
Oskar ist der Künstlername, unter dem die Sängerin, Songwriterin und Produzentin Scarlett la Queen Anfang der 2000er-Jahre bekannt wurde. Bei ihrer Geburt erhielt die Künstlerin den Namen Schamil Wladimirowitsch Malkandujew. Sie wurde am 15. Januar 1979 in Naltschik geboren, absolvierte ein Jurastudium und zog anschließend nach Moskau, wo sie zu einer der ungewöhnlichsten Figuren der russischen Popszene an der Jahrtausendwende wurde. Zu den wichtigsten Songs der Oskar-Phase gehörten „Meschdu mnoi i toboi“, „Beg po ostriju noscha“, „Masch waselinom“, „Panoptikum“, „Wolki“ und „Detka“.
Oskars Geschichte unterscheidet sich deutlich von den typischen Biografien der Popsänger jener Zeit. In ihr verbinden sich ein provokantes Bühnenbild, Club-Elektronik, Alternative Rock, der Konflikt mit dem Produzentensystem, die Emigration in die USA, englischsprachige Projekte und die spätere öffentliche Selbstidentifikation der Künstlerin als Transfrau. 2020 begann sie unter dem Namen Scarlett la Queen aufzutreten und vereinte damit mehrere unterschiedliche musikalische Phasen in einer gemeinsamen Künstlerbiografie.
Kindheit in Naltschik und Jakutien
Schamil Malkandujew wurde in Naltschik, der Hauptstadt Kabardino-Balkariens, in eine Militärfamilie hineingeboren. Die Künstlerin ist balkarischer Herkunft. Einen Teil ihrer Kindheit verbrachte sie in Jakutien, wohin die Familie aufgrund des Militärdienstes ihres Vaters gezogen war, bevor sie in den Nordkaukasus zurückkehrte.
Nach dem Schulabschluss begann Malkandujew ein Studium an der juristischen Fakultät der Kabardino-Balkarischen Staatlichen Universität H. M. Berbekow. Eine Tätigkeit im juristischen Bereich wurde jedoch nicht zu ihrem wichtigsten beruflichen Weg. Das Interesse an Musik, Bühne und Selbstausdruck war stärker, und Ende der 1990er-Jahre zog der zukünftige Star nach Moskau.
Eine wichtige Bekanntschaft noch vor der Moskauer Zeit war die Begegnung mit Artur Azalamow, dem Gründer der Band „Mjortwyje Delfiny“. Er schrieb mehrere Lieder, die Oskars frühes Repertoire prägten: „Beg po ostriju noscha“, „Masch waselinom“, „Panoptikum“, „Smech ili platsch“, „Bitoje steklo“ und „Rosowyje dewotschki“. Malkandujew schrieb ebenfalls eigenes Material, darunter „Meschdu mnoi i toboi“, „Wolki“, „Poroschok“ und „Chei“.
Umzug nach Moskau und Begegnung mit Sergei Isotow
In Moskau trat der angehende Künstler in Clubs auf und gelangte allmählich in Kreise, die mit der Musikindustrie verbunden waren. In diesem Clubumfeld lernte er den Produzenten Sergei Isotow kennen, woraufhin die Arbeit am Projekt Oskar begann.
Für den Künstler wurde das sorgfältig konzipierte Bild eines geheimnisvollen Menschen außerhalb der üblichen sozialen und geschlechtlichen Grenzen geschaffen. Oskar erschien mit künstlichen Narben, schwarzem Nagellack, in Röcken, Lederkostümen und theatralischen Outfits. Ende der 1990er-Jahre stand diese Ästhetik in scharfem Kontrast zur russischen Mainstream-Popszene, die entweder von romantischen Sängern oder traditionellen Dance-Projekten geprägt war.
Das Produktionsteam verbreitete außerdem eine erfundene Herkunftsgeschichte Oskars. Dieser Legende zufolge sei der zukünftige Sänger von einer Schneelawine verschüttet worden, habe viele Jahre im Koma gelegen und nach dem Erwachen zu singen begonnen. Der Künstler erklärte später, dass reale Erzählungen über seine Kindheit in Jakutien und den Militärdienst seines Vaters als Grundlage gedient hätten, während der dramatische Teil zu Werbezwecken erfunden worden sei.
