Skyfall Beats

DJ Groove (bürgerlicher Name — Evgeny Anatolyevich Rudin; geboren am 6. April 1972 in Apatity, Oblast Murmansk) ist ein russischer DJ, Elektronikmusiker, Komponist, Produzent und Filmkomponist sowie eine der prägenden Figuren bei der Entstehung der russischen Clubszene der 1990er-Jahre. Er arbeitete mit House, Techno, Breakbeat, Jungle, Drum and Bass, Downtempo und weiteren Spielarten der elektronischen Musik. Einem breiten Publikum ist er vor allem durch die Stücke «Счастье есть», «Ноктюрн», «Ответ», «Мужики не танцуют», elektronische Bearbeitungen der Musik aus «Служебный роман» und zahlreiche Remixe bekannt.
Die Karriere von DJ Groove ist mit mehreren Entwicklungsphasen der russischen elektronischen Musik verbunden: den Petersburger Partys der frühen 1990er-Jahre, den ersten großen Raves, den Moskauer Clubs, dem Radiosender «Станция 106,8 FM» und dem Übergang elektronischer Clubmusik in den breiten Radio- und Fernsehmarkt. Später arbeitete Rudin intensiv für Filmproduktionen und engagierte sich in der musikalischen Ausbildung.
Kindheit in Apatity und musikalische Ausbildung
Evgeny Rudin wuchs in Apatity auf. Mit Musik begann er sich ungefähr im Alter von fünf Jahren zu beschäftigen und lernte Klavier. In der allgemeinbildenden Schule und der Musikschule war der spätere Fernsehmoderator Andrey Malakhov sein Mitschüler. Gemeinsam hatten sie Solfeggio-Unterricht und sangen im Chor: Malakhov lernte Violine, Rudin Klavier.
In der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre begeisterte sich Rudin für Breakdance, tanzte in der Murmansker Crew «Санаторий» und nahm am Festival «Архангельск '88» teil. Noch bevor er die elektronische Clubmusik entdeckte, bewegte er sich damit bereits in einer neuen Jugendkultur, in der Musik und Tanz als Einheit wahrgenommen wurden.
1989 zog Rudin nach Leningrad. Er studierte Operngesang an einer Abteilung im Umfeld des Konservatoriums und sang klassisches Repertoire. Die Ausbildung dauerte etwa zwei Jahre, bevor sein wachsendes Interesse an der neuen elektronischen Szene die akademische Richtung zunehmend verdrängte.
Fontanka, die ersten Raves und der Beginn der DJ-Karriere
1991 nahm ihn ein Freund mit zu einer Party in der Fontanka 145, einem der Orte der entstehenden Petersburger Clubkultur. Dort lernte er die Arbeit von DJs mit Vinyl näher kennen und begann, sich die Technik des Mixens anzueignen.
Ein wichtiges Ereignis für die junge russische Rave-Szene war die Gagarin Party, die am 14. Dezember 1991 im Pavillon «Космос» auf dem Gelände der WDNCh in Moskau stattfand. Solche Veranstaltungen führten elektronische Tanzmusik aus einem kleinen Underground-Milieu zu einem deutlich größeren Publikum.
Seinen ersten vollständigen DJ-Set datiert DJ Groove auf das Jahr 1992. Er trat im Petersburger Club «Планетарий» auf und spielte dort praktisch die ganze Nacht — von House bis zu härterem Techno und Breakbeat.
Anfang der 1990er-Jahre war Rudin außerdem am elektronischen Projekt Not Found beteiligt. In dieser Zeit entstanden seine ersten Versuche, eigenständig elektronische Musik zu produzieren. Nach und nach trat er nicht nur in Sankt Petersburg, sondern auch in Moskau auf.
DJ Groove, Jungle und Storm Crew
Der Künstlername DJ Groove etablierte sich für Evgeny Rudin in der ersten Hälfte der 1990er-Jahre. Seine Interessen beschränkten sich nicht auf einen einzelnen Stil: Er spielte House und Techno, experimentierte mit Breakbeat und beschäftigte sich später intensiv mit Jungle.
