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Liu (bürgerlicher Name — Christian Liu de Almeida; geb. 2. Februar 1997 in Santana de Parnaíba, Bundesstaat São Paulo, Brasilien) ist ein brasilianischer DJ, Musikproduzent und Unternehmer chinesischer Abstammung. Er gehört zu den bemerkenswerten Vertretern jener Generation brasilianischer Electronic-Künstler, die in der zweiten Hälfte der 2010er Jahre den internationalen Durchbruch schafften.
Lius Musik entwickelte sich von Future House, Deep House und Brazilian Bass hin zu einer breiteren Verbindung aus Bass House, Tech House, Progressive House und festivalorientierter Dance-Musik. Im Verlauf seiner Karriere erschienen seine Releases unter anderem bei Armada Music, Spinnin’ Records, Universal Music Brasil, STMPD RCRDS, Future House Music sowie auf seinem eigenen Label Chinatown. 2023 schaffte Liu erstmals den Einstieg in die DJ Mag Top 100 DJs, im Ranking 2025 belegte er Platz 71.
Kindheit und erste musikalische Erfahrungen
Christian Liu de Almeida wuchs in einer musikalischen Familie auf. Seine Mutter spielte Klavier, sein Vater Gitarre. Etwa im Alter von neun Jahren brachte ihm sein Vater das Gitarrenspiel bei. In der Familie liefen Bossa Nova, Rock, Metal und brasilianische Musik, sodass sich seine musikalischen Interessen von Anfang an nicht auf die elektronische Szene beschränkten.
Für elektronische Musik interessierte sich Liu ungefähr ab seinem elften Lebensjahr. Zu den frühen Künstlern, die ihn beeinflussten, zählt er Benny Benassi und Skrillex; außerhalb von EDM hörte er unter anderem Queen, Tom Jobim und Vinícius de Moraes. Musikproduktion brachte er sich weitgehend selbst bei, arbeitete dabei mit FL Studio und nutzte Tutorials im Internet.
Später schrieb sich Liu an einer Universität im Bundesstaat Santa Catarina ein, doch sein wachsender Erfolg in der Musik veränderte seine Pläne. Bereits Mitte der 2010er Jahre brach er sein Studium ab und konzentrierte sich auf seine Karriere als Produzent und DJ.
Erste Produktionen und Remixe
Bevor größere eigene Releases erschienen, experimentierte Liu mit Remixen und Bootleg-Versionen bekannter Tracks. Zu seinem frühen Katalog gehörten Bearbeitungen von Musik von deadmau5, Calvin Harris, Oliver Heldens, Route 94 und weiteren Künstlern. The Town hob später insbesondere seine Remixe von Calvin Harris, deadmau5 und Tove Lo als Teil seiner frühen Produzentenlaufbahn hervor.
Diese Arbeit half ihm, seine eigene Produktionstechnik zu entwickeln, noch bevor seine ersten weithin bekannten Originaltracks erschienen.
Don’t Look Back und der Beginn der professionellen Karriere
Lius erster großer Durchbruch war Don’t Look Back, gemeinsam mit Vokker produziert.
Der Track zirkulierte bereits 2015 innerhalb der elektronischen Szene, die offizielle digitale Veröffentlichung erfolgte jedoch am 25. Januar 2016 über UP Club Records. Auf Streaming-Plattformen wird der Release auf 2016 datiert, während die Rechte an der Aufnahme als ℗ 2015 UP Club Records angegeben sind.
Genau diese Produktion weckte die Aufmerksamkeit von Alok. Liu lernte ihn während der Zeit des ersten Tomorrowland Brasil kennen und übergab dem damals bereits bekannteren Produzenten eigenes Material. Aloks Unterstützung wurde zu einem wichtigen Karrierebeschleuniger und entwickelte sich bald zu gemeinsamer Studioarbeit.
Alok, Bolum Back und All I Want
2016 veröffentlichten Liu und Alok Bolum Back. Die nächste wichtige Zusammenarbeit wurde All I Want mit dem australischen Projekt Stonefox.
All I Want erschien am 21. September 2016 bei Armada Music und wurde zu einer der bekanntesten frühen Arbeiten von Liu. Selbst fast ein Jahrzehnt später führte DJ Mag den Track weiterhin unter den Produktionen, mit denen sein Name besonders eng verbunden ist.
Die Zusammenarbeit mit Alok brachte Liu ins Zentrum der schnell wachsenden brasilianischen House-Szene zu einer Zeit, in der Brazilian Bass zunehmend internationale Aufmerksamkeit erhielt.
Step Ahead, Temple und Don’t Be Scared
2017 wuchs Lius Diskografie schnell.
