Nastya Kamenskykh zeigte Fotos aus Kyjiw mit ihrer Mutter und Alla Kudlai. Was über ihre Ankunft, den Sprachskandal und das Comeback ihres Duos mit Potap bekannt ist.
Die ukrainische Sängerin Nastja Kamenskich hat nach einem längeren Aufenthalt im Ausland neue Aufnahmen aus Kyjiw veröffentlicht. Die Künstlerin traf sich mit ihrer Mutter Lidia Kamenskich und ihrer Patentante, der Volkskünstlerin der Ukraine Alla Kudlai. Der Besuch sorgte vor dem Hintergrund des Sprachskandals, der beendeten Zusammenarbeit mit einer großen Marke und der jüngsten Rückkehr des Duos „Potap und Nastja“ für Aufmerksamkeit.
Nach Angaben von TSN spazierten Kamenskich und ihre Mutter durch das Zentrum der Hauptstadt. Das Treffen mit Kudlai fand vermutlich in einem Lokal in Kyjiw statt. Die Sängerin selbst äußerte sich weder zum Zweck der Reise noch zur Dauer ihres Aufenthalts in der Ukraine oder zu ihren weiteren Plänen. Sie kündigte auch keine Konzerte, Dreharbeiten oder andere öffentliche Projekte in Kyjiw an.
Familientreffen mit Lidia Kamenskich und Alla Kudlai
Alla Kudlai bezeichnete das Treffen mit ihrer Patentochter und deren Mutter als besonders emotional. In ihrem Beitrag schrieb die Künstlerin: „Eine Patentochter ist durch die Seele mit einem blutsverwandt.“ Sie erklärte außerdem, solche Begegnungen vermittelten ein Gefühl von Heimat und ließen warme familiäre Emotionen zurückkehren.
Lidia Kamenskich und Alla Kudlai kennen sich seit vielen Jahren. In ihrer Jugend arbeiteten sie gemeinsam im Nationalen Verdienten Akademischen Volkschor der Ukraine, der nach Hryhorij Werjowka benannt ist. Sie waren befreundet und wurden später durch die Patenschaft auch familiär miteinander verbunden. Kudlai wurde Nastja Kamenskichs Patentante.
Die Reaktionen der Nutzer auf die Fotos fielen gemischt aus. Ein Teil der Kommentatoren begrüßte das Familientreffen, während andere erneut auf Kamenskichs Auftritte mit russischsprachigem Repertoire im Ausland hinwiesen.
Was während des Sprachskandals geschah
Im August 2025 geriet Nastja Kamenskich nach Konzerten in den USA in den Mittelpunkt öffentlicher Kritik. Die Künstlerin sang russischsprachige Titel aus ihrem Repertoire und wandte sich während eines Auftritts in Miami auf Russisch an das Publikum.
Kamenskich erklärte, Hautfarbe und gesprochene Sprache spielten keine Rolle, da es eine universelle „Sprache der Liebe“ gebe. Die Aussage löste bei einem Teil des ukrainischen Publikums eine negative Reaktion aus, insbesondere vor dem Hintergrund des andauernden russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine.
Die Diskussion betraf nicht nur den Gebrauch der russischen Sprache im Privatleben, sondern auch die öffentliche Aufführung eines kommerziellen russischsprachigen Repertoires durch eine ukrainische Künstlerin während des Krieges. Kritiker erinnerten außerdem daran, dass Kamenskich zuvor einige Lieder ins Ukrainische übertragen und eine Distanzierung vom russischen Kulturraum demonstriert hatte.
„Zolotyi Vik“ beendete die Zusammenarbeit mit der Sängerin
Nach der Kontroverse beendete das ukrainische Schmuckunternehmen „Zolotyi Vik“ seine Werbekampagne mit Kamenskich vorzeitig. Die Sängerin war seit 2021 das Gesicht der Marke gewesen.
Das Unternehmen begründete die Entscheidung mit den eigenen Grundsätzen und Werten, ohne Angaben zu den finanziellen Bedingungen des Vertrags oder möglichen Entschädigungen zu machen. Es ist daher korrekter, von einer vorzeitigen Beendigung der Werbekampagne zu sprechen, statt ohne dokumentarische Belege zu behaupten, die Sängerin sei mit einer Geldstrafe belegt oder zur Rückzahlung ihres Honorars verpflichtet worden.
Kamenskichs Team erklärte, die Sängerin akzeptiere die Entscheidung der Marke, bedanke sich für die Zusammenarbeit und wolle sich künftig neuen Projekten widmen. Eine öffentliche Entschuldigung für den Auftritt oder eine Neubewertung ihrer Haltung zur Sprachfrage enthielt die Stellungnahme nicht.
Wie Alla Kudlai auf den Skandal reagierte
Im September 2025 unterstützte Alla Kudlai ihre Patentochter öffentlich. Sie würdigte Kamenskichs gesangliche Fähigkeiten und erklärte, die Klangfarbe der Stimme sei für sie die wichtigste Eigenschaft eines Sängers.
Als es um die gesellschaftliche und politische Haltung der Künstlerin ging, lehnte Kudlai eine ausführliche Diskussion ab. Sie bezeichnete die Angelegenheit als Kamenskichs persönliche Entscheidung und betonte, dass sie sie weiterhin liebe.
Das jüngste Treffen in Kyjiw war aus Sicht ihrer persönlichen Beziehung daher keine Überraschung: Selbst während der intensivsten Phase des Skandals hatte sich Kudlai nicht von ihrer Patentochter distanziert.
