Arash

Alla Borisovna Pugacheva ist eine sowjetische und russische Sängerin, Komponistin, Schauspielerin, Estrada-Regisseurin und Musikproduzentin. Sie wurde am 15. April 1949 in Moskau geboren. Pugachevas professionelle Karriere begann in den 1960er-Jahren. Landesweite Bekanntheit erlangte sie nach ihrem Sieg mit dem Lied «Арлекино» beim Festival «Golden Orpheus» im Jahr 1975, und bis zum Ende des Jahrzehnts wurde sie zu einer der zentralen Figuren der sowjetischen Populärmusik. 1991 erhielt sie den Titel Volkskünstlerin der UdSSR.
Im Laufe mehrerer Jahrzehnte schuf Pugacheva ein Repertoire, das Estrada, Popmusik, Elemente aus Rock, Synth-Pop, Romanze und theatralischer Musikshow umfasst. In ihrer Interpretation wurden «Арлекино», «Всё могут короли», «Этот мир», «Маэстро», «Старинные часы», «Миллион алых роз», «Айсберг», «Паромщик», «Две звезды», «Позови меня с собой», «Любовь, похожая на сон» und viele andere Lieder weithin bekannt. Einen bedeutenden Teil der Musik schrieb Pugacheva selbst, während sie zugleich mit Komponisten wie Raimonds Pauls, Igor Nikolaev, Alexander Zatsepin, Igor Krutoy und anderen Autoren zusammenarbeitete.
Kindheit und musikalische Ausbildung
Alla Pugacheva wurde als Tochter von Boris Mikhailovich Pugachev und Zinaida Arkhipovna Odegova geboren. Die Familie gehörte nicht zum professionellen Musikmilieu, doch die spätere Sängerin erhielt bereits in ihrer Kindheit musikalischen Unterricht. Sie lernte Klavier und absolvierte eine Musikschule.
1964 trat Pugacheva in die Dirigier- und Chorabteilung der Staatlichen Moskauer Musikfachschule M. M. Ippolitov-Ivanov ein. Von Beginn an verband sie das Studium mit Aufnahmen und Tourneen, sodass ihre professionelle Karriere faktisch bereits vor dem Abschluss begann. 1969 beendete Pugacheva die Ausbildung mit einer Qualifikation im Bereich Chorleitung.
Später erhielt sie auch eine Regieausbildung. 1976 begann Pugacheva ein Studium an der Regiefakultät des GITIS und schloss es 1981 ab. Ihre Abschlussarbeit war das Konzertprogramm «Монологи певицы», bei dem sie zugleich als Interpretin und Regisseurin auftrat.
Die Regieausbildung stand in direktem Zusammenhang mit ihrer späteren Karriere: Pugacheva verstand ein Konzert nicht einfach als Abfolge von Liedern, sondern als Inszenierung, bei der Dramaturgie, Bewegung, Kostüm, Licht, Charakter und Reihenfolge der Nummern eine wichtige Rolle spielten.
Erste Aufnahme — «Робот»
Im Jahr 1965, im Alter von 16 Jahren, nahm Pugacheva für die Sendung des Allunionsradios «С добрым утром!» ihr erstes Lied auf — «Робот». Die Musik schrieb Levon Merabov, den Text Mikhail Tanich. Diese Aufnahme gilt als Beginn ihrer professionellen Diskografie.
Nach den ersten Radioaufnahmen nahm Pugacheva an Tourneen durch Westsibirien mit einer Agitationsbrigade des Radiosenders «Yunost» teil. Außerdem nahm sie Lieder von Vladimir Shainsky auf und sammelte nach und nach Erfahrung vor großem Publikum.
«Робот» machte Pugacheva jedoch noch nicht im ganzen Land bekannt. Bis zum eigentlichen Durchbruch folgten fast zehn weitere Jahre Arbeit in verschiedenen Estrada-Ensembles.
Erste Ensembles
Nach dem Abschluss der Musikfachschule arbeitete Pugacheva einige Zeit als Korrepetitorin an der Staatlichen Schule für Zirkus- und Estradakunst. Anschließend folgte die für sowjetische Estrada-Musiker jener Zeit typische Berufsschule in professionellen Ensembles und Orchestern.
