David Guetta

DJ Feel (bürgerlicher Name — Filipp Belikov; geb. 30. Dezember 1980) ist ein russischer DJ, Musikproduzent und Radiomoderator aus Sankt Petersburg und eine der zentralen Figuren der russischen Trance-Szene der 2000er- und 2010er-Jahre. Der wichtigste Teil seiner Karriere ist mit Radio Record und dem Projekt Trancemission verbunden, das sich von einer Radiosendung zu einer Festivalreihe, einer Musikmarke und einem Label entwickelte. Im internationalen Ranking DJ Mag Top 100 DJs erschien Feel erstmals 2008; seine höchste Platzierung — Rang 30 — erreichte er ein Jahr später.
DJ Feel gehört zu einer Generation russischer Elektronikmusiker, die ihre Karriere in einer Zeit aufbauten, als Trance im Land noch kaum über die heutige digitale Infrastruktur verfügte. Radio, Clubauftritte, spezialisierte Foren und physische Tonträger spielten eine wesentlich größere Rolle als Streaming-Plattformen. Belikov erinnerte sich später daran, dass Trancemission auf Radio Record in der frühen Phase faktisch eine der wenigen regelmäßigen Quellen für neue Trance-Musik für das russische Publikum war.
Gleichzeitig beschränkte sich Feels eigene Musik nie ausschließlich auf klassischen Uplifting Trance. Im Laufe der Jahre erschienen in seinem Katalog Progressive Trance, Vocal Trance, Progressive House, stärker festivalorientierte elektronische Musik, russischsprachiger Dance-Pop sowie Experimente mit symphonischen und pianistischen Arrangements. Der Künstler selbst beschrieb sein Ideal als Verbindung eines großen, energiegeladenen Sounds mit Melodik, Lyrik und Emotionalität.
Sankt Petersburg, Sport und keine klassische Musikausbildung
Anders als in der verbreiteten Biografie eines zukünftigen Elektronikmusikers, der schon als Kind mit Synthesizern experimentierte, hatte Filipp Belikov keine klassische musikalische Ausbildung. Er erzählte, dass er ab dem Alter von fünf Jahren ernsthaft schwamm und dem Sport rund elf Jahre widmete. Später machte sich das Fehlen einer Musikschule besonders bei der Arbeit mit Live-Instrumenten bemerkbar, da er für Orchester- und Klavierprojekte auf die Hilfe professioneller Arrangeure und Musiker angewiesen war.
Sein Interesse am DJing entstand deutlich später. In einem frühen Interview erinnerte sich Feel daran, dass er etwa zwei Jahre lang die Arbeit der DJs im Sankt Petersburger Club Mad Wave beobachtete, ohne damals bereits eine eigene Karriere zu planen. Anschließend brachte er sich das Mixen am Computer selbst bei und erhielt das Angebot, im neu eröffneten Club La Plage aufzulegen. Anfangs waren dies keineswegs ausschließlich Trance-Sets: Der junge DJ spielte Pop und Disco House — genau die Musik, die der jeweilige Club verlangte.
Nach einer kurzen Phase im La Plage kehrte er ins Mad Wave zurück, spielte dort zunächst kostenlos und bekam später eine feste Anstellung. Innerhalb dieses Clubumfelds entwickelte sich sein Interesse an Trance schrittweise von einer persönlichen Leidenschaft zu einer professionellen Richtung.
Andrey Ilyin, Radio Record und die Entstehung von Trancemission
Ein Wendepunkt war die Bekanntschaft mit dem Radiomoderator und DJ Andrey Ilyin. Nach Feels Erinnerungen wurde er Ilyin als junger DJ empfohlen, der sich besonders gut mit Trance auskannte. Zunächst trat Belikov als Gast in der Sendung auf, wurde anschließend erneut eingeladen, und schließlich begannen beide zusammenzuarbeiten.
So entstand die Verbindung zwischen DJ Feel und Radio Record, die für seine gesamte weitere Karriere grundlegend wurde. Die Radiosendung Trancemission entstand um die Jahrtausendwende; in einem DJ-Mag-Beitrag von 2012 erklärte Feel ausdrücklich, dass er die Marke im Jahr 2000 gestartet habe. Zu diesem Zeitpunkt umfasste das Projekt bereits eine Radiosendung, ein Festival und ein eigenes Label.
