Bassjackers - Biografie und Diskografie, alle Alben und Songs

Bassjackers

Bassjackers ist ein niederländisches Electronic-Music-Duo aus Tilburg, das 2007 von den Freunden Marlon Flohr und Ralph van Hilst gegründet wurde. Die Rollen innerhalb des Projekts sind von Anfang an klar verteilt: Flohr ist in erster Linie für DJ-Auftritte und die Bühnenpräsenz zuständig, während van Hilst sich auf die Studioarbeit konzentriert. Bassjackers begannen mit House und Electro House, wurden in der ersten Hälfte der 2010er Jahre zu einem bedeutenden Teil der weltweiten Big-Room-Szene und erweiterten ihren Sound später um Hardstyle, Trance, Bass Music, Rave, Techno und Hard Dance. Der internationale Durchbruch des Duos ist eng mit Mush Mush verbunden, das 2011 auf Musical Freedom veröffentlicht wurde.

Die wichtigste Besonderheit von Bassjackers ist nicht nur ihr charakteristischer schwerer Festivalsound, sondern auch die Organisation des Projekts selbst. Während Marlon mit dem Publikum arbeitet und neue Musik in seinen Sets testet, kann Ralph die Studioarbeit fortsetzen. Beide tauschen sich ständig darüber aus, welche Ideen auf dem Dancefloor am besten funktionieren und welche Elemente in späteren Versionen der Tracks verändert werden sollten. Dieses Modell ermöglichte es Bassjackers, über Jahrzehnte ein hohes Veröffentlichungstempo beizubehalten, ohne die Studioarbeit direkt vom Tourkalender abhängig zu machen.

Die Anfänge von Bassjackers und die ersten Aufnahmen

Marlon Flohr war bereits vor der Gründung von Bassjackers als DJ aktiv und spielte hauptsächlich House, während Ralph van Hilst mit der Produktion elektronischer Musik experimentierte. Anfang 2007 beschlossen die Freunde, Ralphs Studioarbeiten gezielt in Richtung von Material zu entwickeln, das Marlon in seinen eigenen Sets einsetzen konnte. Der erste Track, mit dessen Ergebnis beide zufrieden waren, hieß Beat Cut. Mit dieser einfachen Idee — einer produziert die Musik, der andere testet sie unmittelbar auf dem Dancefloor — begann die Geschichte von Bassjackers.

Die frühen Aufnahmen unterscheiden sich deutlich von dem später bekannteren Festivalmaterial des Duos. Ende der 2000er Jahre bewegten sich Bassjackers innerhalb der niederländischen House- und Electro-House-Szene, veröffentlichten eigene Tracks und Remixe und entwickelten nach und nach eine härtere Produktionshandschrift. 2009 erschien die EP Sujo Soja; aus derselben Phase stammen 16 und weitere Produktionen, die dem internationalen Durchbruch vorausgingen.

Mush Mush und der internationale Durchbruch

Der entscheidende Wendepunkt kam im Jahr 2011. Der Track Mush Mush weckte die Aufmerksamkeit von Tiësto und wurde auf dessen Label Musical Freedom veröffentlicht. Mehr als zwei Monate lang hielt sich die Produktion in den Top 10 von Beatport und erhielt breite Unterstützung von Festival-DJs. Für Bassjackers bedeutete dies den Übergang von einem sich langsam entwickelnden niederländischen Projekt zu einem international tourenden Namen.

Mush Mush erschien in einer Phase, in der europäischer Electro House schnell härter wurde und sich immer stärker auf riesige Festivalbühnen ausrichtete. Der Track enthält bereits die wesentlichen Merkmale des späteren Bassjackers-Stils: eine kurze und leicht wiedererkennbare Synthesizer-Idee, kaum überflüssige Elemente vor dem Höhepunkt und einen abrupten Drop, der vor allem auf eine körperliche Reaktion des Publikums ausgelegt ist.

Nach Mush Mush weitete sich die Tourtätigkeit deutlich aus, während der Katalog des Duos auf immer mehr großen Dance-Labels erschien. 2012 wurden RIA mit Angger Dimas auf DOORN Records und Bronx mit Yves V auf Smash The House veröffentlicht. Damit handelte es sich nicht mehr um einen einzelnen zufälligen Erfolg, sondern um eine konsequente Etablierung von Bassjackers innerhalb der internationalen EDM-Szene.