Anfang der 1970er-Jahre war sie Solistin des Ensembles «Новый электрон», trat mit «Москвичи» auf und arbeitete mit dem Estrada-Orchester von Oleg Lundstrem zusammen.
Diese Jahre halfen Pugacheva, eine Bühnenmanier zu entwickeln, die sich deutlich von der akademisch geprägten sowjetischen Estrada unterschied. Statt eines makellos gleichmäßigen Vortrags gestaltete sie eine Nummer immer häufiger wie eine kleine Rolle und veränderte je nach Liedtext Timbre, Intonation, Mimik und Art der Darbietung.
«Весёлые ребята» und «Арлекино»
Im Jahr 1974 wurde Pugacheva Solistin des Vokal-Instrumental-Ensembles «Весёлые ребята» unter der Leitung von Pavel Slobodkin. Im selben Jahr erhielt sie beim V. Allunionswettbewerb der Estrada-Künstler den dritten Preis für die Lieder «Посидим, поокаем» und «Ермолова с Чистых прудов».
Zum entscheidenden Jahr wurde 1975.
Beim internationalen Festival «Golden Orpheus» in Bulgarien präsentierte Pugacheva das Lied «Арлекино» des bulgarischen Komponisten Emil Dimitrov. Pavel Slobodkin bearbeitete das musikalische Material für die neue Version, den russischen Text schrieb Boris Barkas. Pugacheva gewann den Grand Prix des Festivals.
Erst nach «Арлекино» wurden ihre Stimme und ihr Name einem Publikum in der gesamten Sowjetunion bekannt.
Die Besonderheit der Interpretation lag nicht nur in ihrem ungewöhnlichen Timbre. Pugacheva verwandelte das Lied in eine Bühnenrolle: Das Lachen des Harlekins ging allmählich in eine dramatische Intonation über, während die äußerlich unterhaltsame Nummer einen tragischen Unterton erhielt. Dieses Prinzip — ein Lied als Miniaturtheaterstück zu behandeln — wurde zur Grundlage ihrer späteren Interpretationsweise.
«Ирония судьбы»
Ebenfalls 1975 war Pugachevas Stimme in Eldar Ryazanovs Fernsehfilm «Ирония судьбы, или С лёгким паром!» zu hören.
Für den Film nahm sie die weiblichen Gesangsparts auf, darunter «Мне нравится, что вы больны не мной» nach einem Gedicht von Marina Tsvetaeva und «По улице моей который год» nach einem Gedicht von Bella Akhmadulina.
Der Film wurde Teil der sowjetischen Massenkultur, und noch vor der Veröffentlichung ihres ersten Soloalbums war Pugachevas Stimme regelmäßig in einem der bekanntesten Fernsehfilme jener Zeit zu hören.
Beginn der Solokarriere
1976 verließ Pugacheva «Весёлые ребята» und arbeitete einige Zeit mit dem Orchester von Konstantin Orbelyan. Später wurde das Ensemble «Ритм» zu ihrer Begleitband.
Zu diesem Zeitpunkt war bereits deutlich, dass ihre weitere Karriere vor allem um ihren eigenen Namen aufgebaut sein würde und nicht mehr um die Zugehörigkeit zu einem Vokal-Instrumental-Ensemble.
Eigenständige Konzertprogramme und regelmäßige Solotourneen entstanden. Gleichzeitig beteiligte sich Pugacheva zunehmend an der Auswahl des Repertoires, an Arrangements und an der Bühneninszenierung ihrer eigenen Nummern.
«Зеркало души»
Im Mai 1978 veröffentlichte das Label «Melodiya» Pugachevas erstes großes Soloalbum «Зеркало души».
Die Doppel-LP enthielt 16 Titel, darunter «Всё могут короли», Lieder von Alexander Zatsepin sowie Stücke, deren Musik Pugacheva selbst geschrieben hatte. Das Album erschien in Millionenauflage und wurde zu einer der wichtigsten Veröffentlichungen ihrer frühen Diskografie.
Bereits hier zeigte sich ein wichtiges Merkmal Pugachevas: Sie war nicht nur Interpretin fremden Materials.
