Spice Girls - Biografie und Diskografie, alle Alben und Songs

Spice Girls

Spice Girls sind eine britische Girlgroup, die 1994 in London gegründet wurde. Zur klassischen Besetzung gehören Melanie Brown (Scary Spice), Melanie Chisholm (Sporty Spice), Emma Bunton (Baby Spice), Geri Halliwell (heute Geri Horner; Ginger Spice) und Victoria Adams (heute Victoria Beckham; Posh Spice). Die Spice Girls bewegen sich vor allem im Bereich Popmusik und verbinden Dance-Pop, R&B, Soul sowie Elemente der britischen Tanzmusik der 1990er-Jahre. Die Gruppe veröffentlichte drei Studioalben — Spice (1996), Spiceworld (1997) und Forever (2000) — und stellte mit neun Nummer-eins-Singles in den UK Singles Chart einen britischen Rekord für Girlgroups auf. Nach dem Ende ihrer ersten aktiven Phase kamen die Spice Girls mehrfach für Tourneen und einzelne Auftritte wieder zusammen.

Der internationale Durchbruch gelang 1996 mit der Veröffentlichung von «Wannabe». Die Single erreichte in Dutzenden Ländern Platz eins, stand sieben Wochen lang an der Spitze der britischen Charts und vier Wochen auf Platz eins der Billboard Hot 100 in den USA. Auch das Debütalbum Spice wurde zu einem weltweiten Bestseller: Official Charts schätzt die Verkäufe auf rund 31 Millionen Exemplare, womit es als meistverkauftes Album einer Girlgroup gilt.

Besetzung der Spice Girls

  • Melanie Brown (Mel B) — Scary Spice, Gesang;
  • Melanie Chisholm (Melanie C) — Sporty Spice, Gesang;
  • Emma Bunton — Baby Spice, Gesang;
  • Geri Halliwell / Geri Horner — Ginger Spice, Gesang;
  • Victoria Adams / Victoria Beckham — Posh Spice, Gesang.

Die Spitznamen Scary, Sporty, Baby, Ginger und Posh entstanden erst nach der Gründung der Gruppe und wurden schnell zu einem zentralen Bestandteil ihres öffentlichen Images. Jede Rolle hatte einen klar unterscheidbaren visuellen und charakterlichen Typus, wodurch die fünf Mitglieder nicht als anonyme Gesangsgruppe, sondern als fünf eigenständige Persönlichkeiten wahrgenommen wurden. Dieses System wurde zu einer der Grundlagen des Spice-Girls-Marketings und der zahlreichen Produkte, die unter dem Markennamen der Gruppe erschienen.

Gründung der Gruppe und erste Castings

Das Projekt entstand 1994 auf Initiative der Manager Bob und Chris Herbert und ihrer Firma Heart Management. In der britischen Musikindustrie jener Zeit wurde ein großer Teil des Teenager-Marktes von Boygroups wie Take That und East 17 beherrscht. Die Herberts beschlossen deshalb, eine weibliche Gruppe zusammenzustellen, die in einem vergleichbaren kommerziellen Format funktionieren sollte.

Im Magazin The Stage erschien eine Anzeige, in der etwa 18- bis 23-jährige Frauen gesucht wurden, die singen und tanzen konnten und eine starke Persönlichkeit mitbrachten. Hunderte Bewerberinnen kamen zu den Auditions in das Londoner Danceworks-Studio. Nach mehreren Auswahlrunden bestand die ursprüngliche Besetzung aus Melanie Brown, Melanie Chisholm, Geri Halliwell, Victoria Adams und Michelle Stephenson.

Zunächst hieß die Gruppe Touch. Die Mitglieder lebten gemeinsam in einem Haus in Maidenhead, probten Gesang und Choreografien und nahmen erste Demos auf. Michelle Stephenson verließ das Projekt bald darauf; ihren Platz übernahm Emma Bunton. Erst mit Buntons Einstieg entstand jene Besetzung, die später als Spice Girls weltweit bekannt wurde.

Trennung von Heart Management

Ursprünglich war die Gruppe als von Managern gesteuertes Popprojekt konzipiert worden, doch die Mitglieder verlangten schnell mehr Kontrolle über ihr Repertoire und ihr eigenes Image. Sie unterschrieben den von Heart Management angebotenen langfristigen Vertrag nicht und verließen die Firma 1995, wobei sie Demoaufnahmen und während der Vorbereitungszeit entstandenes Material mitnahmen.

