
Das Duo „ЯR“ wurde zu einem der ungewöhnlichsten und künstlerisch eigenständigsten Projekte der frühen 2000er Jahre. Die Gründer — Julia Osina-Friedman, Studentin der Regiefakultät am WGIK, und Sergej Guanín, professioneller Designer mit feinem musikalischen Gehör — trafen sich nicht zufällig. Sie waren äußerlich zu unterschiedlich, um sich zu ähneln, und innerlich zu ähnlich, um aneinander vorbeizugehen.
Ihre Begegnung führte zur Entstehung eines Projekts, in dem Musik nicht Handwerk, sondern ein Weg wurde, die innere Welt zu öffnen — komplex, widersprüchlich und gerade deshalb wahrhaftig.
Entstehung des Duos
Am 2. Februar 2002 gründeten Julia und Sergej das kreative Projekt „ЯR“ — zwei verschiedene „Ich“, verbunden durch eine gemeinsame Energie, eine gemeinsame Idee, einen gemeinsamen künstlerischen Atem.
Der Name spiegelte ihr Wesen wider:
- zwei Persönlichkeiten, zwei Pole, zwei Welten;
- ein Klang, ein künstlerischer Code.
Ihre Arbeit war eine perfekte Symbiose:
Wenn Julia das visuelle Bild und die Texte entwarf — gab Sergej ihnen musikalische Form.
Wenn Sergej eine Melodie schrieb — verwandelte Julia sie in eine Geschichte, ein Bild, eine Stimmung.
Alles — Musik, Texte, Arrangements — entstand ausschließlich durch ihre eigene Arbeit. Externe Beteiligung war für das Duo ausgeschlossen.
Julia Osina-Friedman
Julia ist nicht nur Autorin, Poetin und Sängerin. Ihre Regieausbildung verlieh dem Projekt ein besonderes filmisches Maß.
Für sie war jedes Lied ein Mini-Film — eine Geschichte mit Dramaturgie, Atmosphäre und visueller Struktur.
Später arbeitete Julia aktiv im Film- und Werbebereich und bewahrte dabei ihre innere musikalische Inspiration.
Sergej Guanín
Sergej ist Komponist, Melodiker, Produzent und Designer zugleich.
Er schuf den musikalischen Stil von „ЯR“:
zart und zerbrechlich, aber emotional scharf;
elektronisch, aber lebendig;
minimalistisch, aber eindringlich.
Später komponierte er für bekannte Künstler und wurde einer der gefragtesten Autoren der frühen 2000er.
Partnerschaften und kreative Zusammenarbeit
Die kreative Ausstrahlung des Duos zog schnell die Aufmerksamkeit der Branche an. Ihre Freunde und Verbündeten wurden:
- Lena Kiper, eine der markantesten Autorinnen der Epoche
- Oleg Borschtschewski (Gruppe „Nitschi“), ästhetisch nahestehend
Gemeinsam arbeiteten sie an Songs, die später zu Hits wurden — unter anderem für:
- Lolita („Orientierung — Nord“, „Bleibt nur die Hoffnung“)
- Slawa
- Nastja Sadoroschnaja
- Svetlana Loboda
- und weitere Künstler der frühen 2000er Jahre
Viele dieser Tracks liefen später auf großen Radiosendern und erreichten Chartplatzierungen.
Teilnahme an Wettbewerben und Anerkennung
Das Duo nahm an Festivals, Projekten und TV-Wettbewerben teil. Besonders wichtig war das Halbfinale des Wettbewerbs „5 Sterne“ des Ersten Kanals — eine Bühne, auf der man wirklich starke Projekte entdeckte.
Ihre Zartheit, charismatische Ausstrahlung und fast intime Atmosphäre machten „ЯR“ einzigartig unter den Teilnehmern.
Auflösung — ein natürlicher Schritt
Mitte der 2000er wuchsen Julia und Sergej als Künstler. Sie fanden ihre eigenen Wege, und die Entscheidung, das Projekt zu beenden, war organisch und logisch.
Gleichzeitig blieben sie befreundet und kooperieren gelegentlich noch heute.
Diskografie des Duos „ЯR“
Hier eine vollständige Übersicht der bekannten Tracks, Radioversionen und Live-Materialien.
Alben & Releases
„ЯR“ — Debütrelease (2002–2003)
(unter Fans als „Weißes ЯR-Album“ bekannt)
Enthielt frühe Songs und Demos:
- „Orientierung — Nord“ (Demo)
- „Leise Schritte“
- „Träume von dir“
- „Pause“
- „Ein anderes Leben“
„Spiel der Reflexionen“ (Arbeitstitel, 2003–2004)
Ein experimenteller Mini-Release:
- „Reflexion“
- „Ich verschwinde“
- „Silberner Traum“
- „Zwischen uns“
Er erschien nur digital in begrenztem Fan-Kreis.
Singles & bekannte Tracks
- „Geheimnis des Namens“
- „Regen am Fenster“
- „Lass mich bei dir“
- „Das Herz schläft nicht“
- „Ich habe dich erfunden“
Viele Songs wurden nie offiziell veröffentlicht — nur in Demo- oder Bootlegform.
Seltene und wenig bekannte Fakten über „ЯR“
1. Das erste Logo von „ЯR“ war ein Entwurf von Sergej — Julia bestand darauf, es unverändert zu lassen.
2. Bei einer der ersten Studiosessions nahm Julia den Gesang im Kleiderschrank auf — wegen fehlender Isolierung.
3. „Orientierung — Nord“ gelangte zufällig zu Lolita — sie verliebte sich sofort in das Demo.
4. Das Duo nutzte nie fremde Arrangeure — alles wurde selbst produziert.
5. Es existieren etwa zehn unveröffentlichte Songs im privaten Archiv der Künstler.
6. Sie erreichten den Wettbewerb „5 Sterne“ ohne Produzenten — für damalige Zeiten fast unmöglich.
7. Einer ihrer Songs wurde in Julias WGIK-Studentenfilm verwendet — dort hörten viele Branchenkollegen sie zum ersten Mal.
8. Obwohl das Duo oft als „elektronisch“ bezeichnet wird, beschrieben sie ihren Stil selbst als „Filmpoesie zur Musik“.
Das Duo „ЯR“ hinterließ eine spürbare Spur in der Musikkultur der frühen 2000er — nicht durch Charts, sondern durch Aufrichtigkeit, künstlerische Integrität und die einzigartige Vereinigung zweier kreativer Welten. Ihre Musik bleibt ein Echo jener Epoche, in der Projekte aus Kunst entstanden, nicht aus Hype.