
Padre Guilherme (vollständiger Name — Guilherme Guimarães Peixoto; geboren am 31. Juli 1974 in Guimarães, Portugal) — ist ein portugiesischer katholischer Priester, Militärseelsorger, DJ und Produzent elektronischer Musik. In seinen Auftritten verbindet er Techno, Melodic Techno und House mit Chorgesang, Kirchenglocken, liturgischen Motiven und Ausschnitten aus Ansprachen der Päpste Johannes Paul II., Franziskus und Leo XIV.
Ein breites internationales Publikum wurde auf Padre Guilherme nach seinem Auftritt beim Weltjugendtag in Lissabon im August 2023 aufmerksam. Am frühen Morgen vor der Abschlussmesse von Papst Franziskus spielte er ein elektronisches Set vor rund 1,5 Millionen Pilgern. In den folgenden Jahren trat der Priester unter anderem bei Afterlife im Hï Ibiza, beim Medusa Festival, bei Zamna, an der Christus-Erlöser-Statue in Rio de Janeiro sowie bei weiteren elektronischen und jugendorientierten Veranstaltungen auf.
Dabei hat Guilherme Peixoto sein priesterliches Amt nicht zugunsten einer Musikkarriere aufgegeben. Er bleibt Priester der Erzdiözese Braga und Militärseelsorger der portugiesischen Armee. Der Musiker selbst betont, dass DJ-Sets und katholische Liturgie für ihn zwei unterschiedliche Formen seiner Tätigkeit darstellen: Die Messe verwandelt er nicht in eine elektronische Show, während er Clubmusik als eigenständige Form der Kommunikation mit dem Publikum nutzt.
Kindheit in Guimarães
Guilherme Guimarães Peixoto wurde im nordportugiesischen Guimarães geboren. Seine Kindheit verbrachte der spätere Priester im Stadtteil Azurém.
Mit seiner Geburt ist eine Familiengeschichte verbunden, die Peixoto später selbst in Interviews erzählte. Der neugeborene Guilherme hatte schwere gesundheitliche Probleme, und seiner Familie wurde mitgeteilt, dass sein Zustand äußerst kritisch sei. Nach Angaben des Priesters betete seine Mutter um seine Genesung und versprach, das Kind Gott zu widmen, falls es überleben sollte.
Guilherme selbst erfuhr von dieser Geschichte erst, nachdem er bereits Priester geworden war. Er betonte ausdrücklich, dass seine Familie ihn nicht dazu gedrängt habe, einen geistlichen Weg einzuschlagen: Der Wunsch, ins Priesterseminar einzutreten, entstand unabhängig davon.
Einen großen Eindruck auf den Jungen machte der Priester seiner Heimatgemeinde — Monsignore José Maria. Peixoto beobachtete weniger den Gottesdienst selbst als vielmehr die Art, wie der Pfarrer mit den Menschen sprach, im Stadtleben präsent war und sich am Leben der örtlichen Gemeinschaft beteiligte.
Priesterseminar und Musik
Im Alter von etwa dreizehn Jahren trat Guilherme in das Priesterseminar ein.
Nach dem Abschluss der Schule setzte er seine Vorbereitung auf das Priesteramt in Braga fort und studierte Theologie. Musik war zu diesem Zeitpunkt bereits ein fester Bestandteil seines Lebens.
Während seiner Seminarzeit spielte Peixoto in einer Pop-Rock-Band, hörte zeitgenössische Musik und betrachtete den Besuch gewöhnlicher Konzerte, Bars oder Clubs nicht als unvereinbar mit der Vorbereitung auf das Priesteramt.
Dieses musikalische Umfeld erwies sich später als wichtig: Sein Weg zur elektronischen Musik begann nicht mit einer professionellen Clubkarriere, sondern mit der Gewohnheit, Musik als Teil der Kommunikation innerhalb einer Gemeinschaft einzusetzen.
Priesterweihe
Am 11. Juli 1999 wurde Guilherme Peixoto zum Priester der Erzdiözese Braga geweiht.
Anfang der 2000er-Jahre erhielt er eine Pfarrstelle im Raum Póvoa de Varzim. Seit 2001 war seine Arbeit mit der Gemeinde Amorim verbunden, später auch mit Laúndos.
