
Joseph Capriati (bürgerlicher Name — Giuseppe Capriati; geboren am 25. Juli 1987 in Caserta, Kampanien, Italien) — ist ein italienischer DJ, Musikproduzent und Gründer der Labels Redimension und Metamorfosi Records. Seine Karriere ist eng mit der neapolitanischen Schule elektronischer Musik, den Labels Drumcode, CLR und Analytic Trail, der Clubkultur Ibizas sowie der Entwicklung des modernen Techno verbunden.
Die Bezeichnung «Techno-DJ» beschreibt Capriati allerdings nur teilweise. Seine erste große musikalische Leidenschaft war House, und im Laufe der Jahre bewegten sich seine Sets und Studioaufnahmen immer freier zwischen Techno, House, Tech House, Minimal, Dub, melodischer elektronischer Musik und experimentelleren Formen. Besonders deutlich zeigte sich diese Seite auf seinem dritten Studioalbum Metamorfosi und in der gleichnamigen Clubreihe.
Im Laufe seiner Karriere veröffentlichte Capriati drei Studioalben — Save My Soul, Self Portrait und Metamorfosi —, nahm Mixe für die Reihen fabric und Global Underground auf und arbeitete mit Adam Beyer, Louie Vega, Eric Kupper, Byron Stingily, Indira Paganotto, Dennis Cruz, Rino Cerrone und weiteren Musikern zusammen. Einen besonderen Ruf erwarb er sich außerdem als Spezialist für ausgedehnte DJ-Sets: 2017 dauerte einer seiner Auftritte in Miami 25 Stunden und 30 Minuten.
Kindheit in Caserta
Giuseppe Capriati wuchs in Caserta auf, einer Stadt nördlich von Neapel. Seine Familie lebte unweit des Zentrums in einem Viertel, das der Musiker später als kleine Gemeinschaft beschrieb, in der sich die meisten Nachbarn gut kannten.
Sein Interesse am DJing entwickelte sich außergewöhnlich früh. Im Jahr 1998, als Capriati etwa elf Jahre alt war, beobachtete er einen DJ bei einer Veranstaltung für die amerikanische Community, die mit der in der Region stationierten militärischen Infrastruktur verbunden war.
Ihn faszinierte nicht nur der Klang der Musik, sondern auch der gesamte Vorgang: Plattenspieler, Mixer und die Möglichkeit, dass eine einzelne Person die Stimmung eines ganzen Raumes steuern konnte.
Professionelles Equipment konnte sich seine Familie nicht leisten. Im Sommer arbeitete der spätere Musiker gemeinsam mit einem Verwandten, um Geld für seinen ersten Plattenspieler zu sparen. Einen zweiten Turntable erhielt er von einer Verwandten, während ihm ein Bekannter einen einfachen Zweikanal-Mixer gab.
Mit diesem einfachen Setup lernte Capriati zu Hause, Schallplatten zu mixen, und spielte auf Partys von Freunden in Garagen und Privathäusern.
House vor Techno
Obwohl der Name Joseph Capriati später vor allem mit Techno verbunden wurde, war House das erste elektronische Genre, das ihn wirklich begeisterte.
Besonders prägend war eine Kassette mit einem DJ-Set von Little Louie Vega, aufgenommen auf einer der Angels-Of-Love-Partys in Neapel. Capriati erzählte später, dass er diese Kassette praktisch täglich hörte.
Zu seinen frühen musikalischen Orientierungspunkten gehörten Masters At Work, Louie Vega, Todd Terry, David Morales und weitere amerikanische House-Produzenten.
Als Teenager besuchte er regelmäßig Plattenläden, selbst wenn er nicht genug Geld hatte, um Vinyl zu kaufen. Dort las Capriati Fachmagazine, studierte Interviews mit DJs und blätterte durch Equipment-Kataloge.
Erste Residencies
Eine der ersten festen Spielstätten Capriatis war der Club Subway in Caserta.