Nach der Trennung von den Herberts suchten die Mitglieder selbstständig nach Songwritern, Produzenten und einem neuen Manager. Kurz darauf übernahm Simon Fuller mit seiner Firma 19 Management die Betreuung der Gruppe. Ein Vertrag mit Virgin Records ermöglichte schließlich die professionelle Arbeit am Debütalbum.

Diese Phase ist wichtig für das Verständnis der Spice Girls. Zwar wurde die Gruppe tatsächlich über ein offenes Casting zusammengestellt, ihre spätere Entwicklung lässt sich jedoch nicht auf das Modell «fünf Sängerinnen, denen Manager fertige Songs gaben» reduzieren. Die Mitglieder waren am Schreiben eines erheblichen Teils des Repertoires beteiligt und bestanden auf eigenen Entscheidungen zu Image, Texten und öffentlichem Auftreten.

«Wannabe»

Den Song «Wannabe» schrieben die Spice Girls gemeinsam mit den Produzenten Richard «Biff» Stannard und Matt Rowe. Die Arbeit fand in den Strongroom Studios in London statt, und der Titel entstand ungewöhnlich schnell: Die Mitglieder erinnerten sich später daran, dass die Grundidee während einer einzigen Studiosession entwickelt wurde. Produzent und Toningenieur Mark «Spike» Stent überarbeitete die Aufnahme anschließend weiter.

Virgin war zunächst unsicher, ob «Wannabe» tatsächlich die erste Single werden sollte, doch die Gruppe bestand auf genau diesem Song.

In Großbritannien erschien «Wannabe» am 8. Juli 1996. Die Single stieg auf Platz drei ein, erreichte eine Woche später Platz eins und blieb dort sieben Wochen in Folge. Später führte der Song die Charts in 37 Ländern an. Anfang 1997 erreichte er Platz eins der Billboard Hot 100 und hielt sich dort vier Wochen.

Der Erfolg von «Wannabe» machte die Spice Girls von einem neuen britischen Projekt zu einer internationalen Popgruppe, noch bevor die groß angelegte Promotion des Debütalbums in den USA begonnen hatte.

Spice

Das Debütalbum Spice erschien am 4. November 1996. Die Standardversion enthält zehn Songs, darunter «Wannabe», «Say You'll Be There», «2 Become 1», «Mama», «Who Do You Think You Are», «Love Thing» und «If U Can't Dance».

Im Gegensatz zu der später verbreiteten Vorstellung von den Spice Girls als reiner Dance-Pop-Gruppe war das Album stilistisch recht vielseitig. Es enthält Elemente aus R&B, Soul, Hip-Hop-Rhythmik, Balladen und europäischem Dance-Pop.

Spice verbrachte 15 Wochen auf Platz eins der britischen Albumcharts und insgesamt 95 Wochen in den UK Top 100. Nach Angaben von Official Charts wurden weltweit rund 31 Millionen Exemplare verkauft.

Serie britischer Nummer-eins-Hits

Nach «Wannabe» veröffentlichte die Gruppe «Say You'll Be There», gefolgt von der Ballade «2 Become 1». Alle drei ersten Singles erreichten Platz eins in Großbritannien.

«2 Become 1» erschien im Dezember 1996 und wurde zur britischen Weihnachts-Nummer-eins. Danach erreichten auch die Doppelsingle «Mama / Who Do You Think You Are», «Spice Up Your Life» und «Too Much» die Spitze. Damit standen die ersten sechs Singles der Spice Girls in Folge auf Platz eins der britischen Charts.

Die Serie endete erst 1998, als «Stop» Platz zwei erreichte. Die anschließende Single «Viva Forever» brachte die Gruppe wieder an die Spitze.

In ihrer Hauptphase von 1996 bis 2000 erzielten die Spice Girls insgesamt neun britische Nummer-eins-Singles. Dieser Wert ist bis heute Rekord für Girlgroups in der Geschichte der UK Singles Chart.

Girl Power

Ein zentraler Bestandteil des öffentlichen Images der Spice Girls war der Ausdruck «Girl Power». Die Gruppe verwendete ihn als kurze Formel für weibliche Freundschaft, Selbstständigkeit, Selbstbewusstsein und das Recht, eigene Entscheidungen zu treffen.