Für die russische Elektronikszene der frühen 2000er-Jahre hatte eine regelmäßig ausgestrahlte spezialisierte Trance-Sendung eine völlig andere Bedeutung als ein Musikpodcast im Zeitalter von Spotify und YouTube. Der Zugang zu internationalen Veröffentlichungen war begrenzt, das Internet war noch kein universeller Kanal für Musikkonsum, und Beatport begann gerade erst, einen neuen digitalen Markt zu formen. Deshalb hob DJ Mag in seinem Feel-Profil von 2008 besonders die Rolle von Trancemission bei der Verbreitung von Trance unter russischen Hörern hervor.
Trancemission als Musik-Community
Mit der Zeit wurde Trancemission weit mehr als nur eine Radiosendung. Rund um das Projekt entstand eine Community, die sich in spezialisierten Internetforen austauschte, Musik teilte und sich bei Veranstaltungen traf. Feel berichtete später, dass gerade die Foren in der frühen Internetphase entscheidend dabei halfen, eine konstante Fangemeinde rund um das Projekt aufzubauen.
Nach dem Neustart der Veranstaltungsreihe im Jahr 2009 entstand zudem die charakteristische Tradition vorfestivalischer „Teerunden“. Statt eines geschlossenen VIP-Events lud der Künstler bewusst regelmäßige Hörer zum Tee ein, damit sie sich kennenlernen und direkt mit Organisatoren und Musikern austauschen konnten. Diese Tradition überdauerte die Forum-Ära und wurde Teil der Identität von Trancemission.
Das Trancemission Festival
Bis zum Ende der 2000er-Jahre hatte sich die Radiomarke zu einer großen Festivalreihe entwickelt. 2010 bezeichnete Feel selbst den Neustart von Trancemission als sein wichtigstes Projekt des Jahres. Bei den Veranstaltungen traten einige der größten Namen der weltweiten Trance-Szene auf, darunter Armin van Buuren, Paul van Dyk und Ferry Corsten.
Für den russischen Markt war dies besonders wichtig. Trancemission funktionierte nicht nur als Tourplattform für internationale Stars: Feel integrierte bewusst russische Musiker in das gesamte Ökosystem. In einem Interview mit DJ Mag nannte er unter den Künstlern, die auf diese Weise unterstützt wurden, Alexander Popov und Eximinds.
2010 entstand außerdem ein eigener Bereich unter dem Namen Trancemission Label, der sich an Progressive- und Trance-Produzenten richtete. Feel erklärte DJ Mag, dass er talentierten russischen Produzenten eine Plattform geben wolle, die außerhalb ihres Heimatlandes weitgehend unbekannt waren. Damit erfüllte Trancemission gleichzeitig die Funktionen von Radio, Festival, Community und A&R-Plattform.
DJ Mag Top 100: von Platz 55 auf Platz 30
Die internationale Sichtbarkeit des russischen Trance stieg in der zweiten Hälfte der 2000er-Jahre deutlich. 2008 schaffte DJ Feel erstmals den Einstieg in das weltweit von Lesern gewählte Ranking DJ Mag Top 100 DJs und erreichte Platz 55. Parallel dazu erzielte auch Bobina eine hohe Platzierung, und diese Phase wurde zu einem wichtigen Beweis dafür, dass russische Trance-DJs relevante internationale Unterstützung gewinnen konnten.
Bereits ein Jahr später verbesserte sich Feel um 25 Positionen auf Platz 30. Dies blieb sein bestes Ergebnis in den Top 100 DJs. 2010 belegte er Rang 41, 2011 Rang 57, 2012 Rang 56 und 2013 Rang 62.
Nach einer Pause kehrte Feel 2016 auf Platz 100 in das Ranking zurück. Deshalb ist es genauer, konkrete Positionen zu nennen, anstatt vage Werbeaussagen über eine nicht näher bestimmte Zahl von „Jahren in den Top 100“ zu wiederholen. Die Platzierungen von 2008 bis 2013 und die spätere Rückkehr zeigen das Ausmaß seiner internationalen Anerkennung deutlich präziser.