Diese Methode war für das Showgeschäft der 1990er-Jahre typisch: Neben den Songs wurde dem Publikum ein vollständig ausgearbeiteter Mythos über die Herkunft eines Interpreten angeboten. Im Fall von Oskar war die Legende jedoch so auffällig, dass sie die tatsächliche Persönlichkeit des Songwriters zeitweise in den Hintergrund drängte.
Erste Musikvideos und provokante Ästhetik
Zu Oskars ersten Arbeiten gehörte der Song „Masch waselinom“, dessen Musikvideo 1999 erschien. Das Stück verband einen elektronischen Beat, alternative Bildsprache und bewusst provokante Texte. Die visuelle Gestaltung beruhte auf Groteske, künstlichen Narben und einer beinahe an Horror erinnernden Körperlichkeit.
Es folgten die Videos zu „Beg po ostriju noscha“ und „Panoptikum“. Der frühe Oskar wurde nicht einfach als Sänger, sondern als vollständiges audiovisuelles Projekt wahrgenommen. Sein Image bewegte sich an der Schnittstelle von Clubmode, Glam Rock, androgyner Ästhetik, Gothic und postsowjetischer Pop-Art.
Diese Präsentation löste gleichzeitig Interesse und Ablehnung aus. Die Musikpresse stellte fest, dass sich der Künstler bewusst Themen zuwandte, die von der russischen Popindustrie gewöhnlich gemieden wurden: Körperlichkeit, sexuelle Uneindeutigkeit, innerer Zerfall, Abhängigkeit, Einsamkeit und Entfremdung. Eine InterMedia-Rezension des Debütalbums hob außerdem hervor, dass Oskar einen Teil des Repertoires selbst geschrieben hatte und die auffälligen Arrangements dem Projekt halfen, den Rahmen der Nachtclubs zu überschreiten.
„Meschdu mnoi i toboi“: Oskars größter Hit
Der eigentliche Durchbruch beim Massenpublikum gelang mit der Veröffentlichung von „Meschdu mnoi i toboi“. Der Song erschien 2000 auf dem Debütalbum und wurde zum wichtigsten Werk in Oskars Karriere. Selbst Jahrzehnte später bleibt er die bekannteste Aufnahme der Künstlerin und ist der einzige Titel, der im Oskar-Katalog auf der Website von Russkoje Radio separat aufgeführt wird.
Die Komposition unterschied sich deutlich vom provokanten „Masch waselinom“. Es handelte sich um eine melancholische elektronische Ballade mit minimalistischem Arrangement, lang gezogenen Gesangslinien und dem Refrain:
„Zwischen dir und mir bleibt nur der Wind…“
Der Inhalt des Songs erlaubt mehrere Interpretationen. Oberflächlich betrachtet handelt er von einer Trennung und emotionalen Distanz zwischen zwei Menschen. Das düstere Musikvideo erweiterte diese Deutung jedoch und verwandelte das Stück in eine Reflexion über Liebe, Verrat, Tod und die Unmöglichkeit, die Vergangenheit zurückzubringen.
Das Video wurde von Alexander Igudin inszeniert, während Maxim Ossadtschi und Alexei Tichonow als Kameraleute tätig waren. Oskar selbst beteiligte sich an der Entwicklung des Drehbuchs und des visuellen Konzepts. Ein Lederrock, der an einen Kilt erinnerte, wurde zu einem der wichtigsten Details des Videos und zu einem der meistdiskutierten Bühnenkostüme der russischen Popkultur der frühen 2000er-Jahre.
Das Video zeigte eine Dreiecksbeziehung und durchbrach bewusst die üblichen geschlechtlichen und romantischen Klischees der Mainstream-Unterhaltung. Dadurch wurde „Meschdu mnoi i toboi“ nicht nur als Radioballade, sondern auch als eigenständiges visuelles Werk wahrgenommen.
Der Song wird häufig fälschlicherweise als Gewinner des Goldenen Grammophons bezeichnet. Oskar fehlt jedoch in der veröffentlichten Siegerliste der Preisverleihung von 2001. In einem enzyklopädischen Artikel ist es daher korrekter, von großer Radiopopularität, einer bedeutenden Rolle des Songs im damaligen Musikgeschehen und einer möglichen Nominierung zu sprechen, nicht jedoch von einem bestätigten Gewinn.
