Ariana Grande reichte wegen der Veröffentlichung von 45 unveröffentlichten Songs Klage ein.

Ariana Grande reichte wegen der Veröffentlichung von 45 unveröffentlichten Songs Klage ein.

Ariana Grande verklagt unbekannte Hacker wegen der Veröffentlichung unveröffentlichter Musik, Fotos und Videos. Was gestohlen wurde, wie die Dateien verkauft wurden und was die Sängerin fordert.

Ariana Grande hat ein Gerichtsverfahren gegen bislang unbekannte Hacker eingeleitet, denen sie den jahrelangen Diebstahl und die Verbreitung ihrer unveröffentlichten Musik, Fotografien und internen Videoaufnahmen vorwirft. Laut der Klage gelangten allein im Jahr 2023 insgesamt 45 offiziell unveröffentlichte Songs der Sängerin ins Internet. Ein Teil der gestohlenen Inhalte soll über geschlossene Plattformen verkauft worden sein.

Die US-amerikanische Sängerin und Schauspielerin Ariana Grande hat Klage gegen unbekannte Personen eingereicht, die mutmaßlich am Hacken der digitalen Konten ihrer kreativen Partner beteiligt waren. Die Klageschrift ging am 27. Juli 2026 beim Superior Court of Los Angeles County ein. In den Dokumenten werden die Beklagten als John Doe 1 und John Does 2–100 bezeichnet — standardmäßige Platzhalternamen, die verwendet werden, wenn die Identität mutmaßlicher Täter noch nicht bekannt ist.

Grande wirft den Beklagten Eingriffe in ihre Privatsphäre, unbefugten Zugriff auf Computerdaten und die rechtswidrige Aneignung ihrer Materialien vor. Die Sängerin beantragte außerdem ein Verfahren vor einer Jury. Bislang handelt es sich um zivilrechtliche Vorwürfe der Künstlerin: Die Identität der Beklagten ist nicht bekannt, und ein Gericht hat ihre Schuld noch nicht festgestellt.

Was genau gestohlen worden sein soll

Der Klage zufolge erhielten die Täter nicht nur Zugriff auf fertiggestellte Songs, sondern auch auf Materialien, die den kreativen Arbeitsprozess der Sängerin dokumentieren. Dazu sollen gehören:

  • unveröffentlichte Masteraufnahmen und Demoversionen;
  • Audio- und Videoaufnahmen aus Studiosessions;
  • Material von Musikvideodrehs;
  • Fotos und Videos hinter den Kulissen;
  • Aufnahmen, die nicht in Album-Fotoshootings verwendet wurden;
  • private und berufliche Fotografien, die nicht zur Veröffentlichung bestimmt waren.

Grandes Anwälte behaupten, dass die gestohlenen Dateien in einzelnen Paketen verbreitet und verkauft wurden, unter anderem über PayPal und Cash App. Einige Käufer sollen die erhaltenen Inhalte anschließend auf verschiedenen Internetplattformen veröffentlicht haben.

In den Gerichtsunterlagen ist Berichten zufolge von Verkäufen im Darknet für „erhebliche Summen“ die Rede. Konkrete Preise, die Gesamteinnahmen der Verkäufer und die Höhe der geforderten Entschädigung wurden in den veröffentlichten Zusammenfassungen der Klage jedoch nicht genannt.

2023 wurden 45 Songs geleakt

Einer der zentralen Punkte des Verfahrens ist das umfangreiche Datenleck aus dem Jahr 2023. Nach Angaben der Sängerin wurden innerhalb dieses Jahres 45 unveröffentlichte Songs von Ariana Grande gestohlen und veröffentlicht.

Die Anwälte der Künstlerin betrachten diesen Vorfall als Teil eines wesentlich länger bestehenden Problems. In der Klage heißt es, seit dem Beginn von Grandes Musikkarriere im Jahr 2011 habe es Hunderte ähnlicher Leaks gegeben. Dabei kann es sich nicht nur um verschiedene Songs handeln, sondern auch um Demos, frühe Fassungen, Aufnahmefragmente, Fotografien und andere Dateien. Die Formulierung von „Hunderten geleakten Songs“ wäre daher ungenau: Das Dokument spricht von Hunderten Vorfällen oder Materialien, während sich die konkrete Zahl von 45 Songs auf das Jahr 2023 bezieht.

Wie die Hacker an die Materialien gelangt sein könnten

In der Klage werden mehrere mutmaßliche Methoden beschrieben, mit denen die Dateien erlangt worden sein sollen. Auffällig ist, dass laut den Dokumenten nicht unbedingt Ariana Grande selbst das Hauptziel der Angriffe war, sondern Personen aus ihrem beruflichen Umfeld, darunter Fotografen, Produzenten und technische Mitarbeiter.