Yulia Pago: russischsprachiger Vocal Dance
Ein wichtiger Teil von DJ Feels Karriere war die Zusammenarbeit mit der Sängerin und Radiomoderatorin Yulia Pago. Ende der 2000er-Jahre entstanden mehrere russischsprachige Vocal-Dance-Tracks, in denen Trance- und Progressive-Arrangements mit einer Songstruktur kombiniert wurden, die sich nicht nur an Club-, sondern auch an Radiohörer richtete. Bereits im DJ-Mag-Profil von 2008 wurde die Zusammenarbeit mit Pago als eines von Feels aktuellen Projekten hervorgehoben.
Zu den bekanntesten Aufnahmen gehören «На облака» und «Осколки лета». TopHit führt «На облака» als Zusammenarbeit von DJ Feel & Yulia Pago aus dem Jahr 2008 und «Осколки лета» als weiteren gemeinsamen Release aus derselben Phase. Später folgte außerdem «Виртуаль».
Dieser Teil des Katalogs ist wichtig, weil er eine andere Seite von Feel zeigt. Seine internationalen Trance-Releases richteten sich vor allem an die Clubszene, während die Songs mit Pago elektronische Produktion mit russischsprachiger Pop-Struktur verbanden. Auch Jahre später blieb das Material aktiv: Neue Remixe von «На облака» erschienen 2025 erneut in digitalen Katalogen.
The Concert: Trance und symphonische Musik
Im Jahr 2009 veröffentlichte DJ Feel sein erstes Studioalbum The Concert. Das Konzept war für russischen Trance jener Zeit ungewöhnlich: Ein Teil der elektronischen Stücke wurde neu für klassische Instrumente arrangiert. Feel erklärte gegenüber DJ Mag, dass er neun Kompositionen mit einem Orchester aufgenommen habe und versuchte, elektronische Tanzmusik mit klassischem Klang zu verbinden.
Für die orchestrale Seite des Projekts wurden professionelle Musiker und Arrangeure hinzugezogen. Belikov erklärte später, dass gerade seine fehlende klassische Ausbildung dazu führte, dass er besonders eng mit Menschen zusammenarbeiten musste, die elektronische Parts korrekt auf Live-Instrumente übertragen konnten. Als zentrale Helfer nannte er den Geiger Alexander Yakushev und den Arrangeur Alexey Maslov.
Im Dezember 2009 wurde das Material bei Trancemission mit einem Streichoktett aufgeführt. Später wurde die Idee in weiteren Konzertformaten fortgeführt; DJ Mag erwähnte außerdem, dass Feel das Album mit vollständiger Streicherbesetzung präsentierte.
Dance4Life und Vladimir Pozner
Auch soziale Themen fanden Eingang in Feels Musik. Er war russischer Botschafter der internationalen Initiative Dance4Life, die sich mit HIV/AIDS-Prävention und Aufklärung junger Menschen beschäftigte. Dieser Status wurde auch von DJ Mag ausdrücklich erwähnt.
Im Rahmen des Projekts entstand der Track Dance For Life Russia (The Anthem) — DJ Feel & Volmix feat. Vladimir Pozner. Die Aufnahme wurde auch Teil von Feels Albumgeschichte und verband elektronische Produktion mit einer sozialen Kampagne, die innerhalb der Clubkultur stattfand.
Roter Platz und Tiësto
Eines der auffälligsten Live-Ereignisse seiner Karriere fand 2010 statt. DJ Feel nahm an der Russland-Tournee von Tiësto teil, zu der auch ein großes Dance-Event auf dem Roten Platz in Moskau gehörte. DJ Mag brachte Feel ausdrücklich mit diesem Auftritt in Verbindung und erwähnte ihn später erneut als Künstler, der gemeinsam mit Tiësto an einem der bekanntesten Orte Russlands aufgelegt hatte.
In einigen Biografien wird im Zusammenhang mit dem Roten Platz fälschlicherweise Paul van Dyk neben Tiësto genannt. Van Dyk war tatsächlich ein wichtiger Teil der Trancemission-Geschichte und trat mehrfach in Russland auf, doch das Ereignis auf dem Roten Platz in Feels Karriere war konkret mit Tiësto verbunden.
