Winamp plant ein großes Comeback: Neuer Player auf Deezer-Basis erscheint 2027

Winamp plant ein großes Comeback: Neuer Player auf Deezer-Basis erscheint 2027

Winamp bereitet gemeinsam mit Deezer einen umfassenden Neustart vor. Der neue Player vereint Streaming, lokale Musik, Radio, Podcasts und Musiksammlungen aus der Cloud.

Der legendäre Mediaplayer Winamp bereitet sich auf seinen größten Neustart seit Jahren vor. Das Unternehmen hat eine strategische Vereinbarung mit dem Streamingdienst Deezer geschlossen, der dem neuen Produkt einen lizenzierten Musikkatalog und die technologische Infrastruktur bereitstellen wird. Die Veröffentlichung der nächsten Generation des Winamp Players ist für die erste Hälfte des Jahres 2027 geplant.

Der neue Winamp soll Musik im Abonnement, lokale Audiodateien, Internetradiosender, Podcasts und Sammlungen aus Cloud-Speichern in einer einzigen Anwendung zusammenführen. Die Entwickler versprechen außerdem eine anpassbare Benutzeroberfläche, soziale Funktionen sowie neue Werkzeuge zum Entdecken, Organisieren und Anhören von Musik.

Deezer stellt Katalog und Streaming-Technologie bereit

Im Rahmen der Partnerschaft stellt Deezer Winamp seine White-Label-Plattform zur Verfügung — eine fertige Streaming-Infrastruktur, die unter der Marke eines anderen Dienstes eingesetzt werden kann. Die Nutzer werden daher nicht zur Deezer-App weitergeleitet: Abonnement, Musikkatalog und Wiedergabe sollen direkt in die eigene Benutzeroberfläche von Winamp integriert werden.

Winamp behält seinen Namen, seine visuelle Identität und die Kontrolle über das Nutzererlebnis, während Deezer den technologischen Bereich übernimmt, der den Zugriff auf den lizenzierten Katalog und das Musikstreaming betrifft. Auch das zukünftige kostenpflichtige Abonnement soll unter der Marke Winamp angeboten werden.

Damit muss das Unternehmen nicht eigenständig separate Lizenzvereinbarungen mit allen großen Rechteinhabern abschließen oder ein Streaming-System von Grund auf neu entwickeln. Deezer verfügt bereits über eine globale Musikplattform, ist in mehr als 180 Ländern aktiv und meldete Ende 2025 insgesamt 9,1 Millionen Abonnenten.

Der Preis des Abonnements, die Liste der Startländer, die Bedingungen eines möglichen kostenlosen Zugangs sowie eventuelle Einschränkungen des Katalogs wurden bislang nicht bekannt gegeben. Winamp kündigte an, in den kommenden Monaten weitere Einzelheiten und Vorabversionen des Produkts zu präsentieren.

Musik aus verschiedenen Quellen in einer Anwendung

Der wichtigste Unterschied zwischen dem neuen Winamp und gewöhnlichen Streamingdiensten soll darin bestehen, Audioinhalte aus unterschiedlichen Quellen in einer einzigen Mediathek zusammenzuführen.

In die Anwendung sollen integriert werden:

  • lizenzierte Musik über ein kostenpflichtiges Abonnement;
  • lokale MP3-, FLAC- und andere Audiodateien des Nutzers;
  • Titel aus persönlichen Cloud-Speichern;
  • Internetradiosender;
  • Podcasts;
  • weitere Quellen für Audioinhalte.

Die Nutzer sollen diese Musik über eine einheitliche Benutzeroberfläche organisieren und verwalten können. Winamp kündigt zudem neue Personalisierungsfunktionen, soziale Möglichkeiten und Werkzeuge für Musikempfehlungen an.

Im Grunde versucht das Unternehmen, das Konzept eines universellen Mediaplayers zurückzubringen und zugleich an das Zeitalter von Abonnements und Cloud-Mediatheken anzupassen. Moderne Streamingplattformen konzentrieren sich überwiegend auf ihren eigenen Katalog, während Winamp einen Abonnementdienst mit Musik verbinden will, die dem Nutzer bereits gehört.

Gerade die Unterstützung lokaler Dateien könnte zu einem der wichtigsten Vorteile des neuen Produkts werden. Viele Hörer bewahren weiterhin eigene Sammlungen seltener Aufnahmen, DJ-Mixe, digitalisierter CDs, Konzert-Bootlegs und Veröffentlichungen auf, die auf den großen Streamingplattformen nicht verfügbar sind.