Es handelte sich nicht um einen Underground-Techno-Club im heutigen Sinne. Dort fanden Geburtstage, Hochzeiten und gewöhnliche kommerzielle Partys statt, weshalb der junge DJ unterschiedlichste Stilrichtungen spielen musste — Pop, Latin, kommerzielle Dance-Musik und House.
Capriati bezeichnete diese Erfahrung später als entscheidende Schule im Umgang mit dem Publikum. Wenn die Menschen aufhörten zu tanzen, musste der DJ verstehen, warum, und die musikalische Richtung verändern.
Diese Praxis schulte seine Fähigkeit, ein Publikum zu lesen — eine Kompetenz, die später besonders bei seinen mehrstündigen Sets wichtig wurde.
Erste Begegnung mit Techno
Anfang der 2000er-Jahre besuchte Capriati erstmals eine große Techno-Party. Zu den prägenden Ereignissen gehörte 2003 eine zwölfstündige Party in Neapel mit Dave Clarke, Billy Nasty und Rino Cerrone.
Beeindruckt war er nicht nur vom härteren, mechanischeren Klang, sondern von der gesamten Kultur rund um Techno — der Länge der Nacht, dem Verhalten des Publikums und der Möglichkeit, ein DJ-Set wie eine lange Geschichte aufzubauen.
Danach nahm Techno schrittweise immer mehr Raum in seinen eigenen Auftritten ein.
DJ Jampa und der Wechsel zum eigenen Namen
In seinen frühen Jahren trat Capriati unter dem Künstlernamen DJ Jampa auf.
Später, als er begann, eigene Musik zu produzieren, entschied er sich gegen einen separaten DJ-Namen. Studioaufnahmen empfand er als eine persönlichere Form der Arbeit und wollte sie deshalb unter seinem echten Nachnamen veröffentlichen.
Der italienische Vorname Giuseppe wurde durch die international leichter verständliche Form Joseph ersetzt. So entstand der Name Joseph Capriati, unter dem sich seine gesamte weitere Karriere entwickelte.
Beginn der Produzentenkarriere
Um 2005 begann Capriati, sich intensiv mit Musikproduktion zu beschäftigen.
Zunächst arbeitete er im Studio eines Bekannten, lernte Software kennen und beschäftigte sich mit dem Aufbau elektronischer Kompositionen. Später kaufte er sich ein eigenes Audio-Interface und ein MIDI-Keyboard.
Sein Heimstudio war äußerst einfach ausgestattet. In einem Interview erzählte Capriati, dass er gewöhnliche Haushaltslautsprecher verwendete, die tiefe Frequenzen kaum wiedergaben. Deshalb prüfte er Bassvibrationen manchmal buchstäblich mit der Hand.
2006 produzierte er bereits fertig ausgearbeitete Tracks und erhielt eine Residency im Club Disco Seven, wo er Kontakte zu Vertretern der lokalen Elektronikszene knüpfte.
Die neapolitanische Schule des Techno
Capriatis Entwicklung fand im Umfeld einer der einflussreichsten regionalen Techno-Szenen Italiens statt.
Neapel hatte bereits seit den 1990er-Jahren eine eigene Schule elektronischer Musik hervorgebracht, verbunden mit Künstlern wie Rino Cerrone, Marco Carola, Gaetano Parisio und Markantonio.
Besonders großen Einfluss auf den jungen Capriati hatten Rino Cerrone und Markantonio. Er bezeichnete sie nicht nur musikalisch als Mentoren: Die erfahreneren Künstler erklärten ihm die Regeln internationaler Tourneen, Studio-Mixing und Mastering und führten ihn in die professionelle Seite der Branche ein.
Obwohl Capriati in Caserta geboren wurde, wird seine frühe professionelle Phase deshalb meist im Zusammenhang mit der neapolitanischen Techno-Szene betrachtet.
Erste Veröffentlichungen
Im Jahr 2007 erschienen die ersten offiziellen Veröffentlichungen von Joseph Capriati.
Zu seinen frühen Platten gehörte die Formaldehyde EP auf Globox Recordings. Im selben Jahr folgten weitere Veröffentlichungen, darunter die Flip Da Box EP und die C'est La Vie EP.