A Day To Remember und die russische Produzentenszene
Anfang der 2010er-Jahre arbeitete Feel zunehmend nicht nur mit Sängern, sondern auch mit einer neuen Generation russischer Elektronikproduzenten zusammen. Ein prägnantes Beispiel war A Day To Remember, das gemeinsam mit Matisse & Sadko entstand; die Vocals übernahm Tina Smith. Feel erzählte später, dass gerade dieser Track Teil einer seiner wichtigsten Albumphasen wurde.
Zum selben Projektumfeld gehörten Arbeiten mit Abstract Vision & Elite Electronic, Vadim Spark, Anatoly Kontsevich, Max Zolotov und weiteren russischen Produzenten. Dieser Ansatz entsprach der Trancemission-Idee: Die Entwicklung von Feels eigener Karriere verlief parallel zum Versuch, Produzenten eine Plattform zu bieten, denen der selbstständige Zugang zum internationalen Markt schwerer fiel.
Remixe für Aly & Fila, Marcel Woods und Paul Oakenfold
Zu Beginn der 2010er-Jahre reichte Feels Remixarbeit längst über den russischen Markt hinaus. 2011 veröffentlichte Armada Music seinen Remix von Aly & Fila feat. Denise Rivera — My Mind Is With You im Rahmen des Projekts Rising Sun — The Remixes.
2012 erschien Marcel Woods — New Feeling (DJ Feel Remix).
Ein Jahr später produzierte er seine eigene Version von Paul Oakenfold & Joyriders — Top of the World. Der Remix wurde 2013 offiziell veröffentlicht.
Diese Arbeiten charakterisieren Feels internationale Position in dieser Phase besonders gut. Seine Bekanntheit basierte nicht nur auf russischen DJ-Mag-Abstimmungen oder Festivals: Seine Remixe erschienen tatsächlich in den Katalogen von Künstlern und Labels, die die weltweite Trance-Szene prägten.
Unlimited — das zweite Studioalbum
Am 6. Juni 2013 erschien das zweite Studioalbum Unlimited. Die Produktion dauerte deutlich länger als ursprünglich geplant: Viele Kompositionen waren bei verschiedenen internationalen Labels unter Vertrag, weshalb die Rechte für eine gemeinsame Albumveröffentlichung jeweils separat abgestimmt werden mussten.
Das Konzept setzte die Idee von The Concert fort, allerdings in anderer Form. Unlimited bestand aus zwei Discs: Auf der ersten befanden sich die elektronischen Versionen der Stücke, auf der zweiten dieselben Kompositionen als Klavierinterpretationen. Feel erklärte, der Titel solle zeigen, dass Clubmusik nicht ausschließlich innerhalb des üblichen elektronischen Sounds existieren müsse.
Die Klavierparts wurden im Melodiya-Studio in einer lutherischen Kirche in Sankt Petersburg aufgenommen. Belikov selbst war vor allem für den emotionalen Charakter der Arrangements verantwortlich, während professionelle Musiker das Material in die Sprache eines akustischen Instruments übertrugen.
Das Album enthielt Kooperationen mit Melissa Loretta, Emma Lock, Matisse & Sadko, Tina Smith, Loona, Anatoly Kontsevich, Abstract Vision & Elite Electronic, Aelyn und weiteren Musikern.
Feel Unlimited — eine siebenstündige Soloshow
Das Album erhielt auch eine groß angelegte Live-Fortsetzung. Im Oktober 2013 wurde in der A2 Arena in Sankt Petersburg die Produktion Feel Unlimited aufgeführt. DJ Mag beschrieb sie als ungefähr siebenstündige Soloshow, in der elektronische Musik mit Live-Sängern, Orchester- und Rockinstrumenten kombiniert wurde. Feel selbst bezeichnete das Projekt damals als seine größte eigene Produktion.
Später erklärte er, dass das Konzert einen Flügel, ein kleines Orchester, Live-Musiker, Sänger, Tänzer und 3D-Mapping umfasste. Die Idee bestand nicht mehr darin, einfach Streicher über ein DJ-Set zu legen, sondern eine eigenständige Konzertform rund um seine eigene Musik zu schaffen.