Das Album „Beg po ostriju noscha“
Das Debütalbum „Beg po ostriju noscha“ erschien im August 2000 beim Label Nox Music. Die Platte verband Popmusik, elektronische Klänge, Alternative Rock und cluborientierte Arrangements.
Das Album enthielt:
- „Beg po ostriju noscha“;
- „Meschdu mnoi i toboi“;
- „Wolki“;
- „Masch waselinom“;
- „Smech ili platsch“;
- „Poroschok“;
- „Bitoje steklo“;
- „Rosowyje dewotschki“;
- „Panoptikum“;
- „Chei“.
Das Material entstand unter Beteiligung von Artur Azalamow, Jewgeni Arsentjew und Juri Ussatschow. Azalamow war für die stärker rockorientierten und grotesken Kompositionen verantwortlich, während Malkandujews eigene Songs häufiger von Melancholie, romantischer Unruhe und persönlicher Bekenntnishaftigkeit geprägt waren.
Musikalisch lässt sich das Debüt in zwei Richtungen unterteilen. Die erste bestand aus provokantem elektronischem Pop mit industriellen und alternativen Elementen. Dazu gehörten „Masch waselinom“, „Poroschok“ und „Panoptikum“. Die zweite umfasste atmosphärische, melodische Songs wie „Meschdu mnoi i toboi“ und „Wolki“.
Diese Kombination ermöglichte es Oskar, gleichzeitig in der Clubszene, im Musikfernsehen und im Mainstream-Radio präsent zu sein. Das Projekt war ungewöhnlich genug, um ein junges Publikum anzusprechen, verfügte jedoch zugleich über einprägsame Melodien, die auch unabhängig von der provokanten Bühneninszenierung funktionierten.
„Oskar II“ und der Song „Detka“
Im März 2001 erschien beim Label CD Land das Album „Oskar II“. Im Wesentlichen handelte es sich um ein Remixprojekt, das neue Versionen des Materials vom Debütalbum sowie den Song „Detka“ enthielt.
„Detka“ setzte die mystische Linie von Oskars Schaffen fort. Das Lied erzählte von einem Mädchen, das einer Puppe oder Marionette ähnelt und von einer unsichtbaren Kraft kontrolliert wird. Die Komposition wurde von Artur Azalamow geschrieben, während Jewgeni Arsentjew das Arrangement erstellte.
An den Remixen arbeiteten Juri Ussatschow, DJ Primat, Pasta, Triplex-Mitglied Andrei Iwanow, DJ Schuri, Sergei Fissun und Tom Chaos. Diese Besetzung spiegelte die enge Verbindung des Projekts Oskar mit der russischen Elektronik- und Clubszene der frühen 2000er-Jahre wider.
Im selben Jahr erschien außerdem „Posledni albom“, das die neuen Songs „Woina“, „Pjaty ugol“, „Gde menja…“, „Oswoboschdai“, „Snova i snova“, „Krylja“ und „Duscha“ sowie mehrere Remixe und das Lied „Detka“ enthielt.
Konflikt mit dem Produzenten und Verlust des Künstlernamens
Auf dem Höhepunkt der Popularität verschlechterte sich das Verhältnis zwischen dem Künstler und Sergei Isotow erheblich. Malkandujew erklärte, den Produzenten zunächst als nahestehende Person und Mentor betrachtet zu haben, im Laufe der Zeit jedoch das Gefühl bekommen zu haben, dass seine Persönlichkeit und Kreativität vor allem als kommerzielles Produkt genutzt würden.
Der Konflikt betraf nicht nur Geld und kreative Entscheidungen, sondern auch die Rechte am Künstlernamen. Zeitgenössischen Berichten zufolge wurde der Name „Oskar“ von der Produzentenseite kontrolliert, weshalb der Künstler nach der Trennung zeitweise nicht unter dem bereits bekannt gewordenen Namen auftreten konnte.
Malkandujew begann, öffentlich seinen wirklichen Namen Schamil zu verwenden, und distanzierte sich von der durch den Produzenten geschaffenen Legende. In einem Interview aus dem Jahr 2002 sprach der Künstler offen über seine balkarische Herkunft, sein Leben in Jakutien, seine religiöse Erziehung und den Konflikt zwischen persönlicher Freiheit und dem traditionellen kaukasischen Umfeld.
