MONATIK

Oliver Heldens (bürgerlicher Name: Olivier J. L. Heldens; geboren am 1. Februar 1995 in Rotterdam, Niederlande) ist ein niederländischer DJ und Musikproduzent, der Mitte der 2010er-Jahre eine wichtige Rolle bei der internationalen Popularisierung von Future House spielte. Neben seiner Musik unter eigenem Namen entwickelt Heldens das stärker auf Techno ausgerichtete Projekt HI-LO und betreibt ein eigenes Label-Netzwerk, zu dem Heldeep Records, OH2 Records und HILOMATIK gehören.
Vom Heimstudio zu Spinnin’ Records
Oliver Heldens interessierte sich bereits lange vor Beginn seiner professionellen Karriere für elektronische Musik. Nach eigenen Angaben begann er im Alter von etwa zwölf Jahren, selbst Musik zu produzieren und das DJing zu erlernen. Die Clubkultur Rotterdams und der Aufstieg des niederländischen EDM Ende der 2000er-Jahre bildeten den natürlichen Hintergrund für seine ersten Experimente mit elektronischer Musik.
Mit siebzehn Jahren schickte Heldens bereits eigene Produktionen an professionelle Labels. Auf ihn aufmerksam wurde Spinnin’ Records, damals eines der wichtigsten Unternehmen der niederländischen Dance-Industrie. 2013 erschienen seine frühen Releases Stinger und Thumper, letzteres gemeinsam mit Jacob van Hage produziert. Damit begann seine professionelle Diskografie.
Heldens’ frühe Produktionen unterschieden sich deutlich vom damals dominierenden Festival-EDM mit seinen massiven Big-Room-Drops. Im Mittelpunkt seiner Musik standen federnde Basslines, kompakte House-Grooves, minimalistische Melodien sowie Elemente aus Deep House und Tech House. Dieser Ansatz machte ihn schon bald zu einem der markantesten jungen Produzenten der niederländischen Szene.
Gecko — der Track, der seine Karriere veränderte
Der entscheidende Durchbruch kam mit Gecko. Heldens stellte den Track 2013 fertig, woraufhin Tiësto darauf aufmerksam wurde und ihn über sein eigenes Label Musical Freedom veröffentlichte. Heldens bezeichnete Gecko später selbst als Wendepunkt: Ein Track, der im Heimstudio entstanden war, brachte ihn praktisch über Nacht auf die internationale Bühne.
2014 erschien mit Gecko (Overdrive) eine Vocal-Version mit der britischen Sängerin Becky Hill. Die Single stieg direkt auf Platz 1 der britischen Official Singles Chart ein und wurde sowohl für Heldens als auch für Hill der erste Nummer-eins-Hit im Vereinigten Königreich. Nach Angaben der Official Charts Company wurden in der ersten Woche rund 79.000 Verkäufe und äquivalente Einheiten gezählt; zudem war der Song die letzte britische Nummer eins, bevor Streaming in die Berechnung der Hauptcharts einbezogen wurde.
Der Erfolg von Gecko fiel mit der Entstehung dessen zusammen, was bald weithin als Future House bezeichnet wurde. Heldens als alleinigen Erfinder des Genres zu bezeichnen, wäre jedoch unzutreffend, da ähnliche Ansätze zur gleichen Zeit auch von anderen europäischen Produzenten entwickelt wurden. Der charakteristische tieffrequente Groove von Gecko, Koala und späteren Veröffentlichungen wurde jedoch zu einem der wichtigsten Bezugspunkte des frühen Future House und trug wesentlich dazu bei, den Sound aus den Clubs auf große Festivalbühnen zu bringen.
Koala und eine Serie internationaler Hits
Nach dem Erfolg von Gecko bewies Heldens, dass er kein One-Hit-Wonder war. Bereits 2014 veröffentlichte er Koala; die Vocal-Version Last All Night (Koala) mit KStewart wurde zu einem weiteren beachtlichen Hit in Großbritannien.
In den folgenden Jahren erschien eine ganze Reihe von Produktionen, die seine internationale Reichweite weiter ausbauten. Zu den auffälligsten Veröffentlichungen dieser Phase zählen Melody, Shades of Grey mit Shaun Frank und Delaney Jane, Waiting mit Throttle, The Right Song mit Tiësto und Natalie La Rose sowie später Fire in My Soul mit Shungudzo.