«Бой с тенью 3» und Filmmusik
Auch der filmische Teil von Feels Biografie erfordert eine genaue Zuordnung. Seine Musik war nicht allgemein mit «Бой с тенью» verbunden, sondern konkret mit dem Film «Бой с тенью 3: Последний раунд». Der Musikproduzent des Films wählte den Track Shout, den Feel gemeinsam mit Matisse & Sadko produziert hatte. Anschließend entstand zusammen mit Max Zolotov eine Dance-Version des Hauptthemas des Films — «Я возвращаюсь на ринг».
Diese Phase zeigt eine weitere charakteristische Eigenschaft von Feel: Er zog keine starre Grenze zwischen „reinem Trance“ und stärker massenorientierter elektronischer Produktion, sofern ein Projekt die melodische und cluborientierte Komponente bewahren konnte.
Your Love, I'll Find Myself und Vocal Trance
Ein erheblicher Teil des Katalogs der frühen 2010er-Jahre basierte auf Vocal Trance. Zu den auffälligen Tracks dieser Phase gehören Your Love mit Aelyn und I'll Find Myself mit Loona. Beide Kompositionen gehörten zu dem Material, aus dem später Unlimited entstand.
In diesen Tracks ist Feels typische Formel deutlich zu hören: emotionale Vocals, lange melodische Entwicklung und ein Clubrhythmus, der verhindert, dass der Song zu gewöhnlichem Radio-Pop wird. Gerade dieses Gleichgewicht zwischen Trance-Set und Songstruktur wurde zu einem der dauerhaftesten Merkmale seines Produktionsstils.
Illuminate und Jan Johnston
Eine weitere auffällige internationale Zusammenarbeit war Illuminate mit der britischen Sängerin Jan Johnston, deren Stimme eng mit der Geschichte des Vocal Trance verbunden ist. Der Track erschien auf internationalen Trance-Compilations und zählt in heutigen digitalen Katalogen weiterhin zu Feels bekanntesten Arbeiten. Auch Apple Music hebt ihn unter den zentralen Aufnahmen des Künstlers hervor.
One Life mit Roger Shah und Zara Taylor
2014 arbeitete Feel mit dem deutschen Trance-Produzenten Roger Shah und der Sängerin Zara Taylor an One Life. Die Single erschien am 17. März auf Magic Island Records und enthielt mehrere Clubversionen sowie ruhigere Fassungen.
Für Feel war die Zusammenarbeit mit Roger Shah eine natürliche Fortsetzung der melodischen Seite seines Katalogs: Beide Künstler legten nicht nur Wert auf Trance-Energie, sondern auch auf Harmonie, Gesangsmelodie und die Möglichkeit, Clubmaterial in atmosphärischere Formen zu übertragen.
Armada und Unterstützung durch A State of Trance
Mitte der 2010er-Jahre setzte sich Feel ein weiteres professionelles Ziel — regelmäßige Unterstützung für seine eigene Musik in A State of Trance zu erhalten und über das Armada-Ökosystem zu veröffentlichen. 2016 berichtete DJ Mag, dass Disappear mit Adara und Not Alone mehrere Wochen in Folge bei Armin van Buuren gespielt wurden. Im selben Zeitraum erschienen über Armada Bali und Not Alone (Three Friends).
Diese Phase ist besonders aufschlussreich, weil Feel sich auch viele Jahre nach seinem ersten Erfolg im DJ Mag nicht nur als tourenden DJ mit bereits etablierter Reputation betrachtete, sondern weiterhin als aktiven Produzenten, dem die Präsenz auf dem internationalen Release-Markt wichtig war.
Arbeiten außerhalb des klassischen Trance
Feels Katalog erweiterte sich schrittweise über die Szene hinaus, mit der er üblicherweise verbunden wird. Er arbeitete mit russischen Popkünstlern zusammen und veröffentlichte 2017 Young Yummy Love gemeinsam mit SEREBRO. In seiner digitalen Diskografie finden sich außerdem spätere russischsprachige und Crossover-Veröffentlichungen.
Diese stilistische Beweglichkeit bedeutet keine Abkehr vom Trance. Sie entspricht vielmehr einem Ansatz, den Feel bereits in den Clubs La Plage und Mad Wave zeigte: Musik als Beruf war für ihn von Anfang an breiter als ein einziges klar definiertes Subgenre, auch wenn gerade Trance zur Grundlage seines Namens und seiner eigenen Fanbasis wurde.