Neben regulären Gottesdiensten und pastoraler Arbeit engagierte sich Peixoto in Jugend- und Musikprojekten. In Amorim beteiligte er sich gemeinsam mit Manuel Gesteira an der Gründung des Kinderchors Pequenos Cantores de Amorim, der 2002 ins Leben gerufen wurde.
Ar de Rock und die ersten DJ-Sets
Die Geschichte von Padre Guilherme als DJ begann faktisch im Jahr 2006.
Die Gemeinde Laúndos hatte damals mit finanziellen Problemen zu kämpfen: Bereits durchgeführte Arbeiten mussten bezahlt und die Infrastruktur der Pfarrei weiterentwickelt werden. Um Spenden zu sammeln und die örtliche Bevölkerung zusammenzubringen, entstand neben der Kirche das sommerliche Gemeinschaftsprojekt Ar de Rock Laúndos.
Dabei handelte es sich nicht um einen gewöhnlichen Nachtclub. Ehrenamtliche Helfer aus der Gemeinde organisierten Treffen, Karaoke, Konzerte und weitere Veranstaltungen für Menschen unterschiedlicher Altersgruppen.
In den Pausen spielte Guilherme Musik von einem Laptop. Anfangs waren das vor allem Rock, Pop, Hip-Hop und populäre portugiesische Songs — elektronische Musik im heutigen Sinne von DJ-Sets spielte damals kaum eine Rolle.
Die Reaktion der Besucher war positiv, und der Priester begann sich nach und nach stärker für die eigentliche Technik des DJings zu interessieren: Mixing-Software, Mischpulte, den Aufbau eines Sets und die Arbeit mit dem Publikum.
Militärseelsorger
Parallel zu seiner Pfarrarbeit wurde Peixoto Militärseelsorger der portugiesischen Armee.
Er nahm an Auslandseinsätzen teil, darunter in Afghanistan und im Kosovo. Seine militärische Tätigkeit war keine rein symbolische Funktion: Guilherme war während internationaler Einsätze direkt gemeinsam mit portugiesischen Soldaten vor Ort.
2010 verbrachte er etwa sechs Monate in Kabul. Die Militärführung wusste, dass der Seelsorger in seiner Gemeinde Musikveranstaltungen organisierte, und so wurde Peixoto gebeten, auch Abende für Soldaten zu gestalten, die weit entfernt von ihren Familien stationiert waren.
Gerade in Afghanistan begann elektronische Musik in seinen Sets eine deutlich wichtigere Rolle zu spielen.
Später erreichte Guilherme Peixoto den Rang eines Oberstleutnants im portugiesischen Militärseelsorgedienst.
Ausbildung bei ProDJ
Nach seiner Rückkehr nach Portugal erkannte Peixoto, dass ihm sein autodidaktisches Wissen über DJ-Equipment nicht mehr ausreichte. Er schrieb sich an der professionellen DJ-Schule ProDJ in Porto ein.
Als seine Lehrerin nennt er DJ Miss Blondie.
Später erinnerte sich der Priester daran, dass die Ausbildung einer Art «Neustart» gleichkam: Trotz mehrerer Jahre eigener Auftritte musste er viele falsche technische Gewohnheiten ablegen und den Umgang mit dem Equipment praktisch neu lernen.
Gleichzeitig spielte er weiterhin bei Ar de Rock und nahm gelegentlich Einladungen zu Studentenveranstaltungen an. In dieser frühen Phase bat Peixoto die Veranstalter sogar darum, seinen Namen und Fotos nicht in der Werbung zu verwenden: Er war sich noch nicht sicher, wie seine DJ-Tätigkeit innerhalb kirchlicher Kreise aufgenommen werden würde.
Von Amateur-Sets zu Techno
Die musikalischen Vorlieben von Padre Guilherme veränderten sich nach und nach. Während seine frühen Auftritte von Rock, Pop und kommerzieller Dance-Musik geprägt waren, führte ihn seine professionelle Ausbildung stärker in die elektronische Szene.
Besonders wichtig wurde Melodic Techno — Musik mit geradlinigem Clubrhythmus, ausgedehnten harmonischen Entwicklungen und emotionalen Höhepunkten.
Dieses Format eignete sich auch besonders gut für Peixotos eigenen kreativen Ansatz: In längere elektronische Arrangements ließen sich Chorgesang, Gebetsfragmente, Kirchenglocken und aufgezeichnete menschliche Sprache organisch integrieren.