Wie die neue Winamp-Oberfläche aussehen soll

Winamp hat das endgültige Design der Anwendung bislang nicht gezeigt. Das Unternehmen spricht von einem „vollständig neu gedachten“ Nutzererlebnis, betont jedoch zugleich, die Wiedererkennbarkeit der Marke bewahren zu wollen.

Angekündigt wurde eine umfassende Anpassbarkeit der Benutzeroberfläche. Das ist für Winamp besonders wichtig, da seine Popularität zu einem großen Teil auf austauschbaren Designs — den sogenannten Skins —, Plug-ins, Visualisierungen und der Möglichkeit beruhte, den Arbeitsbereich des Players selbst zu gestalten.

Die bereits verfügbare Version des Winamp Players kann lokale Titel wiedergeben, erlaubt das Verschieben von Bedienelementen und die Erstellung eigener Skins. Vermutlich werden diese Ideen in der nächsten Generation der Anwendung weiterentwickelt, eine konkrete Liste der Anpassungsmöglichkeiten wurde jedoch noch nicht veröffentlicht.

Auch die sozialen Funktionen wurden bislang nicht näher beschrieben. Sie könnten mit Nutzerprofilen, dem Teilen von Musik, Empfehlungen, dem Abonnieren von Künstlern und dem Fanzone-System zusammenhängen, über das Musiker mit ihren Fans interagieren. In Dokumenten der Winamp Group wurde die Weiterentwicklung des Players bereits zuvor mit dem Ziel verbunden, einen direkten Übergang vom Musikhören zur Unterstützung von Künstlern und zur Interaktion mit ihnen zu schaffen.

Was mit der klassischen Desktop-Version geschieht

Der neue Dienst soll das klassische Winamp für Windows nicht vollständig ersetzen. Nach dem Start der modernen Plattform soll das kostenpflichtige Abonnement auf Basis der Deezer-Technologie auch in der traditionellen Desktop-Version des Players verfügbar werden.

Winamp behauptet, dass die klassische Anwendung weiterhin von mehr als 40 Millionen Menschen weltweit aktiv genutzt wird. Eine unabhängige Bestätigung dieser Schätzung legt das Unternehmen nicht vor, weshalb die Zahl als eigene Angabe von Winamp betrachtet werden sollte.

Die Integration des Streamingdienstes in den klassischen Client wird jedoch erst nach der Veröffentlichung der neuen Plattformgeneration erwartet. Ein genauer Termin für das Update der Desktop-Anwendung wurde bislang nicht genannt.

Für langjährige Nutzer wird entscheidend sein, ob alte Skins, Plug-ins, die lokale Mediathek, Internetradio und die vertraute kompakte Oberfläche weiterhin unterstützt werden. In der offiziellen Ankündigung werden diese Punkte nicht näher erläutert.

Es ist nicht das erste Comeback von Winamp

Die Formulierung von der „Rückkehr Winamps“ muss präzisiert werden: Der Mediaplayer ist nie vollständig verschwunden, und seine Eigentümer haben bereits mehrfach versucht, die Marke neu zu starten.

Die erste Version von Winamp wurde 1997 vom Unternehmen Nullsoft veröffentlicht, als sich das MP3-Format unter Besitzern von Heimcomputern rasant verbreitete. Dank seiner kompakten Benutzeroberfläche, Playlist-Unterstützung, des Equalizers, der Visualisierungen, Skins und Plug-ins wurde der Player zu einem der Symbole der digitalen Musikkultur der späten 1990er- und frühen 2000er-Jahre.

1999 wurde Nullsoft von AOL übernommen. Im November 2013 kündigte AOL an, den Vertrieb von Winamp einzustellen. Zu einer vollständigen Schließung kam es jedoch nicht: Später gingen die Marke und die Internetradio-Technologie SHOUTcast an Radionomy über.

In den folgenden Jahren kündigten die Eigentümer mehrfach eine Modernisierung des Players an. 2022 und 2023 erschien eine Reihe von Updates für die klassische Windows-Version, anschließend stellte Winamp ein neues Ökosystem sowie Anwendungen für iOS und Android vor.

Die mobilen Anwendungen unterstützen bereits lokale und cloudbasierte Musik, Internetradio, Podcasts, Playlists und den Bereich Fanzone für die Interaktion zwischen Künstlern und Publikum. Das Projekt für 2027 ist somit nicht die erste Wiederbelebung von Winamp, sondern die nächste und deutlich umfangreichere Entwicklungsphase.