Einen Teil ihrer eigenen frühen Kompositionen veröffentlichte die Sängerin zunächst unter dem Pseudonym Boris Gorbonos. Unter diesem Namen erschien ihre Musik auch im Abspann des Films «Женщина, которая поёт».
Intervision und Sopot
Im August 1978 nahm Pugacheva am internationalen Wettbewerb «Intervision-78» im polnischen Sopot teil.
Für ihre Interpretation von «Всё могут короли» erhielt sie den Hauptpreis des Wettbewerbs — die Auszeichnung «Amber Nightingale».
Die Siege beim «Golden Orpheus» und in Sopot festigten endgültig ihren Status als eine der führenden sowjetischen Estrada-Künstlerinnen und ermöglichten ihr eine deutliche Ausweitung der Auslandstourneen.
«Женщина, которая поёт»
Zu den bedeutendsten kulturellen Ereignissen der frühen Phase gehörte der Musikfilm «Женщина, которая поёт».
Die Dreharbeiten fanden in der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre statt, in den breiten Kinoverleih kam der Film 1979. Pugacheva spielte die Sängerin Anna Streltsova — eine Figur, die in vieler Hinsicht um ihre eigene Bühnenpersönlichkeit herum aufgebaut war. Der Film erreichte in sowjetischen Kinos mehr als 60 Millionen Zuschauer.
Pugacheva spielte nicht nur die Hauptrolle, sondern schrieb auch einen Teil der Musik. Im Abspann wurden ihre Kompositionen unter dem Pseudonym Boris Gorbonos genannt. Einen weiteren Teil des musikalischen Materials schrieb Alexander Zatsepin.
Der Filmtitel wurde so eng mit der Künstlerin selbst verbunden, dass der Ausdruck «die Frau, die singt» zu einer festen Bezeichnung Pugachevas in Presse und Populärkultur wurde.
Pugacheva als Komponistin
Anfang der 1980er-Jahre trat ihre Tätigkeit als Komponistin besonders deutlich hervor.
Das Album «Поднимись над суетой» aus dem Jahr 1980 basierte fast vollständig auf Musik von Pugacheva selbst. Zu dieser autorischen Linie gehören «Звёздное лето», «Ленинград», der Titelsong und weitere Arbeiten.
Pugacheva war nie eine Künstlerin, die vollständig von einem einzigen Komponisten abhängig war. Im Verlauf ihrer Karriere wechselten sich Phasen intensiver eigener Kompositionsarbeit mit der Zusammenarbeit mit bedeutenden Autoren ab, deren Material sie durch ihre eigene interpretatorische Dramaturgie prägte.
Gerade deshalb lässt sich ihr Repertoire nur schwer einer einzigen Komponistenschule zuordnen.
Raimonds Pauls: «Маэстро», «Старинные часы», «Миллион алых роз»
Eine der wichtigsten kreativen Partnerschaften zu Beginn der 1980er-Jahre war die Zusammenarbeit mit dem lettischen Komponisten Raimonds Pauls.
Pauls bot Pugacheva Material, in dem melodische Estrada mit Jazzharmonik und seinem charakteristischen Klavierstil verbunden wurde.
So entstanden «Маэстро» und «Старинные часы» auf Texte von Ilya Reznik. «Старинные часы» wurde Ende 1981 erstmals aufgeführt und entwickelte sich schnell zu einer festen Konzertnummer der Sängerin.
Ein weiteres bedeutendes Werk aus der Zusammenarbeit von Pugacheva und Pauls war «Миллион алых роз». Die häufig verwendete Formulierung vom Trio «Pauls — Reznik — Pugacheva» ist in Bezug auf dieses Lied jedoch falsch: Der Text von «Миллион алых роз» stammt von Andrei Voznesensky.
Zusammen bildeten diese Werke einen der bekanntesten Teile von Pugachevas Repertoire der frühen 1980er-Jahre.
«Как тревожен этот путь»
1982 erschien das Doppelalbum «Как тревожен этот путь» — 16 Titel, die den Übergang vom Estrada-Klang der 1970er-Jahre zu den komplexeren Arrangements des folgenden Jahrzehnts widerspiegelten.