2013–2014: die Entstehung des klassischen Big-Room-Sounds

Die Jahre 2013–2014 fielen mit dem weltweiten Höhepunkt des Festival-EDM zusammen und wurden zu einer der wichtigsten Phasen der Bassjackers-Karriere. 2013 erschienen Grid, Collision, Raise Those Hands, Zing, Flag und Gamer. Diese Tracks kamen über Spinnin’ Records, Fly Eye Records, Protocol Recordings und andere einflussreiche Labels der damaligen Zeit heraus. Grid beispielsweise wurde von Spinnin’ Records als Electro-House-Release veröffentlicht und spiegelte den damaligen Übergang zu massiverem Festival-Sound gut wider.

Die auffälligste Produktion dieser Phase war Crackin. Im Januar 2014 stellte Billboard die Version von Martin Garrix vor, während die offizielle Ausgabe von Spinnin’ Records Anfang Februar erschien. In der neuen Fassung erhielt die ursprüngliche Bassjackers-Idee einen noch deutlicheren Big-Room-Drop und wurde zu einem der bekanntesten Tracks ihres frühen Katalogs.

Im Laufe des Jahres 2014 entwickelten Bassjackers denselben schweren Festivalstil mit Derp, Rampage, Like That, Savior und X weiter. Besonders langlebig erwies sich Savior: Selbst Jahre später gehört der Track noch zu den gefragtesten Bassjackers-Veröffentlichungen auf digitalen Musikdiensten.

Die Musik von Bassjackers aus dieser Zeit unterschied sich von melodischerem Progressive House vor allem dadurch, dass die emotionale Wirkung nicht durch einen langen harmonischen Aufbau entstand, sondern durch rhythmischen Druck. Eine große Kick, ein kurzes Synthesizer-Motiv und ein maximal kontrastierender Drop wurden zur Grundlage ihres klassischen Big-Room-Sounds.

Wave Your Hands, Memories und die Erweiterung des Genrespektrums

2015 festigte die Position von Bassjackers unter den großen Festival-Acts. Im Laufe des Jahres erschienen Wave Your Hands, What We Live For, Alamo, Memories, Bring That Beat, Sound Barrier und Rough. DJ Mag nahm das Duo erstmals in die Top 100 DJs auf, wo Bassjackers auf Platz 39 debütierten. Das Magazin hob dabei insbesondere ihre internationalen Tourneen und mehrere hohe Beatport-Platzierungen hervor.

Unter den Aufnahmen dieser Phase sticht Memories besonders hervor. Der gemeinsam mit KSHMR und Sirah entstandene Track wurde über Spinnin’ Records veröffentlicht. Im Gegensatz zu vielen instrumentalen Festival-Bangern von Bassjackers spielen hier der Gesang und eine emotionale Melodie eine wesentlich größere Rolle. Die Produktion zeigte, dass das Duo auch mit einer songorientierten Struktur arbeiten konnte, ohne auf seine charakteristisch kraftvolle rhythmische Basis zu verzichten.

Eine andere Seite zeigte Sound Barrier, das Bassjackers mit Hardstyle verband. Mitte der 2010er Jahre galten solche Experimente noch als Ausbruch aus dem zentralen Big-Room-Modell, doch später sollten gerade härtere Stilrichtungen einen immer größeren Platz in der Musik des Duos einnehmen.

Destiny: ein Schritt über den klassischen Big Room hinaus

Am 4. Oktober 2016 erschien auf Spinnin’ Premium die vier Tracks umfassende EP Destiny. Sie enthielt Destiny, To Be The One, Tomorrow und One Fifty. Das Label präsentierte die Veröffentlichung als Versuch von Bassjackers, neue Richtungen zu erkunden: Im Titeltrack kamen exotischere harmonische und vokale Elemente zum Einsatz, während die übrigen Stücke R&B, Trap und Arrangements enthielten, die weniger typisch für klassischen Big Room waren.

Im selben Zeitraum erschienen Fireflies mit Luciana und Extreme. Bassjackers verbanden ihre druckvolle Festivalbasis zunehmend mit vollständigen Vocal-Parts und stärker entwickelten Melodien. Dadurch konnten sie sich schrittweise von einer Situation lösen, in der der Name des Duos ausschließlich mit einer bestimmten Art von großem Drop verbunden wurde.