Gemeinsam mit DJ Dan gründete er das Projekt Storm Crew. 1997 erschien die EP New Level mit den Titeln «Step Off», «Liquid Sky», «Password» und «Fever 95». Das Projekt gehörte zu den frühen russischen Versuchen, mit Jungle und Drum and Bass zu arbeiten.
Parallel dazu produzierte Groove Remixe. Mitte der 1990er-Jahre bearbeitete er Songs der Gruppe «Мальчишник» und experimentierte dabei mit Clubsound und Breakbeat. Dieses Material bildete das Album «Мальчишник представляет DJ Грув: Поговорим о сексе».
«Станция 106,8 FM»
1995 nahm der Moskauer Radiosender «Станция 106,8 FM» seinen Betrieb auf. Er war auf zeitgenössische Tanzmusik und alternative elektronische Musik ausgerichtet.
Evgeny Rudin wurde der erste Programmdirektor des Senders und war an der Gestaltung des Programms beteiligt. Gemeinsam mit DJ Dan moderierte er die Sendung «Шторм», in der Breakbeat, Jungle und andere aktuelle Stilrichtungen der elektronischen Szene gespielt wurden.
Die Arbeit beim Radio markierte für Groove den Übergang vom Club-Underground in die breitere Musikindustrie.
«Счастье есть»
Der große kommerzielle Durchbruch kam 1996, als DJ Groove das Album «Счастье есть» veröffentlichte. Der gleichnamige Titel wurde zu einem der bekanntesten russischen elektronischen Tracks des Jahrzehnts.
In der Aufnahme sind die Stimmen von Mikhail und Raisa Gorbachev zu hören. Die Sätze wurden eigens aufgenommen und anschließend von Groove in die Komposition eingebaut. Eine melodische Keyboardfigur verband sich mit einem weichen Dance-Rhythmus, der der Dream-House-Ästhetik der Mitte der 1990er-Jahre nahestand.
Der Erfolg von «Счастье есть» zeigte, dass elektronische Musik mit Clubursprung den Sprung in den breiten Radio- und Fernsehbetrieb schaffen konnte.
In derselben Phase schrieb Groove die Musik zu «Голосуй или проиграешь», aufgenommen von Mitgliedern von «Мальчишник» im Rahmen der gleichnamigen Präsidentschaftswahlkampagne von 1996.
«Ноктюрн» und Remixe der späten 1990er-Jahre
Das nächste große Autorenalbum war «Ноктюрн», das 1997 erschien. Darauf verband Groove weiterhin tanzorientierte Elektronik mit melodischen und atmosphärischen Themen. Das Album enthielt «Мечта», «Метеор», «Вечное движение», «Ромео и Джульетта», drei Teile von «Ноктюрн» sowie einen Remix von «Где-то далеко» mit Gesang von Iosif Kobzon.
Besonders bekannt wurde «Ноктюрн. Часть 3». Die Komposition und das dazu gedrehte Musikvideo festigten Grooves Erfolg auch außerhalb des Clubpublikums.
In derselben Zeit arbeitete der Musiker intensiv an Remixen, darunter Songs von Vladimir Kuzmin sowie Material von Iosif Kobzon. Die Verbindung von Erinnerungen an sowjetische Unterhaltungsmusik mit zeitgenössischer elektronischer Produktion wurde zu einem charakteristischen Merkmal seines Schaffens in den späten 1990er-Jahren.
«Шесtь», «Мужики не танцуют» und Experimente der 2000er-Jahre
Im Jahr 2000 erschien das Album «Шесtь». Es enthielt «Ответ», «Дискофан», «Мария», «Весна 2000», «Крылья», «Сейчас я улечу» und weitere Titel. House traf hier auf langsamere und atmosphärischere Formen elektronischer Musik.
2002 folgte «Мужики не танцуют». Groove arbeitete weiterhin gleichzeitig mit mehreren Stilrichtungen und versuchte nicht, sein gesamtes Material innerhalb eines einzigen Clubgenres zu halten.
