
MELOVIN (bürgerlicher Name Konstantin Nikolajewitsch Bocharov, geb. am 11. April 1997 in Odessa, Ukraine) ist ein ukrainischer Sänger, Songwriter, Musiker und Produzent. Er gewann die 6. Staffel von „X-Faktor“ sowie die 2. Staffel von „The Mask“. Er vertrat die Ukraine beim Eurovision Song Contest 2018 und belegte dort den 17. Platz; im Televoting der Zuschauer gehörte er jedoch zu den auffälligen Favoriten des Finales (starkes Publikumsergebnis bei niedriger Jurywertung).
Frühe Jahre: Odessa, Theater und Bühnendisziplin
MELOVIN wurde in Odessa geboren und wuchs dort auf. Seine Familie hatte keine Verbindung zum Showbusiness: Seine Mutter, Valentyna Wolodymyriwna Bocharova, arbeitete als Buchhalterin, sein Vater, Mykola Wolodymyrowytsch Bocharov, als Fahrer. Die erste emotionale Begegnung mit Musik fand sehr früh statt: Mit vier Jahren schenkte ihm seine Großmutter eine Spieluhr mit Beethovens „Für Elise“ – dieses Bild gilt häufig als „Einstiegspunkt“ in das musikalische Denken des späteren Künstlers.
Ab 2003 besuchte er die Schule Nr. 27 in Odessa: Er sang im Schulchor, spielte in Aufführungen mit, schrieb Skripte und übte ständig Auftritte – bis hin zu „Minikonzerten“ in den Pausen. Entscheidend ist, dass die Bühne nicht zufällig in sein Leben trat, sondern als tägliche Gewohnheit und natürliche Form der Kommunikation.
2009 trat Konstantin in die Schule des Volkstheaters „Samotsvity“ ein, wo er eine solide Schauspielgrundlage erhielt. Seine Lehrerin war Mariia Hryhoriwna Stelmakh, später dann die Verdiente Künstlerin der Ukraine Nataliia Jewheniïwna Buzko (Schauspielerin der Comedy-Truppe „Maski-Show“). Er wurde Preisträger städtischer Schauspielwettbewerbe und moderierte städtische Veranstaltungen – er entwickelte also nicht nur seine Stimme, sondern auch seine Bühnenkompetenz: Vortrag, Psychologie und Kontakt zum Publikum.
Nach dem Abschluss der Theaterschule mit Auszeichnung (2012) sammelte er Erfahrungen hinter den Kulissen – als Assistenz des Set-Administrators der Serie „Der längste Tag“. Ein selten erwähnter Punkt, der zeigt: MELOVIN verstand schon früh, dass Musik und Bühne auch Organisation und Arbeitsprozesse bedeuten.
Pseudonym und Team: die Geburt der Marke MELOVIN
2013 entstand das Pseudonym Melovin und das Team „Big House Melovin“ wurde gegründet. Der Künstler erklärt den Namen als Anspielung auf zwei Begriffe: Halloween und den Nachnamen des Designers Alexander McQueen. Wichtig ist nicht nur die Information, sondern die Bedeutung: Der Künstlername wurde von Anfang an als stilistischer Code angelegt – an der Schnittstelle von Dramatik, Mode und Theatralik.
Im September 2015 begann er sein Studium am R. M. Glier Kyjiwer Institut für Musik und festigte damit seinen Anspruch auf professionelle musikalische Entwicklung.
„X-Faktor“ (2015): der Moment nationaler Bekanntheit
2015 nahm Konstantin an der 6. Staffel von „X-Faktor“ teil und schaffte es in das TV-Casting. Ein wichtiges erzählerisches Detail ist die Unterstützung seiner Großmutter, die für ihn der stärkste Antrieb zur Teilnahme war.
Mentor der Kategorie „Jungs“ war Igor Kondratjuk: Er hob Ausdauer und Talent des Teilnehmers hervor und nahm ihn in sein Team auf. Während der Staffel geriet MELOVIN kein einziges Mal in die Ausscheidungszone – ein Zeichen für stabile Zuschauerunterstützung.
Im Finale trat er im Duett mit Jamala auf und sang ihren Song „Zaplutalas“. Am 26. Dezember 2015 erhielt er beim Galakonzert den Titel des Siegers der Staffel – das wurde zur Grundlage seiner weiteren Karriere als Solokünstler.
2016–2017: erste Veröffentlichungen und der Schritt in Richtung Internationalität
2016 veröffentlichte MELOVIN offiziell seine Debütsingle „Ne odynoka“.
2017 wurde er Finalist der nationalen Auswahl für den Eurovision Song Contest 2017 mit dem Song „Wonder“. Entscheidend: Er erhielt die maximale Zahl an Zuschauerstimmen (60.000), belegte jedoch Platz 2, weil Jury und Publikum unterschiedlich bewerteten. Das ist ein früher Marker seiner Laufbahn: starke Unterstützung durch die Fans + ambivalente professionelle Bewertung, was sich später auch bei Eurovision 2018 zeigte.