Gleichzeitig entfernte sich Heldens schrittweise von der engen Formel seines frühen Future-House-Sounds. Seine Produktionen enthielten zunehmend Elemente aus klassischem House, Disco, Electro, Bass House und Popmusik.
Ein besonders erfolgreiches Beispiel für diese Entwicklung war die 2019 veröffentlichte Single Turn Me On, die gemeinsam mit Riton und Sängerin Vula entstand. Der Song erreichte Platz 12 der britischen Official Singles Chart und hielt sich dort 19 Wochen.
Anstelle eines traditionellen, auf Studioalben ausgerichteten Karrieremodells basiert Oliver Heldens’ Laufbahn vor allem auf Singles, Kollaborationen, Remixen und Club-Releases. Dieses Format ermöglichte es ihm, seinen Sound vergleichsweise schnell an die eigenen musikalischen Interessen anzupassen, ohne an die Ästhetik eines einzelnen Albums gebunden zu sein.
Heldeep: von der Radioshow zum eigenen Label
Der Name Heldeep existierte bereits vor der Gründung des gleichnamigen Labels. 2014 begann Heldens, eigene Mixe zu veröffentlichen, aus denen sich später Heldeep Radio entwickelte. Im Mai 2016 erreichte die Sendung Episode 104 und feierte ihr zweijähriges Bestehen, womit sich der Start des Projekts auf 2014 datieren lässt.
Mit der Zeit entwickelte sich Heldeep Radio zu einer festen wöchentlichen Sendung, in der Heldens House, Techno und neue Club-Releases miteinander verbindet. Bis August 2026 hatte die Show bereits mehr als 630 Episoden erreicht.
Heldeep Records wurde 2015 gegründet. Die frühe Phase des Labels war eng mit Heldens’ neuem Alias HI-LO und dem Release von Renegade Mastah verbunden. Später wurde der Katalog deutlich erweitert und war nicht mehr ausschließlich eine Plattform für die eigene Musik des Gründers. Auf Heldeep erschienen House, Tech House, Bass House und weitere Spielarten moderner Clubmusik.
Zum zehnjährigen Bestehen von Heldeep im Jahr 2025 war aus dem ursprünglichen Label bereits eine Struktur mit mehreren musikalisch unterschiedlich ausgerichteten Bereichen geworden.
OH2 Records und die Trennung der musikalischen Richtungen
Im Jahr 2020 gründete Heldens mit OH2 Records ein zweites Label. Während Heldeep vor allem auf cluborientierte House-Musik ausgerichtet ist, wurde OH2 für melodischere, zugänglichere und radiotauglichere Dance-Releases geschaffen.
Diese Trennung ermöglichte es Heldens, grundsätzlich unterschiedliche Musik nicht unter einer einzigen Marke bündeln zu müssen. Im Jahr 2026 umfasst die offizielle Heldeep-Struktur drei zentrale Bereiche: Heldeep Records, OH2 Records und das Techno-Label HILOMATIK.
HI-LO — mehr als nur der „dunkle Oliver Heldens“
Heldens enthüllte den Alias HI-LO 2015 zeitgleich mit dem Start von Heldeep Records. Der Name entstand durch eine Umstellung von Bestandteilen der verkürzten Form „Oli H“. Der erste zentrale Release des Projekts war Renegade Mastah.
Anfangs ließ sich HI-LO noch nicht eindeutig als Techno-Projekt einordnen. Die frühen Veröffentlichungen standen weiterhin in Verbindung mit House und Bass House, gaben Heldens jedoch die Möglichkeit, härtere und weniger radiotaugliche Musik zu veröffentlichen, ohne sie mit dem sich schnell entwickelnden, wiedererkennbaren Oliver-Heldens-Sound zu vermischen.
Eine besonders deutliche Transformation setzte später ein. In den 2020er-Jahren verlagerte sich HI-LO immer stärker in Richtung Peak-Time und Driving Techno, Acid-Sounds und einer härteren Clubästhetik. In dieser Phase entstanden Kollaborationen mit Reinier Zonneveld, Space 92, Eli Brown, T78, Green Velvet und weiteren Vertretern der modernen Techno-Szene.
HI-LO-Releases erschienen nun regelmäßig nicht nur innerhalb von Heldens’ eigener Label-Infrastruktur, sondern auch auf spezialisierten Techno-Labels wie Drumcode und Filth On Acid. Damit entwickelte sich HI-LO schrittweise von einem Nebenprojekt eines bekannten EDM-Produzenten zu einem eigenständigen und vollwertigen Teil seiner Karriere.