Les Pays Bass und die Freiheit von einem einzigen Genre

Im August 2017 veröffentlichten Bassjackers die EP Les Pays Bass. Sie enthielt Wobble & Jiggle, Get Loud, Nasty und einen Remix von Fireflies. Schon diese Auswahl zeigte einen deutlich freieren Umgang mit Genres: Big Room stand neben Bass House, Trap und härterer Bass Music.

Im Oktober 2018 folgte Les Pays Bass, Vol. 2 mit Poppin, Sureshot, Are You Ready, Get Down und Let It Bang. Die Serie wurde zu einem geeigneten Format für Musik, die Bassjackers unmittelbar aus der Perspektive eines DJ-Sets produzierten: Einzelne Tracks konnten sich stilistisch unterscheiden, mussten aber eine hohe Dichte und klare Live-Funktionalität bewahren.

In denselben Jahren wurde der Katalog durch The Riddle, Switch, The Jungle, Bounce und weitere Kollaborationen erweitert. Bassjackers griffen immer häufiger auf leicht wiedererkennbare vokale oder melodische Elemente zurück und setzten sie in deutlich schwerere Festivalarrangements. Dieser Ansatz sollte später besonders in ihren Neuinterpretationen klassischer Dance- und Pop-Motive sichtbar werden.

The Biggest — das erste vollständige Studioalbum

Trotz zahlreicher Singles und EPs erschien das erste Studioalbum von Bassjackers erst 2019. The Biggest wurde am 22. November über Spinnin’ Records veröffentlicht und umfasst 14 Tracks. Das Album vereinte Big Room, Psytrance, Hardstyle und andere Formen festivalorientierter elektronischer Musik, mit denen sich das Duo in den Jahren zuvor zunehmend beschäftigt hatte.

Für Bassjackers war das Album kein Versuch, sich in Richtung intimer oder konzeptioneller elektronischer Musik zu bewegen. Im Gegenteil: The Biggest betonte gerade ihre wichtigste Stärke — den Umgang mit großem Sound. Selbst Tracks, die sich rhythmisch oder stilistisch deutlich vom klassischen Big Room unterschieden, behielten Strukturen bei, die auf große Festivalbühnen ausgerichtet waren.

Im selben Jahr kehrte das Duo zu seinem frühen Durchbruch zurück und veröffentlichte Mush, Mush (2019 Reboot). Die neue Version zeigte, wie stark sich die Dichte ihrer Produktionen innerhalb von acht Jahren verändert hatte: Die ursprüngliche minimalistische Idee blieb erhalten, das Arrangement wurde jedoch schwerer und näher am späteren Festival-EDM.

Nach dem EDM-Boom: warum Bassjackers nicht im Jahr 2014 stehen blieben

Als klassischer Big Room seine dominante Stellung in der elektronischen Musik verlor, gaben Bassjackers den Stil, mit dem sie bekannt geworden waren, nicht vollständig auf. Stattdessen ersetzten sie nach und nach einzelne Elemente innerhalb der vertrauten Struktur. Manche Releases integrierten Psytrance und Hardstyle, andere Trap, Bass House oder stärker kommerziell ausgerichtete Vocal-Ansätze.

Dieser Ansatz erwies sich als nachhaltig. 2022 beschrieben Bassjackers ihren Stil gegenüber DJ Mag weiterhin als Big Room, während das Magazin sie über kraftvolle Drops und energiegeladene Sets charakterisierte. Gleichzeitig zeigte die achte Top-100-DJs-Platzierung in Folge, dass das Publikum des Projekts weit über den ursprünglichen EDM-Boom hinaus erhalten geblieben war; in diesem Jahr belegte das Duo Platz 27.

Wichtig ist außerdem, dass Bassjackers Big Room nie als Sammlung streng festgelegter Klangfarben verstanden. Für sie war die Architektur entscheidender: Aufbau, Spannungssteigerung und der Moment einer plötzlichen Energiefreisetzung. Deshalb ließ sich diese Form relativ problemlos mit schnelleren und härteren Stilrichtungen verbinden.

Die Rückkehr von Les Pays Bass und neues Interesse an härterem Sound

Im Februar 2023 kehrte die Les-Pays-Bass-Reihe mit einer neuen sechs Tracks umfassenden EP auf Smash The House zurück. Sie enthielt How We Do, Bass Hammer, Oldschool Vibe, Arabian Nights Part 2, Burnout und That Bass. Die Veröffentlichung vereinte erneut mehrere Varianten schweren Festival-Sounds innerhalb eines Projekts.