Papst Franziskus und die gesegneten Kopfhörer
2019 besuchte Guilherme Peixoto den Vatikan und traf Papst Franziskus.
Der Priester nahm seine DJ-Kopfhörer mit und bat den Pontifex, sie zu segnen. Franziskus kam der Bitte nach.
Diese Geschichte wurde später zu einem der am häufigsten erwähnten Details seiner öffentlichen Biografie, obwohl Padre Guilherme zu diesem Zeitpunkt noch kein international bekannter elektronischer Künstler war.
Die Pandemie und «Sozinho em Casa»
Die COVID-19-Pandemie wurde zu einer entscheidenden Phase für die Entstehung des heutigen Projekts.
Als gewöhnliche öffentliche Veranstaltungen nicht mehr stattfinden konnten, begann Padre Guilherme mit Livestreams im Internet. Die Reihe trug den Titel «Sozinho em Casa» — «Allein zu Hause».
Während der Übertragungen sprach er mit eingeladenen Gästen, diskutierte aktuelle Themen und spielte Musik. Nach und nach wurde der abschließende Teil der Streams immer elektronischer.
Musiker aus seinem Umfeld schlugen ihm vor, die vorsichtige Mischung aus kommerziellem Dance und anderen Stilen hinter sich zu lassen und vollständige Techno-Sessions zu spielen.
Das Experiment vergrößerte sein Publikum deutlich. Videos eines Priesters im römischen Kollar, der Melodic Techno in nahezu leeren Räumen spielt, verbreiteten sich weit über seine Gemeinde hinaus.
In dieser Phase entwickelte sich die heutige musikalische Identität des Projekts Padre Guilherme.
Warum ein Priester in Clubs auftritt
Mit seiner wachsenden Bekanntheit kam auch Kritik — sowohl von Menschen innerhalb katholischer Kreise als auch aus dem Clubpublikum, das das Auftreten eines Priesters am DJ-Pult als Marketing-Gag betrachtete.
Peixoto selbst erklärt seine musikalische Tätigkeit vor allem mit der Möglichkeit, Räume zu erreichen, in denen die Kirche normalerweise kaum präsent ist.
Dabei tritt er bewusst im Priesterkragen auf. Für ihn ist dieser kein Bühnenkostüm, sondern ein unmittelbares Zeichen seiner Identität: Bei Festival- oder Clubauftritten verbirgt er nicht, dass er katholischer Priester ist.
Gleichzeitig trennt Padre Guilherme Konzert und Liturgie klar voneinander. Seine Pfarrmessen finden in der gewöhnlichen katholischen Form statt und werden nicht zu Techno-Shows.
Ave Maria und Karetus
Eine wichtige Rolle beim Übergang in die professionelle elektronische Szene spielte das portugiesische Elektronik-Duo Karetus.
Die Musiker halfen Guilherme dabei, sein elektronisches Bühnenprojekt zu strukturieren, und luden ihn zu einer Zusammenarbeit ein.
2022 erschien eine elektronische Version von «Ave Maria», aufgenommen von Karetus mit Padre Guilherme und Ricardo Luís Campos.
Das Projekt wurde zu einer der ersten offiziellen Veröffentlichungen, bei denen der Priester bereits unmittelbar als Teil der modernen elektronischen Musikszene präsentiert wurde.
MEO Sudoeste
Im Sommer 2022 trat Padre Guilherme beim portugiesischen Festival MEO Sudoeste auf.
Das Set auf der Festivalbühne war ein deutlich größeres Ereignis als seine vorherigen Auftritte in Gemeinden und kleinen Clubs.
Nachdem der Festivalbetrieb wieder in einen normalen Rhythmus zurückgekehrt war, begann Padre Guilherme, ein professionelles Live-Team aufzubauen — Management, technische Spezialisten, visuelle Begleitung und eigene Bühnenproduktionen.
Póvoa Bendita
Im Juni 2023 erschien die EP Póvoa Bendita.
Die Veröffentlichung war unmittelbar mit der Region Póvoa de Varzim verbunden, in der Peixoto viele Jahre als Priester tätig gewesen war. An den Aufnahmen war auch Susana da Costa beteiligt.
Das Projekt zeigte eine Richtung, die später charakteristisch für seine weitere Diskografie werden sollte: Lokale und spirituelle Motive werden in die Form moderner elektronischer Musik übertragen.