C'est La Vie erschien am 20. November 2007 auf Analytic Trail — dem Label von Markantonio, das eine wichtige Rolle bei der Entstehung einer neuen Generation neapolitanischen Techno spielte.
Die Veröffentlichung enthielt vier Tracks:
- «Menestrello»;
- «Oasi»;
- «Poker D'Assi»;
- «C'est La Vie».
Der Erfolg dieser frühen Platten führte Capriati schnell über die lokale Szene hinaus.
2008 und die internationale Entwicklung
2008 nahm die Zahl seiner Veröffentlichungen und Kollaborationen deutlich zu.
Capriati arbeitete mit Rino Cerrone, Markantonio und Uto Karem zusammen und veröffentlichte Musik auf Unrilis, Loose Records, Agile Recordings und weiteren europäischen Labels.
Besonders auffällig war der gemeinsam mit Markantonio produzierte Track «Molotov». Er erhielt Support von Richie Hawtin und weiteren bedeutenden Techno-DJs.
Gleichzeitig begann Capriati regelmäßig außerhalb Italiens aufzutreten.
CLR und Drumcode
Der nächste große Karriereschritt folgte im Jahr 2009.
Auf Chris Liebings Label CLR erschien die Login EP, und kurz darauf begann Capriati mit Drumcode zusammenzuarbeiten, dem Label des schwedischen Produzenten Adam Beyer.
Seine ersten Arbeiten für Drumcode waren «Sidechains» und «Kontrol Room».
Die Verbindung zu Drumcode erwies sich als langfristig. In den folgenden Jahren veröffentlichte Capriati regelmäßig auf dem Label und wurde neben Adam Beyer selbst zu einem der bekanntesten Namen in dessen Katalog.
Save My Soul
Im Jahr 2010 veröffentlichte Joseph Capriati sein Debütalbum Save My Soul auf Analytic Trail.
Das Album war deshalb wichtig, weil es bereits damals ein deutlich breiteres musikalisches Spektrum zeigte, als seine Club-Singles vermuten ließen.
Neben funktionalem Techno integrierte Capriati ruhigere, atmosphärische und experimentellere Stücke. Dieser Ansatz wurde später zu einem wiederkehrenden Merkmal seiner Alben: Ein Longplayer sollte für ihn nicht einfach nur eine Sammlung von DJ-Tools sein.
Drumcode und Adam Beyer
Anfang der 2010er-Jahre wurde die Zusammenarbeit mit Adam Beyer besonders eng.
Auf Drumcode erschienen unter anderem Capriatis «Gashouder», «Vesuvio», «The Gallery» und weitere Produktionen.
2012 veröffentlichten Adam Beyer und Joseph Capriati gemeinsam die Congenial Endeavor EP.
Diese Veröffentlichungen fielen in eine Phase, in der sich Drumcode zu einer der größten internationalen Marken der modernen Techno-Szene entwickelte und Capriati zu einem regelmäßigen Bestandteil der Label-Events wurde.
Ibiza und Music On
Ibiza wurde für Capriatis internationale Karriere von besonderer Bedeutung.
2012 begann er regelmäßig bei der neuen Partyreihe Music On aufzutreten, die Marco Carola im Club Amnesia ins Leben gerufen hatte.
In der ersten Saison spielte Capriati sechs Sets im Main Room. 2013 wurde er bereits offizieller Resident von Music On und absolvierte acht Veranstaltungen während der Saison.
Sein härterer Techno-Sound im Main Room stand im Kontrast zur House- und Tech-House-Ausrichtung, die Marco Carola auf der Terrace entwickelte.
Music On spielte eine entscheidende Rolle dabei, Capriati von einem bekannten Techno-Produzenten zu einem eigenständigen internationalen Headliner zu machen.
Self Portrait
Im November 2013 erschien auf Drumcode sein zweites Studioalbum Self Portrait.
Der Titel unterstrich den persönlichen Charakter des Projekts. Capriati wollte nicht nur seinen bekannten Club-Sound zeigen, sondern ein breiteres musikalisches Selbstporträt.