In dieser Phase konnte Pugacheva gleichzeitig in mehreren musikalischen Rollen auftreten: als dramatische Sängerin, Autorin eigener Lieder, Interpretin großer Hits und Regisseurin ihres Konzertmaterials.
Diese Vielseitigkeit wurde zu einem der Gründe für die außergewöhnliche Dauer ihrer Karriere.
Igor Nikolaev
Der nächste wichtige Autor in ihrer Karriere war Igor Nikolaev.
Anfang der 1980er-Jahre arbeitete der junge Musiker als Keyboarder und Arrangeur im Ensemble «Рецитал», das Pugacheva begleitete. 1983 nahm sie seine Lieder «Айсберг» und «Расскажите, птицы» auf.
Später folgten «Паромщик», «Сто друзей», «Прости, поверь» und weitere Werke.
Die Zusammenarbeit wurde so umfangreich, dass das Album «Счастья в личной жизни!» von 1986 auf Liedern von Igor Nikolaev basierte.
Für den Komponisten selbst wurde die Arbeit mit Pugacheva zu einer der wichtigsten Etappen seiner frühen professionellen Karriere.
«Пришла и говорю»
Parallel dazu widmete Pugacheva der Konzertregie immer mehr Aufmerksamkeit.
1984 entstand das theatralisierte Programm «Пришла и говорю», das später zur Grundlage eines Musikfilms und eines gleichnamigen Albumprojekts wurde.
Zu diesem Zeitpunkt war die berühmte freie Bühnensilhouette — weite Kleider und Gewänder — bereits Teil von Pugachevas visueller Sprache geworden. Die Künstlerin veränderte ihr Erscheinungsbild jedoch ständig, weshalb es falsch wäre, ihren Bühnenstil allein auf dieses Merkmal zu reduzieren.
Sie experimentierte mit Rockästhetik, Hosenanzügen, Bewegung, Groteske und theatralischen Figuren.
Das schwedische Album Watch Out
Mitte der 1980er-Jahre unternahm Pugacheva einen ihrer ernsthaftesten Versuche, auf dem westlichen Musikmarkt Fuß zu fassen.
In Schweden wurde das englischsprachige Album Watch Out aufgenommen und 1985 veröffentlicht. Die Platte enthielt 12 englischsprachige Titel und entstand gemeinsam mit dem Produzenten Lennart Sjöholm.
In der Sowjetunion wurde das Material unter dem Titel «Алла Пугачёва в Стокгольме» veröffentlicht.
Klanglich unterscheidet sich dieses Projekt deutlich von Pugachevas früher sowjetischer Estrada: Synthesizer, westlicher Pop und AOR der Mitte der 1980er-Jahre treten stärker hervor.
Rock und Vladimir Kuzmin
Die zweite Hälfte der 1980er-Jahre wurde zu einer der experimentellsten Phasen ihres Schaffens.
Rockelemente wurden in den Arrangements deutlicher, und einer ihrer wichtigsten Partner wurde Vladimir Kuzmin. Ihr gemeinsames «Две звезды» wurde zu einem der bekanntesten Duette Pugachevas.
In dieser Zeit trat sie außerdem mit Udo Lindenberg, der schwedischen Gruppe Herreys und anderen internationalen Künstlern auf.
Diese Arbeit zeigt, dass Pugacheva nicht ausschließlich innerhalb des traditionellen sowjetischen Estrada-Modells blieb, sondern regelmäßig die Grenzen ihres eigenen Klangs auslotete.
Konzert für die Liquidatoren der Tschernobyl-Katastrophe
Nach dem Unfall im Kernkraftwerk Tschernobyl nahm Pugacheva am Benefizkonzert «Счёт 904» teil, das zur Unterstützung der Betroffenen organisiert wurde.
Am 8. September 1986 trat sie außerdem vor Liquidatoren in der Siedlung Zelyony Mys unweit der Unglückszone auf. Nach Angaben von RIA Novosti kamen zu dem Konzert rund neuntausend Menschen.
Die Reise wurde zu einem der bekanntesten außermusikalischen Ereignisse ihrer sowjetischen Biografie.