Er veröffentlichte Step Ahead mit Gesang von Hola Vano sowie Temple, Pirate und weitere Tracks. Don’t Be Scared erschien auf Alok Presents Brazilian Bass Part 1, veröffentlicht über Spinnin’ Records.
In diesen Produktionen ist bereits deutlich die Formel zu hören, die Liu noch mehrere Jahre prägen sollte: melodische Breakdown-Passagen treffen auf ein ausgeprägtes Bassfundament und energiegeladene House-Drops.
Coastline
Zu den bekanntesten Releases seiner frühen Diskografie gehört Coastline, das 2017 gemeinsam mit WOAK und unter Mitwirkung des australischen Projekts Hollow Coves erschien.
Der Track unterschied sich deutlich von Lius härterem Clubmaterial. Coastline basiert auf ruhigem Gesang, Gitarrenelementen und einem weichen House-Arrangement. Die Veröffentlichung erschien über Source/Spinnin’ Records und entwickelte sich mit der Zeit zu einem seiner Signature-Tracks. DJ Mag führte Coastline auch 2024–2025 weiterhin unter seinen wichtigsten Arbeiten.
Nave Espacial
Ende 2018 veröffentlichte Liu Nave Espacial mit der brasilianischen Sängerin Samantha Machado.
Die Produktion wurde zu einem wichtigen Schritt in seiner Karriere auf dem brasilianischen Markt. Elektronische Bass-Produktion verbindet sich hier mit einer vollständigen portugiesischsprachigen Pop-Komposition. Nave Espacial wurde außerdem Lius erstes größeres offizielles Musikvideo; bereits wenige Monate nach der Premiere erreichte das Video mehrere Millionen Aufrufe.
Mit der Zeit etablierte sich der Song unter seinen populärsten Veröffentlichungen auf brasilianischen Streaming- und Videoplattformen. 2026 wurde der Katalog rund um Nave Espacial durch neue Remix-Versionen erweitert.
Lollapalooza und Rock in Rio
Bis 2019 trat Liu bereits regelmäßig außerhalb Brasiliens auf. In einem Interview vor Lollapalooza Brasil 2019 sprach er über Tourneen durch Europa und Asien, darunter erfolgreiche Auftritte in Litauen und Thailand.
Im selben Jahr stand der Künstler bei Rock in Rio auf der New Dance Order Stage.
Die Auftritte bei Lollapalooza und Rock in Rio waren wichtige Anzeichen dafür, dass Liu die spezialisierte Clubszene hinter sich gelassen hatte und Teil großer brasilianischer Festivals mit breiterem Publikum geworden war.
Chinatown
Im März 2019 veröffentlichte Liu Chinatown — einen Track, der direkt mit seiner chinesischen Herkunft verbunden ist.
In der Produktion wurden Samples und Klangfarben verwendet, die auf chinesische Musikkultur verweisen, kombiniert mit Lius typischen Bass- und House-Elementen. Der Künstler selbst verband die Idee des Tracks ausdrücklich mit seiner chinesischen Abstammung.
Gleichzeitig wurde Chinatown zum Namen von Lius eigenem Label. Ziel des Projekts war es, Musik neuer Produzenten zu veröffentlichen und die elektronische Szene weiterzuentwickeln. Der erste gleichnamige Release erschien am 22. März 2019.
Universal Music Brasil
Im August 2019 unterschrieb Liu bei Universal Music Brasil. Die erste Veröffentlichung nach dem Einstieg bei der Company war Me Cura — eine elektronische Version des Songs von Ana Müller mit Gesang von Clara Valverde.
Die Zusammenarbeit mit Universal fiel mit einer Erweiterung seines musikalischen Spektrums zusammen. Neben Clubtracks veröffentlichte Liu zunehmend Songs, die stärker auf Vocals und traditionellere Songstrukturen setzten.
2020 erschienen unter anderem Blue Sky, Children of a Dream und For You.
Jax-Jones-Remix und The Lion
2021 erhielt Liu von Polydor die Einladung, einen offiziellen Remix von Jax Jones — i miss u mit Au/Ra zu produzieren. Universal Music bezeichnete ihn als den ersten offiziellen Remix dieses Tracks, der von einem brasilianischen Künstler erstellt wurde.
Im selben Zeitraum veröffentlichte Liu gemeinsam mit Dubdogz und Hard Lights The Lion mit Gesang von Sara Sangfelt und setzte zugleich seine eigene Reihe aus Bass- und Dance-Releases fort.
DIAL EP
Am 29. Oktober 2021 erschien DIAL — Lius erste offizielle EP.
Universal Music Brasil präsentierte sie ausdrücklich als das Debüt-Mini-Album des Künstlers. Die Veröffentlichung enthielt zwei Tracks — DIAL und BANDIDARA.