Musikalisch war ein Wechsel von kommerzieller Pop-Elektronik zu einem härteren Sound mit Gitarrenriffs sowie sozialen und religiösen Motiven geplant. Unter dem Namen Schamil gelang es jedoch nicht, den Mainstream-Erfolg von „Meschdu mnoi i toboi“ zu wiederholen.
Umzug in die USA
2003 zog der Künstler nach New York. Dort besuchte Malkandujew eine Filmschule, schrieb weiterhin Musik und gründete das englischsprachige Projekt The Oskar & Psycholovers. 2008 kehrte sie vorübergehend nach Russland zurück, später wurden die USA jedoch erneut zu ihrem wichtigsten Wohn- und Arbeitsort.
Die amerikanische Phase war von Bedeutung, weil sie der Künstlerin erlaubte, sich aus dem russischen produzentengesteuerten Popgeschäft zu lösen und Musik, visuelle Gestaltung und öffentliches Image selbstständig zu kontrollieren. Die offiziellen Seiten von Scarlett la Queen beschreiben sie als Sängerin, Autorin, Schauspielerin, Produzentin und Aktivistin, die mit der New Yorker Musikszene verbunden ist.
2005 veröffentlichte The Oskar & Psycholovers das englischsprachige Projekt Make Love to America (Talking to God). Es enthielt die Songs „Talking to God“, „Make Love to America“, „Caliente“, „Go Go Boy“, „Stop Jihad!“, „Moi malysch“, „Ja chotschu byt“ und eine überarbeitete Version von „Weter“.
2009 erschien das Album Fantasies of a Rockstar. Das Material verband Electropop, Clubmusik, Glam, sexuelle Provokation und die Ästhetik des New Yorker Undergrounds. Einer der zentralen Songs war Lucky Number, zu dem ein Musikvideo gedreht wurde.
Im Vergleich zum frühen Oskar klang das amerikanische Projekt weniger melancholisch und deutlich theatralischer. Im Mittelpunkt stand nicht mehr die geheimnisvolle Figur der russischen Popszene, sondern ein exzentrischer Rock- und Clubstar, der männliche und weibliche Bilder frei miteinander verband.
Rückkehr nach Russland und der Song „Gagarin“
Ende der 2000er-Jahre kehrte der Künstler nach Russland zurück und trat erneut in Fernsehsendungen und in der Musikpresse in Erscheinung. Zu den bemerkenswerten Arbeiten dieser Zeit gehörte der Song „Gagarin“, der gemeinsam mit Andrei Iwanow vom Projekt Triplex entstand.
In dieser Phase versuchte Malkandujew, Oskars frühere Bekanntheit mit einem neuen, selbstbestimmten Künstlerbild zu verbinden. Die russische Musikindustrie hatte sich jedoch bereits erheblich verändert: Das Fernsehen hatte seine frühere Bedeutung verloren, während digitale Plattformen und soziale Netzwerke gerade erst begannen, ein neues System der Musikvermarktung zu schaffen.
2013 wurde der Künstler in Moskau angegriffen. Nach dem Überfall und Raub wurde eine Kieferverletzung diagnostiziert; die Verdächtigen wurden später festgenommen. Der Vorfall wurde in russischen Medien ausführlich behandelt und führte zu weiteren Auftritten des Künstlers in Fernsehtalkshows.
Scarlett la Queen und die öffentliche Transition
Im Februar 2020 gab die Künstlerin öffentlich bekannt, eine Transfrau zu sein, und stellte ihren neuen Namen Scarlett la Queen vor. Der Name Scarlett bezog sich auf Scarlett O’Hara, die Heldin des Romans und Films Vom Winde verweht, die für die Sängerin Stärke, Unabhängigkeit und die Fähigkeit symbolisierte, unter schwierigen Umständen zu überleben.
Seit diesem Zeitpunkt ist es korrekt, die Künstlerin Scarlett la Queen zu nennen und weibliche Pronomen zu verwenden, während der Name Oskar als historischer Künstlername und wichtiger Teil ihrer musikalischen Biografie erhalten bleibt.