«Театр песни»
Ende der 1980er-Jahre hatte sich Pugacheva faktisch von einer Solokünstlerin zur Leiterin einer eigenständigen kreativen Struktur entwickelt.
Im Jahr 1988 gründete und leitete sie das Theaterstudio «Театр песни». Das Projekt organisierte Konzerte und Tourneen und ermöglichte es Pugacheva, nicht nur an ihren eigenen Programmen, sondern auch mit anderen Künstlern zu arbeiten.
Gerade als künstlerische Leiterin des «Театр песни» wurde sie später im offiziellen Erlass über die Verleihung des Titels Volkskünstlerin der UdSSR genannt.
«Рождественские встречи»
1988 entstand ein weiteres Schlüsselprojekt — «Рождественские встречи Аллы Пугачёвой».
Die ersten Konzerte wurden im Sportkomplex «Olimpiysky» aufgezeichnet und Anfang 1989 im Fernsehen ausgestrahlt.
Das Format verband ein großes Fernsehkonzert mit einer kreativen Plattform. Neben den größten Stars stellte Pugacheva Künstler vor, die erst am Beginn ihrer Bekanntheit standen.
Mit Unterbrechungen existierten die «Рождественские встречи» mehr als zwei Jahrzehnte und wurden zu einer der bekanntesten musikalischen Fernsehmarken, die mit ihrem Namen verbunden waren.
Volkskünstlerin der UdSSR
Pugachevas professioneller Status wurde mehrfach durch staatliche Ehrentitel gewürdigt.
1980 wurde sie Verdiente Künstlerin der RSFSR, 1985 Volkskünstlerin der RSFSR.
Am 20. Dezember 1991 wurde Alla Pugacheva per Erlass des sowjetischen Präsidenten Mikhail Gorbachev der Titel Volkskünstlerin der UdSSR «für große Verdienste um die Entwicklung der sowjetischen Estrada- und Bühnenkunst» verliehen.
Der Erlass wurde nur wenige Tage vor dem Ende der Sowjetunion unterzeichnet.
«Не делайте мне больно, господа»
Nach dem Zerfall der Sowjetunion behielt Pugacheva ihren Status als eine der führenden Künstlerinnen der neuen russischen Musikindustrie.
1995 erschien das Album «Не делайте мне больно, господа» mit 18 Liedern, darunter «Любовь, похожая на сон», «Настоящий полковник», «Сильная женщина» und der Titelsong.
Das Material der Mitte der 1990er-Jahre unterschied sich deutlich von ihren sowjetischen Aufnahmen: Die Studiotechnik hatte sich verändert, die Arrangements orientierten sich stärker an zeitgenössischer Popmusik, während Pugachevas dramatische Interpretationsweise erhalten blieb.
Eurovision 1997
Im Jahr 1997 vertrat Alla Pugacheva Russland beim Eurovision Song Contest in Dublin.
Sie sang «Примадонна», eine eigene Komposition, und erreichte mit 33 Punkten den 15. Platz.
Das Wettbewerbsergebnis war zwar bescheiden, doch das Lied festigte die Bezeichnung «Prima Donna», die bereits eng mit ihrem Bühnenstatus verbunden war.
«Позови меня с собой» und das Album «Да!»
Das Ende der 1990er-Jahre brachte einen der größten späteren Hits Pugachevas — «Позови меня с собой».
Das Lied wurde von Tatiana Snezhina geschrieben. Pugacheva nahm es nach dem Tod der Autorin auf, und die Komposition wurde in ihrer Interpretation enorm populär.
1998 erschien das Album «Да!», das eine weitere Erneuerung ihres Repertoires markierte. Neben Pugachevas eigenen Werken erschienen nun Lieder einer neuen Generation von Komponisten und Textautoren.
Die Fähigkeit, Material junger Autoren aufzunehmen, war einer der Mechanismen, durch die ihr Repertoire nicht ausschließlich in der Ästhetik der 1970er- und 1980er-Jahre verankert blieb.
Die 2000er: neue Popmusik
Anfang der 2000er-Jahre veröffentlichte Pugacheva weiterhin regelmäßig Studiomaterial.
Auf dem Album «Речной трамвайчик» erschienen «Девочка секонд-хенд», «Не обижай меня», der Titelsong und das Duett mit Maxim Galkin «Будь или не будь».
