
PAWSA (bürgerlicher Name: David Esekhile; geb. im März 1992) ist ein britischer DJ, Musikproduzent und Labelbetreiber, der in London aufgewachsen ist. Er zählt zu den bekannten Vertretern der modernen Tech-House-Szene, ist Mitbegründer von Solid Grooves Records, Gründer seines eigenen Imprints PAWZ und bildet gemeinsam mit Dennis Cruz das Projekt GOLFOS. Seine Produktionen basieren auf minimalistischen House-Rhythmen, kurzen Samples, funktionalen Basslines und dem Prinzip „less is more“, bei dem eine vergleichsweise geringe Anzahl klanglicher Elemente einen markanten Dancefloor-Groove erzeugt.
London, Familie und die ersten Plattenspieler
David Esekhile wuchs in London in einer Familie mit unterschiedlichen kulturellen Wurzeln auf: Sein Vater ist Nigerianer, seine Mutter Irin. Anders als viele Produzenten, die über eine Musikschule oder das Spielen in einer Band zur Musik kamen, fand PAWSA direkt über die DJ-Kultur seinen Zugang. Seine ersten eigenen Plattenspieler kaufte er 2010, als er noch Teenager war.
Der Künstler erklärte sein Interesse am DJing vor allem mit der Möglichkeit, die Stimmung eines Raums mit der richtigen Platte augenblicklich verändern zu können. Diese Vorstellung von Musik als physischer Interaktion mit dem Dancefloor blieb auch für seine spätere Produktionsarbeit zentral: Statt komplexer melodischer Konstruktionen konzentriert sich PAWSA besonders auf Rhythmus, Wiederholung und darauf, wie einzelne Elemente innerhalb eines Clubs funktionieren.
Zu Beginn der 2010er-Jahre wurde er Teil einer neuen britischen Tech-House-Welle. In London entwickelte sich eine Szene, die House, Minimal, rauere Basslines und eine direktere Club-Funktionalität miteinander verband. Genau in diesem Umfeld entstanden die Voraussetzungen für das spätere Solid Grooves.
Die Begegnung mit Michael Bibi und die eigentliche Entstehung von Solid Grooves Records
Bei der Geschichte von Solid Grooves muss zwischen den Partys und dem Plattenlabel unterschieden werden.
Michael Bibi begann ungefähr 2011, Veranstaltungen unter dem Namen Solid Grooves zu organisieren. PAWSA lernte ihn 2013 auf einer Londoner Warehouse-Party kennen. Schnell stellten beide fest, dass sie ähnliche Vorstellungen von Musik und Künstlerentwicklung hatten. Danach begann Esekhile regelmäßig bei Solid-Grooves-Events aufzulegen und enger mit Bibi zusammenzuarbeiten.
Einer der ersten größeren gemeinsamen Schritte war ein Auftritt in Berlin. Danach investierte PAWSA das Geld, das er während einer DJ-Saison in Spanien verdient und gespart hatte, in ein neues gemeinsames Projekt. 2015 gründeten PAWSA und Michael Bibi Solid Grooves Records — ein vollwertiges Plattenlabel, das aus der bereits bestehenden Clubserie hervorging.
PAWSA pauschal als „Mitbegründer von Solid Grooves“ zu bezeichnen, ist daher nur mit einer Präzisierung korrekt: Er ist Mitbegründer von Solid Grooves Records, während die ursprüngliche Partyserie bereits zuvor von Bibi ins Leben gerufen worden war.
Pilot und die ersten professionellen Releases
PAWSAs offizieller diskografischer Start fällt in das Jahr 2014, als das britische Label Lost Records seine Pilot EP veröffentlichte. Die Veröffentlichung wurde zu seinem ersten größeren Schritt über die lokale Londoner Szene hinaus.
Nach Pilot erschien seine Musik zunehmend auf größeren spezialisierten Labels. PAWSA veröffentlichte unter anderem bei Relief Records, das mit Green Velvet verbunden ist, und bei MOOD, dem Label von Nicole Moudaber. Diese frühen Veröffentlichungen zeigen, dass sich der Künstler bereits vor dem Aufbau seines eigenen Katalogs an der Schnittstelle von House- und Techno-Szene bewegte.
PAWSAs später besonders wiedererkennbarer Stil entstand jedoch nicht sofort. Nach und nach reduzierte er die Anzahl der Elemente in seinen Arrangements, gab der Bassline mehr Gewicht und arbeitete immer intensiver mit kurzen Vocal- oder Instrumental-Samples. Diese Ästhetik wurde später auch für einen beträchtlichen Teil des Solid-Grooves-Katalogs charakteristisch.