Zu den bekanntesten Tracks des Albums gehörten:
- «Fratello»;
- «Awake»;
- «Basic Element»;
- «This Then That»;
- «Easy Come Easy Go»;
- «Always and Forever»;
- «Deep Thoughts».
Der Opener «Electrolytic» verwendete Ambient- und Breakbeat-Elemente, während «Awake» für direkteren Peak-Time-Techno stand.
Diese Bandbreite bestätigte, dass Capriati den Albumkontext anders verstand als seine reinen DJ-Veröffentlichungen.
Dokumentarfilm Autoritratto
Das Projekt Self Portrait wurde vom Dokumentarfilm Autoritratto begleitet.
Die Dreharbeiten fanden in Caserta statt und widmeten sich den Wurzeln des Musikers, seiner Familie, seinen Freunden und der lokalen Szene.
Der Film war Teil der CD/DVD-Ausgabe des Albums und zeigte eine persönlichere Seite eines Künstlers, der zu diesem Zeitpunkt bereits einen Großteil des Jahres international auf Tour verbrachte.
fabric 80
Im Jahr 2015 nahm Joseph Capriati fabric 80 für die berühmte Mix-Serie des Londoner Clubs fabric auf.
Der Mix wurde live auf zwei CDJs und einem Mixer aufgenommen — so, wie Capriati auch ein gewöhnliches nächtliches Club-Set spielen konnte.
Die Auswahl enthielt Musik von Adam Beyer, Recondite, Joel Mull, Gary Beck, Brian Sanhaji, Alan Fitzpatrick und weiteren Produzenten sowie Capriatis eigenen Track «Partenopeo».
Die Struktur des Mixes baute er wie eine Bewegung zwischen den unterschiedlichen Räumen von fabric auf: von groovigerem House- und Tech-House-Material zu schwerem Techno und anschließend zurück zu einem melodischeren Abschluss.
Redimension
Im Jahr 2016 gründete Capriati sein eigenes Label Redimension.
Der Name spiegelte seinen Wunsch wider, einen Raum zu schaffen, in dem er seine musikalischen Grenzen über die Erwartungen hinaus erweitern konnte, die mit seiner Drumcode-Karriere verbunden waren.
Die erste Veröffentlichung bestand aus den gemeinsam mit Adam Beyer produzierten Tracks «Parallels» und «External Links».
Darauf folgte auf Redimension Prospective Journeys mit Flavio Folco.
Später veröffentlichte das Label auch Musik anderer Künstler und wurde zu Capriatis wichtigster Plattform für Studioexperimente.
Marathon-DJ-Sets
Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Capriati bereits einen eigenen Ruf für besonders lange Auftritte erarbeitet.
Im Gegensatz zu einem üblichen Festival-Slot von ein bis zwei Stunden erlaubte ihm ein Marathon-Set, mit House zu beginnen, über Minimal und Tech House zu Techno zu wechseln und später Tempo und Stimmung erneut zu verändern.
Capriati spielte in Clubs in Europa und Amerika Sets von zehn, zwölf und mehr Stunden.
Das bekannteste Beispiel fand am 18.–19. November 2017 im Heart Nightclub in Miami statt.
Das Set dauerte 25 Stunden und 30 Minuten. Capriati erklärte später, dass er zwar von Anfang an lange spielen wollte, aber nicht geplant hatte, die 24-Stunden-Marke zu überschreiten.
Es blieb das längste DJ-Set seiner Karriere.
House rückt wieder in den Vordergrund
Trotz seiner internationalen Reputation als Techno-DJ ließ Capriati House nie vollständig hinter sich.
Besonders wichtig wurden Begegnungen mit seinem frühen musikalischen Vorbild Louie Vega.
Capriati und Vega begannen gemeinsam aufzutreten und spielten unter anderem ausgedehnte Vinyl-only-Sets. Der Austausch mit einem der Gründer von Masters At Work brachte Joseph dazu, sich wieder stärker mit jener Musik zu beschäftigen, die er bereits vor seiner Begeisterung für Techno gehört hatte.
Nach und nach entstand die Idee für ein Album, das beide Seiten seiner musikalischen Biografie miteinander verbinden sollte.
