Umar Keyn

Vintage Culture — ist das Bühnenprojekt des brasilianischen DJs und Musikproduzenten Lukas Rafael Ruiz Hespanhol, der am 7. Juli 1993 im Bundesstaat Mato Grosso do Sul geboren wurde. In verschiedenen Phasen war seine Musik mit Deep House, Brazilian Bass, House, Tech House, Progressive House und Melodic House verbunden.
International bekannt wurde Vintage Culture durch Produktionen wie In The Dark, Slow Down (Vintage Culture & Slow Motion Remix), It Is What It Is, You Give Me A Feeling und Nightjar. 2024 veröffentlichte der Künstler sein Debüt-Studioalbum Promised Land.
Frühe Jahre
Lukas wuchs in der Grenzregion zwischen Brasilien und Paraguay auf. Einen Teil seiner Kindheit verbrachte er in Katueté in Paraguay, später lebte und studierte er in Mundo Novo im Bundesstaat Mato Grosso do Sul. Seine Familie war in der Landwirtschaft tätig.
Sein Interesse an elektronischer Tanzmusik begann, nachdem Lukas eine Hard-Trance-CD seines Onkels gefunden hatte. Zu seinen wichtigsten frühen musikalischen Einflüssen zählte er New Order, Depeche Mode und The Cure.
Nach dem Schulabschluss zog Lukas nach Maringá im Bundesstaat Paraná und begann ein Jurastudium. Das Studium rückte jedoch schnell in den Hintergrund: Den Großteil seiner Zeit widmete er der Produktion elektronischer Musik und brachte sich den Umgang mit Produktionssoftware selbst bei. Auch DJing und Musikproduktion erlernte er weitgehend autodidaktisch.
Die Entstehung von Vintage Culture
Das Projekt Vintage Culture nahm Anfang der 2010er-Jahre Gestalt an. In einem Interview aus dem Jahr 2014 erklärte Lukas, der Name gehe auf seine Begeisterung für ältere Musik, Autos und Kunst zurück. Der Name Vintage Culture etablierte sich in der Phase, in der er an seiner eigenen Version von New Orders Blue Monday arbeitete.
2013 erschien mit What U Want eine der ersten offiziellen Veröffentlichungen des Projekts. Gleichzeitig veröffentlichte Lukas im Internet inoffizielle Remixe und Neuinterpretationen bekannter Stücke. Besonders stark verbreiteten sich seine Versionen von New Orders Blue Monday und Pink Floyds Another Brick in the Wall.
Gerade die auf SoundCloud veröffentlichte Version von Another Brick in the Wall wurde zu einem der ersten Wendepunkte seiner Karriere. Nachdem sich die Aufnahme schnell verbreitet hatte, begannen lokale Veranstalter Vintage Culture zu buchen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Lukas noch kaum Erfahrung mit vollständigen DJ-Auftritten, weshalb er die Live-Seite des Berufs parallel zu seinen ersten Shows erlernte.
Hollywood, Drinkee und der internationale Durchbruch
Am 19. August 2016 veröffentlichte Vintage Culture Hollywood auf SOURCE, einem mit Spinnin' Records verbundenen Label. Die Veröffentlichung fiel in eine Phase, in der der Künstler zunehmend über die brasilianische Clubszene hinaus bekannt wurde.
Im selben Jahr produzierte er gemeinsam mit Slow Motion einen offiziellen Remix von Drinkee des US-amerikanischen Duos SOFI TUKKER. Diese Arbeit sowie das kurz darauf erschienene Wild Kidz wurden zu wichtigen Veröffentlichungen der frühen internationalen Phase von Vintage Culture.
In The Dark und das Wachstum des internationalen Publikums
In der zweiten Hälfte der 2010er-Jahre veröffentlichte Vintage Culture weiterhin eigene Singles, Kollaborationen und Remixe. In dieser Phase erschienen unter anderem I Will Find mit Rooftime, Pour Over, Intro (Rework) und In The Dark mit Fancy Inc.