HILOMATIK und der vollständige Schritt in die Techno-Szene
2023 ging Heldens den nächsten Schritt und gründete mit HILOMATIK ein eigenes, klar auf Techno ausgerichtetes Label. Damit wurden die beiden wichtigsten Seiten seines Schaffens endgültig voneinander getrennt: der breiter angelegte House- und Dance-Katalog von Oliver Heldens sowie die cluborientierte Techno-Seite von HI-LO.
HILOMATIK veröffentlicht nicht ausschließlich Musik von HI-LO. Zum Katalog gehören auch Produktionen von Space 92, KAS:ST, The YellowHeads, Marie Vaunt, Belocca und weiteren Produzenten. Musikalisch deckt das Label mehrere Bereiche des modernen Techno ab — von Melodic und Peak-Time bis hin zu Acid und härteren Spielarten.
Für Heldens war das Projekt auch deshalb wichtig, weil es die Möglichkeit bot, Techno-Releases klar von Heldeep abzugrenzen und beiden Marken eine eigene Zielgruppe und musikalische Identität zu bewahren.
Zwei Karrieren gleichzeitig
Mitte der 2020er-Jahre wurde der Unterschied zwischen Oliver Heldens und HI-LO besonders bei Festivals und Clubshows deutlich.
Sets unter dem Namen Oliver Heldens bleiben stilistisch breit angelegt. Darin können House, Tech House, Garage, Trance-Einflüsse, neu interpretierte Dance-Klassiker und seine eigenen Hits unmittelbar nebeneinanderstehen.
Auftritte als HI-LO sind dagegen konsequenter auf Techno ausgerichtet und folgen einer dichteren, stärker cluborientierten Dramaturgie. Gerade die Fähigkeit, gleichzeitig in zwei unterschiedlichen musikalischen Welten vollwertig präsent zu sein, wurde zu einem der charakteristischsten Merkmale seiner reiferen Karrierephase.
Dennoch versucht Heldens nicht, beide Projekte vollständig voneinander zu trennen. Eigene Tracks, Remixe und Mashups überschneiden sich regelmäßig zwischen beiden Formaten, während einzelne Produktionen in alternativen Oliver-Heldens- und HI-LO-Versionen existieren.
Die Jahre 2024–2026
Mitte der 2020er-Jahre entfernte sich Heldens’ Musik noch weiter vom ursprünglichen Future-House-Sound. Seine Veröffentlichungen enthielten zunehmend Einflüsse aus Trance, Garage, Classic House und Melodic Dance, während HI-LO seine Entwicklung in Richtung Techno fortsetzte.
Zu den bemerkenswerten Veröffentlichungen dieser Phase gehört Chills (Feel My Love), das Oliver Heldens gemeinsam mit FAST BOY, Charlotte Haining und David Guetta produzierte, ebenso wie Ruins mit Julia Church. 2025 griff er zudem das Erbe klassischer Dance-Musik auf und veröffentlichte eine eigene Interpretation von Modjos Lady (Hear Me Tonight).
Im Februar 2026 erschien die Single Run, in der Heldens House mit deutlichen Einflüssen aus UK Garage und Rave-Musik verband. Der Release setzte eine Entwicklung der vergangenen Jahre fort: Anstatt den Sound von Gecko zu reproduzieren, greift der Produzent bewusst auf die musikalische Sprache mehrerer Generationen elektronischer Musik zurück.
Im Sommer 2026 folgten Satisfy mit Sam Harper und AEIOU, entstanden gemeinsam mit Kryder und The Young Punx. Parallel veröffentlichte HI-LO Rhythm of Life sowie den gemeinsam mit Saint Joshua aufgenommenen Track Do Not Disturb.
Damit existieren 2026 faktisch drei Bereiche seiner musikalischen Tätigkeit parallel: die kommerziell offenere Musik von Oliver Heldens, das Techno-Projekt HI-LO und die Arbeit an den Katalogen seiner eigenen Labels.
Festival-Karriere
Nach dem Erfolg von Gecko wechselte Heldens schnell von der europäischen Clubszene in den internationalen Festivalbetrieb. Im darauffolgenden Jahrzehnt trat er bei Tomorrowland, Ultra Music Festival, EDC Las Vegas, Creamfields, Coachella, Lollapalooza, Electric Zoo, dem Amsterdam Dance Event und zahlreichen weiteren großen Veranstaltungen der elektronischen Musik auf.