Warum Winamp erneut seine Strategie ändert

In den vergangenen Jahren versuchte das Unternehmen, Winamp von einem gewöhnlichen Mediaplayer in ein umfassendes Ökosystem für unabhängige Musiker zu verwandeln. Die Plattform Winamp for Creators bietet Künstlern Werkzeuge für Distribution, Katalogverwaltung, Lizenzierung, Promotion, die Erfassung von Tantiemen und die direkte Monetarisierung ihres Publikums.

Nach Angaben der Winamp Group sind auf ihren Plattformen rund 75.000 Künstler registriert, darunter etwa 5.000 Nutzer von Winamp for Creators. Das Unternehmen betreibt außerdem Jamendo, den Urheberrechtsdienst Bridger und das digitale Radionetzwerk Hotmix.

Die Partnerschaft mit Deezer zeigt, dass Winamp das Musikhören erneut zu einem zentralen Bestandteil seiner Strategie macht. Das Unternehmen will Player, Abonnement, lokale Sammlungen, Musiksuche und Werkzeuge zur Unterstützung von Künstlern in einem einzigen System verbinden.

Für Deezer ist die Vereinbarung Teil des Geschäftsbereichs Deezer for Business. Das Unternehmen stellt seine Plattform Drittmarken zur Verfügung und kann dadurch die Reichweite seines Katalogs erhöhen, ohne zwingend die eigene Anwendung bewerben zu müssen.

Kann Winamp mit Spotify und Apple Music konkurrieren?

Die größte Herausforderung des geplanten Neustarts ist der bereits stark gesättigte Musikmarkt. Nutzer bezahlen schon für Spotify, Apple Music, YouTube Music, Amazon Music und andere Dienste. Nostalgie für die klassische Benutzeroberfläche allein dürfte daher kaum ausreichen, um sie zum Abschluss eines weiteren Abonnements zu bewegen.

Aus diesem Grund positioniert Winamp das Produkt nicht einfach als weiteren Streamingdienst, sondern als universelle Zentrale zur Verwaltung von Musik. Zur potenziellen Zielgruppe gehören Hörer, die einen Abonnementkatalog mit ihrer eigenen Dateisammlung, Radiosendern, Podcasts und Cloud-Aufnahmen verbinden möchten. Auch TechCrunch verweist auf diesen Faktor als möglichen Vorteil des Neustarts.

Der Erfolg wird jedoch von mehreren bislang unbekannten Parametern abhängen: dem Preis des Abonnements, der Qualität der Anwendungen, der Verfügbarkeit in verschiedenen Ländern, der Unterstützung von Audioformaten, der Möglichkeit zum Übertragen bestehender Mediatheken, dem Offline-Hören, der Qualität der Empfehlungen und der Frage, wie tief Deezer in den klassischen Client integriert wird.

Unklar ist außerdem, ob Winamp die Freiheit und Flexibilität des alten Players in einem Produkt bewahren kann, das auf einem kostenpflichtigen Abonnement und lizenzierten Inhalten basiert. Für die Kernzielgruppe der Marke könnte dies wichtiger sein als soziale Funktionen und algorithmische Empfehlungen.

Wann erscheint der neue Winamp?

Der Start der nächsten Generation des Winamp Players ist für die erste Hälfte des Jahres 2027 geplant. Ein genaueres Datum wurde noch nicht bekannt gegeben.

Bis zur Veröffentlichung wollen die Entwickler weitere Funktionen, Elemente der Benutzeroberfläche und Vorabversionen des Produkts vorstellen. Informationen zum Preis des Abonnements, zu unterstützten Geräten, Startländern und einem möglichen kostenlosen Tarif sollen später veröffentlicht werden.

Der bevorstehende Neustart ist Winamps Versuch, zwei Epochen der digitalen Musik miteinander zu verbinden. Vom klassischen Player will das Projekt die Kontrolle über die eigene Mediathek, die Personalisierung und die freie Wahl der Quellen übernehmen. Von modernen Plattformen erhält es einen lizenzierten Katalog, ein Abonnementmodell, Cloud-Funktionen, Empfehlungen und soziale Werkzeuge.

Ob Winamp erneut zu einem Massenprodukt werden kann, ist noch unklar. Die Zusammenarbeit mit Deezer macht diesen Neustart jedoch deutlich ernsthafter als frühere Versprechen über die Rückkehr des legendären Players. In der Zwischenzeit können Sie den Player von Minatrix.FM nutzen ;)

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