Burning Man und ein veränderter kreativer Ansatz
Einen weiteren Impuls gab Capriatis erster Besuch beim Burning Man im Jahr 2018.
Die Festivalerfahrung beeinflusste seine Sicht auf elektronische Musik als Raum, in dem Tanzfunktion und persönliche, experimentellere Ausdrucksformen miteinander verbunden werden können.
In den folgenden Jahren arbeitete er an Material, das schließlich den Titel Metamorfosi erhielt.
Metamorfosi
Am 4. September 2020 erschien auf Redimension Capriatis drittes Studioalbum Metamorfosi.
Der Titel selbst — «Metamorphose» — beschrieb Veränderungen sowohl in Capriatis Musik als auch in seinem Verhältnis zu seinem öffentlichen Image.
Statt ein ausschließlich aus hartem Techno bestehendes Album zu produzieren, schuf er eine Arbeit, in der House, Acid, Broken Beat, melodische elektronische Musik, Ambient-Elemente und Club-Tracks nebeneinanderstehen.
Das Album enthielt:
- «Improvvisazione»;
- «Beautiful Morning»;
- «Spirit Brothers» mit Louie Vega;
- «Anything Is Possible»;
- «Dust»;
- «New Horizons» mit James Senese;
- «Metamorfosi»;
- «Psychic Journey»;
- «Goa»;
- «It's All About Love»;
- «Love Changed Me» mit Eric Kupper und Byron Stingily;
- «Let's Change The World».
Louie Vega, James Senese und Byron Stingily
Die Gästeliste von Metamorfosi spiegelt unterschiedliche Ebenen von Capriatis musikalischen Interessen wider.
Louie Vega steht für den amerikanischen House, den Joseph bereits als Kind hörte.
James Senese ist Saxofonist und eine der prägenden Figuren der neapolitanischen Musikkultur, in deren Werk Funk, Jazz und lokale Traditionen zusammenkommen.
Eric Kupper und Sänger Byron Stingily sind eng mit der klassischen amerikanischen House-Szene verbunden.
Metamorfosi war deshalb keine Abkehr von Capriatis bisheriger Karriere, sondern ein Versuch, unterschiedliche musikalische Lebensphasen in einem einzigen Projekt zusammenzuführen.
2021 und eine erzwungene Pause
Im Januar 2021 wurde Capriati nach einem schweren familiären Konflikt in Caserta ins Krankenhaus eingeliefert und musste wegen einer Verletzung im Brustbereich notoperiert werden.
Sein Zustand wurde zunächst als ernst beschrieben, doch der Musiker erholte sich und kehrte später zu seiner professionellen Tätigkeit zurück.
Der Vorfall ereignete sich in einer Phase, in der die internationale Tourneeindustrie wegen der COVID-19-Pandemie ohnehin nahezu stillstand.
Metamorfosi wird zum Clubprojekt
Der Titel des dritten Albums entwickelte sich nach und nach zu einem eigenständigen Veranstaltungskonzept.
Im Jahr 2022 startete Capriati die Reihe Joseph Capriati presents Metamorfosi im Amnesia Ibiza.
Die erste Saison umfasste drei Veranstaltungen. Anders als eine gewöhnliche Artist-Nacht mit einem einzelnen Genre basierte Metamorfosi auf der Idee einer musikalischen Bewegung zwischen House und Techno.
In den folgenden Jahren wurde das Projekt kontinuierlich ausgebaut:
- 2022 — drei Partys;
- 2023 — fünf;
- 2024 — acht;
- 2025 — eine vierzehnwöchige Residency;
- 2026 — vierzehn aufeinanderfolgende Wochen.
Metamorfosi 2024
Bis 2024 belegte das Projekt beide zentralen Musikbereiche des Amnesia.
Capriati nutzte die Terrace überwiegend für groovigen House, Tech House und offenere elektronische Sounds, während der zweite Raum Platz für härtere und experimentellere Varianten von Techno bot.
Zu den Gästen verschiedener Metamorfosi-Ausgaben gehörten Paul Kalkbrenner, Jamie Jones, Seth Troxler, Chris Stussy, WhoMadeWho, Sara Landry, Indira Paganotto und weitere Künstler.