Das Projekt zeigte eine härtere Seite von Lius Sound und verstärkte den Fokus auf cluborientierte Bass-Musik.
Im selben Zeitraum erschienen außerdem Drive (By Your Lie), Burning Up und Be Real.
Ringtone Drop, Close To Me und Be Everyday
2022 erzielte Ringtone Drop deutliche virale Aufmerksamkeit. Universal Music berichtete bereits vor der vollständigen Veröffentlichung auf digitalen Plattformen von mehreren zehn Millionen Aufrufen bei Videos, die mit dem Track verbunden waren.
Im selben Jahr arbeitete Liu mit SEVEK an Close To Me. DJ Mag zählte den Track später zusammen mit All I Want zu den Produktionen, für die Liu bei seinem ersten Einstieg in die Top 100 DJs besonders bekannt war.
Am 9. Dezember 2022 erschien seine zweite EP Be Everyday, bestehend aus dem Titeltrack und No Time.
Baila (La Banda) und STMPD RCRDS
Am 19. Mai 2023 veröffentlichten Liu und Mojjo Baila (La Banda) über STMPD RCRDS, das Label von Martin Garrix.
Der Release fiel mit einer neuen Phase seiner internationalen Karriere zusammen. 2023 tourte Liu intensiv durch Asien und Europa und trat erstmals im Ushuaïa Ibiza im Rahmen der Sommer-Residency von Martin Garrix auf. 2024 kehrte er für eine zweite Saison in Folge dorthin zurück.
DJ Mag Top 100 DJs
2023 schaffte Liu erstmals den Einstieg in die DJ Mag Top 100 DJs und debütierte auf Platz 98.
Damals beschrieb er seinen eigenen Stil als „dance music to make people feel better“, während DJ Mag Close To Me und All I Want als zentrale Arbeiten hervorhob.
2024 stieg Liu um 19 Plätze auf Rang 79. Das Magazin charakterisierte seinen aktuellen Sound als uplifting, dynamic, flexible und hob umfangreiche Tourneen durch Brasilien, Asien und Europa hervor.
Im Ranking 2025 erreichte Liu Platz 71 und verbesserte sich damit um weitere acht Positionen. DJ Mag führte zu diesem Zeitpunkt All I Want und Coastline als wichtige Referenztracks.
Damit sehen Lius erste drei Ergebnisse in den Top 100 DJs folgendermaßen aus:
- 2023 — Platz 98
- 2024 — Platz 79
- 2025 — Platz 71.
Internationale Festivals
2024 erweiterte Liu seinen internationalen Festival-Kalender weiter und trat in Europa, Asien und Südamerika auf. DJ Mag hob seine zweite Saison im Ushuaïa Ibiza sowie die bis dahin umfangreichsten Touraktivitäten seiner Karriere hervor.
Im Herbst stand er auf der Mainstage des Tomorrowland Brasil 2024 gemeinsam mit Alok, Alesso, Don Diablo, Steve Aoki, Vini Vici und weiteren Künstlern.
Im Juli 2025 war Liu Teil eines speziellen Brazilian Takeovers der RISE Stage beim Tomorrowland Belgium, wo neben ihm Dubdogz, Cat Dealers, Illusionize, Bhaskar und weitere Vertreter der brasilianischen Electronic-Szene auftraten.
Außerdem gehörte er zum Line-up von Tomorrowland Brasil 2025.
Sounds of the Underground
2024 arbeitete Liu mit Schillist und Khouri an Sounds of the Underground, veröffentlicht bei Future House Music.
Der Release gehört zur modernen Clubphase seiner Diskografie, in der sein Future-House-Erbe immer stärker mit härteren Bass- und Tech-orientierten Sounds verschmilzt.
The Way I Are
Zu den auffälligen Releases des Jahres 2025 gehörte The Way I Are, produziert gemeinsam mit Mojjo.
DJ Mag hob den Track als Beispiel für Lius aktuellen Sound hervor: Dichte Synthesizer und Tech-House-Percussion treffen hier auf die wiedererkennbare Gesangsidee des klassischen Timbaland-Songs.
Liu Around The World
Am 2. August 2025 veranstaltete Liu in São Paulo sein eigenes Event Liu Around The World.
Das Projekt war als kuratiertes Event rund um seine musikalische Geschichte und seine internationalen Tourerfahrungen konzipiert.
Der Start eines eigenen Eventformats setzte dasselbe Modell fort, das Liu zuvor bereits mit Chinatown verfolgt hatte: Neben Musikveröffentlichungen und Tourneen entwickelt der Künstler zunehmend eigene Musikprojekte und Marken.
The Town
Im September 2025 trat Liu beim Festival The Town in São Paulo auf.
Die offizielle Festival-Seite präsentierte ihn als Christian Liu de Almeida und hob die Verbindung seiner eigenen elektronischen Tracks mit einer umfangreichen Remix-Diskografie hervor.