2019 sollen die Täter die Zugangsdaten zum Dropbox-Konto eines Fotografen erhalten haben, der zuvor mit der Sängerin zusammengearbeitet hatte, und von dort unveröffentlichte Aufnahmen heruntergeladen haben.

2020 wurde angeblich das Mobiltelefon eines Produzenten gehackt. Von dem Gerät sollen unfertige Masteraufnahmen, Demoversionen und Videos aus Studiosessions kopiert worden sein.

Zwei weitere Vorfälle sollen sich im Januar und Februar 2024 ereignet haben. Nach Grandes Darstellung erstellten die Täter eine Gmail-Adresse und einen Domainnamen, die den Kontaktdaten eines echten Fotografen ähnelten. Anschließend wandten sie sich an einen technischen Mitarbeiter des Fotografen und überzeugten ihn davon, ihnen vertrauliches Material der Sängerin zu übermitteln.

Es geht somit nicht um den einmaligen Zugriff auf ein einzelnes Archiv, sondern um ein mutmaßlich jahrelanges Vorgehen, bei dem gestohlene Zugangsdaten, der Zugriff auf Geräte und Phishing durch Identitätsvortäuschung eingesetzt wurden.

Die Leaks sollen Ariana Grandes Veröffentlichungen beeinflusst haben

Die Seite der Sängerin behauptet, dass die rechtswidrige Verbreitung der Dateien ihr wirtschaftlichen und reputationsbezogenen Schaden zugefügt, Arbeitsbeziehungen beeinträchtigt und in den kreativen Prozess eingegriffen habe.

In einigen Fällen habe Grande Material neu aufnehmen und die Termine zukünftiger Veröffentlichungen ändern müssen, um unfertige Projekte zu schützen und keine Musik in einer Form offiziell zu veröffentlichen, in der sie bereits ohne ihre Zustimmung im Internet erschienen war. Ihr Team habe außerdem Ressourcen für die Untersuchung der Leaks und die Entfernung unrechtmäßig veröffentlichter Inhalte aufwenden müssen.

Für Musiker unterscheidet sich das Leak einer Demoversion von der unautorisierten Verbreitung eines bereits veröffentlichten Titels. Die Hörer erhalten ein unfertiges Werk ohne endgültigen Mix, bestätigtes Arrangement oder den Kontext des Albums. Gleichzeitig kann die frühe Fassung als vollständiger Song des Künstlers wahrgenommen werden und die Reaktion auf die spätere offizielle Veröffentlichung beeinflussen.

Der Fall Fantasize

Das bekannteste Beispiel ist der Song Fantasize, der 2023 im Internet auftauchte und sich auf TikTok viral verbreitete. Ariana Grande erklärte später, das Stück sei für ein Fernsehprojekt entstanden und nie als eigene Single vorgesehen gewesen.

In einem Interview im Jahr 2024 bezeichnete die Sängerin die Veröffentlichung des Songs ausdrücklich als Diebstahl und wandte sich in scherzhaft-drohendem Ton an die Verantwortlichen, indem sie sagte, sie werde sie „im Gefängnis“ sehen. Sie räumte außerdem ein, dass das Interesse des Publikums an Fantasize die Ausrichtung einiger Songs auf dem Album Eternal Sunshine beeinflusst habe, obwohl das letztlich veröffentlichte Material erheblich überarbeitet worden sei.

Der Fall zeigt die widersprüchliche Wirkung eines Leaks. Ein inoffizieller Song kann populär werden, doch der virale Erfolg ändert nichts daran, dass dem Urheber das Recht genommen wird, selbst zu entscheiden, ob das Werk überhaupt veröffentlicht werden soll und in welcher Form es dem Publikum präsentiert wird.

Was Ariana Grande fordert

Das wichtigste unmittelbare Ziel der Klage ist es, die Identität der Personen festzustellen, die derzeit unter den Platzhaltern John Doe geführt werden. Die Sängerin will sie zur Verantwortung ziehen und die weitere Verbreitung der Dateien stoppen.

Zu den Forderungen sollen außerdem gehören:

  • ein Verbot der weiteren Nutzung und Veröffentlichung der Materialien;
  • die Rückgabe privater Dateien, die sich im Besitz der Beklagten befinden;
  • Schadensersatz für die entstandenen Verluste;
  • die Identifizierung der an den Hackerangriffen und dem Verkauf der Inhalte beteiligten Personen;
  • die Prüfung der erhobenen Ansprüche durch ein Geschworenengericht.

Die Bezeichnung John Does 2–100 bedeutet nicht, dass Grande bereits 100 konkrete Hacker identifiziert und verklagt hat. Es handelt sich um prozessuale Platzhalter, die es ermöglichen, später echte Namen hinzuzufügen, falls diese durch Daten von Plattformen, Zahlungsdiensten oder anderen Vermittlern ermittelt werden können.