Die Spice Girls erfanden den Begriff allerdings nicht. Die Formulierung existierte bereits zuvor und wurde Anfang der 1990er-Jahre besonders im amerikanischen feministischen Punk-Umfeld der riot grrrl-Bewegung verbreitet. Die Spice Girls übertrugen den Ausdruck aus der alternativen Kultur in den Mainstream-Pop und machten ihn zu einem der bekanntesten Slogans des Jahrzehnts.

Ihre Version von Girl Power unterschied sich deutlich vom politischen Programm der riot-grrrl-Bewegung. Bei den Spice Girls war es vor allem eine massentaugliche Pop-Idee: Freundschaft zwischen Mädchen, die Weigerung, Männer über ihr Verhalten bestimmen zu lassen, Selbstständigkeit und Freude an der eigenen Individualität.

Dieser Ansatz wurde häufig als kommerzialisierte und vereinfachte Form des Feminismus kritisiert. Gleichzeitig sorgte gerade die enorme Reichweite der Spice Girls dafür, dass Ideen weiblicher Selbstständigkeit regelmäßig in Jugendkultur, Fernsehsendungen, Zeitschriften und Werbung der Mitte der 1990er-Jahre auftauchten.

BRIT Awards 1997 und das Union-Jack-Kleid

Einer der bekanntesten Auftritte der Spice Girls fand bei den BRIT Awards 1997 statt. Während der Performance von «Who Do You Think You Are» erschien Geri Halliwell in einem Minikleid mit dem Motiv der britischen Flagge auf der Bühne.

Das später als Union Jack dress bekannte Kleid wurde zu einem der ikonischsten Kleidungsstücke der britischen Popkultur der 1990er-Jahre und verband die Spice Girls noch stärker mit jener Ära, die in der Presse als Cool Britannia bezeichnet wurde.

Spiceworld

Das zweite Studioalbum Spiceworld erschien 1997, nur ein Jahr nach dem Debüt. Es enthält «Spice Up Your Life», «Stop», «Too Much», «Viva Forever», «Never Give Up on the Good Times» und weitere Songs.

Das Album setzte die Pop- und R&B-Ausrichtung des Debüts fort, erweiterte die stilistische Palette jedoch um lateinamerikanisch inspirierte Elemente, Funk, Soul und Retro-Pop.

Spiceworld wurde zum zweiten aufeinanderfolgenden Nummer-eins-Album der Gruppe in Großbritannien und blieb drei Wochen an der Chartspitze.

Spice World — der Film

Parallel zum zweiten Album arbeitete die Gruppe an dem Spielfilm Spice World. Der von Bob Spiers inszenierte Film erschien Ende 1997 und wurde als Musikkomödie konzipiert, in der die Mitglieder überzeichnete Versionen ihrer selbst spielten.

Die Handlung wollte bewusst keine realistische Biografie der Gruppe sein. Spice World setzte auf Absurdität, Selbstironie und zahlreiche Cameo-Auftritte. Unter anderem wirkten Elton John, Bob Hoskins, Jennifer Saunders, Roger Moore und Hugh Laurie mit. Die Macher orientierten sich eher an den Musikkomödien der Beatles und am satirischen Ansatz von This Is Spinal Tap als an einem klassischen Film über eine Popgruppe.

Der Film erhielt überwiegend negative Kritiken, wurde jedoch zu einem wichtigen Bestandteil des kommerziellen Spice-Girls-Phänomens und entwickelte später den Status eines typischen popkulturellen Werks der späten 1990er-Jahre.

Spicemania und das kommerzielle Ausmaß

Bis 1997 hatte sich rund um die Gruppe ein Phänomen entwickelt, das die britische Presse als Spicemania bezeichnete. Die Spice Girls waren gleichzeitig in Musikcharts, Filmen, Fernsehwerbung, Zeitschriften, Büchern und einer enormen Zahl lizenzierter Produkte präsent.

Unter dem Markennamen der Gruppe erschienen Puppen, Fotoalben, Kleidung, Schulartikel und zahlreiche weitere Produkte. Die Spice Girls schlossen Werbeverträge mit Pepsi und mehreren internationalen Unternehmen ab. Das Ausmaß der kommerziellen Vermarktung war selbst für die größten Popgruppen jener Zeit ungewöhnlich.

Ihre Popularität beruhte jedoch nicht nur auf Merchandising. Die Gruppe erzielte tatsächlich außergewöhnliche Chartresultate: Sowohl das Debüt Spice als auch der Nachfolger Spiceworld erreichten Platz eins in Großbritannien, und neun Singles der Spice Girls wurden britische Nummer-eins-Hits.