Nach der Auswahl präsentierte er den Track „Unbroken“, der ebenfalls Spitzenpositionen in den Charts erreichte und zwei Wochen lang auf Platz eins blieb.
Am 10. November 2017 erschien die Debüt-EP Face to Face (Label BIG HOUSE MELOVIN). Die EP ist wichtig als Manifest: Sie setzt auf Stilmischung – von Pop-Formen bis zu alternativen Nuancen. Sechs Tracks, einer davon auf Ukrainisch („Svit v poloni“), die übrigen auf Englisch. Die Premiere fand im Atlas statt.
Eurovision 2018: der Durchbruch als „Visitenkarte“
2018 wurde MELOVIN mit dem Song „Under the Ladder“ Vertreter der Ukraine beim Eurovision Song Contest.
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17. Februar 2018: Sieg im 2. Halbfinale der nationalen Auswahl (17 Punkte: 8 Jury + 9 Zuschauer).
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24. Februar 2018: Sieg im Finale der nationalen Auswahl (11 Punkte: 5 Jury + 6 Zuschauer).
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30. April 2018: Veröffentlichung des offiziellen Musikvideos zu „Under the Ladder“ (Regie: Taras Holubkov).
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In Lissabon erreichte er das Finale und belegte Platz 17. Die Ergebnisse zeigten einen starken Kontrast: 11 Punkte von der Jury und 119 vom Televoting, wo er deutlich besser abschnitt.
Dieser Kontrast ist ein zentraler Punkt: MELOVIN ist ein Künstler, der einen Bühneneffekt erzeugen kann, der das Massenpublikum packt – selbst dann, wenn professionelle Jurys zurückhaltender reagieren.
Octopus (2018–2019): gereiftes Klangbild und Konzeptalbum
Nach Eurovision veröffentlichte MELOVIN die Single „That’s Your Role“ (27. August 2018) und markierte damit eine Veränderung seines visuellen Codes (unter anderem durch den Wechsel der Kontaktlinse – ein Detail, das den Imagewandel betonte).
Der entscheidende Schritt war das Album Octopus, erschienen am 25. Oktober 2019 (Label BIG HOUSE MELOVIN). Das Konzept ist in die Struktur „eingewoben“: 8 Tracks als Anspielung auf die „acht Beine“ eines Oktopus. In der Tracklist sind 6 Songs auf Englisch und 2 auf Ukrainisch; jede Komposition wird als eigene Geschichte präsentiert. Die Premiere fand im Atlas vor 1500 Zuschauern statt.
Nach 2020: TV-Sieg, neue Eurovision-Anläufe und Expertenstatus
2021 nahm MELOVIN an der Show „The Mask“ teil (Kostüm: Giraffe) und gewann das Finale am 25. Dezember 2021. Damit bestätigte er seine Stärke nicht nur im „Song-Contest“-Format, sondern auch in TV-Shows, in denen Image, Spannung und vokale Disziplin entscheidend sind.
2024 versuchte er erneut, die Ukraine beim Eurovision Song Contest zu vertreten: Er wurde Finalist der nationalen Auswahl mit dem Song „Dreamer“ und belegte den 3. Platz.
2025 wurde MELOVIN als ukrainisches Jurymitglied für den Eurovision Song Contest 2025 ausgewählt – per Abstimmung in der App Diia. Er vergab seine höchste Punktzahl an Deutschland (Duo Abor & Tynna — „Baller“), die zweite an Estland (Tommy Cash — „Espresso Macchiato“) und die dritte an Luxemburg (Laura Thorn — „La poupée monte le son“). Das ist bereits die Rolle eines professionellen Jurors innerhalb des Wettbewerbssystems.
Privatleben und öffentliche Haltung
Am 5. Juli 2021 beim Atlas Weekend (Kyjiw) outete sich MELOVIN als bisexuell: Auf der Bühne küsste er eine Frau und einen Mann und hob anschließend eine Regenbogenflagge. Nach dem Auftritt kritisierte er öffentlich, dass der Moment nicht in der Live-Übertragung des Senders M1 gezeigt wurde. Die Episode festigte sein Image als Künstler, der die Bühne nicht nur als Show, sondern auch als Ort für Statements versteht.
Am 23. November 2025 verlobte er sich auf dem Maidan Nesaleschnosti mit dem Sanitäter der ukrainischen Streitkräfte Petro Zlotei – ein Ereignis mit symbolischer Wirkung, das seine persönliche Geschichte als Teil seines öffentlichen Bildes weiter in den Fokus rückte.