Weltjugendtag 2023
Der wichtigste Wendepunkt seiner Karriere war die Jornada Mundial da Juventude Lisboa 2023 — der Weltjugendtag der katholischen Kirche in Lissabon.
Am 6. August 2023 erhielt Padre Guilherme eine ungewöhnliche Aufgabe: Am frühen Morgen sollte er die Pilger musikalisch «wecken», die nach dem abendlichen Gebet im Parque Tejo übernachtet hatten und auf die Abschlussmesse von Papst Franziskus warteten.
Vor ihm befand sich ein Publikum von etwa 1,5 Millionen Menschen.
Das Set begann mit dem berühmten «Hallelujah» von Georg Friedrich Händel, das schrittweise in ein elektronisches Arrangement überging. Im Programm kamen außerdem religiöse Chorpassagen, bekannte elektronische Musik sowie Aufnahmen der Stimmen von Papst Franziskus und des heiligen Johannes Paul II. zum Einsatz.
Videos des Auftritts verbreiteten sich schnell in sozialen Netzwerken und internationalen Medien. Für jemanden, der über viele Jahre vor allem als Pfarrer im Norden Portugals bekannt gewesen war, bedeutete dies praktisch einen unmittelbaren Eintritt in die internationale elektronische Musikszene.
TODOS TODOS TODOS
Nach dem Weltjugendtag erschien am 6. September 2023 die EP TODOS TODOS TODOS.
Der Titel verweist auf den von Papst Franziskus häufig wiederholten Ausdruck «todos, todos, todos» — «alle, alle, alle».
Die Veröffentlichung umfasst vier Tracks:
- «TODOS TODOS TODOS»;
- «El único momento»;
- «Somos amados como somos»;
- «El amor de Jesús».
Die Aufnahmen wurden über Lux Aeterna Records veröffentlicht.
Lux Aeterna Records
Im Zuge der Weiterentwicklung seiner eigenen Musik gründete Padre Guilherme das Label Lux Aeterna Records.
Der Name stammt vom lateinischen Ausdruck für «ewiges Licht». Das Label dient für eigene Veröffentlichungen des Musikers sowie für Projekte seiner regelmäßigen Mitwirkenden.
Im Gegensatz zu einem gewöhnlichen religiösen Musiklabel orientiert sich Lux Aeterna unmittelbar an der elektronischen Szene: Es erscheinen Radio Edits und Extended Mixes, die unter anderem für professionelle DJ-Sets gedacht sind.
Afterlife im Hï Ibiza
Nach seinem Erfolg in Lissabon erhielt Padre Guilherme Einladungen nicht mehr nur zu religiösen oder jugendorientierten Veranstaltungen, sondern auch zu klassischen elektronischen Festivals und Clubreihen.
Am 11. Juli 2024 trat er bei Afterlife im Hï Ibiza auf. Die von Tale Of Us gegründete Reihe gehörte zu den prominentesten Melodic-Techno-Plattformen dieser Zeit.
Padre Guilherme spielte im Club Room neben Künstlern der internationalen Techno-Szene.
Eine Aufnahme des Auftritts wurde später offiziell als Live at Hï Ibiza: Jul 11, 2024 veröffentlicht.
«CITADEL»
Am 12. Juli 2024 erschien die gemeinsame Produktion von Padre Guilherme und dem irischen Produzenten Ginchy — «CITADEL».
Der Track ist dem Techno zuzuordnen und wurde zu einer der ersten Veröffentlichungen von Padre Guilherme, die sich innerhalb der elektronischen Clubszene auch außerhalb eines rein religiösen Kontexts eigenständig verbreiteten.
«The Church Bells»
Eine weitere wichtige Veröffentlichung des Jahres 2024 war «The Church Bells», entstanden gemeinsam mit Ebmath.
Kirchenglocken fungieren hier als vollwertiges musikalisches Element: Der traditionelle Klang des Rufes zum Gottesdienst wird in die Struktur elektronischer Tanzmusik übertragen.
Padre Guilherme selbst bezeichnete «The Church Bells» später als eines der Schlüsselstücke seines Projekts — es bringt seine Idee, den Klangraum der Kirche mit dem Dancefloor zu verbinden, besonders präzise zum Ausdruck.
Christus der Erlöser und internationale Auftritte
In den folgenden Jahren weitete sich die geografische Reichweite seiner Auftritte schnell aus.