PAWZ und The Groovy Cat
2017 gründete PAWSA sein eigenes Label PAWZ. Im Unterschied zu Solid Grooves, wo er innerhalb einer gemeinsamen musikalischen Marke arbeitet, gab ihm PAWZ eine Plattform für besonders persönliches Material und Experimente, ohne sich an den Katalog eines größeren Imprints anpassen zu müssen.
Zu den ersten Veröffentlichungen gehörte Party, am 22. Dezember 2017 folgte The Groovy Cat — später einer der bekanntesten Tracks aus PAWSAs frühem Katalog. Bereits 2021 verwies DJ Mag auf mehrere zehn Millionen Streams des Stücks, obwohl seine Struktur ausgesprochen reduziert ist: Bass, Percussion und ein sorgfältig ausgewähltes Sample bilden praktisch das gesamte zentrale musikalische Material.
Diese Einfachheit wurde nicht zur Schwäche, sondern zum künstlerischen Prinzip. PAWSA hat wiederholt betont, wie wichtig es sei, unnötiges Material aus einem Track zu entfernen. Diesen Ansatz verbindet er auch mit seinem Interesse an Malerei: Zu viele Details können sowohl ein Bild als auch einen Musiktrack zerstören.
Solid Grooves Raw
Parallel zum Hauptlabel wurde 2017 Solid Grooves Raw gegründet — ein Imprint, das stärker auf härtere, minimalistischere und unmittelbar für den Club gedachte Tools ausgerichtet ist.
Für PAWSA wurde die Plattform zu einer natürlichen Erweiterung seiner Produktionsästhetik. Auf Raw erschienen Stücke wie Get Down, Whippin’ und später Hypnotic Dub. Die Get Down EP wurde 2018 veröffentlicht, Whippin’ 2019 und Hypnotic Dub 2021.
Auch im Hauptkatalog von Solid Grooves erschienen zahlreiche Arbeiten von PAWSA, während sich das Label selbst zu einer internationalen Plattform für Dennis Cruz, ANOTR, Ben Sterling, Blackchild und weitere Produzenten entwickelte. 2023 gewann Solid Grooves bei den DJ Mag Best of British Awards die Auszeichnung Best Label.
PAWSA und Michael Bibi: unterschiedliche Rollen innerhalb einer Marke
Einer der Gründe für die Beständigkeit von Solid Grooves liegt in den unterschiedlichen Rollen seiner Gründer. Nach PAWSAs eigenen Erinnerungen verstand Michael Bibi von Anfang an besonders gut, wie Veranstaltungen organisiert und eine Event-Marke aufgebaut werden, während sich Esekhile stärker auf die Musik selbst und den Labelkatalog konzentrierte.
PAWSA versuchte, minimalistischen Underground House mit zugänglicherer Club-Energie zu verbinden. Genau diese Kombination wurde allmählich zu einem der erkennbaren Merkmale von Solid Grooves: Die Musik konnte in der Anzahl ihrer Elemente minimal bleiben und dennoch für große Dancefloors funktionieren.
Mit der Zeit entwickelte sich Solid Grooves von einer britischen Partyserie zu einer internationalen Marke mit großen Veranstaltungen und einer langjährigen Verbindung zu Ibiza. PAWSA und weitere Künstler des Teams spielten Saisons im Sankeys, Privilege und Benimussa Park, später etablierte sich Solid Grooves dauerhaft im DC-10 Ibiza.
GOLFOS mit Dennis Cruz
Ein eigener Bereich von PAWSAs Karriere ist mit dem spanischen Produzenten Dennis Cruz verbunden. Gemeinsam gründeten sie GOLFOS — ein gemeinsames DJ-Projekt, eine eigene Veranstaltungsreihe und die Plattform GOLFOS TRAXX.
Das Projekt ermöglicht beiden Künstlern, sich auf einen tieferen und minimalistischeren House-Sound zu konzentrieren. GOLFOS tritt regelmäßig mit ausgedehnten Back-to-back-Sets auf, bei denen die Grenze zwischen den individuellen Stilen von Cruz und PAWSA bewusst verwischt wird. Das Projekt spielte unter anderem im Club Space Miami, im KOKO London, beim ADE und auf weiteren großen Bühnen.
Gerade GOLFOS zeigt, dass sich PAWSAs Arbeit nicht auf klassischen Festival-Tech-House beschränkt: Ein wesentlicher Teil seiner musikalischen Identität besteht aus Minimal House und Musik, die für lange Clubsets konzipiert ist.
Vom Underground in die britischen Charts
Lange Zeit existierte PAWSAs kommerzieller Erfolg fast ausschließlich innerhalb der elektronischen Clubszene. Das änderte sich deutlich im Jahr 2024, als mehrere seiner Tracks weit über Beatport und DJ-Sets hinaus bekannt wurden.