Die Rückkehr des Duos „Potap und Nastja“
Zusätzlichen Kontext erhält der Besuch durch die Entscheidung von Kamenskich und Oleksij Potapenko, die Tätigkeit des Duos „Potap und Nastja“ wieder aufzunehmen, das 2017 eine Pause eingelegt hatte.
Am 18. Mai 2026 veröffentlichten die Künstler eine gemeinsame russischsprachige Botschaft und kündigten an, nach einer neunjährigen Unterbrechung auf die Bühne zurückzukehren. Der erste angekündigte Auftritt soll am 19. Dezember in New York stattfinden.
Das Duo wurde in den 2000er- und 2010er-Jahren vor allem mit russischsprachigen Hits wie „Не пара“, „В натуре“, „Всё пучком“ und „Чумачечая весна“ bekannt. Bislang haben die Künstler kein ausführliches Konzept für die Rückkehr vorgestellt und auch nicht mitgeteilt, ob sie ihren älteren Katalog ins Ukrainische übertragen wollen.
Die russischsprachige Ankündigung und die Wahl New Yorks als Ort des ersten Konzerts deuten darauf hin, dass sich das Projekt vermutlich vor allem an ein russischsprachiges Publikum im Ausland richtet. Dabei handelt es sich um eine redaktionelle Einschätzung und nicht um eine offiziell erklärte Position der Musiker.
Lebt Nastja Kamenskich in Spanien?
Einige ukrainische Medien berichten, Kamenskich halte sich seit Beginn des russischen Großangriffs überwiegend im Ausland auf, und bringen sie häufig mit Spanien in Verbindung. In den verfügbaren Veröffentlichungen werden diese Angaben jedoch oft ausdrücklich als Gerüchte bezeichnet.
Eine offizielle Erklärung der Sängerin über einen dauerhaften Umzug nach Spanien oder bestätigte Angaben zu ihrem aktuellen Wohnort liegen nicht vor. Ohne zusätzliche Belege wäre es daher unzutreffend zu behaupten, Kamenskich sei endgültig ausgewandert oder lebe dauerhaft in einem bestimmten Land.
Auch ihr aktueller Besuch sollte nicht als erste Rückkehr in die Ukraine seit Februar 2022 bezeichnet werden. Kamenskich war bereits zuvor nach Kyjiw und in andere ukrainische Städte gereist, bei öffentlichen Veranstaltungen erschienen und hatte Freunde getroffen. Präziser ist es, von ihrem ersten öffentlich wahrgenommenen Auftritt in der Hauptstadt seit längerer Zeit zu sprechen.
Bedeutet der Besuch eine Rückkehr Kamenskichs ins ukrainische Showgeschäft?
Für eine solche Schlussfolgerung gibt es derzeit keine ausreichenden Anhaltspunkte.
Die Sängerin hat weder ein Konzert in der Ukraine angekündigt noch einen neuen ukrainischsprachigen Song vorgestellt. Sie äußerte sich auch nicht zu einer dauerhaften Rückkehr nach Kyjiw und veröffentlichte keine neue Stellungnahme zur Sprachdebatte. Die veröffentlichten Fotos dokumentieren in erster Linie einen privaten Familienbesuch.
Gleichzeitig wird Kamenskichs Auftreten in der Hauptstadt zwangsläufig im Zusammenhang mit ihren jüngsten Entscheidungen wahrgenommen. Nach dem Skandal in den USA, der beendeten Zusammenarbeit mit einer ukrainischen Marke und der Wiederbelebung eines russischsprachigen Duos wird jede öffentliche Aktivität der Künstlerin in der Ukraine besonders aufmerksam verfolgt.
Aus reputationspolitischer Sicht reicht ein einzelner Besuch in Kyjiw nicht aus, um die Haltung eines kritisch eingestellten Publikums zu verändern. Dafür wären konsequente öffentliche Schritte erforderlich: kreative Projekte, eine klare Kommunikation, Unterstützung für die Ukraine oder eine Erklärung ihrer früheren Aussagen.
Das Familientreffen sollte jedoch ebenso wenig als politische oder reputationsbezogene Stellungnahme von Kamenskich dargestellt werden. Die Sängerin verband die Fotos weder mit einer Entschuldigung noch mit einer Botschaft an die Ukrainer oder der Ankündigung einer neuen künstlerischen Ausrichtung.
Was derzeit bekannt ist
Nastja Kamenskich hielt sich im Juli 2026 tatsächlich in Kyjiw auf. Sie verbrachte Zeit mit ihrer Mutter Lidia Kamenskich und traf ihre Patentante Alla Kudlai.
Das genaue Ankunftsdatum, die Dauer des Aufenthalts und der Zweck des Besuchs wurden jedoch nicht öffentlich bekannt gegeben. Mindestens eines der Fotos kursierte bereits am 14. Juli in den Medien, obwohl eine neue Welle von Veröffentlichungen erst am 23. Juli erschien.
Die eigentliche Nachricht besteht somit nicht in einer bestätigten „Rückkehr“ der Künstlerin in die Ukraine, sondern in ihrem ersten seit längerer Zeit öffentlich gezeigten Besuch in Kyjiw — vor dem Hintergrund der anhaltenden Diskussionen über Sprache, Repertoire und die weitere Ausrichtung ihrer Karriere.