Im selben Jahr veröffentlichten Bassjackers Traffic, bei dem klassisches Ausgangsmaterial mit einer schwereren Techno-Kick neu aufgebaut wurde, sowie Eternity. DJ Mag beschrieb diese Phase als Rückkehr zum typischen „phat kick“-Big-Room-Sound des Duos, wies gleichzeitig aber auf den deutlichen Techno-Einfluss in den neuen Produktionen hin. 2023 erreichten Bassjackers zum neunten Mal in Folge die Top 100 DJs.

Energy und der Übergang zu schnellerem Festival Rave

Die Mitte der 2020er Jahre fiel mit der Rückkehr höherer Tempi auf den großen elektronischen Bühnen zusammen. Hard Techno, Hard Trance, Neo Rave und Hard Dance tauchten immer häufiger neben Festival-EDM auf, und dieses Umfeld erwies sich für Bassjackers als besonders passend.

Im Februar 2024 erschien Energy auf Revealed Recordings. Der Track festigte die Entwicklung des Projekts in Richtung eines härteren und schnelleren Sounds, ohne die vertraute Festivalstruktur aufzugeben. Im selben Zeitraum erschienen Wake The F Up, Bla Bla Bla, All Around The World (La La La La La), Axel F, Mask Off und weitere Produktionen.

Bis 2025 verzichtete DJ Mag bereits auf eine enge Genrebezeichnung und beschrieb den Stil von Bassjackers als High Energy EDM, während harte und kraftvolle Sets als wichtigste Live-Eigenschaft des Duos hervorgehoben wurden. Unter den auffälligen Releases dieser Phase nannte das Magazin Wake The F Up, Bla Bla Bla, All Around The World (La La La La La) und Beethoven’s Aria Für Elise.

Hardstyle, Hard Dance und Techno in der späteren Musik von Bassjackers

2025 wurde die Entwicklung hin zu schnellerem Sound noch deutlicher. Bassjackers veröffentlichten My Way, Samba De Janeiro, Beethoven’s Aria Für Elise, Hardcore MOFO, Rewind, I Fink U Freeky, Wiggle Wiggle, Fuego, Party People und Bass Down Low (Go Version). Das Tempo vieler Clubversionen lag ungefähr zwischen 145 und 160 BPM und damit deutlich über den für den Big Room der Mitte der 2010er Jahre typischen 128 BPM.

Diese Veränderung bestand nicht nur darin, ältere Arrangements mechanisch zu beschleunigen. Bassjackers begannen, Hardstyle-Kicks, Trance-Sequenzen und Rave-Synthesizer wesentlich stärker einzusetzen. Große Build-ups und Festivalhöhepunkte blieben jedoch erhalten, weshalb die spätere Musik des Duos zwischen Hard-Dance-Kultur und traditionellem Mainstage-EDM liegt, statt vollständig einem dieser Bereiche anzugehören.

Rave Baby, Bang On The Drums und New Bass New Kick

2026 setzte sich diese Entwicklung mit einer Reihe neuer Veröffentlichungen fort: Rave Baby mit WUKONG und Evil Twiin, GO MF GO, Baguette mit DYEN, Blow Your Whistle, Jump Around mit Charlie Sparks, Bang On The Drums und New Bass New Kick mit Hannah Laing. Beatport ordnet einen großen Teil dieses Materials schnellen Hard-Dance-, Techno- und Neo-Rave-Bereichen zu, wobei einzelne Tracks Tempi von 152–158 BPM erreichen.

Bang On The Drums erschien am 10. Juli 2026 auf Revealed Recordings, New Bass New Kick folgte am 24. Juli auf doof. Gerade der zweite Release zeigt besonders deutlich die Verbindung von Bassjackers mit der neuen Welle europäischer Hard-Dance-Musik: Der charakteristische Festivalsound des Duos trifft hier auf einen modernen schnellen Trance/Rave-Ansatz.

Am 14. August 2026 veröffentlichten Bassjackers gemeinsam mit dem französischen Techno-Produzenten Space 92 I’m On Acid auf TAKEOFF. Beatport beschreibt den Track als Verbindung von Peak-Time Techno und Festival-Rave-Energie. Die Produktion setzt die langjährige Entwicklung des Projekts logisch fort: von House und Electro House über Big Room bis hin zu deutlich härterer moderner Clubmusik.