Wie DJ Feel klingt
2013 beschrieb Feel seine musikalische Ausrichtung ziemlich genau: Ihn interessierte Musik, die gleichzeitig groß und aggressiv klingt, aber melodisch, lyrisch und emotional bleibt. In DJ-Mag-Profilen dieser Zeit wurden seine Produktionen als melodischer Uplifting Trance mit einem Tempo von etwa 138 BPM beschrieben.
Später wurden seine DJ-Sets stilistisch breiter. Im DJ-Mag-Profil von 2016 definierte Feel seinen Stil bereits als Progressive und Trance. Dies beschreibt seine reifere Karriere genauer: In seinen Programmen und Sets stehen Progressive Trance, Vocal Trance, Uplifting, Progressive House und modernere melodische elektronische Musik nebeneinander.
Einen besonderen Platz nimmt das Interesse an klassischer Musik ein. The Concert, die Klavier-Disc von Unlimited und spätere Auftritte mit Live-Musikern zeigen, dass die orchestrale Linie für Feel kein dekoratives Experiment eines einzelnen Albums war, sondern ein wiederkehrender Versuch zu prüfen, ob die emotionale Struktur einer Trance-Komposition auch außerhalb von Synthesizern und Clubrhythmus bestehen bleibt.
Trancemission nach Jahrzehnten
Eine der auffälligsten Leistungen von Feel bleibt die Langlebigkeit von Trancemission. DJ Mag schrieb bereits 2016 über die fünfzehnjährige Geschichte der Sendung, während Archive späterer Jahre Hunderte weitere Ausgaben dokumentieren. Die Radioshow wurde auch 2025–2026 regelmäßig fortgesetzt, darunter mit einer Sonderausgabe zum 30-jährigen Jubiläum von Radio Record.
Für elektronische Musik ist das besonders bemerkenswert: Viele Clubmarken sind eng mit einer bestimmten Hörergeneration verbunden und verschwinden mit dem Wandel der Trends. Trancemission überstand den Übergang von FM-Radio und Foren zu Podcasts, Streaming, sozialen Netzwerken und moderner digitaler DJ-Promotion und behielt dabei den ursprünglichen Fokus auf melodische Trance-Musik bei.
Neue Releases und die Rückkehr des älteren Katalogs
Auch Feels musikalische Aktivität endete nicht mit der klassischen Phase von 2008 bis 2016. 2025 erschienen im digitalen Katalog «Гудбай, Америка», Stereo Love, Never Go Away sowie neue Versionen seiner Zusammenarbeit mit Yulia Pago, «На облака».
2026 folgten «Не дано» und Faded; am 7. August erschien außerdem die Single Can't Get You Out of My Head. Diese Aufnahmen zeigen ein freieres spätes Katalogmodell, in dem Trance, Dance-Cover, russischsprachige Songs und Neuinterpretationen älteren Materials nebeneinander existieren.
Deshalb sollte die spätere Karriere von DJ Feel nicht als „Comeback“ nach langer Abwesenheit beschrieben werden. Radioshow, Auftritte und Veröffentlichungen liefen parallel weiter; verändert haben sich vor allem die Wege der Musikverbreitung und die stilistische Bandbreite des Materials.
Wichtige Alben und bedeutende Veröffentlichungen
- The Concert — 2009, erstes Studioalbum, elektronische Kompositionen mit großem Orchesteranteil;
- Dance For Life Russia (The Anthem) — mit Volmix und Vladimir Pozner, Dance4Life-Projekt;
- Круги на воде — mit Yulia Pago;
- На облака — mit Yulia Pago, 2008;
- Осколки лета — mit Yulia Pago, 2008;
- Виртуаль — mit Yulia Pago, 2009;
- Feel — mit Aurosonic feat. Ale Haze;
- A Day To Remember — mit Matisse & Sadko feat. Tina Smith;
- My Mind Is With You (DJ Feel Remix) — Aly & Fila feat. Denise Rivera, 2011;
- Your Love — feat. Aelyn;
- I'll Find Myself — feat. Loona;
- New Feeling (DJ Feel Remix) — Marcel Woods, 2012;
- Unlimited — 2013, zweites Studioalbum, bestehend aus einer elektronischen und einer Klavier-Disc;
- Illuminate — feat. Jan Johnston;
- Top of the World (DJ Feel Remix) — Paul Oakenfold & Joyriders, 2013;
- One Life — Roger Shah & DJ Feel feat. Zara Taylor, 2014;
- Disappear — mit Adara;
- Not Alone / Not Alone (Three Friends) — aus der Phase der Unterstützung durch A State of Trance und Armada;
- Bali — 2016, Armada;
- Young Yummy Love — mit SEREBRO, 2017;
- Faded — 2026;
- Can't Get You Out of My Head — 2026.
