
Die Geschichte der Band Tokiо begann im Jahr 2002, als Regisseur Alexander Schein zwei junge Musiker miteinander bekannt machte – Jaroslaw Maly und Demjan Kurchenko. Später werden beide lachend an diese Begegnung zurückdenken: Als Demjan seine virtuose Spieltechnik demonstrieren wollte, riss er versehentlich eine Saite an Jaroslaws Gitarre – und statt einer neuen Freundschaft stand beinahe ein Konflikt im Raum. Doch genau dieser schwierige Anfang wurde zum Startpunkt für die zukünftige Band.
Zum Duo stießen bald der Bassist Ilja Jasow und der Keyboarder Maksim Bogojawlenski. Alle brachten unterschiedliche musikalische Erfahrungen mit und hatten bereits an Studioprojekten mitgewirkt, was es der Band erlaubte, von Anfang an selbstbewusst und professionell zu klingen. Interessant ist, dass ein Teil der Mitglieder über das Kino zur Musik fand: Schon vor der Gründung der Band nahm Jaroslaw Maly Soundtracks für Filme auf, arbeitete an Projekten mit Goscha Kutsenko und kooperierte mit Regisseuren als vollwertiger musikalischer Partner.
Kinematografische Wurzeln und der Einfluss des Films auf den Sound von Tokiо
Die Verbindung zum Film wurde zu einem Markenzeichen der frühen Phase von Tokiо.
-
Jaroslaw und Maksim lernten sich bei den Aufnahmen zur Filmmusik für Alexander Scheins Film „Smessitel“ („Mixer“) kennen.
-
Im Jahr 2006 wurde der Song „Kto ja bez tebja“ („Wer bin ich ohne dich“), der im Film „9. Kompanie“ zu hören ist, bei den „MTV Movie Awards“ in der Kategorie „Bester Soundtrack“ nominiert.
-
Die Band schrieb zudem einen Titel für den Film „Schara“ („Hitze“).
-
Und 2009 komponierten die Musiker den Track „Dogonim“ („Wir holen auf“) eigens für ein Computerspiel – einer der ersten Fälle in Russland, in denen eine Pop-Rock-Band in die Gaming-Industrie integrierte wurde.
Diese Kinematografie prägte auch den Musikstil: Tokiо entwickelten melodischen Pop-Rock mit Fokus auf atmosphärischen Texten, einem weiten Klangbild und emotionalen Höhepunkten, die an Filmszenen erinnern.
Erste Erfolge – „Sneg“, Maxidrom und das Debütalbum
Das Jahr 2003 wurde für die Band zu einem echten Wendepunkt. In den Rotationen großer Radiosender tauchte der Song „Sneg“ („Schnee“) auf, der Tokiо die erste Welle der Popularität brachte. Und bereits am 17. Mai traten sie beim Festival „Maxidrom“ auf, wo sie zu einer der überraschenden Entdeckungen der Saison wurden. Die Presse feierte sie begeistert als „neue Sensation“ und „romantischste Band Russlands“, während Musikkritiker die ungewöhnliche Mischung aus Lyrik und modernem Sound hervorhoben.
Im März 2004 stellte die Band ihr erstes Album „Tokiо“ vor, dessen Präsentation im legendären Club „B2“ stattfand. Das Debüt-Release festigte den Status der Band als frischen und vielversprechenden Namen in der russischen Musikszene.
Das Jahr 2005 – Reisen, europäische Bühnen und erweiterte Horizonte
Das folgende Jahr war von intensiven Tourneen geprägt. Tokiо traten auf:
-
in Großbritannien, womit sie zu den wenigen russischen Pop-Rock-Bands jener Zeit gehörten, die britische Bühnen bespielten;
-
in Frankreich, wo ihre Musik beim europäischen Publikum unerwartet positive Resonanz fand;
-
in Indien, dem wohl exotischsten und ungewöhnlichsten Punkt ihrer Tourroute.
Diese Reisen beeinflussten die stilistische Entwicklung der Band – Konzerte in unterschiedlichen kulturellen Kontexten verliehen der Musik mehr Drive, Mut und Experimentierfreude.
2006–2009 – Anerkennung, gereifter Sound und neue Alben
2006 erschien das zweite Studioalbum „Puls 200“, auf dem der Sound elektronischer, energiegeladener und zeitgemäßer wurde. Parallel dazu setzten Tokiо ihre Zusammenarbeit mit der Filmindustrie fort und blieben intensiv auf Tour.
Das dritte Album „Wybiraju ljubow“ („Ich wähle die Liebe“) aus dem Jahr 2009 fiel romantischer und nachdenklicher aus, mit einem Schwerpunkt auf Melodien, ehrlichen Texten und der unverwechselbaren Stimme von Jaroslaw Maly. In dieser Zeit waren die Songs der Band häufig im Radio zu hören, und ihre Videoclips zeichneten sich durch starke visuelle Gestaltung aus – ein direktes Erbe ihrer „kinematografischen Wurzeln“.
Stil, Philosophie und Einfluss der Band
Tokiо zeichneten sich stets aus durch:
-
sorgfältig durchdachte Texte, die oft auf Emotionen, persönliche Erfahrungen und philosophische Reflexionen aufbauen;
-
einen atmosphärischen Sound, in dem Elemente von Pop-Rock, Elektronik und Filmmusik zusammenfließen;
-
den markanten, kraftvollen Gesang von Jaroslaw Maly;
-
eine ausgeprägte visuelle Ästhetik, bei der die Videoclips häufig Teil eines übergeordneten künstlerischen Konzepts sind.
Musikkritiker haben immer wieder betont, dass Tokiо „europäische Musikalität“ mit „russischer Emotionalität“ verbindet – ein Spannungsfeld, das die Band zeitlos und unabhängig von kurzlebigen Trends klingen lässt.
Heute zählt Tokiо weiterhin zu den bekanntesten Projekten der russischen Pop-Rock-Szene. Die Band hat den Weg von intimen Auftritten im Schauspielerhaus von Odessa bis hin zu großen Festivalbühnen zurückgelegt, Musik für Filme, Games und Fernsehen geschaffen und dabei ihren eigenen Sound und ihre künstlerische Handschrift bewahrt. Ihre Songs finden nach wie vor Resonanz beim Publikum, und Jaroslaw Maly gehört zu den wenigen Künstlern, die Pop-Rock, Kinematografie und philosophische Tiefe in sich vereinen. Die Geschichte von Tokiо ist die Geschichte einer Band, der es gelungen ist, die romantische Stimmung der frühen 2000er-Jahre in eine moderne, gereifte und sorgfältig ausgearbeitete musikalische Ästhetik zu verwandeln.