Darauf folgten «Живи спокойно, страна!» und «Приглашение на закат».
Letzteres erschien 2008 und enthielt «Опять метель», «Ты там, я там» und weiteres Material aus ihrer späten Studiozeit.
Produzententätigkeit und Fernsehen
Zu diesem Zeitpunkt arbeitete Pugacheva längst nicht mehr nur als Sängerin.
Sie unterstützte junge Künstler über die «Рождественские встречи» und arbeitete mit Musikfestivals und Fernsehwettbewerben zusammen.
Im Jahr 2004 wurde Pugacheva künstlerische Leiterin von «Фабрика звёзд-5». Viele Jahre war sie zudem mit dem Wettbewerb «New Wave» verbunden, bei dem sie jungen Künstlern einen eigenen Preis verlieh.
Von 2011 bis 2013 leitete sie die Jury des Fernsehwettbewerbs «Фактор А».
Diese Projekte setzten das bereits bei den «Рождественские встречи» entwickelte Prinzip fort: Pugachevas Bekanntheit wurde als Plattform für die Präsentation neuer Estrada-Künstler genutzt.
«Радио Алла»
Im Jahr 2007 wurde gemeinsam mit «Prof-Media» der Radiosender «Радио Алла» gestartet.
Pugacheva war dessen künstlerische Leiterin und beteiligte sich selbst an der Gestaltung von Sendungen, darunter Interviews und direkte Kommunikation mit Hörern. Die russische Version des Senders stellte 2011 den Betrieb ein.
Das Projekt wurde zu einem ihrer bemerkenswertesten Experimente außerhalb von Konzert- und Aufnahmetätigkeit.
Ende der regelmäßigen Konzertkarriere
Am 5. März 2009 erklärte Pugacheva, dass sie nach ihrer Jubiläumstour ihre regelmäßige Konzerttätigkeit beenden werde.
Sie begründete die Entscheidung mit ihrem Gesundheitszustand und Veränderungen ihrer Stimme nach mehreren Operationen, betonte aber zugleich, dass sie ihre kreative Arbeit nicht vollständig einstellen werde.
Ihre letzte große Tournee trug den Titel «Сны о любви». Danach waren Solokonzerte kein regelmäßiger Bestandteil ihrer Karriere mehr.
Es handelte sich ausdrücklich um einen Rückzug von regelmäßigen Tourneen, nicht um einen vollständigen Abschied von der Musik.
Rückkehr mit P.S.
Zehn Jahre nach dem Ende ihrer Tourneetätigkeit gab Pugacheva erneut ein vollständiges Solokonzert.
Am 17. April 2019 fand im Staatlichen Kremlpalast das Jubiläumsprogramm P.S. anlässlich ihres 70. Geburtstags statt. Ein bedeutender Teil der Setlist bestand aus Material, das dem breiten Publikum zuvor kaum präsentiert worden war.
Das Konzert wurde als eigenständiger Musikfilm «Алла Пугачёва. Тот самый концерт» aufgezeichnet und in Kinos veröffentlicht.
2024 erschien die Aufnahme des Programms als Livealbum P.S. (Live) — 20 Titel mit einer Gesamtdauer von rund eineinhalb Stunden.
P.S. war damit keine Wiederaufnahme ihrer Tourneekarriere, sondern ein eigenständiges, rückblickendes Konzertprojekt.
Musik nach dem Rückzug von der Bühne
Nach dem Ende regelmäßiger Konzerte hörte Pugacheva nicht auf, Musik aufzunehmen.
Neben dem Livealbum P.S. erschienen im digitalen Katalog einzelne neue Titel, darunter «Ложный стыд», «Жизнь слишком хороша», «Не высовывайся, дочка», «Мама», «Поцелуи войны» und «Давай просто жить».
Diese Veröffentlichungen erscheinen außerhalb des traditionellen Album- und Tourneezyklus: Pugacheva nimmt ausgewählte Lieder auf, begleitet sie jedoch nicht mit regelmäßigen Konzertreisen.
Privatleben
Alla Pugacheva war fünfmal verheiratet.