In The Dark, veröffentlicht im Jahr 2019, wurde bis dahin zu Vintage Cultures größtem Erfolg in den US-Charts: Der Track erreichte Platz eins der Billboard Dance Club Songs.
2020–2022: Beatport und neue Kollaborationen
2020 veröffentlichten Vintage Culture und Slow Motion einen Remix von Maverick Sabres Slow Down mit Jorja Smith. Die Version verbreitete sich stark auf Streaming-Plattformen und wurde zu einem der bekanntesten Remixe im Katalog des Künstlers.
Im Dezember 2020 erschien auf Defected Records It Is What It Is mit der kanadischen Sängerin Elise LeGrow. Der Track wurde zur ersten Veröffentlichung von Vintage Culture, die Platz eins der allgemeinen Beatport-Charts erreichte.
Im Juli 2021 veröffentlichte Vintage Culture gemeinsam mit Fancy Inc und Roland Clark Free auf Catch & Release. Im selben Jahr erschien You Give Me A Feeling, aufgenommen mit dem britischen Produzenten James Hype.
Im Januar 2022 präsentierten Vintage Culture und Sonny Fodera Nightjar mit der britischen Sängerin SHELLS. Auch dieser Track erreichte Platz eins der allgemeinen Beatport-Charts.
Veränderung des Sounds
Zu Beginn der 2020er-Jahre hatte sich der musikalische Ansatz von Vintage Culture deutlich verändert. Die frühe internationale Phase des Projekts war stärker mit Deep House und Brazilian Bass verbunden, während später in seinen Veröffentlichungen und DJ-Sets der Einfluss von House, Tech House, Progressive House und Melodic House zunahm.
DJ Mag stellte fest, dass der Sound des Künstlers nach der Pandemie tiefer und melodischer wurde, mit einer stärkeren Rolle von Gesang und längeren Club-Arrangements. In den DJ-Mag-Profilen der Jahre 2023 bis 2025 werden House, Tech House und Melodic House als wichtigste Stilrichtungen von Vintage Culture genannt.
Promised Land
Am 24. Mai 2024 veröffentlichte Vintage Culture Promised Land — sein Debüt-Studioalbum. Das Album umfasst 16 Tracks.
Das Album verbindet die cluborientierte Seite des Projekts mit stärker songbasiertem und melodischem Material. An den Aufnahmen waren unter anderem Paige Cavell, MAGNUS, Goodboys, NoMBe, Maverick Sabre, Tom Breu, Tube & Berger, Kyle Pearce, Armonica, braev und The Temper Trap beteiligt.
Die Tracklist enthält Promised Land mit Paige Cavell, Nothing Ever Changes mit MAGNUS, Chemicals mit Goodboys, Weak mit Maverick Sabre und Tom Breu, Come Come mit Tube & Berger und Kyle Pearce, Time mit braev, Too Far Down The Trap mit The Temper Trap sowie Find A Way.
Vor der Veröffentlichung von Promised Land bestand Vintage Cultures Diskografie hauptsächlich aus Singles, Remixen und Kollaborationen, weshalb das Album einen eigenständigen Entwicklungsschritt für das Projekt darstellte.
Festivals und lange DJ-Sets
Lange DJ-Sets wurden zu einem der charakteristischen Merkmale von Vintage Culture. Statt ein Programm ausschließlich um eigene Hits aufzubauen, nutzt er mehrstündige Sets, die es ermöglichen, schrittweise zwischen House, Tech House, Progressive und Melodic House zu wechseln.
Im Laufe der Jahre trat Vintage Culture bei Tomorrowland, Coachella, Ultra Music Festival, Creamfields, Electric Daisy Carnival und Burning Man auf. Außerdem hatte er Club-Residencies auf Ibiza und in Las Vegas.
