänder und der lateinähnlichen Sprache wird ERA häufig als religiöses Projekt wahrgenommen.

Die Grundidee ist jedoch nicht mit der Verkündung einer bestimmten Konfession verbunden.

Lévi verwendet sakrale Ästhetik vor allem als universelle emotionale Sprache: Ein Chor erzeugt automatisch ein Gefühl von riesigem Raum, Geschichte, Ritual und etwas, das über den einzelnen Menschen hinausgeht.

Damit erklärt sich auch die erfundene Sprache.

Wäre Ameno ein gewöhnliches katholisches Gebet, hätte es eine konkrete theologische Bedeutung. In seiner bestehenden Form kann jeder Hörer die Musik mit eigenen Assoziationen füllen.

Gerade diese Unbestimmtheit wurde zu einer der wichtigsten Quellen ihrer Wirkung.

Die Bedeutung von ERA

ERA entstand in einem sehr spezifischen historischen Moment.

In der ersten Hälfte der 1990er Jahre entdeckte die europäische Musik das enorme kommerzielle Potenzial der Verbindung von Altem und Elektronischem. Das CD-Format ermöglichte besonders räumliche Studioproduktionen, New Age entwickelte sich von einer Nischenrichtung zu einem Massenmarkt, und Enigma sowie Deep Forest bewiesen, dass Musik ohne klassischen Popstar Millionen verkaufen konnte.

Eric Lévi fand jedoch seine eigene Variante dieser Idee.

Statt authentischer alter Musik erfand er eine Sprache.

Statt reiner Elektronik behielt er die Rockgitarre.

Statt ethnografischer Genauigkeit schuf er ein erfundenes Mittelalter.

Statt eines Frontmanns stellte er den Klang von ERA selbst in den Mittelpunkt.

Das Ergebnis war stark genug, um das Debütalbum millionenfach zu verkaufen und Ameno eine ganze musikalische Epoche überdauern zu lassen.

Besonders aufschlussreich ist sein zweites Leben.

Die meisten Hits der 1990er kehren durch die Nostalgie jener Menschen zurück, die sie in ihrer Jugend gehört haben. Ameno wurde zur Ausnahme: Der Song wurde von einem Publikum neu entdeckt, für das 1996 überhaupt keine persönliche Erinnerung darstellt. Das Internet verwandelte eine ernste mystische Komposition in ein Meme, anschließend gab ihr die afrikanische Clubkultur eine neue Bedeutung, während das ursprüngliche ERA gleichzeitig ein großes Konzertleben begann.

Dadurch existiert das Projekt Mitte der 2020er Jahre in mehreren kulturellen Dimensionen gleichzeitig.

Für ein Publikum steht ERA für Ameno und die geheimnisvolle Musik der 1990er.

Für ein anderes für The Mass und monumentale symphonische Ästhetik.

Für die Internetgeneration für das berühmte Dorime.

Für das heutige Konzertpublikum für ein großes Spektakel mit Chören, Rockband und Orchestermusikern.

Und ERA VIII zeigt, dass Eric Lévi keineswegs vorhat, sein eigenes Werk nur noch als Rückblick zu behandeln: Drei Jahrzehnte nach dem Debüt verwendet er die vertrauten Elemente — Chor, Gitarre, Orchester und mystische Atmosphäre — weiterhin als Grundlage für neue Musik.

Gerade deshalb sollte ERA weder als Projekt eines einzigen legendären Hits noch lediglich als Vertreter des New Age der 1990er verstanden werden. Es ist ein langfristiges Autorenprojekt von Eric Lévi, aufgebaut um die Idee einer imaginären alten Musik, die nie wirklich existiert hat, durch moderne Studioproduktion aber so klingt, als lägen mehrere Jahrhunderte Geschichte hinter ihr.


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Era Istrefi - MOVE ON

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02:32 5.92Mb [320 kbps] 36 0 0 24.03.2026 Shattered Echo Pop

Элджей feat. Era Istrefi - Sayonara детка

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Spice - Soft Girl Era

Spice - Soft Girl Era

02:25 5.71Mb [320 kbps] 78 0 0 27.01.2026 Shattered Echo Hip-hop/Rap, Pop Rap

ERA - The Mass

ERA - The Mass

03:41 8.53Mb [320 kbps] 198 0 0 09.01.2026 Дедушкафф Ambient, New Age

DJ Asul - NO ERA AMOR (Slowed)

DJ Asul - NO ERA AMOR (Slowed)

01:33 3.62Mb [320 kbps] 89 2 0 08.01.2026 Shattered Echo Phonk

0:00 01:33
DJ Asul - NO ERA AMOR (Super Slowed)

DJ Asul - NO ERA AMOR (Super Slowed)

01:44 4.12Mb [320 kbps] 235 0 0 08.01.2026 Shattered Echo Phonk

0:00 01:44
DJ Asul - NO ERA AMOR

DJ Asul - NO ERA AMOR

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ERA - Ameno (UK Remix)

ERA - Ameno (UK Remix)

04:05 9.42Mb [320 kbps] 313 0 0 02.12.2025 Дедушкафф Pop

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