Ihr erster Ehemann war der Zirkuskünstler Mykolas Orbakas. Aus dieser Ehe stammt die 1971 geborene Tochter Kristina Orbakaite, die später eine eigenständige Karriere als Sängerin und Schauspielerin aufbaute.
Ihr zweiter Ehemann war der Regisseur Alexander Stefanovich, ihr dritter der Konzertdirektor und Produzent Yevgeny Boldin.
Von 1994 bis 2005 war Pugacheva mit dem Sänger Philipp Kirkorov verheiratet.
2011 wurde Maxim Galkin ihr fünfter Ehemann. 2013 wurden die Zwillinge Harry und Elizaveta geboren.
Pugachevas Privatleben überschnitt sich häufig mit ihrem Berufsleben — Boldin war lange ihr Direktor, Kirkorov trat mit ihr auf und beteiligte sich an Musikprojekten, während sie mit Galkin Lieder aufnahm und im Fernsehen arbeitete.
Nach 2022
Nach Beginn der großangelegten russischen Invasion in die Ukraine im Februar 2022 verbrachte Pugacheva gemeinsam mit ihrer Familie einen erheblichen Teil ihrer Zeit außerhalb Russlands.
Im September 2022, nachdem Maxim Galkin vom russischen Justizministerium in das Register der ausländischen Agenten aufgenommen worden war, erklärte Pugacheva öffentlich ihre Solidarität mit ihrem Ehemann und sprach sich für ein Ende des Sterbens und ein friedliches Leben aus.
Diese Phase veränderte ihre Stellung im russischen öffentlichen Raum deutlich, änderte jedoch kaum das Modell ihrer musikalischen Tätigkeit, das sich bereits nach 2009 entwickelt hatte: seltene Aufnahmen und öffentliche Auftritte statt regelmäßiger Tourneen.
Musikstil und Interpretationsweise
Pugacheva lediglich als Estrada- oder Popsängerin zu bezeichnen, reicht zur Beschreibung ihres Katalogs nicht aus.
In den 1970er-Jahren bildete die sowjetische Estrada das Fundament ihres Repertoires, doch bereits damals verwandelte die Künstlerin eine Gesangsnummer in eine kleine theatralische Szene.
In den 1980er-Jahren existierten in ihrer Musik gleichzeitig eigene Songs, Pop, Rock, Synth-Pop, europäische Estrada und große Balladen. Das schwedische Watch Out unterschied sich deutlich vom Material von Raimonds Pauls, während die Zusammenarbeit mit Vladimir Kuzmin anders klang als die Lieder von Igor Nikolaev.
In den 1990er- und 2000er-Jahren passte sich Pugacheva an die moderne Studio-Popmusik an, ohne ihre dramatische Gesangsweise aufzugeben.
Das konstante Element ihres Stils ist daher nicht ein bestimmtes Genre, sondern die Interpretation eines Liedes durch eine Figur.
Pugacheva konnte ihr Timbre bewusst von fast gesprochen und rau bis hoch und offen verändern, Lachen, Pausen, Rezitativ, Ausrufe oder nahezu theatralisches Flüstern einsetzen. Gerade diese Dramaturgie ermöglichte es ihr, Material unterschiedlicher Komponisten in ein unverkennbar eigenes Repertoire zu verwandeln.
Autorin und Interpretin
Ein wichtiger Unterschied zwischen Pugacheva und vielen großen Estrada-Sängerinnen ihrer Generation ist ihre eigene kompositorische Arbeit.
Sie schrieb die Musik zu einer Reihe ihrer Lieder und beteiligte sich bereits seit Ende der 1970er-Jahre an der Entstehung des Materials. In der frühen Phase erschienen einige Werke unter dem Pseudonym Boris Gorbonos.
Ein großer Teil ihres bekanntesten Repertoires entstand jedoch in Zusammenarbeit mit professionellen Autoren.
Alexander Zatsepin, Raimonds Pauls, Igor Nikolaev, Igor Krutoy und andere Komponisten gehörten verschiedenen Generationen und musikalischen Schulen an. Dadurch gehört Pugachevas Katalog keiner einzelnen Autorenschule an — verbunden wird er vor allem durch die Interpretin selbst.