Peace & Blessings
Im Mai 2024 erschien auf dem New Yorker Label Nervous Records die Single «Peace & Blessings» mit dem amerikanischen House-Sänger Arnold Jarvis.
Für Capriati war der Track eine direkte Hommage an jenes Genre, mit dem seine Beschäftigung mit elektronischer Tanzmusik begonnen hatte.
Statt auf modernen harten Techno setzt der Track auf die spirituelle und vokale Seite des klassischen amerikanischen House — Percussion, warme Synthesizer und eine vollwertige Song-Vocal-Performance.
Mantra mit Indira Paganotto
Am 13. Juni 2024 veröffentlichten Capriati und die spanisch-italienische Produzentin Indira Paganotto gemeinsam die Mantra EP auf ihrem Label ARTCORE.
Die Veröffentlichung besteht aus zwei Tracks:
- «Ananda»;
- «Mantra».
«Ananda» liegt näher an Capriatis klassischem, dynamischem Techno, während «Mantra» stärker auf psychedelische und Psytrance-Elemente zurückgreift, die für Paganotto charakteristisch sind.
Das gemeinsame Projekt zeigte, dass Capriati trotz seiner verstärkten Rückkehr zu House keineswegs auf härteren Techno verzichtet hatte.
Umzug nach Lissabon
2024 veränderte Capriati auch sein gewohntes Arbeitsumfeld.
Nach rund zwölf Jahren in Barcelona zog er nach Lissabon und begann dort mit dem Aufbau eines neuen Studios.
Der Musiker verband den Umzug mit dem Wunsch, weniger zu touren, mehr Zeit in eigene Musik zu investieren und näher an Natur und Meer zu leben.
Im selben Zeitraum sprach er auch über einen ruhigeren Lebensstil und seine bewusste Entscheidung, sich vom permanenten Club-Afterparty-Rhythmus zu entfernen.
Global Underground #47: Montreal
Am 21. März 2025 erschien Global Underground #47: Joseph Capriati — Montreal.
Für Capriati war die Teilnahme an der Global-Underground-Reihe eine wichtige Fortsetzung jener Linie, die mit fabric 80 begonnen hatte: Statt eines eigenen Studioalbums konnte er hier seine persönliche Vorstellung vom DJing als Kunstform präsentieren.
Der Mix ist in zwei kontrastierende Teile unterteilt. Der erste konzentriert sich stärker auf House, Groove und wärmere Klangfarben, während sich der zweite allmählich in Richtung tieferer und härterer Techno-Sounds bewegt.
Die Auswahl enthält Musik von Louie Vega, Anané, Deetron, Carl Cox, Solomun, Âme, Marc Romboy, Oliver Huntemann, Len Faki, Rino Cerrone und weiteren Künstlern.
Capriati integrierte außerdem seinen eigenen Track «Meandri».
GU47 ist kein viertes Studioalbum von Joseph Capriati, sondern eine von ihm kuratierte DJ-Compilation innerhalb der Global-Underground-Reihe.
Metamorfosi im Hï Ibiza
In der Saison 2025 verließ Metamorfosi erstmals das Amnesia und wechselte ins Hï Ibiza.
Vom 4. Juli bis 3. Oktober veranstaltete Capriati die Party jeden Freitag — insgesamt 14 Wochen.
Das Projekt belegte drei Bereiche des Clubs gleichzeitig, während das musikalische Programm unterschiedliche Seiten der modernen House- und Techno-Szene abbildete.
Für Capriati war diese Saison die bislang größte Expansion der Marke Metamorfosi seit ihrer Gründung.
Metamorfosi Records
Am 20. Juni 2025 erweiterte Capriati den Namen des Projekts um ein neues Plattenlabel — Metamorfosi Records.
Das neue Imprint existiert parallel zu Redimension, besitzt jedoch ein eigenes Konzept.