Konflikt mit Simon Fuller

Ende 1997, auf dem Höhepunkt ihrer Popularität, beendeten die Mitglieder die Zusammenarbeit mit Manager Simon Fuller. Danach übernahmen sie zeitweise einen erheblichen Teil der Managementaufgaben selbst.

Die Entscheidung entsprach dem allgemeinen Verhalten der Gruppe: Bereits vor dem ersten Plattenvertrag hatten die Mitglieder Heart Management verlassen, und nach dem weltweiten Erfolg trennten sie sich erneut von einem Management, das ihrer Ansicht nach zu großen Einfluss auf ihre Arbeit gewonnen hatte.

Erste große Tournee

1998 startete die erste große Konzerttournee der Spice Girls. Das Programm umfasste Material aus beiden Studioalben.

Die Tour fand in einer Phase eines außergewöhnlich dichten Arbeitsplans statt — nach zwei Alben, einem Film, Werbekampagnen und zahlreichen Fernsehauftritten, die praktisch innerhalb von nur zwei Jahren realisiert worden waren.

Geri Halliwell verlässt die Gruppe

Am 31. Mai 1998 gab Geri Halliwell offiziell ihren Ausstieg bei den Spice Girls bekannt. Zuvor hatte sie mehrere Auftritte verpasst, was Spekulationen über interne Konflikte ausgelöst hatte. In ihrer Erklärung begründete Halliwell ihre Entscheidung mit Meinungsverschiedenheiten zwischen den Mitgliedern und dem Wunsch nach einer Pause.

Der Ausstieg erfolgte unmittelbar vor dem nordamerikanischen Abschnitt der Tour. Statt die Konzerte abzusagen, setzten Melanie Brown, Melanie Chisholm, Emma Bunton und Victoria Adams die Tour zu viert fort.

Halliwell war ein besonders prägnanter Teil des frühen Spice-Girls-Images — mit ihr wurden der Girl-Power-Slogan, das Union-Jack-Kleid und viele der auffälligsten öffentlichen Auftritte der Gruppe verbunden. Ihr Ausstieg war daher die erste gravierende Veränderung der klassischen Besetzung.

«Viva Forever» und «Goodbye»

Zum Zeitpunkt von Geris Ausstieg war ein großer Teil des Materials für Spiceworld bereits aufgenommen. Im Sommer 1998 erreichte die noch mit allen fünf Mitgliedern eingespielte Single «Viva Forever» Platz eins der britischen Charts.

Der erste neue Song, der bereits als Quartett veröffentlicht wurde, war «Goodbye». Er erschien im Dezember 1998 und erreichte ebenfalls Platz eins.

«Goodbye» bescherte den Spice Girls ihre dritte britische Weihnachts-Nummer-eins in Folge, nach «2 Become 1» 1996 und «Too Much» 1997. Obwohl der Song häufig als Abschied von Geri interpretiert wurde, war eine frühe Fassung bereits vor Halliwells Ausstieg entstanden und wurde anschließend von den verbliebenen Mitgliedern überarbeitet.

Soloprojekte der Mitglieder

Bereits Ende der 1990er-Jahre begannen die Mitglieder, unabhängig von der Gruppe Musik zu veröffentlichen. Melanie Brown nahm «I Want You Back» mit Missy Elliott auf, Melanie Chisholm entwickelte eine rock- und poporientierte Solokarriere, und Geri Halliwell veröffentlichte nach ihrem Ausstieg bei den Spice Girls das Album Schizophonic.

Später brachten auch Emma Bunton und Victoria Beckham Solomusik heraus. Geri erzielte unter den Mitgliedern die meisten britischen Solo-Nummer-eins-Hits, während Melanie Chisholm die dauerhafteste Solokarriere als Musikerin aufbaute.

Forever

Das dritte Studioalbum der Spice Girls, Forever, erschien 2000 und wurde bereits ohne Geri Halliwell aufgenommen.

Der Sound unterschied sich deutlich von den ersten beiden Alben. Ein großer Teil des Materials orientierte sich am zeitgenössischen amerikanischen R&B der späten 1990er-Jahre. Für die Produktion wurden unter anderem Produzenten verpflichtet, die mit diesem Stil verbunden waren, darunter Rodney Jerkins.