Welche Gesetze in der Klage genannt werden

Das Verfahren stützt sich nicht ausschließlich auf das Urheberrecht. Als Klagegründe werden unter anderem Eingriffe in die Privatsphäre, rechtswidrige Aneignung von Eigentum und Verstöße gegen den kalifornischen Comprehensive Computer Data Access and Fraud Act genannt.

Section 502 des kalifornischen Strafgesetzbuchs verbietet es, wissentlich und ohne Erlaubnis auf Computer oder Daten zuzugreifen, Informationen zu kopieren und sie zur unrechtmäßigen Erlangung von Geld, Eigentum oder Kontrolle über Daten zu verwenden. Das Gesetz ermöglicht außerdem die zivilrechtliche Geltendmachung von Schäden und bei nachgewiesenem Vorsatz, Betrug oder Böswilligkeit zusätzliche Strafschadensersatzzahlungen.

Grandes juristische Strategie umfasst daher mehrere mutmaßliche Verstöße zugleich: den Hackerangriff selbst, das Kopieren der Dateien, den Eingriff in ihre Privatsphäre, den anschließenden Verkauf der Materialien und deren weitere Verbreitung.

Warum der Fall für die Musikindustrie wichtig ist

Ariana Grandes Klage betrifft ein Problem, mit dem viele Künstler im digitalen Zeitalter konfrontiert sind. Um wertvolle Dateien zu erlangen, muss nicht zwingend das persönliche Telefon eines Stars gehackt werden. Es kann genügen, einen der zahlreichen Beteiligten an der Produktion anzugreifen — etwa einen Produzenten, Tontechniker, Fotografen, Videoeditor oder Studiomitarbeiter.

Ein modernes Musikprojekt wird gleichzeitig an mehreren Orten gespeichert. Masteraufnahmen, Gesangsspuren, Covergrafiken, Musikvideos und Werbematerialien werden über Cloud-Dienste zwischen den Mitgliedern eines Teams ausgetauscht. Der Schutz einer Veröffentlichung wird daher nicht vom sichersten Konto, sondern vom schwächsten Glied der gesamten Arbeitskette bestimmt.

Eine der Sängerin nahestehende Quelle erklärte gegenüber People, das Verfahren solle nicht nur eine Warnung an Personen sein, die Grande verfolgen, sondern auch an alle, die Werke anderer Künstler stehlen. Nach Aussage der Quelle müssen Künstler das Recht behalten, selbst zu bestimmen, wie und wann ihre Werke der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Wie es weitergeht

In der ersten Phase muss Grandes Rechtsvertretung versuchen, die mutmaßlichen Täter zu identifizieren. Solange dies nicht gelingt, wird eine vollständige Prüfung der Ansprüche gegen konkrete Beklagte erschwert.

Wenn digitale Spuren entdeckt werden, kann sich der Kreis der Beteiligten verändern. Dazu könnten später die unmittelbaren Hacker, Verkäufer der Dateien oder andere Personen gehören, die wissentlich an der Verbreitung des gestohlenen Materials beteiligt waren. Derzeit sind jedoch keine bestätigten Namen oder eine endgültige Liste der Beklagten öffentlich bekannt.

Es ist außerdem wichtig zu berücksichtigen, dass alle beschriebenen Handlungen bislang Behauptungen aus der Klageschrift sind. Eine gerichtliche Entscheidung über die inhaltliche Berechtigung der Vorwürfe liegt noch nicht vor.

Fazit

Ariana Grande reichte nach einer laut ihrer Darstellung jahrelangen Serie von Leaks Klage ein, von der unveröffentlichte Songs, Demoversionen, Studioaufnahmen, Fotografien und Videomaterial betroffen waren. Allein für das Jahr 2023 nennt die Klage 45 gestohlene und veröffentlichte Kompositionen.

Das Verfahren geht über den gewöhnlichen Versuch hinaus, einzelne Dateien aus dem Internet entfernen zu lassen. Die Sängerin will die mutmaßlichen Organisatoren der Leaks identifizieren und sie wegen der Hackerangriffe, des Verkaufs von Inhalten und des Eingriffs in ihre kreative Arbeit zur Verantwortung ziehen.

Der Erfolg des Verfahrens wird davon abhängen, ob anonyme Konten, Zahlungsbewegungen und digitale Spuren konkreten Personen zugeordnet werden können. Unabhängig vom späteren Ausgang wirft die Klage bereits eine wichtige Frage für die Musikbranche auf: Wer kontrolliert ein Werk vor seiner offiziellen Veröffentlichung — sein Urheber oder die Person, die sich zuerst unrechtmäßigen Zugang dazu verschafft?

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