Während Redimension historisch stärker mit Techno und Capriatis eigener Studioarbeit verbunden ist, konzentriert sich Metamorfosi Records auf House, Tech House, Minimal und Dub Grooves und beschränkt sich bewusst nicht auf dunklere Techno-Sounds.
Die erste Veröffentlichung war der gemeinsame Track von Joseph Capriati und dem spanischen Produzenten Dennis Cruz — «No Sleep».
Cosmopop
Am 27. Juni 2025 erschien Capriati erstmals im Katalog von Sven Väths Cocoon Recordings.
Sein Track «Cosmopop» wurde auf der Compilation Cocoon Compilation V veröffentlicht.
Der Track unterscheidet sich deutlich von Capriatis traditionellem Peak-Time-Techno: Das Tempo liegt bei rund 122 BPM, während ein weicher Rolling Groove und melodische harmonische Ebenen das Fundament bilden.
Die Veröffentlichung setzte die Entwicklung der vergangenen Jahre fort, in denen sich der Künstler bewusst von der Notwendigkeit entfernte, einem einzelnen Genre-Image entsprechen zu müssen.
Rückkehr von Metamorfosi ins Amnesia 2026
In der Saison 2026 kehrte Metamorfosi ins Amnesia Ibiza zurück — in den Club, in dem das Projekt ursprünglich entstanden war.
Die Residency findet dienstags vom 30. Juni bis zum 29. September statt und umfasst 14 aufeinanderfolgende Wochen — die bislang längste Metamorfosi-Saison im Amnesia.
Das musikalische Programm ist zwischen Terrace und Main Room aufgeteilt, sodass Capriati gleichzeitig die House-orientierte und die Techno-Seite des Projekts weiterentwickeln kann.
Zum Line-up der Saison gehören Richie Hawtin, Jamie Jones, Seth Troxler, Chris Stussy, Ben Klock, Maceo Plex, Damian Lazarus, BLOND:ISH, Dubfire, Anfisa Letyago, Freddy K, WhoMadeWho, Fatima Hajji und weitere Künstler.
Die Residency fiel mit dem 50-jährigen Jubiläum des Amnesia zusammen.
Musikalischer Stil
Joseph Capriatis Musik wird in der Regel dem Techno zugeordnet, seine berufliche Entwicklung zeigt jedoch ein deutlich komplexeres Bild.
In seinem Werk lassen sich mehrere zentrale Richtungen unterscheiden:
- Techno — die Grundlage seines internationalen Durchbruchs Ende der 2000er-Jahre und seiner Drumcode-Phase;
- House — das erste elektronische Genre, für das er sich bereits als Kind begeisterte;
- Tech House — ein wichtiger Bestandteil seiner ausgedehnten Sets und des heutigen Metamorfosi-Konzepts;
- Minimal und Dub — besonders deutlich in frühen Produktionen und ausgewählten Club-Sets;
- melodische elektronische Musik — stärker ausgeprägt auf Metamorfosi und in späteren Veröffentlichungen.
Für Capriati wurden Genrebezeichnungen mit der Zeit weniger wichtig als Groove und die Entwicklung eines DJ-Sets.
DJ-Stil
Joseph Capriati entwickelte sich in erster Linie als DJ und erst danach als Produzent.
Sein Ansatz basiert auf langfristiger Entwicklung. Statt permanent eine Reihe von Höhepunkten aneinanderzureihen, kann er Tempo, rhythmische Dichte und Genre schrittweise verändern und sich von House über Minimal und Tech House bis zu Techno bewegen.
Seine langjährige Erfahrung mit Marathon-Sets ermöglichte es ihm, mit sehr langen musikalischen Spannungsbögen zu arbeiten.
In späteren Interviews erklärte Capriati, dass er die reine Länge eines Sets irgendwann nicht mehr als eigenständige Leistung betrachtete. Seiner Ansicht nach erlaubt ihm die Erfahrung aus mehrstündigen Auftritten heute, auch innerhalb von zwei oder drei Stunden eine vollständige musikalische Reise zu gestalten.
Verbindung zu Neapel
Obwohl Capriati in Caserta geboren wurde und einen erheblichen Teil seines Erwachsenenlebens außerhalb Italiens verbrachte, bleibt die neapolitanische Schule elektronischer Musik ein wichtiger Bestandteil seiner musikalischen Identität.