Bei der grundlegenden Albumdiskografie ist es besonders wichtig, originale Studioalben nicht mit den zahlreichen Compilations und Radioshow-Veröffentlichungen zu vermischen. Feels zwei zentrale eigenständige Full-Length-Alben sind The Concert und Unlimited. Letzteres wurde in einem Interview von 2013 ausdrücklich als sein zweites Studioalbum bezeichnet.
Die Bedeutung von DJ Feel für die russische Trance-Szene
DJ Feel als einzigen „Gründer des russischen Trance“ zu bezeichnen, wäre historisch nicht korrekt. Die russische Trance-Szene wurde von einer ganzen Generation von DJs und Produzenten geprägt, darunter Bobina, Fonarev, Moonbeam, Sensorica, Vadim Zhukov und später Alexander Popov, Eximinds, Abstract Vision und viele weitere Künstler.
Feels Rolle war eine andere und in hohem Maß infrastrukturell. Er arbeitete gleichzeitig in vier Bereichen: Er spielte Musik vor großem Publikum, präsentierte sie regelmäßig im Radio, produzierte eigene Tracks und baute rund um das Genre ein Festival- und Labelsystem auf. Genau deshalb hob DJ Mag bereits 2008 nicht nur seine DJ-Karriere hervor, sondern auch den Einfluss von Trancemission auf das russische Publikum und auf junge Produzenten.
Auch das internationale Ranking entstand nicht unabhängig von dieser Tätigkeit. Der Sprung von Platz 55 auf Platz 30 im DJ Mag innerhalb eines Jahres fiel in die Phase des Wachstums von Trancemission und der Entstehung von The Concert, als russischer Trance erstmals besonders sichtbar in der weltweiten DJ-Abstimmung vertreten war.
Ebenso wichtig ist Feels Fähigkeit, unterschiedliche Zielgruppen miteinander zu verbinden. Für Fans des internationalen Trance enthält seine Diskografie Remixe für Aly & Fila, Paul Oakenfold und Marcel Woods, Arbeiten mit Roger Shah und Jan Johnston sowie Releases auf Armada. Für ein breiteres russisches Publikum gibt es «На облака» und «Осколки лета» mit Yulia Pago, Filmmusik und Pop-Kollaborationen. Für langjährige Hörer der elektronischen Szene ist sein Name vor allem mit der jahrzehntelangen Trancemission verbunden.
Gerade diese Verbindung unterschiedlicher Richtungen macht DJ Feel zu einer wichtigen Figur der russischen elektronischen Musik. Seine Karriere lässt sich nicht auf eine hohe DJ-Mag-Platzierung oder eine einzelne Festivalsaison reduzieren: Sie umfasst den Übergang der russischen Clubkultur von FM-Radio, CDs und lokalen Clubs zu internationalen Labels, großen Festivals, digitalen Releases und Streaming-Verbreitung.
Gleichzeitig blieb die zentrale Idee des Projekts über Jahrzehnte hinweg erkennbar: Melodische elektronische Musik soll sowohl als emotionale Komposition als auch als Musik für eine große Tanzfläche funktionieren. Von den ersten Clubs in Sankt Petersburg und den frühen Sendungen bei Radio Record über The Concert, Unlimited bis hin zu den heutigen Ausgaben von Trancemission ist es genau dieses Gleichgewicht, das DJ Feels Platz in der Geschichte der russischen Trance-Szene bestimmt.