Den Anfang machte PICK UP THE PHONE mit Vocals des verstorbenen amerikanischen Künstlers Nate Dogg. Der Track stieg in die britischen Official Singles Chart ein und erreichte Platz 49; in den Official Dance Singles Chart kam er bis auf Platz 13.
Darauf folgte TOO COOL TO BE CARELESS, das Platz 51 der britischen Hauptcharts und Platz 8 der Dance Singles Chart erreichte. Für einen Künstler, dessen Karriere auf minimalistischem Club House aufgebaut war, bedeutete dies eine deutliche Erweiterung seiner Hörerschaft.
Noch erfolgreicher war Dirty Cash (Money Talks), eine Neuinterpretation des klassischen Hits von Adventures of Stevie V. Der Track erreichte die britischen Top 20 und kam bis auf Platz 17 der Official Singles Chart. Insgesamt hielt er sich 19 Wochen in den Hauptcharts; in den Dance Singles Chart erreichte er Platz 3.
PAWSA verwandelte seinen Stil dabei jedoch nicht in konventionellen Dance-Pop. Selbst seine kommerziell erfolgreichsten Produktionen behalten seine typische Struktur: eine reduzierte rhythmische Basis, eine dominante Bassline und ein klar wiedererkennbares Vocal- oder Instrumentalfragment.
Best Producer und das Wachstum des internationalen Publikums
Ende 2024 erhielt PAWSA bei den DJ Mag Best of British Awards die Auszeichnung Best Producer. Das Magazin hob dabei sowohl seine Clubproduktionen als auch den Erfolg von Dirty Cash (Money Talks) hervor.
In der nächsten Phase wurden auch seine Auftritte deutlich größer. 2025 fand im Londoner Gunnersbury Park das eigenständige Event PAWSA In The Park — All Day Long statt. Gleichzeitig feierte Solid Grooves seine 100. Veröffentlichung mit der Compilation Summer Sampler 2025, auf der auch der neue PAWSA-Track Rendezvous erschien.
Im selben Jahr schaffte PAWSA erstmals den Sprung in die DJ Mag Top 100 DJs und belegte Platz 69. Dieses Ergebnis sollte eher als Zeichen wachsender internationaler Bekanntheit verstanden werden und nicht als Bewertung seiner historischen Bedeutung oder seiner Fähigkeiten als Produzent.
Sein wachsendes Live-Publikum zeigte sich auch bei Auftritten im Alexandra Palace, bei Coachella und auf großen internationalen Festivals. Gleichzeitig blieb der Künstler regelmäßig mit Solid Grooves und der Clubkultur Ibizas verbunden.
PAWSA und die Vinylkultur
Trotz der digitalen Natur seiner eigenen Produktionsarbeit bewahrt PAWSA ein starkes Interesse an Vinyl und der Digging-Kultur. In seinem PAWZCAST erschienen Vinyl-only-Sets, und für die Suche nach Musik nutzt er unter anderem Bandcamp und Discogs.
Seine DJ-Sets bestehen nicht ausschließlich aus eigenem Material. PAWSA verbindet bewusst neue Tracks mit älterer House-Musik und nutzt weniger offensichtliche Stücke, um den Rhythmus und die Dramaturgie eines Sets aufrechtzuerhalten. Unveröffentlichte Produktionen testet er regelmäßig direkt auf großen Soundsystemen, bevor er anschließend ins Studio zurückkehrt und den Mix weiter verfeinert.
Genau deshalb sind seine Arbeit als DJ und seine Musikproduktion so eng miteinander verbunden: Der Dancefloor dient als letzte Testphase eines Tracks.
Wie der PAWSA-Sound aufgebaut ist
Die Grundlage von PAWSAs Musik bleibt Tech House, doch der Begriff beschreibt seinen Katalog nicht vollständig. Auch Minimal House, Microhouse, Classic House und Elemente älterer britischer Clubtraditionen sind deutlich erkennbar.
Das wichtigste Merkmal seiner Produktion ist ihre Ökonomie. Statt zahlreiche Synthesizer-Layer einzusetzen, baut PAWSA einen Track in der Regel um wenige Elemente herum auf:
- eine druckvolle Kick und eine markante Bassline;
- kurze, synkopierte Percussion;
- ein klar wiedererkennbares Sample oder eine Vocal-Phrase;
- kleine Veränderungen im Arrangement anstelle großer EDM-Drops;
- einen lang anhaltenden Groove, der vor allem auf eine körperliche Reaktion des Dancefloors ausgerichtet ist.