2003 veröffentlichte der Musiker «Зеркало», verbunden mit dem experimentellen Pseudonym DJ вурГ. Das nächste auffällige Projekt wurde «Служебный роман».
«Служебный роман» und Musik aus dem sowjetischen Kino
2004 veröffentlichte DJ Groove eine elektronische Bearbeitung des musikalischen Themas aus Eldar Ryazanovs Film «Служебный роман». Die Aufnahme erhielt breite Radio-Rotation, später erschienen die Veröffentlichungen «Служебный роман» und «Служебный роман 2».
Groove griff auch andere bekannte Themen aus sowjetischem Film und Fernsehen auf, darunter Musik aus «Берегись автомобиля», «Семнадцати мгновений весны» und das Eröffnungsthema von «Ералаш».
Filmmusik
Ein eigener Bereich in Evgeny Rudins Karriere ist seine Arbeit für den Film. Bereits in den 1990er-Jahren war er an der Musik zu Garik Sukachyovs Film «Кризис среднего возраста» beteiligt, später arbeitete er an Roman Kachanovs «Даун Хаус».
In der Folge schrieb er Musik für Filme und Serien, darunter «Фобос. Клуб страха», «Наша Russia: Яйца судьбы», «Зелёная карета», «Маршрут построен», «Молот», «Дом фарфора» und «Смертельные иллюзии».
Die Arbeit für Film ermöglichte Groove, stärker mit Ambient, Downtempo, instrumentalen elektronischen Texturen und Kompositionen zu arbeiten, die nicht unmittelbar für den Dancefloor gedacht waren.
Spätere Alben
In der zweiten Hälfte der 2000er-Jahre erschienen «Белый альбом» und «ЯD». 2011 wurde die Diskografie durch «Черно-белый альбом» und «Я верю» erweitert.
Das Album My Story in Progress, das 2014 erschien, markierte eine Rückkehr zu einer härteren elektronischen Ästhetik. Ein erheblicher Teil des Materials bestand aus Drum and Bass und verwandten Stilrichtungen. Zu den Titeln gehören «Nail», «Worm of Love», «That's a Monster», «Soul Magnit», «Nitrogen» und der Titeltrack «My Story in Progress».
Neben Alben veröffentlichte Groove weiterhin einzelne Tracks, Kollaborationen und Remixe.
DJ Groove Audio School
2006 gründeten Evgeny Rudin und der unter dem Namen Android bekannte Elektronikmusiker Andrey Abramov in Moskau die DJ Groove Audio School.
Die Schule unterrichtet DJing, elektronische Musikproduktion, den Umgang mit Musiksoftware und weitere Bereiche moderner Musikproduktion. Rudin ist dort auch als Lehrer tätig und gibt Masterclasses.
Wichtige Diskografie von DJ Groove
- «Счастье есть» — 1996;
- «Ноктюрн» — 1997;
- «Шесtь» — 2000;
- «Мужики не танцуют» — 2002;
- «Зеркало» — 2003;
- «Служебный роман» — 2004;
- «Служебный роман 2» — 2004;
- «Белый альбом» — 2007;
- «ЯD» — 2007;
- «Черно-белый альбом» — 2011;
- «Я верю» — 2011;
- My Story in Progress — 2014.
Stil
DJ Groove arbeitete mit House, Techno, Jungle, Drum and Bass, Breakbeat, Downtempo und experimenteller Elektronik. Für einen großen Teil seiner Musik ist die Verbindung von Clubrhythmus und ausdrucksstarker Melodik charakteristisch.
Die historisch bedeutendste Phase seiner Karriere fiel in die 1990er-Jahre, als die russische Elektronikszene erst eigene Clubs, Radiosender und ein eigenes Publikum entwickelte. Groove war gleichzeitig DJ, Komponist, Remixer und Radioprogrammgestalter, während der Erfolg von «Счастье есть» ihn zu einem der bekanntesten russischen Elektronikmusiker seiner Generation machte.