Die wichtigste Single war die Doppelveröffentlichung «Holler / Let Love Lead the Way», die Platz eins der britischen Charts erreichte und zum neunten Nummer-eins-Hit der Spice Girls in Großbritannien wurde.

Forever selbst stieg auf Platz zwei der UK Albums Chart ein. Im Gegensatz zu Spice und Spiceworld war seine Chartpräsenz deutlich kürzer: Das Album hielt sich zehn Wochen in den britischen Top 100.

Pause nach 2000

Nach der Veröffentlichung von Forever konzentrierten sich die Mitglieder auf Soloprojekte und ihr Privatleben. Eine dramatische formelle Erklärung über eine endgültige Auflösung der Gruppe gab es nicht, doch die regelmäßige Tätigkeit kam praktisch zum Erliegen.

Die spätere Geschichte der Spice Girls lässt sich deshalb treffender als eine Reihe von Reunions beschreiben und nicht als kontinuierliche Aktivität einer dauerhaft arbeitenden Band. Ein neues vollständiges Studioalbum nach Forever hat die Gruppe nicht veröffentlicht.

Rückkehr aller fünf Mitglieder 2007

2007 kamen erstmals seit Geris Ausstieg alle fünf Mitglieder wieder offiziell zusammen. Zum Comeback erschien die Compilation Greatest Hits, die die wichtigsten Singles sowie den neuen Song «Headlines (Friendship Never Ends)» enthielt.

Greatest Hits erreichte Platz zwei der britischen Albumcharts. «Headlines» schnitt deutlich schwächer ab als die frühen Hits und erreichte in der betreffenden Veröffentlichungswoche Platz elf der regulären UK Singles Chart; Official Charts weist je nach historischem Auswertungssystem und Datenformat einen Peak von 11/14 aus, weshalb der Song nicht zu den großen Chartspitzenreitern der Gruppe gezählt werden sollte.

Das wichtigste Ereignis des Comebacks war die Welttournee The Return of the Spice Girls, die Ende 2007 begann. Alle fünf Mitglieder standen wieder gemeinsam auf der Bühne und spielten Material aus allen drei Studioalben.

Olympische Spiele 2012

Der nächste Auftritt der klassischen Besetzung fand am 12. August 2012 bei der Abschlussfeier der Olympischen Sommerspiele in London statt.

Die Spice Girls spielten «Wannabe» und «Spice Up Your Life» und fuhren dabei auf Fahrzeugen durch das Stadion, die an ihre individuellen Bühnenpersönlichkeiten angepasst waren.

Dieser Auftritt wurde zum letzten großen öffentlichen Konzert, bei dem alle fünf Mitglieder gemeinsam als Spice Girls auftraten. Victoria Beckham nahm an späteren Tourneen der Gruppe nicht mehr teil.

Viva Forever! — das Musical

2012 feierte in London außerdem das Musical Viva Forever! Premiere, das auf Songs der Spice Girls basierte. Das Drehbuch schrieb Jennifer Saunders.

Es handelte sich um ein Jukebox-Musical: Die Mitglieder der Gruppe traten nicht als Figuren auf, ihre Songs wurden stattdessen für eine eigenständige Handlung verwendet. Die Produktion erhielt schwache Kritiken und wurde nach weniger als einem Jahr eingestellt.

Das nicht realisierte Projekt GEM

Zum 20-jährigen Jubiläum von «Wannabe» wurde über eine weitere Reunion gesprochen. Da Melanie Chisholm und Victoria Beckham zunächst nicht teilnehmen wollten, begannen Geri Halliwell, Emma Bunton und Melanie Brown mit der Vorbereitung eines Projekts namens GEM — benannt nach den Anfangsbuchstaben ihrer Vornamen.

Das Trio nahm Material auf, doch zu einem vollständigen kommerziellen Start kam es nicht. Geri erklärte später, sie habe das Projekt nicht ohne die übrigen Spice-Girls-Mitglieder fortführen wollen.

Spice World Tour 2019

2019 gingen die Spice Girls erneut auf große Tournee. Diesmal bestand die Besetzung aus Melanie Brown, Melanie Chisholm, Emma Bunton und Geri Horner. Victoria Beckham entschied sich gegen eine Rückkehr auf die Konzertbühne und konzentrierte sich weiterhin auf ihr Modeunternehmen.

Ursprünglich waren sechs Konzerte angekündigt, doch wegen der hohen Nachfrage wurden zusätzliche Termine ergänzt. Die Tour führte durch Stadien in Großbritannien und Irland und endete mit mehreren Konzerten im Wembley Stadium.