2026
2026 veröffentlichte Liu weiterhin neues Material. Zu seinem offiziellen Katalog kamen Deep Voices, Please Don’t Stop the Music (Bass Edit) mit AURALIX und die Solo-Single I Miss You (Malafamah), die am 10. Juli erschien.
Im Juni trat Liu bei Só Track Boa 2026 in São Paulo auf. Billboard Brasil führte ihn unter den brasilianischen Electronic-Künstlern mit besonders starker internationaler Präsenz.
Der nächste große bestätigte Auftritt ist Rock in Rio 2026. Liu ist für den 6. September auf der New Dance Order Stage angekündigt, gemeinsam mit Sofi Tukker und Casa Bonita; MEDUZA³ wird das Bühnenprogramm abschließen.
Musikalischer Stil
Lius frühe Phase war eng mit Future House, Deep House und Brazilian Bass verbunden.
Bis Mitte der 2020er Jahre wurde sein Sound deutlich breiter und umfasst:
- Bass House
- Future House
- Tech House
- Progressive House
- Melodic House
- Festival House
- EDM
- Vocal Dance-Pop.
Diese Entwicklung zeigt sich auch darin, wie der Künstler seinen eigenen Sound gegenüber DJ Mag beschrieb: von „dance music to make people feel better“ im Jahr 2023 über uplifting, dynamic, flexible 2024 bis hin zur besonders weit gefassten Formulierung great dance music im Jahr 2025.
Gleichzeitig bleiben mehrere Elemente in Lius Musik konstant: ein deutliches Bassfundament, einfache und leicht einprägsame melodische Motive, Vocal-Hooks und eine starke Ausrichtung auf energiegeladene Live-Performances.
Labels
Im Verlauf seiner Karriere erschien Lius Musik auf verschiedenen Labels, darunter:
- UP Club Records
- Armada Music
- Spinnin’ Records / Source
- Universal Music Brasil
- Dharma Music
- STMPD RCRDS
- Future House Music
- Chinatown Records
- weitere unabhängige und cluborientierte Labels.
Eine besondere Stellung nimmt sein eigenes Chinatown ein, das 2019 gegründet wurde, um neue elektronische Musik zu veröffentlichen und junge Produzenten zu unterstützen.
Wichtigste EPs
- DIAL — 2021
- Be Everyday — 2022.
Ausgewählte Tracks
- Don’t Look Back — mit Vokker
- Bolum Back — mit Alok
- All I Want — mit Alok und Stonefox
- Tufak
- Step Ahead
- Temple
- Don’t Be Scared
- Coastline — mit WOAK und Hollow Coves
- Nave Espacial — mit Samantha Machado
- Chinatown
- Don’t Stop
- Dali
- I Don’t Wanna
- Me Cura
- Blue Sky
- For You
- The Lion
- DIAL
- BANDIDARA
- Be Real
- Ringtone Drop
- Close To Me
- Ai Papi
- Dancing
- Be Everyday
- Baila (La Banda)
- Sounds of the Underground
- The Way I Are
- Deep Voices
- Please Don’t Stop the Music (Bass Edit)
- I Miss You (Malafamah).
Liu entwickelte sich in einer Phase, in der die brasilianische elektronische Szene ihren internationalen Einfluss deutlich ausbaute. Seine frühe Karriere war eng mit der neuen House-Welle und Brazilian Bass verbunden, doch seine weitere musikalische Entwicklung ging deutlich über ein einzelnes Genre hinaus.
Don’t Look Back gab den ersten professionellen Impuls, die Zusammenarbeit mit Alok führte zu Bolum Back und All I Want, während Coastline und Nave Espacial zwei unterschiedliche Seiten seiner Produktion zeigten — eine melodische, international ausgerichtete und eine stärker auf das brasilianische Vocal-Publikum zugeschnittene.
Später erweiterten Chinatown, der Vertrag mit Universal Music Brasil, die EPs DIAL und Be Everyday, ein Release bei STMPD RCRDS sowie regelmäßige Tourneen durch Europa und Asien die Dimension des Projekts. Drei aufeinanderfolgende Platzierungen in den DJ Mag Top 100 DJs — Platz 98, 79 und 71 — dokumentierten seinen internationalen Aufstieg bereits Mitte der 2020er Jahre.
Bis 2026 arbeitet Liu nicht mehr als Künstler, der lediglich mit einer einzelnen Brazilian-Bass- oder Future-House-Phase verbunden ist. Sein Katalog kombiniert House, Bass, Tech-House-Elemente, vokale Dance-Musik und Festival-Sound, während seine Touraktivitäten große brasilianische Festivals und internationale Bühnen umfassen.