Culture Shock und Affairs
Im September 2021 startete Vintage Culture seine eigene Radiosendung Culture Shock. Die erste Ausgabe erschien am 11. September und enthielt neue House-Musik, eigene Produktionen des Künstlers, Festival-Versionen und Veröffentlichungen anderer Produzenten.
Ende 2025 wurde das Programm in Affairs umbenannt — den Namen von Vintage Cultures neuem Label. Die erste Folge nach dem Rebranding war Ausgabe Nr. 148, die im Dezember 2025 veröffentlicht wurde.
Heute erscheint Affairs monatlich. Die Sendung umfasst neue Tracks aus Vintage Cultures Sammlung, exklusive Versionen und Gast-Mixes sowie die wiederkehrenden Rubriken Vintage VIP, On The Road und Vintage Memory.
Affairs Records
2025 gründete Vintage Culture sein eigenes Label Affairs Records.
Die erste Veröffentlichung des Labels war die Single Upon Your Skin mit Noah Kulaga, die am 12. September 2025 erschien. Später wurde der Affairs-Katalog sowohl durch Veröffentlichungen von Vintage Culture selbst als auch durch Musik anderer House-Produzenten erweitert.
Aktuelle Phase
In den Jahren 2025–2026 veröffentlichte Vintage Culture nach dem Album Promised Land weiterhin Clubmusik. Zu den bemerkenswerten Veröffentlichungen dieser Phase gehören Upon Your Skin mit Noah Kulaga, Freaky 1 mit Max Styler und Ali Love, Hands Up mit Volkoder, Together We Are Free mit Eddie Thoneick und Kyozo sowie Toxic mit DEPARTAMENTO.
Freaky 1 erschien am 10. April 2026, Hands Up am 15. Mai, Together We Are Free am 4. Juni und die aus zwei Tracks bestehende Veröffentlichung Toxic mit DEPARTAMENTO am 3. Juli 2026.
Gleichzeitig setzt Vintage Culture seine internationalen Tourneen und mehrstündigen Clubauftritte fort. Im Ranking DJ Mag Top 100 DJs 2025 belegte er Platz 11.
Musikalischer Stil
Der Sound von Vintage Culture hat sich gemeinsam mit dem Projekt weiterentwickelt. Charakteristisch für seine frühen Arbeiten sind Deep House, neu bearbeitete vokale und instrumentale Elemente älterer Musik sowie die Ästhetik des Brazilian Bass.
Später gewannen Tech House, Progressive House und Melodic House in seiner Musik an Bedeutung. Moderne Tracks sind häufig um eine druckvolle Bassline, einen markanten Vocal-Hook und sich schrittweise entwickelnde Club-Arrangements aufgebaut, die unter anderem für lange DJ-Sets konzipiert sind.
Das Interesse an Musik der 1980er-Jahre bleibt ein Teil der kreativen Grundlage von Vintage Culture. New Order, Depeche Mode und The Cure gehörten zu Lukas’ frühen Einflüssen, während der Projektname selbst mit seinem Interesse an Kultur und Ästhetik vergangener Jahrzehnte verbunden ist.
Charity-Projekt Só Track Doa
2020 half das mit der Marke Só Track Boa verbundene Charity-Projekt Só Track Doa dabei, rund 100.000 US-Dollar für Organisationen zu sammeln, die obdachlose Menschen in Brasilien unterstützten, die während der COVID-19-Pandemie besonders gefährdet waren.
DJ Mag Top 100 DJs
Vintage Culture stieg Mitte der 2010er-Jahre erstmals in die Hauptliste der DJ Mag Top 100 DJs ein und verbesserte sich anschließend deutlich im Ranking.
2020 belegte er Platz 30, 2021 Platz 17, 2022 Platz 11, erreichte 2023 erstmals die Top 10 auf Platz 10, stieg 2024 auf Platz 9 und belegte im Ranking für 2025 Platz 11.