Diskografie
Alben
| Jahr | Titel | Veröffentlichungsdatum | Label | Format |
|---|---|---|---|---|
| 2019 | Octopus | 25. Oktober 2019 | BIG HOUSE MELOVIN | Digitaler Download |
EPs
| Jahr | Titel | Veröffentlichungsdatum | Label | Format |
|---|---|---|---|---|
| 2017 | Face to Face | 10. November 2017 | BIG HOUSE MELOVIN | Digitaler Download |
Singles (solo)
| Jahr | Titel | Album |
|---|---|---|
| 2016 | Ne odynoka | Nicht auf einem Album |
| 2016 | Na vzlit | Nicht auf einem Album |
| 2017 | Wonder | Face to Face |
| 2017 | Hooligan | Face to Face |
| 2017 | Unbroken | Nicht auf einem Album |
| 2017 | Svit v poloni | Face to Face |
| 2018 | Under The Ladder | Octopus |
| 2018 | That’s Your Role | Octopus |
| 2018 | Z toboiu, zi mnoiu, i hodi | Octopus |
| 2018 | Chudova myt | Nicht auf einem Album |
| 2019 | Ty | Octopus |
| 2019 | Oh, No | Octopus |
| 2019 | Expectations | Octopus |
| 2019 | Your Entertainment | Octopus |
| 2019 | Want You To Stay | Octopus |
| 2020 | Vitryla | Nicht auf einem Album |
| 2020 | Dance With The Devil | Nicht auf einem Album |
| 2021 | I krov kypyt | Nicht auf einem Album |
| 2021 | Kit i drama | Nicht auf einem Album |
| 2022 | Ne zvolikai | Nicht auf einem Album |
| 2022 | Meni ne dzvony | Nicht auf einem Album |
| 2023 | Don’t heed you love | Nicht auf einem Album |
| 2023 | Odyn ne odyn | Nicht auf einem Album |
| 2024 | Dreamer | Nicht auf einem Album |
| 2024 | Vbyvaiesh mene | Nicht auf einem Album |
| 2025 | Tvoia vyna | Nicht auf einem Album |
Singles (Kollaborationen)
| Jahr | Titel | Künstler | Album |
|---|---|---|---|
| 2017 | Shliakh | Ruzhynski ft. MELOVIN | Nicht auf einem Album |
| 2021 | Taiemnyi znak | MELOVIN ft. SOWA | Nicht auf einem Album |
| 2024 | Obratynu sebe | MELOVIN ft. iSKra | Nicht auf einem Album |
| 2024 | Zodiak | MELOVIN ft. SWOIIA | Nicht auf einem Album |
Musikvideos
| Jahr | Titel | Regie | Album |
|---|---|---|---|
| 2016 | Na vzlit | Oleksandr Tonkonoh | Nicht auf einem Album |
| 2017 | Hooligan | Konstantin Bocharov | Face to Face |
| 2018 | Under The Ladder | Taras Holubkov | Octopus |
| 2019 | Z toboiu, zi mnoiu, i hodi | Yurii Katynskyi | Octopus |
| 2019 | Ty | Taras Holubkov | Octopus |
| 2020 | Vitryla | Vlad Razyhovskyi | Nicht auf einem Album |
| 2021 | I krov kypyt | Yurii Dvyzhon | Nicht auf einem Album |
| 2021 | Taiemnyi znak | Taras Holubkov | Nicht auf einem Album |
Auszeichnungen und Nominierungen
| Jahr | Preis | Kategorie | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| 2016 | Favorit Uspikhu | Junges Talent des Jahres | Sieg |
| 2017 | YUNA | Entdeckung des Jahres | Nominierung |
| 2019 | M1 Music Awards | Durchbruch des Jahres | Sieg |
| 2019 | M1 Music Awards | Sänger des Jahres | Nominierung |
| 2020 | YUNA | Bester Künstler | Nominierung |
| 2020 | Zolota Zhar-ptytsia | Sänger des Jahres | Nominierung |
| 2020 | Zolota Zhar-ptytsia | Hit des Jahres — „Ty“ | Nominierung |
Weitere Tätigkeiten: Film, Synchron und Musikvideos
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Filmografie: 2019 — „Novenka“ (Cameo)
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Ukrainische Synchronarbeit:
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2018 — „Hotel Transsilvanien 3“ (Kraken)
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2023 — „Ruby Gillman: Teenage Kraken“ (Trevin)
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Regie eines Musikvideos: „Hooligan“ (2017) — Regie: Konstantin Bocharov (also der Künstler selbst).
Redaktionelles Fazit
MELOVIN ist ein Beispiel für einen Künstler, für den die Bühne ein Raum der Ehrlichkeit und Selbstentfaltung ist. Sein Weg führt vom TV-Format zu einer eigenen künstlerischen Identität, in der Musik, Image und persönliche Haltung zu einem stimmigen, autorengeprägten Projekt zusammenfinden.