Nach Angaben von Official Charts spielte die Gruppe innerhalb von drei Tourwochen vor mehr als 700.000 Zuschauern.

Spice World 2019 bestätigte, dass das Konzertrepertoire der Gruppe fast zwei Jahrzehnte nach ihrem letzten Studioalbum weiterhin auf großes Interesse stieß.

Wannabe25 und das zuvor unveröffentlichte «Feed Your Love»

2021 veröffentlichte die Gruppe zum 25-jährigen Jubiläum von «Wannabe» die Jubiläums-EP Wannabe25. Neben der Originalsingle, einer Demoversion und einem Remix von Junior Vasquez enthielt sie den zuvor offiziell unveröffentlichten Song «Feed Your Love».

«Feed Your Love» war bereits während früher Sessions mit Richard Stannard und Matt Rowe aufgenommen worden, blieb jedoch rund ein Vierteljahrhundert im Archiv.

Spice25 und Archivaufnahmen

Im Herbst 2021 folgte die erweiterte Jubiläumsausgabe des ersten Albums unter dem Titel Spice25. Neben dem Originalalbum enthielt sie Demos, alternative Mixe und zuvor unveröffentlichtes Material, darunter «One of These Girls» und «Shall We Say Goodbye Then?».

Die Jubiläumsveröffentlichungen zeigten, dass das Archiv der Gruppe deutlich mehr Material umfasst als die drei offiziellen Studioalben, auch wenn neue Musik der Spice Girls nach 2000 nur noch sporadisch erschien.

Spiceworld25

2022 wurde das 25-jährige Jubiläum des zweiten Albums auf ähnliche Weise gefeiert. Die erweiterte Ausgabe Spiceworld25 enthielt zusätzliches Material, Liveaufnahmen, alternative Versionen und seltene Songs aus den Jahren 1997–1998.

Die Jubiläumsausgabe brachte Spiceworld erneut in britische Spezialcharts für Verkäufe und Vinyl.

30-jähriges Jubiläum der Gruppe

2024 jährten sich die ersten Castings, aus denen die Spice Girls hervorgingen, zum 30. Mal. Die Gruppe veröffentlichte Archivaufnahmen aus den frühen Auditions, während die britische Post Royal Mail eine offizielle Briefmarkenserie anlässlich von drei Jahrzehnten Spice-Girls-Geschichte herausbrachte.

Die Kollektion zeigte Bilder von Auftritten bei den BRIT Awards, den Olympischen Spielen 2012 sowie Konzerten in Istanbul, Dublin, London, New York und weiteren Städten. Royal Mail bezeichnet die Spice Girls offiziell als best-selling girl group.

Im April desselben Jahres kamen alle fünf Mitglieder bei der Feier zu Victoria Beckhams 50. Geburtstag zusammen und führten einen Ausschnitt aus «Stop» auf. Es handelte sich um einen privaten Auftritt und nicht um ein offizielles Spice-Girls-Konzert, weshalb dies nicht als vollständige neue Reunion der Gruppe gewertet werden sollte.

30 Jahre «Wannabe»

2026 feierte die Gruppe das 30-jährige Jubiläum ihrer Debütsingle. Zu diesem Anlass erschien eine offizielle Spice-Girls-Figurenkollektion von Funko und UMG Bravado, die die Looks der fünf Mitglieder aus dem Musikvideo zu «Wannabe» nachbildet.

Auch die Single selbst kehrte 30 Jahre nach ihrer Veröffentlichung in die britischen Charts zurück. Official Charts berechnete zudem ihre kumulierten Werte neu: Zum Jubiläum näherte sich «Wannabe» der Marke von drei Millionen britischen Chart-Einheiten.

Musikstil der Spice Girls

Die Grundlage des Repertoires bildet Popmusik, doch die drei Studioalben unterscheiden sich deutlich voneinander.

Spice verbindet Dance-Pop, R&B, Soul und Balladen. «Wannabe» basiert auf minimalistischer Dance-Rhythmik und wechselnden Gesangsparts, «Say You'll Be There» greift R&B und Funk auf, während «2 Become 1» eine langsame Popballade ist.

Spiceworld erweiterte die stilistische Palette. «Spice Up Your Life» nutzt eine pseudo-lateinamerikanische Dance-Ästhetik, «Stop» orientiert sich an Retro-Soul und Motown, während «Viva Forever» als dramatische Ballade aufgebaut ist.