Wichtigste Alben
Zu ihren bedeutendsten Albumveröffentlichungen gehören:
- «Зеркало души» — 1978
- «Поднимись над суетой» — 1980
- «То ли ещё будет...» — 1980
- «Как тревожен этот путь» — 1982
- Watch Out / «Алла Пугачёва в Стокгольме» — 1985
- «Счастья в личной жизни!» — 1986
- «Пришла и говорю» — 1987
- «Не делайте мне больно, господа» — 1995
- «Да!» — 1998
- «Речной трамвайчик» — 2001
- «Живи спокойно, страна!» — 2003
- «Приглашение на закат» — 2008
- P.S. (Live) — Livealbum, 2024
Wichtige Lieder
Zu den bekanntesten Werken aus verschiedenen Phasen ihrer Karriere gehören:
- «Арлекино»
- «Всё могут короли»
- «Женщина, которая поёт»
- «Звёздное лето»
- «Этот мир»
- «Маэстро»
- «Старинные часы»
- «Миллион алых роз»
- «Айсберг»
- «Паромщик»
- «Две звезды»
- «Прости, поверь»
- «Не делайте мне больно, господа»
- «Любовь, похожая на сон»
- «Позови меня с собой»
- «Не обижай меня»
- «Опять метель»
Auszeichnungen
Alla Pugachevas professionelle Tätigkeit wurde mit einer Reihe staatlicher Auszeichnungen gewürdigt.
Sie erhielt folgende Ehrentitel:
- Verdiente Künstlerin der RSFSR — 1980
- Volkskünstlerin der RSFSR — 1985
- Volkskünstlerin der UdSSR — 1991
Pugacheva ist außerdem Preisträgerin des Staatspreises der Russischen Föderation und wurde mit dem Orden «Für Verdienste um das Vaterland» II., III. und IV. Klasse ausgezeichnet. Die IV. Klasse wurde ihr 2014 für ihren Beitrag zur Entwicklung von Kultur und Estradakunst verliehen.
Zu ihren internationalen Wettbewerbserfolgen zählen der Grand Prix beim «Golden Orpheus» 1975 und der Grand Prix «Amber Nightingale» beim Festival in Sopot 1978.
Stellung in der Geschichte der Populärmusik
Alla Pugachevas Bedeutung lässt sich nicht allein an der Zahl ihrer Hits oder an der Dauer ihrer Karriere messen.
In der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre veränderte sie das Bild der führenden sowjetischen Estrada-Sängerin. Im Mittelpunkt stand nun nicht mehr eine makellos distanzierte Interpretin, sondern eine Künstlerin mit stark ausgeprägter Individualität, die innerhalb eines einzigen Konzertprogramms ironisch, scharf, tragisch, grotesk und beinahe gesprochen wirken konnte.
In den 1980er-Jahren erreichte Pugacheva eine für sowjetische Popkünstler nahezu außergewöhnliche kreative Selbstständigkeit: Sie schrieb selbst Musik, inszenierte Konzerte, bestimmte ihr Bühnenbild und wählte Autoren aus. Später erweiterten «Театр песни» und «Рождественские встречи» diese Rolle von der Interpretin zur Organisatorin eines eigenen musikalischen Umfelds.
Nach dem Zerfall der Sowjetunion gelang es ihr, ein großes Publikum zu behalten, indem sie neue Generationen von Autoren und zeitgenössische Popproduktion in ihr Repertoire integrierte. «Позови меня с собой», «Любовь, похожая на сон», das Material von «Речной трамвайчик» und andere spätere Aufnahmen entstanden bereits in einer völlig anderen Musikindustrie als «Арлекино» und «Зеркало души», wurden jedoch dank ihrer unverwechselbaren Interpretationspersönlichkeit weiterhin in erster Linie als Pugacheva-Lieder wahrgenommen.
Gerade ihre Fähigkeit, über Jahrzehnte Musik und Bühnenform zu verändern, ohne in einem bestimmten Genre oder einer einzigen Autorenschule aufzugehen, machte Alla Pugacheva zu einer der bedeutendsten Figuren der sowjetischen und postsowjetischen Populärkultur.