Das Live-Modell von Bassjackers

Die ungewöhnliche Rollenverteilung zwischen Marlon Flohr und Ralph van Hilst bleibt auch viele Jahre nach der Gründung des Projekts ein wichtiger Bestandteil von Bassjackers. Auf der Bühne wird das Duo vor allem von Marlon repräsentiert, während Ralph den Großteil seiner Zeit mit Studioarbeit verbringt. Flohr erklärte, dass dieses Modell beiden ermögliche, sich auf den Teil des Berufs zu konzentrieren, der ihnen am meisten liegt: Er selbst kommt mit ständigem Reisen gut zurecht, während Ralph in einer Studioumgebung deutlich effizienter arbeitet.

Das wirkt sich auch direkt auf die Tracks aus. Bassjackers erhalten kontinuierlich Feedback aus Festivalsets: Es wird deutlich, an welcher Stelle ein Track Spannung verliert, wie gut ein Drop funktioniert, welche Sounds frisch wirken und was weiter überarbeitet werden muss. Für elektronische Musik, die auf riesige Veranstaltungsorte ausgerichtet ist, hat dieser Kreislauf aus „Studio — Dancefloor — Studio“ unmittelbare praktische Bedeutung.

Im Laufe ihrer Karriere traten Bassjackers auf großen internationalen Festivals wie Tomorrowland, Ultra und Electric Daisy Carnival auf. DJ Mag verbindet ihren Live-Ruf vor allem mit energiegeladenen und harten Sets, was gut mit dem Studiokatalog des Duos übereinstimmt.

Der musikalische Stil von Bassjackers

Die historische Grundlage von Bassjackers bleibt Electro House und Big Room. Der klassische Stil zeichnet sich durch eine kraftvolle gerade Kick, kurze Synthesizer-Hooks, relativ minimalistische Build-ups und klar davon abgesetzte Drops aus. Diese Musik ist auf große Klangräume ausgelegt: Die wichtigsten Elemente müssen selbst vor einem Publikum von vielen Tausend Menschen sofort verständlich sein.

Der spätere Stil ist komplexer aufgebaut. Aus Hardstyle übernahmen Bassjackers härtere und stärker verzerrte Kicks, aus Trance schnelle melodische Sequenzen und euphorische Spannung, aus Techno kontinuierlichen rhythmischen Druck und aus Hard Dance sowie Neo Rave höhere Tempi. Das grundlegende Prinzip des Trackaufbaus blieb dabei weiterhin auf Festivals ausgerichtet.

Deshalb sollte man Bassjackers weniger als ein Projekt betrachten, das mehrfach „das Genre gewechselt“ hat, sondern vielmehr als ein Duo, das dieselbe Bühnensprache schrittweise erweitert hat. Mush Mush, Savior, Traffic und New Bass New Kick klingen wie Musik aus unterschiedlichen Epochen, beruhen aber alle auf demselben Ziel — innerhalb eines DJ-Sets den möglichst stärksten Moment zu erzeugen.

Arbeit mit bekannten Melodien und Neuinterpretation von Klassikern

Ein weiteres Merkmal des Bassjackers-Katalogs ist der regelmäßige Rückgriff auf bereits bekanntes musikalisches Material. Im Laufe der Jahre veröffentlichte das Duo neue Versionen von oder war beteiligt an The Riddle, Traffic, Axel F, All Around The World (La La La La La), Samba De Janeiro und Beethoven’s Aria Für Elise.

Statt die Originale wortwörtlich nachzubauen, behalten Bassjackers meist das bekannteste Motiv bei und errichten darum ein modernes Festivalarrangement. Für einen DJ-Set ist das ein wirkungsvoller Ansatz: Das Publikum erkennt die ursprüngliche Melodie sofort, erhält sie aber in einer Form, die zum aktuellen Tempo und Charakter des Auftritts passt.

Diskografie von Bassjackers

Die Kerndiskografie von Bassjackers besteht vor allem aus Singles und EPs. Während ihrer langen Karriere veröffentlichte das Duo nur ein vollständiges Studioalbum, weshalb sich die wichtigsten Entwicklungsphasen am besten über einzelne Club-Releases nachvollziehen lassen.