Ein besonderes Merkmal seiner Festivalsets ist ihre stilistische Bandbreite. Heldens kann von seinem eigenen Future-House-Katalog zu Tech House, Techno, Trance und Disco wechseln und dabei neu bearbeitete Dance-Hits vergangener Jahrzehnte integrieren. HI-LO erhält dagegen eigene Festival- und Clubslots, die gezielt auf ein Techno-Publikum ausgerichtet sind.
DJ Mag Top 100 DJs
Oliver Heldens stieg 2014, kurz nach dem internationalen Erfolg von Gecko, erstmals in die DJ Mag Top 100 DJs ein. Seine bislang höchste Platzierung erreichte er 2019 mit Rang 7; in mehreren Jahren gelang ihm außerdem der Sprung in die Top 10.
Die Behauptung, Heldens habe sich seit 2015 ununterbrochen in den Top 10 befunden, ist jedoch falsch. Seine Platzierungen veränderten sich in den Folgejahren deutlich: So belegte er 2023 Rang 19, 2024 Rang 29 und stieg 2025 auf Platz 26.
Das Ranking basiert auf einer offenen Publikumsabstimmung und sollte daher eher als Indikator für die internationale Popularität eines Künstlers verstanden werden als als objektive professionelle Einordnung von DJs.
Musikstil
Das auffälligste Merkmal des frühen Oliver-Heldens-Sounds war seine besondere Arbeit mit Basslines. Anstelle der riesigen Synthesizer-Drops, die für EDM zu Beginn der 2010er-Jahre typisch waren, setzte er auf kurze, federnde Bassfiguren, House-Rhythmen und vergleichsweise minimalistische Arrangements. Dieses Modell wurde zu einem der charakteristischen Elemente des frühen Future House.
Später erweiterte sich Heldens’ musikalische Sprache deutlich. Sein Katalog enthält Elemente aus Deep House, Tech House, Electro House, Disco, Funk, UK Garage und Trance, während Techno unter dem Namen HI-LO zum zentralen musikalischen Feld wurde.
Oliver Heldens heute ausschließlich als Future-House-DJ zu bezeichnen, beschreibt daher vor allem die frühe Phase seiner Karriere und nicht die gesamte Bandbreite seines Katalogs.
Ausgewählte Diskografie
- Gecko — 2013
- Gecko (Overdrive) — 2014
- Koala — 2014
- Melody — 2015
- Shades of Grey — 2015
- The Right Song — 2016
- Fire in My Soul — 2018
- Turn Me On — 2019
- I Was Made for Lovin’ You — 2022
- 10 Out of 10 — 2023
- Chills (Feel My Love) — 2024
- Ruins — 2025
- Lady (Hear Me Tonight) — 2025
- Run — 2026
- Satisfy — 2026
- AEIOU — 2026
Oliver Heldens’ Bedeutung für die elektronische Musik
Heldens’ wichtigste Rolle in der Geschichte der Dance-Musik ist eng mit der Mitte der 2010er-Jahre verbunden, als House nach mehreren Jahren der Dominanz von Big Room EDM wieder auf große Festivalbühnen zurückkehrte. Gecko war einer jener Tracks, die deutlich zeigten, dass ein minimalistischerer House-Groove nicht nur im Club, sondern auch vor zehntausenden Festivalbesuchern funktionieren konnte.
Seine weitere Karriere erwies sich jedoch als bedeutender als ein einzelner Genre-Erfolg. Anstatt die Formel des frühen Future House dauerhaft zu wiederholen, baute Heldens schrittweise ein eigenes musikalisches Ökosystem auf: Oliver Heldens für die breitere House- und Dance-Szene, HI-LO für Techno, Heldeep Records für Clubmusik, OH2 für zugänglichere Dance-Releases und HILOMATIK für modernen Techno.
Im Jahr 2026 lässt sich Oliver Heldens längst nicht mehr nur als der junge Produzent hinter Gecko betrachten. Mehr als ein Jahrzehnt nach seinem Durchbruch ist er weiterhin als Produzent und international tourender DJ aktiv, veröffentlicht Musik unter zwei verschiedenen Namen und entwickelt seine eigenen Labels kontinuierlich weiter. Gerade seine Fähigkeit, seine musikalische Sprache zu verändern, ohne seine House-Wurzeln aufzugeben, ermöglichte es ihm, weit über die Future-House-Welle hinauszugehen, mit der seine internationale Bekanntheit begann.