Padre Guilherme spielte ein elektronisches Set an der berühmten Statue Christus der Erlöser in Rio de Janeiro und trat außerdem in Spanien, Italien, Frankreich, Belgien, Mexiko und weiteren Ländern auf.
Er war beim Medusa Festival in Spanien sowie bei weiteren großen elektronischen Veranstaltungen zu sehen — nicht mehr als kurioser Gastpriester, sondern als regulärer Bestandteil von Festival-Line-ups neben professionellen DJs.
Zamna Chile
Am 15. März 2025 trat Padre Guilherme beim Zamna Festival in Santiago de Chile auf.
In dem fast zweistündigen Set waren Melodic Techno und House, eigene Produktionen sowie spezielle religiöse Edits zu hören.
Dazu gehörten Remixe von «Hallelujah», Ausschnitte aus Reden von Papst Franziskus und Johannes Paul II., «The Church Bells», «CITADEL» und eine neue Version von «Ave Maria».
Bemerkenswert ist, dass die Veranstalter Peixoto außerdem baten, das Festivalgelände zu segnen — die religiöse und musikalische Seite seiner Tätigkeit standen dabei nebeneinander, wurden jedoch nicht zu einer einzigen Zeremonie vermischt.
Veneremur Et Adoremus
2025 veröffentlichten Padre Guilherme und Ebmath das Projekt Veneremur Et Adoremus.
An den Aufnahmen waren Liliana Sofia Coelho sowie der Kinderchor Pequenos Cantores de Amorim e Laúndos beteiligt, der unmittelbar mit Guilherme Peixotos Pfarrarbeit verbunden ist.
Zu den enthaltenen Stücken gehören «Adoramus» sowie eine neue elektronische Version von «Ave Maria».
Integral Ecology
Eine weitere Veröffentlichung des Jahres 2025 war Integral Ecology.
Enthalten sind die Stücke «Lift Up the Fallen» und «Infinite Light», aufgenommen mit Alba, Ricardo Luís Campos und Susana da Costa.
Der Titel des Projekts bezieht sich auf das Konzept der «integralen Ökologie», das für die Soziallehre von Papst Franziskus und seine Enzyklika Laudato si' von Bedeutung ist.
Si Tuvieras Fe
Im selben Jahr erschien die Reihe Si Tuvieras Fe, in der Padre Guilherme und KYD3N Musik des Künstlers Carlos Anderson, bekannt als «El Obama», neu bearbeiteten.
Dazu gehören elektronische Versionen von «El Grano de Mostaza» und «Protégeme Señor».
Solche Veröffentlichungen zeigen eine weitere wiederkehrende Arbeitsweise Peixotos — bereits existierendes religiöses Material als Grundlage für einen Club-Remix zu verwenden.
Košice und Papst Leo XIV.
Am 8. November 2025 trat Padre Guilherme vor dem Dom der Heiligen Elisabeth in Košice, Slowakei, auf.
Die Veranstaltung wurde anlässlich des 75. Geburtstags von Erzbischof Bernard Bober organisiert.
Während der elektronischen Show erschien auf einer großen Leinwand eine zuvor aufgezeichnete Botschaft von Papst Leo XIV. an junge Menschen. Anschließend wurden die Worte des Pontifex in das Musikprogramm integriert.
Videos der Veranstaltung verbreiteten sich erneut international. Papst Leo XIV. war allerdings nicht persönlich vor Ort — seine Beteiligung bestand in einer Videobotschaft.
We Want an Unarmed and Disarming Peace
Am 1. Januar 2026 erschien das Projekt We Want an Unarmed and Disarming Peace.
Der Titel wurde von einer Botschaft Papst Leos XIV. zum Weltfriedenstag inspiriert.
Die Veröffentlichung umfasst zwei Tracks:
- «We Want Peace» — Padre Guilherme und Diego Miranda feat. Liah Barrett;
- «Instrumento de Paz» — Padre Guilherme und Dre Guazzelli feat. Liah Barrett.
Beide Aufnahmen erschienen sowohl in kürzeren Radio-Versionen als auch als Extended Mixes für DJ-Sets.
Zum Gedenken an Papst Franziskus in Buenos Aires
Im April 2026 trat Padre Guilherme auf der Plaza de Mayo in Buenos Aires im Rahmen einer Veranstaltung zum ersten Todestag von Papst Franziskus auf.