Studioalbum

  • The Biggest — 2019, Spinnin’ Records.

The Biggest erschien am 22. November 2019 und umfasst 14 Tracks.

Wichtige EPs

  • Sujo Soja — 2009;
  • Destiny — 2016;
  • Les Pays Bass — 2017;
  • Les Pays Bass, Vol. 2 — 2018;
  • Les Pays Bass — 2023.

Destiny enthält vier Tracks, das erste Les Pays Bass ebenfalls vier, Les Pays Bass, Vol. 2 fünf und die Ausgabe von 2023 sechs.

Ausgewählte wichtige Releases

  • Beat Cut — 2007;
  • 16 — 2009;
  • Clifton — 2010;
  • Mush Mush — 2011;
  • RIA — 2012;
  • Bronx — 2012;
  • Grid — 2013;
  • Raise Those Hands — 2013;
  • Gamer — 2013;
  • Crackin — 2014;
  • Derp — 2014;
  • Savior — 2014;
  • Wave Your Hands — 2015;
  • Memories — 2015;
  • Sound Barrier — 2015;
  • Fireflies — 2016;
  • Extreme — 2016;
  • Wobble & Jiggle — 2017;
  • The Riddle — 2018;
  • Switch — 2018;
  • The Jungle — 2018;
  • I Wanna Rave — 2019;
  • Mush, Mush (2019 Reboot) — 2019;
  • Happy Together — 2020;
  • Written In The Stars — 2021;
  • Psycho — 2022;
  • Traffic — 2023;
  • Wrong or Right (The Riddle) — 2023;
  • Eternity — 2023;
  • Energy — 2024;
  • Wake The F Up — 2024;
  • Bla Bla Bla — 2024;
  • All Around The World (La La La La La) — 2024;
  • Beethoven’s Aria Für Elise — 2025;
  • I Fink U Freeky — 2025;
  • Party People — 2025;
  • Rave Baby — 2026;
  • GO MF GO — 2026;
  • Baguette — 2026;
  • Blow Your Whistle — 2026;
  • Jump Around — 2026;
  • Bang On The Drums — 2026;
  • New Bass New Kick — 2026;
  • I’m On Acid — 2026.

Der spätere Teil des Katalogs bestätigt die deutliche Beschleunigung der Bassjackers-Musik: Viele Veröffentlichungen aus der Mitte der 2020er Jahre liegen zwischen 145 und 158 BPM und werden in Katalogen neben Hard Dance, Hard Techno, Trance und Neo Rave geführt.

Die Stellung von Bassjackers in der elektronischen Musik

Bassjackers gehören zu jener Generation niederländischer Produzenten, die vom cluborientierten Electro House der späten 2000er Jahre in den weltweiten Festival-EDM-Boom des folgenden Jahrzehnts hineinwuchs. Ihre Karriere endete jedoch nicht mit dem Rückgang des klassischen Big Room. Das Duo bewahrte seine eigene Grundlage und integrierte nach und nach die Sounds mehrerer nachfolgender Wellen elektronischer Musik.

Mush Mush erschien noch vor dem vollständigen Höhepunkt des Big Room, Crackin und Savior fielen in dessen kommerziell stärkste Phase, The Biggest fasste das erste Jahrzehnt ihrer internationalen Karriere zusammen, während spätere Releases Bassjackers mit dem erneuten Aufstieg von Trance, Hard Dance, Techno und Rave-Ästhetik verbanden. Das Duo ist seit 2015 kontinuierlich in den DJ Mag Top 100 DJs vertreten; 2025 belegten Bassjackers Platz 45.

Trotz aller Veränderungen werden Bassjackers am besten nicht durch ein einzelnes Genre definiert, sondern durch ihre Sicht auf elektronische Musik als Werkzeug für Live-Auftritte. Ihre charakteristischsten Produktionen sind stets darauf ausgerichtet, wie eine Kick, eine Pause, eine Vocal-Phrase oder eine Melodie vor einem großen Publikum wirkt. Gerade diese Verbindung zwischen der Studioarbeit von Ralph van Hilst und der Bühnenerfahrung von Marlon Flohr hat es dem Projekt ermöglicht, seine Wiedererkennbarkeit zu bewahren und gleichzeitig Tempo, Klangpalette und stilistisches Umfeld immer wieder zu verändern.


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