Forever ist deutlich stärker vom amerikanischen R&B an der Schwelle von den 1990er- zu den 2000er-Jahren geprägt. Dadurch klingt das Album merklich weniger britisch und weniger eklektisch als die ersten beiden Platten.

Wie die Songs der Spice Girls entstanden

Ein wichtiges Merkmal der Gruppe war die Beteiligung aller fünf Mitglieder am Schreiben eines erheblichen Teils des Materials. «Wannabe», «Say You'll Be There», «2 Become 1», «Spice Up Your Life» und viele weitere Songs führen die Spice Girls offiziell unter den Mitautoren.

Zu den wichtigsten Partnern der ersten Phase gehörten Richard Stannard und Matt Rowe sowie das Produzentenduo Absolute — Andy Watkins und Paul Wilson. Die Songs entstanden meist in gemeinsamen Sessions: Die Mitglieder steuerten einzelne Textzeilen, Themen, melodische oder rhythmische Ideen bei, die anschließend zusammen mit professionellen Songwritern und Produzenten ausgearbeitet wurden.

Official Charts bestätigt beispielsweise, dass «2 Become 1» und «Too Much» von den Spice Girls gemeinsam mit ihren Produktionsteams geschrieben wurden.

Bühnenimage

Die visuelle Identität der Spice Girls beruhte auf bewusst betonten Unterschieden zwischen den Mitgliedern. Statt einheitlicher Bühnenkleidung behielt jede Sängerin ihren eigenen charakteristischen Stil.

  • Scary Spice wurde mit Leopardenmustern, energiegeladenem Auftreten und einer besonders lauten Präsenz verbunden;
  • Sporty Spice — mit Sportkleidung, Turnschuhen und dem athletischsten Bühnenimage;
  • Baby Spice — mit Pastellfarben, Kleidern und einem bewusst «süßen» Erscheinungsbild;
  • Ginger Spice — mit auffälligen Outfits, roten Haaren und der demonstrativsten öffentlichen Rolle;
  • Posh Spice — mit schlichten Designerkleidern und einem zurückhaltenderen Auftreten.

Dieses System erleichterte es dem Publikum, sich mit einem bestimmten Mitglied zu identifizieren, und wurde zu einem der erfolgreichsten Elemente des Markenaufbaus der Gruppe.

Spice Girls und der Wandel des Girlgroup-Modells

Die Spice Girls waren weder die erste erfolgreiche Girlgroup noch erfanden sie die Idee weiblicher Selbstbestimmung in der Popmusik. Vor ihnen gab es The Supremes, Bananarama, En Vogue, TLC und zahlreiche andere Gruppen, während der Ausdruck «Girl Power» bereits vor dem Auftreten der Spice Girls eine eigene Geschichte hatte.

Ihre Bedeutung lag in etwas anderem: Mitte der 1990er-Jahre verbanden sie das Girlgroup-Format, stark individualisierte Mitglieder, globales Marketing, aktive Beteiligung am Songwriting und einen einfachen Slogan weiblicher Selbstständigkeit in einem außerordentlich erfolgreichen Mainstream-Projekt.

Besonders deutlich war ihr Einfluss auf die spätere britische Girlgroup-Industrie. Nach dem Erfolg der Spice Girls investierten Labels wesentlich stärker in ähnliche Projekte, und die Vorstellung, dass eine weibliche Gruppe mit den größten männlichen Popacts bei Verkäufen, Tourneeumsätzen und Markenstärke konkurrieren könne, erschien nicht länger als wirtschaftliches Risiko.

Studio-Diskografie der Spice Girls

  • Spice — 1996
  • Spiceworld — 1997
  • Forever — 2000

Wichtigste Compilations und Jubiläumsveröffentlichungen

  • Greatest Hits — 2007
  • Wannabe25 — 2021, Jubiläums-EP
  • Spice25 — 2021, erweiterte Jubiläumsausgabe
  • Spiceworld25 — 2022, erweiterte Jubiläumsausgabe

Wichtigste Songs der Spice Girls

  • «Wannabe»
  • «Say You'll Be There»
  • «2 Become 1»
  • «Mama»
  • «Who Do You Think You Are»
  • «Spice Up Your Life»
  • «Too Much»
  • «Stop»
  • «Viva Forever»
  • «Goodbye»
  • «Holler»
  • «Let Love Lead the Way»
  • «Headlines (Friendship Never Ends)»

Rekorde in den britischen Charts

Nach Angaben von Official Charts haben die Spice Girls neun Nummer-eins-Singles, zehn Top-10-Hits und zwei Nummer-eins-Alben in Großbritannien. Neun Chartspitzenreiter sind der beste Wert, den eine Girlgroup erreicht hat.