Der Platz vor der Kathedrale, in der Jorge Mario Bergoglio vor seiner Wahl zum Papst tätig gewesen war, wurde zu einem Raum, in dem elektronische Musik, Videomaterial und aufgezeichnete Aussagen von Franziskus miteinander verbunden wurden.
Die Veranstaltung trug den Titel «Francisco vive en el encuentro».
Musikalischer Stil
Die Grundlage der heutigen Sets von Padre Guilherme bilden Melodic Techno, Techno und House.
Der charakteristischste Teil seiner musikalischen Sprache ist die Verwendung von Klangquellen, die in elektronischer Clubmusik gewöhnlich kaum vorkommen:
- Kirchenglocken;
- Chorgesang;
- Ausschnitte aus klassischer geistlicher Musik;
- katholische Gebete;
- Aufnahmen von Ansprachen der Päpste;
- portugiesische Volks- und Kirchenmusik.
Dabei schafft er jedoch kein abgeschlossenes eigenes Genre des «katholischen Techno». In den Sets von Padre Guilherme finden sich ebenso Produktionen gewöhnlicher elektronischer Künstler, darunter Melodic Techno, Progressive House und festivalorientierte Musik.
Die religiösen Elemente erfüllen vor allem eine dramaturgische Funktion und spiegeln die persönliche Identität des Künstlers wider.
Wichtige Veröffentlichungen
- 2022 — «Ave Maria» — Karetus feat. Padre Guilherme und Ricardo Luís Campos;
- 2023 — Póvoa Bendita — EP;
- 2023 — TODOS TODOS TODOS — EP;
- 2024 — «CITADEL» — mit Ginchy;
- 2024 — «The Church Bells» — mit Ebmath;
- 2024 — «Selfish Love II» — Padre Guilherme Remix;
- 2024 — Live at Hï Ibiza: Jul 11, 2024 — DJ-Mix;
- 2025 — Veneremur Et Adoremus — mit Ebmath;
- 2025 — Integral Ecology;
- 2025 — Si Tuvieras Fe;
- 2026 — We Want an Unarmed and Disarming Peace.
Priester, Militärseelsorger und Musiker
Der musikalische Erfolg hat den zentralen Teil von Guilherme Peixotos Biografie nicht ersetzt. Offizielle kirchliche Verzeichnisse führen ihn weiterhin als Priester der Erzdiözese Braga und als Militärseelsorger der portugiesischen Streitkräfte.
In der Armee trägt er den Rang eines Oberstleutnants im Militärseelsorgedienst. Zu seiner militärischen Erfahrung gehören internationale Einsätze in Afghanistan und im Kosovo.
Gerade die Verbindung dieser Rollen erklärt viele Themen seiner Musik. Botschaften über Frieden, Solidarität und Versöhnung sind für Peixoto nicht nur mit seiner religiösen Tätigkeit verbunden, sondern ebenso mit seinen unmittelbaren Erfahrungen im Umfeld von Soldaten.
Künstlerischer Weg
Die Geschichte von Padre Guilherme entwickelte sich nahezu in umgekehrter Reihenfolge zu den Karrieren der meisten elektronischen Künstler. Er begann nicht als junger Club-DJ, der später eine ungewöhnliche Bühnenidentität fand. Als Guilherme Peixoto ein professionelles Musikprojekt entwickelte, war er bereits seit vielen Jahren katholischer Priester, Organisator des Gemeindelebens und Militärseelsorger.
Seine DJ-Karriere entstand aus einer konkreten Aufgabe innerhalb der Pfarrei: Menschen zusammenzubringen und Geld für die örtliche Gemeinschaft zu sammeln. Vom Abspielen von Musik über einen Laptop bei Ar de Rock führte sein Weg über professionelle Ausbildung, elektronische Sets und Livestreams während der Pandemie schließlich auf große Festivalbühnen.
Der Weltjugendtag 2023 vergrößerte den Umfang dieser Tätigkeit erheblich, das Grundprinzip blieb jedoch unverändert. Padre Guilherme nutzt moderne elektronische Musik nicht als Ersatz für sein priesterliches Amt, sondern als parallele Sprache der Kommunikation mit einem Publikum, das sich gewöhnlich außerhalb des kirchlichen Umfelds bewegt.
