Anna Trinchers „Margarita“ im Zentrum eines Skandals

Anna Trinchers „Margarita“ im Zentrum eines Skandals

Anna Trinchers Song „Margarita“ geriet wegen eines mit Russland in Verbindung stehenden Autors, Änderungen in den Credits und Aussagen von MUZVAR über Drohungen in den Mittelpunkt eines Skandals.

Die neue Single der ukrainischen Sängerin Anna Trincher „Margarita“ geriet nur wenige Tage nach ihrer Premiere in den Mittelpunkt eines viel beachteten Medienkonflikts. Auslöser waren Informationen über einen der Urheber des Stücks: den in Donezk geborenen Wladimir Kurto, der laut öffentlich zugänglichen Quellen seit vielen Jahren in Moskau lebt und weiterhin in der russischen Musikindustrie tätig ist.

Zusätzliche Aufmerksamkeit erregten die darauffolgenden Ereignisse: Das Musikportal MUZVAR berichtete von Druck und Drohungen nach einer journalistischen Anfrage, während die Angaben zu den Urhebern des Songs auf einzelnen digitalen Plattformen verändert wurden. Ein rechtlich nachgewiesener Zusammenhang zwischen den Absendern der Drohnachrichten und Anna Trincher selbst, ihrem Management oder ihrer PR-Agentur besteht bislang jedoch nicht.

Wie „Margarita“ von einer Sommerpremiere zum Gegenstand einer Recherche wurde

Der Song „Margarita“ erschien am 15. Juli 2026 über das Label Mayak Music. Die Künstlerin präsentierte das Stück als leichten Dance-Track für Urlaub, Sommerreisen und Partys. Gleichzeitig mit der Single wurde ein Musikvideo veröffentlicht, dessen Ästhetik vom Fernsehen und der Popkultur der 2000er-Jahre inspiriert ist.

Im Video traten Hryhorii Reshetnik, Oksana Hutzait, Oleksandr Pedan, Dmytro Koliadenko und Wolodymyr Jaroslawskyj auf. Regie führte Mitya Shmurak. In den ersten Tagen gelangte das Video in die Musiktrends des ukrainischen YouTube, während der Song in den Charts der Streamingdienste zu steigen begann.

Die Aufmerksamkeit des Fachmediums MUZVAR galt jedoch nicht dem visuellen Konzept oder der kommerziellen Vermarktung der Veröffentlichung, sondern den Angaben über ihre Urheber.

Wer in den ursprünglichen Songcredits genannt wurde

Nach den am Tag der Premiere veröffentlichten Angaben wurden Switlana Krys und Julija Pilza als Textautorinnen von „Margarita“ genannt, während Wladimir Kurto als Komponist aufgeführt war.

Diese Informationen werden nicht nur durch die von MUZVAR veröffentlichten Screenshots bestätigt. Zum Zeitpunkt der Überprüfung war Kurto auch in der mit dem Apple-Music-Ökosystem verbundenen Shazam-Datenbank weiterhin als Komponist verzeichnet, während Krys und Pilza als Textautorinnen genannt wurden. In der zusammengefassten Liste der Urheber erschienen alle drei Namen.

Die Beteiligung von Wladimir Kurto an der ursprünglichen Version des Songs wird damit faktisch nicht bestritten. Indirekt bestätigte dies auch das Team von Anna Trincher, als es erklärte, wie die Rechte an dem Stück zur Künstlerin gelangten.

Kurto lediglich als „russischen Autor“ zu bezeichnen, wäre zugleich nicht ganz präzise. Den veröffentlichten Informationen zufolge wurde er in Donezk geboren und arbeitete früher in Kyjiw. Gegenstand der öffentlichen Diskussion sind weniger seine Herkunft oder Staatsangehörigkeit als sein langjähriger Wohnsitz in Moskau und seine fortgesetzte Tätigkeit auf dem russischen Musikmarkt.

Was über Wladimir Kurto bekannt ist

Nach Angaben von MUZVAR und anderen öffentlich zugänglichen Quellen arbeitete Wladimir Kurto eine Zeit lang in Kyjiw im Umfeld des Produzenten Ihor Faljosa und zog später nach Moskau. Er schrieb Songs und Arrangements für Künstler des russischen Showgeschäfts und berichtete zudem über seine Arbeit im Studio von Grigory Leps.