Drei Jahre in Folge belegte die Gruppe außerdem zu Weihnachten Platz eins der UK Singles Chart:

  • «2 Become 1» — Christmas No. 1 im Jahr 1996;
  • «Too Much» — Christmas No. 1 im Jahr 1997;
  • «Goodbye» — Christmas No. 1 im Jahr 1998.

Das Debütalbum Spice verbrachte 15 Wochen an der Spitze der UK Albums Chart, Spiceworld drei Wochen.

Was aus den Mitgliedern wurde

Nachdem die Spice Girls ihre regelmäßige Tätigkeit eingestellt hatten, setzten alle fünf Mitglieder ihre eigenständigen Karrieren fort.

Melanie Chisholm blieb musikalisch am kontinuierlichsten aktiv, veröffentlichte Soloalben und ging auf Tournee. Emma Bunton kombinierte Musik mit Arbeit im Radio und Fernsehen. Melanie Brown war in Solomusik, Fernsehen und Unterhaltungsshows tätig. Geri Horner wechselte nach einer Reihe von Solo-Hits zwischen Musik, Büchern, Fernsehen und weiteren Projekten.

Victoria Beckham zog sich nach einer kurzen Solokarriere nahezu vollständig aus der Popindustrie zurück und baute eine Karriere in der Modebranche auf. Deshalb nahm sie an der Reunion 2007–2008 und an den Olympischen Spielen 2012 teil, schloss sich jedoch der Tournee 2019 nicht an.

Spice Girls drei Jahrzehnte später

Die Geschichte der Spice Girls ist ungewöhnlich, weil der Großteil ihres klassischen Materials innerhalb weniger Jahre entstand. Zwischen der Veröffentlichung von «Wannabe» und dem dritten Album Forever lagen weniger als fünf Jahre, während ihre vollständige Studio-Diskografie lediglich aus drei Alben besteht.

Dennoch blieb die Gruppe kommerziell wesentlich länger präsent als während ihrer ursprünglichen aktiven Phase. Die Tournee 2007–2008 brachte die klassische Besetzung wieder zusammen, der Auftritt bei den Olympischen Spielen 2012 vereinte alle fünf erneut auf einer Bühne, und die Stadiontour 2019 ohne Victoria Beckham zog mehr als 700.000 Zuschauer an. Die Jubiläumsausgaben von Spice und Spiceworld, das Archivstück «Feed Your Love», die Royal-Mail-Briefmarkenserie und das 30-jährige Jubiläum von «Wannabe» führten die Geschichte der Gruppe fort, ohne dass dafür ein neues Studioalbum nötig war.

Musikalisch stehen die Spice Girls für eine konkrete Phase der britischen Popmusik der mittleren und späten 1990er-Jahre, doch ihre Bedeutung reicht weit über einige Hits hinaus. Sie veränderten die kommerzielle Stellung von Girlgroups, machten die individuellen Persönlichkeiten ihrer Mitglieder zu einem Bestandteil der Gruppenstruktur selbst und verwandelten Girl Power von einem bereits existierenden Slogan in einen Ausdruck, der einem weltweiten Mainstream-Publikum bekannt wurde.


Musik hören Spice Girls

Spice Girls - Goodbye

Spice Girls - Goodbye

04:35 10.88Mb [320 kbps] 66 0 0 15.11.2025 Дедушкафф Pop

Spice Girls - Stop

Spice Girls - Stop

03:24 4.78Mb [192 kbps] 66 0 0 15.11.2025 Дедушкафф Pop

Spice Girls - Viva Forever

Spice Girls - Viva Forever

05:10 12.23Mb [320 kbps] 530 0 0 15.11.2025 Дедушкафф Pop

Spice Girls - Wannabe

Spice Girls - Wannabe

02:53 6.67Mb [320 kbps] 1337 0 0 15.11.2025 Дедушкафф Pop

Lola Indigo - Spice Girls

Lola Indigo - Spice Girls

03:30 8.11Mb [320 kbps] 76 0 0 03.07.2025 layden Pop, Latin Pop

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