Die öffentliche Transition stellte keinen plötzlichen Bruch mit der Vergangenheit dar, sondern die Fortsetzung einer langjährigen Suche nach Identität. Bereits zu Beginn der 2000er-Jahre sprach Oskar offen über Bisexualität, innere Freiheit und die Abweichung von traditionellen Vorstellungen eines männlichen Bühnenbildes.
Das Album „Poljubi“
Am 23. April 2020 veröffentlichte Scarlett la Queen das russischsprachige Album „Poljubi“. Es war das erste größere Werk, das unter ihrem neuen Namen erschien.
Das Album enthielt:
- „Beskonetschnost“;
- „O tebe“;
- „Notschnoje taksi“;
- „Ja bolsche tschem seks“;
- „Notsch scheptala“;
- „Bud soboi wsegda“;
- „Barbie Doll“;
- „Poljubi“;
- „Gagarin“;
- „I Love You“.
Während Oskars frühe Musik von Angst, körperlicher Groteske und dem Gefühl innerer Spaltung erfüllt war, kreiste „Poljubi“ um Selbstakzeptanz, Liebe und das Recht eines Menschen auf die eigene Identität. Der Albumtitel ließ sich gleichzeitig als Appell an das Publikum, die Gesellschaft und die Künstlerin selbst verstehen.
2020 erschienen außerdem die Singles „Golosa w raju“ und Chocolate, 2021 folgte In the Crowd, das weiterhin zu den beliebtesten Werken von Scarlett la Queen in ihrem offiziellen Apple-Music-Katalog gehört.
Auf dem offiziellen YouTube-Kanal der Künstlerin finden sich Musikvideos und Konzertaufnahmen, darunter eine Akustikversion von „Meschdu mnoi i toboi“, Liveauftritte, Interviews und Videos zu englischsprachigen Songs.
Oskars Musikstil
Oskars Schaffen lässt sich nur schwer einem einzigen Genre zuordnen.
Die Grundlage des Sounds auf dem Debütalbum bildeten die elektronischen Arrangements von Jewgeni Arsentjew und Juri Ussatschow, ergänzt durch Gitarren und eine dramatische Gesangsdarbietung.
Oskars Stimme war nicht durch akademische Virtuosität oder demonstrative Technik geprägt. Entscheidend war vielmehr die Intonation: müde, angespannt, distanziert und manchmal beinahe flüsternd. In „Meschdu mnoi i toboi“ erzeugte diese Art zu singen ein Gefühl emotionaler Leere, während sie in „Masch waselinom“ und „Panoptikum“ eine nervöse, groteske Spannung hervorrief.
Die Texte waren häufig um kurze Symbole und wiederkehrende Bilder aufgebaut: Wind, Wölfe, Glas, Messer, Puppe, Pulver, Narben, Flug und Tod. Dadurch wirkten die Songs nicht wie realistische Geschichten, sondern wie Fragmente einer gemeinsamen düsteren Welt.
Bühnenbild und Einfluss auf die Popkultur
Oskar war einer der ersten weithin bekannten Künstler der russischen Mainstream-Szene, die Androgynität konsequent nicht als einmaligen Werbetrick, sondern als Grundlage eines vollständigen visuellen Konzepts einsetzten.
Röcke, Lederkostüme, Make-up, künstliche Narben, ein rasierter Kopf und bewusst uneindeutige Sexualität schufen eine Figur, die nicht in die traditionelle Unterteilung zwischen einem „maskulinen Sänger“ und einem „femininen Popstar“ passte.
Es wäre jedoch falsch, den Erfolg ausschließlich mit Provokation zu erklären. Ohne starke Melodien, ungewöhnliche Texte und hochwertige Arrangements wäre das Image eine kurzlebige Sensation geblieben. Die anhaltende Popularität von „Meschdu mnoi i toboi“ zeigt, dass die musikalische Qualität letztlich wichtiger war als der ursprüngliche Skandal.
Oskar erschien mehrere Jahre bevor androgyne Ästhetik, offene Diskussionen über Sexualität und das Spiel mit geschlechtlicher Darstellung zu vertrauten Elementen der internationalen Popkultur wurden. Im russischen Kontext der frühen 2000er-Jahre machte dies das Projekt besonders radikal.