Über Rino Cerrone, Markantonio und lokale Labels erhielt er seine ersten professionellen Möglichkeiten.
Später kehrte Capriati immer wieder zur Musik dieser Generation zurück — etwa indem er frühe Tracks von Rino Cerrone für das Projekt Rilis Classics neu bearbeitete.
Auf Metamorfosi zeigte sich die Verbindung zur Region auch jenseits von Techno durch die Zusammenarbeit mit dem neapolitanischen Saxofonisten James Senese.
Studioalben
- 2010 — Save My Soul — Analytic Trail;
- 2013 — Self Portrait — Drumcode;
- 2020 — Metamorfosi — Redimension.
Wichtige DJ-Mixe
- 2015 — fabric 80 — fabric;
- 2025 — Global Underground #47: Joseph Capriati — Montreal — Global Underground.
Ausgewählte Veröffentlichungen
- 2007 — Formaldehyde EP;
- 2007 — C'est La Vie EP;
- 2008 — Molotov — mit Markantonio;
- 2009 — Login EP;
- 2009 — Sidechains / Kontrol Room;
- 2010 — Gashouder;
- 2011 — Vesuvio;
- 2012 — Congenial Endeavor — mit Adam Beyer;
- 2013 — Awake / Fratello;
- 2016 — Parallels / External Links — mit Adam Beyer;
- 2017 — Prospective Journeys — mit Flavio Folco;
- 2018 — Rilis Classics;
- 2020 — Goa;
- 2024 — Peace & Blessings — mit Arnold Jarvis;
- 2024 — Mantra EP — mit Indira Paganotto;
- 2025 — Meandri;
- 2025 — No Sleep — mit Dennis Cruz;
- 2025 — Cosmopop.
Labels von Joseph Capriati
Redimension
2016 als eigene kreative Plattform von Capriati gegründet. Über Redimension erschienen seine Kollaborationen, Veröffentlichungen anderer Produzenten und das Album Metamorfosi.
Metamorfosi Records
2025 als musikalische Erweiterung der gleichnamigen Veranstaltungsreihe gegründet. Das Label konzentriert sich auf House, Tech House, Minimal, Dub Grooves und ein breiteres Club-Spektrum.
Künstlerischer Weg
Die Geschichte von Joseph Capriati lässt sich leicht fälschlicherweise als lineare Entwicklung von einem jungen neapolitanischen Techno-Produzenten zu einem internationalen Headliner darstellen. Tatsächlich änderte seine musikalische Laufbahn mehrfach die Richtung.
House war seine erste Leidenschaft, noch bevor er Techno entdeckte. Die neapolitanische Szene vermittelte ihm technisches Wissen und professionelle Mentoren. CLR und Drumcode brachten ihn auf internationales Niveau, während Music On Ibiza zu einem wichtigen Bestandteil seiner Karriere machte.
Bis Mitte der 2010er-Jahre hatte sich um Capriati ein sehr stabiles Image als kraftvoller Peak-Time-Techno-DJ gebildet. Gerade von den Grenzen dieses Images begann er sich später bewusst zu lösen.
Metamorfosi wurde zum zentralen Punkt dieser neuen Phase: House kehrte in seine Musik zurück, nicht mehr nur als Erinnerung an seine Jugend, sondern als gleichberechtigter Bestandteil seiner eigenen musikalischen Sprache. Dem Album folgten die gleichnamige Partyreihe, Ibiza-Residencies und ein eigenes Label.
Mitte der 2020er-Jahre lässt sich Joseph Capriati deshalb treffender nicht als Künstler einer einzelnen Techno-Richtung beschreiben, sondern als DJ, der unterschiedliche Generationen von House und Techno miteinander verbindet. Seine professionelle Identität basiert auf Groove, langfristiger Set-Entwicklung und der ständigen Bewegung zwischen verschiedenen musikalischen Stilen — genau diese Idee fasste er schließlich in dem Wort Metamorfosi zusammen.