Kurto ist Mitglied des Projekts „2 Okeana“, das er gemeinsam mit Viktoria Talyschinskaja, der ehemaligen Sängerin der Gruppe Nepara, gegründet hat. Russische Medien stellten ihn bereits 2020 und 2021 als Komponisten und Arrangeur vor, der mit Grigory Leps, Dima Bilan und weiteren Künstlern zusammengearbeitet hatte. Das Projekt setzte seine Tätigkeit auch nach Beginn der umfassenden russischen Invasion in der Ukraine fort.

MUZVAR erklärt, Kurto lebe weiterhin in Moskau und arbeite in der russischen Musikindustrie. Eine öffentliche Stellungnahme des Musikers zum Krieg habe die Redaktion nicht finden können.

Das Team von Anna Trincher erklärte die Herkunft des Songs

Im ursprünglichen Text, der zur Vorbereitung dieses Artikels zur Verfügung gestellt wurde, hieß es, die Vertreter der Sängerin hätten keine öffentliche Erklärung abgegeben. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung hatte sich die Situation jedoch geändert: Das Team von Anna Trincher veröffentlichte gegenüber mehreren ukrainischen Medien eine ausführliche Stellungnahme.

Nach Angaben der Vertreter der Künstlerin wurden die Rechte an „Margarita“ bereits im Jahr 2021 von einem ukrainischen Rechteinhaber oder Musikbroker erworben, der das Stück zuvor selbst gekauft hatte. Anna Trincher habe keinen Vertrag direkt mit Wladimir Kurto geschlossen, ihn nie persönlich gekannt, nicht mit ihm kommuniziert und den Song nicht gemeinsam mit ihm geschaffen.

Das Team erklärt, zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses nichts über den Wohnsitz des Autors in Moskau und seine fortgesetzte Zusammenarbeit mit dem russischen Showgeschäft gewusst zu haben. Die Vertreter der Sängerin erklärten außerdem, dass sie das Material nicht erworben hätten, wenn ihnen diese Informationen bekannt gewesen wären.

Nach Darstellung des Managements wurde der Song in den folgenden fünf Jahren außerdem erheblich überarbeitet, sodass nur ein kleiner Teil des ursprünglichen Materials erhalten blieb. Welcher Anteil der Musik, des Textes oder des Arrangements konkret verändert wurde, wurde öffentlich nicht präzisiert.

Warum die Angaben zu den Urhebern geändert wurden

Eine der zentralen Fragen betrifft die nachträgliche Bearbeitung der Credits. MUZVAR berichtete, die Daten der Veröffentlichung am 19. Juli erneut überprüft und Änderungen auf einzelnen Plattformen sowie in Materialien des Vertriebs Mayak Music festgestellt zu haben.

Nach Angaben der Redaktion wurde in der neuen Version anstelle der ursprünglich genannten Urheber Serhii Nasarow als Autor von Musik und Text aufgeführt. Das Medium erklärte, Screenshots beider Versionen gespeichert zu haben. Auch andere Medien dokumentierten die Änderung bei der Überprüfung der Daten auf YouTube Music.

Trinchers Team erklärte die Entfernung von Kurtos Namen später mit dem Wunsch, keine Person zu popularisieren, die weiterhin in der russischen Musikindustrie arbeitet, und die Veröffentlichung vom russischen Markt zu distanzieren.

Diese Entscheidung lässt jedoch eine wichtige fachliche Frage offen. Öffentliche Credits sind nicht nur ein Element der Vermarktung, sondern auch Informationen über den tatsächlichen kreativen Beitrag. Das bloße Entfernen eines Namens erklärt nicht, ob die Musik vollständig neu geschrieben wurde, ob sich die rechtlich dokumentierte Urheberschaft verändert hat oder ob der ursprüngliche Komponist weiterhin Vergütungen für die Nutzung des Werkes erhält.

Hinzu kommt, dass die Datenbanken verschiedener Dienste nicht gleichzeitig aktualisiert werden. Zum Zeitpunkt der Überprüfung führte Shazam Wladimir Kurto weiterhin als Komponisten von „Margarita“, obwohl die Angaben auf einigen anderen Plattformen bereits geändert worden waren. Dies kann auf nicht synchronisierte Metadatenaktualisierungen zurückzuführen sein. Eine endgültige Antwort wäre jedoch nur nach Prüfung der Verträge und Dokumente möglich, die die Rechte an dem Werk regeln.

MUZVAR berichtete von Drohungen nach einer journalistischen Anfrage

Der zweite Teil des Skandals betrifft nicht mehr die Herkunft des Songs, sondern den mutmaßlichen Druck auf die Presse.