Diskografie
Unter dem Namen Oskar
- „Beg po ostriju noscha“ — 2000;
- „Oskar II“ — 2001;
- „Posledni albom“ — 2001.
Unter dem Namen Schamil
- „O’skar ubit — Schamil saderschan (Analisirui eto!)“ — eine Veröffentlichung, die mit dem Jahr 2005 in Verbindung gebracht wird; ihr offizieller Status und ihre Herkunft sind weiterhin nicht vollständig geklärt.
The Oskar & Psycholovers
- Make Love to America (Talking to God) — 2005;
- Fantasies of a Rockstar — 2009.
Scarlett la Queen
- „Poljubi“ — 2020;
- Chocolate — 2020;
- „Golosa w raju“ — 2020;
- In the Crowd — 2021.
Aktuelle Informationen
Nach 2021 ist auf den großen offiziellen Musikplattformen keine neue Albumveröffentlichung von Scarlett la Queen verzeichnet, obwohl einzelne Aufnahmen, Demoversionen und Videos weiterhin in sozialen Netzwerken und auf YouTube verfügbar sind.
In den Jahren 2024 und 2025 veröffentlichten russische Medien wiederholt Berichte über die schwierige finanzielle und psychische Lage der Künstlerin in New York. Ein erheblicher Teil dieser Veröffentlichungen basierte auf anonymen Telegram-Kanälen, Videoausschnitten und Berichten Dritter, weshalb die darin genannten Einzelheiten nicht als vollständig verifiziert gelten können.
Im Juli 2026 berichteten mehrere Medien unter Berufung auf den Telegram-Kanal Baza, die Künstlerin sei zur Behandlung aus den USA nach Naltschik gebracht worden. Eine offizielle Erklärung von Scarlett la Queen selbst, ihren Vertretern, ihrer Familie oder einer medizinischen Einrichtung wurde nicht veröffentlicht. Diese Angaben sollten daher ausdrücklich als Medienberichte und nicht als unabhängig bestätigte medizinische Tatsache bezeichnet werden.
Oskars Bedeutung für die russische Musik
Oskar ging als Künstler einer kurzen, aber außerordentlich prägenden Phase in die Geschichte der russischen Popmusik ein. Der größte Erfolg dauerte nur wenige Jahre, doch der Einfluss erwies sich als deutlich langlebiger als die typische Karriere eines „One-Hit-Wonders“.
Das Projekt zeigte, dass ein Massenpublikum einen Künstler mit ungewöhnlichem Äußeren, schwer definierbarer Genrezugehörigkeit und komplexer visueller Sprache akzeptieren konnte. Oskar brachte Elemente der Clubkultur, des Gothic Pop, androgyner Mode und künstlerischer Provokation auf die russische Bühne und blieb zugleich Schöpfer zugänglicher, melodischer Songs.
„Meschdu mnoi i toboi“ überdauerte die Ära des Musikfernsehens, den Wandel der Radioformate und das Aufkommen der Streamingplattformen. Der Song wird nicht nur aus Nostalgie für die 2000er-Jahre gehört, sondern auch wegen seiner seltenen Verbindung aus einfacher Melodie, emotional mehrdeutigem Text und ausdrucksstarker Gesangsintonation.
Oskars Biografie ist zugleich die Geschichte eines Konflikts zwischen einem Künstler und einer für ihn erfundenen kommerziellen Figur. Das Produzentensystem half dabei, einen Star zu erschaffen, beschränkte jedoch zugleich das Recht des Interpreten, über den eigenen Namen und das eigene Image zu bestimmen. Die späteren Projekte Schamil, The Oskar & Psycholovers und Scarlett la Queen können als aufeinanderfolgende Versuche verstanden werden, die Kontrolle über die eigene Identität und das kreative Schaffen zurückzugewinnen.
Heute ist der Name Oskar vor allem ein Symbol der russischen Popkultur zu Beginn des 21. Jahrhunderts, während Scarlett la Queen die Fortsetzung der Geschichte einer Künstlerin darstellt, die die Freiheit, sie selbst zu sein, lange vor der breiten gesellschaftlichen Diskussion über Geschlechtsidentität zum zentralen Thema ihrer Kunst machte.