Dennis Cruz beschrieb diesen Ansatz als die seltene Fähigkeit, mit einer minimalen Anzahl von Elementen maximale Wirkung zu erzielen. PAWSA selbst spricht ebenfalls von House als einer Musik, deren Stärke in Wiederholung und Rhythmus liegt.
Sampling spielt in seinem Katalog eine besonders wichtige Rolle. Statt ein Sample nur als dekorative Schicht einzusetzen, macht PAWSA häufig eine einzelne Vocal- oder Instrumentalphrase zum zentralen Hook des gesamten Tracks. Besonders deutliche Beispiele aus seiner späteren Phase sind PICK UP THE PHONE und Dirty Cash (Money Talks).
Malerei und Artwork seiner Releases
Außerhalb der Musik beschäftigt sich PAWSA mit Malerei, und dabei handelt es sich nicht nur um ein privates Hobby. Einen beträchtlichen Teil der Cover seiner eigenen Singles gestaltet er selbst.
Er zieht eine direkte Parallele zwischen bildender Kunst und Musikproduktion: Die Arbeit an Gemälden habe ihn gelehrt, Unvollkommenheit besser zu akzeptieren und rechtzeitig aufzuhören, statt ein Werk mit unnötigen Details zu überladen. Dieses Prinzip erklärt auch seine musikalische Ästhetik, in der das Entfernen eines Elements oft wichtiger ist als das Hinzufügen eines neuen.
Diskografie von PAWSA
Ein vollständiges Studioalbum hat PAWSA bislang nicht veröffentlicht. Seine Diskografie besteht überwiegend aus EPs, Club-Singles und einzelnen Tracks, was für eine funktional ausgerichtete House-Szene typisch ist.
Ausgewählte EPs und frühe Releases
- 2014 — Pilot EP — Lost Records
- 2017 — Party — PAWZ
- 2017 — The Groovy Cat — PAWZ
- 2018 — Get Down EP — Solid Grooves Raw
- 2018 — Obsession — PAWZ
- 2019 — Whippin’ — Solid Grooves Raw
- 2021 — Hypnotic Dub — Solid Grooves Raw
- 2023 — ON THE MOVE — PAWZ
- 2023 — Dog Days — Solid Grooves Records.
Wichtige Singles der späteren Phase
- 2024 — PICK UP THE PHONE — feat. Nate Dogg
- 2024 — TOO COOL TO BE CARELESS
- 2024 — COLLECT THE COMMAS
- 2024 — Dirty Cash (Money Talks) — PAWSA / Adventures of Stevie V
- 2025 — BANG BANG
- 2025 — DOUBLE C
- 2025 — Rendezvous
- 2026 — Ride On Me.
GOLFOS
Gemeinsam mit Dennis Cruz veröffentlicht PAWSA Musik und tritt als GOLFOS auf. Das Projekt entwickelt eine eigene Linie aus minimalistischem House und ausgedehnten Back-to-back-Sets und ist mit dem eigenen Imprint GOLFOS TRAXX verbunden.
PAWSAs Position in der modernen House-Szene
PAWSA ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil seine Karriere nicht dem bekannten Muster eines Underground-Produzenten folgt, der sich später in Richtung EDM bewegt. Er gab minimalistische Clubstrukturen nicht auf, um größere Bühnen zu erreichen. Im Gegenteil: Genau diese Strukturen wurden allmählich populär genug, um ihn auf Festivals, zu großen Soloshows mit Tausenden Besuchern und in nationale Charts zu bringen.
Gemeinsam mit Michael Bibi half er dabei, Solid Grooves Records zu einer der bekanntesten Tech-House-Marken seiner Generation zu entwickeln, während er mit PAWZ eine eigene Plattform für seinen persönlichen Katalog behielt. GOLFOS fügte eine weitere Facette hinzu und verband seinen Namen zusätzlich mit der modernen Minimal-House-Szene.
Besonders aufschlussreich ist der kommerzielle Erfolg von PICK UP THE PHONE, TOO COOL TO BE CARELESS und Dirty Cash (Money Talks): PAWSAs Musik erreichte die britischen nationalen Charts, ohne die grundlegenden Club-Prinzipien seines Trackaufbaus vollständig aufzugeben.
Sein Einfluss liegt daher nicht in der Erfindung eines neuen Genres, sondern in der Neuinterpretation minimalistischen Tech House für eine neue Generation großer Dancefloors. Reduzierte Produktion, ein starker Fokus auf Samples, Vinylkultur und die enge Verbindung zwischen Studio und DJ-Set bleiben unabhängig von der Größe der Bühne die Grundlage von PAWSAs Ästhetik.