Nach Darstellung von MUZVAR begann die Redaktion am Abend des 19. Juli, Nachrichten von einem Telegram-Konto mit dem Namen Bohdan zu erhalten. Der Absender habe angeblich verlangt, keinen Artikel über „Anna T.“ zu veröffentlichen, und gedroht, dass es andernfalls „kein MUZVAR“ und auch keine mit dem Medium verbundene Musikpreisverleihung mehr geben werde.

Die Redaktion erklärt außerdem, einer der Mitgründer habe die Nachrichten über sein persönliches Konto erhalten, während ein anderer am folgenden Tag mündlich vor einem möglichen Angriff gewarnt worden sei. Nach Angaben des Portals wurden vorhandene Aufzeichnungen, Videos und Screenshots an die Strafverfolgungsbehörden übergeben.

Gleichzeitig berichtete MUZVAR, dass die PR-Agentur NAME PR nach der Bestätigung, die Recherche veröffentlichen zu wollen, den Kontakt der Redaktion zu anderen von ihr vertretenen Künstlern eingeschränkt habe. Insbesondere sei den Journalisten angeblich ein Kommentar der Sängerin KOLA verweigert worden.

Gibt es eine Verbindung zwischen den Drohungen und dem Team der Sängerin?

Derzeit gibt es keine öffentlich zugänglichen Beweise dafür, dass die Drohnachrichten auf Anweisung von Anna Trincher, ihrem Produzenten oder ihrem PR-Team versandt wurden.

Die Identität des Inhabers des Kontos Bohdan wurde nicht unabhängig bestätigt. Ebenso ist nicht geklärt, ob die Person eigenständig handelte, die Interessen eines Dritten vertrat oder überhaupt einen unmittelbaren Zusammenhang mit dem Konflikt um „Margarita“ hatte.

Vertreter von NAME PR wiesen jede Beteiligung an den Drohungen entschieden zurück und erklärten, keinerlei Druck auf Journalisten zu unterstützen.

Die Vorwürfe über Druck und die Frage nach der Herkunft des Songs müssen deshalb getrennt betrachtet werden. Die Beteiligung von Wladimir Kurto an der ursprünglichen Version wird durch die Credits und die Stellungnahme des Teams bestätigt. Eine Verantwortlichkeit für die Drohungen kann dagegen nur durch Ermittlungen der Strafverfolgungsbehörden festgestellt werden.

Warum dieser Fall für die ukrainische Musikindustrie wichtig ist

Die Geschichte um „Margarita“ verweist auf ein Problem, das weit über eine einzelne Popveröffentlichung hinausgeht. Ein moderner Song kann durch die Hände von Komponisten, Textautoren, Musikbrokern, Verlagen, Labels und Vertrieben gehen. Ein Künstler, der fertiges Material erwirbt, muss tatsächlich nicht mit jedem Beteiligten dieser Kette persönlich in Kontakt stehen.

Seit 2022 ist die Überprüfung der Herkunft von Werken und der aktuellen beruflichen Tätigkeit ihrer Urheber für das ukrainische Showgeschäft jedoch nicht nur zu einer Frage der Reputation, sondern auch der Ethik geworden. In diesem Fall lagen zwischen dem Kauf und der Veröffentlichung des Songs etwa fünf Jahre. In dieser Zeit veränderten sich die politischen und kulturellen Rahmenbedingungen grundlegend, weshalb eine erneute Überprüfung der Beteiligten vor einer groß angelegten Premiere als nachvollziehbare Maßnahme erschienen wäre.

Die Reaktion von Trinchers Team erläuterte den Mechanismus des Erwerbs und stellte klar, dass die Sängerin nicht direkt mit Kurto zusammengearbeitet habe. Andere Fragen bleiben jedoch offen: Warum wurden die Angaben zum Urheber vor der Veröffentlichung nicht erneut geprüft, weshalb begann man mit der Bearbeitung der Credits, anstatt von Anfang an eine transparente Erklärung abzugeben, und behält der ursprüngliche Komponist ein finanzielles Interesse an der Nutzung des Songs?

Endgültige Schlussfolgerungen werden erst nach der Veröffentlichung der Dokumente zu den Rechten an dem Werk und nach Abschluss der Prüfung der Drohvorwürfe möglich sein. Bis dahin ist es korrekt, von der bestätigten Beteiligung Wladimir Kurtos an der ursprünglichen Version von „Margarita“, der offiziellen Erklärung des Teams von Anna Trincher und den von MUZVAR dokumentierten Nachrichten zu sprechen, nicht jedoch von einer nachgewiesenen Beteiligung der Künstlerin oder ihrer Vertreter am Druck auf Journalisten.

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